Es gibt Tage, die sich gleichen wie Tropfen, und doch fließt jeder ein anderes Wasser. Am Freitag erklärte Donald Trump im Netzwerk die Übergangsvereinbarung mit Iran erneut für beendet, in Großbuchstaben, und ließ zugleich mitteilen, man werde weiter über ein dauerhaftes Ende des Krieges verhandeln. Vorbei und offen, im selben Atemzug. Heraklit hätte darin sein altes Gesetz wiedererkannt: dass niemand zweimal in denselben Fluss steigt, weil das Wasser ein anderes ist, während das Bett dasselbe bleibt. Dieser Krieg ist das Bett. Die Erklärungen sind das Wasser.
Recherchen ergaben, dass Washington von Teheran nun eine öffentliche Erklärung fordert, die Straße von Hormus sei offen und Schiffe würden dort nicht länger angegriffen. Ranghohe amerikanische Vertreter führten die Wiederaufnahme der Schläge in dieser Woche darauf zurück, dass eine eigenmächtige Gruppe iranischer Hardliner den Waffenstillstand habe hintertreiben wollen. Die Führung in Teheran habe den Amerikanern sogar bedeutet, die Angriffe auf Schiffe seien ein Fehler gewesen, und hoffe, trotzdem weiterzuverhandeln. Trump habe es nicht gekümmert, dass die Schüsse aus einer Splittergruppe kamen; er habe mit stärkeren Gegenschlägen geantwortet, um zu zeigen, dass es Folgen gebe, gleich wer dahinterstehe.

Wenige Augenblicke bevor die amerikanische Seite dies ausbreitete, erklärte Teherans Gesandter bei den Vereinten Nationen, jede Tätigkeit in der Meerenge, ihre Öffnung wie die Räumung von Minen, liege ausschließlich bei Iran. Jeder Versuch von außen, dort eine Ordnung zu errichten, verletze die Vereinbarung. Iran verlangt inzwischen die alleinige Herrschaft über die Straße und Gebühren von den Schiffen, obwohl die Welt sie seit Jahrzehnten als internationales Gewässer ansieht. Vor dem Krieg passierte etwa 1 Fünftel des gehandelten Öls und Gases diese Enge. Der Preis, in Kriegszeiten bis auf 120 Dollar je Fass gestiegen, ist seither deutlich gefallen.

Hier zeigt sich, was ein Waffenstillstand wert ist, den zwei Seiten gegensätzlich lesen. Die eine verlangt ein öffentliches Bekenntnis, die andere erklärt zur selben Stunde das Gegenteil zur Bedingung. Man verhandelt nicht über einen Streit, man verhandelt über die Beschreibung der Lage, und solange die Beschreibungen einander ausschließen, ist kein Wort bindend. Jede Vereinbarung über das Atomprogramm, so hieß es weiter, verlange von Teheran die Herausgabe seines hoch angereicherten Urans. Komme keine zustande, habe man militärische Mittel, um es für immer unter der Erde zu halten; das Material liege seit den amerikanischen Schlägen des vergangenen Sommers verschüttet. Iran nennt sein Programm friedlich. Ein Atomabkommen werde man nie schließen, solange Iran den Waffenstillstand nicht einhalte und die Angriffe auf Schiffe nicht einstelle.
Der Ausgangspunkt liegt im späten Februar. Damals brach Trump die Gespräche über das Atomprogramm ab und begann den Feldzug, weil Teheran, wie er sagte, sein Programm wieder aufbaue und Raketen großer Reichweite entwickle. Der Krieg begann am 28. Februar. Zu Hause steht Trump nun unter dem Druck, ein Ende zu finden und jene lange Verstrickung im Nahen Osten zu vermeiden, gegen die er einst Wahlkampf geführt hatte. Bei den ersten Schlägen war Irans langjähriger Führer, Ajatollah Ali Chamenei, getötet worden, und seither tobt in Teheran ein Ringen um die Macht, das jede Zusage brüchig macht, kaum dass sie gegeben ist.

Am Freitag traf erneut Raketen iranisches Gebiet, und niemand bekannte sich dazu. Das amerikanische Regionalkommando teilte mit, es gebe keine neuen Vorgänge. Israel, das am Krieg teilnahm, beanspruchte keinen der jüngsten Angriffe. So bleibt offen, wer außer den Genannten das Land noch ins Visier nimmt. Ein iranischer Abgeordneter des Sicherheitsausschusses, früher Befehlshaber der Revolutionsgarde, warnte die Emirate, sie würden für ihre Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten einen Preis zahlen, und warf ihnen eine verdeckte Rolle bei den Schlägen vor. Die Angriffe vom Donnerstag trafen den Süden Irans, gerade als das Land Chamenei zu Grabe tragen wollte. Iran antwortete mit einer breiteren Salve über den ganzen Nahen Osten, gegen Bahrain, Jordanien, Kuwait und Katar. In Kuwait sei ein Mensch verletzt worden, als die Abwehr das anfliegende Feuer abfing.
Und während die Bomben fielen, reisten die Vermittler. Irans Außenminister wollte am Samstag in Oman mit seinem dortigen Kollegen über die Meerenge sprechen; die Türkei zeigte sich zuversichtlich, an diesem Wochenende lasse sich zwischen Iran und Oman eine Lösung finden. Die Vereinigten Staaten raten den Seeleuten weiter, südlich durch omanische Gewässer zu fahren. Der Herrscher der Emirate reiste nach dem iranischen Angriff sogleich nach Kuwait zum dortigen Emir. Katar und Pakistan vermitteln zwischen Teheran und Washington; Pakistans Regierungschef sprach am Freitag mit Irans Präsidenten und mit dem Emir von Katar und mahnte beide zur Zurückhaltung. In der Nacht zuvor hatte Israels Ministerpräsident mit Trump telefoniert, der ihn über die amerikanischen Schritte am Golf unterrichtete. Israels Verteidigungsminister wiederholte, man sei bereit, Iran entgegenzutreten; müsse man zurückkehren, kehre man mit noch größerer Wucht zurück.
Der Krieg scheint 2026 wieder der Vater aller Dinge zu sein, und er macht die einen zu Herren, die anderen zu Knechten. Wer ihn beginnt, glaubt, sein Vater zu bleiben. Doch dieser hier hat längst eigene Kinder gezeugt, Splittergruppen ohne Namen, Bomben ohne Absender, eine Meerenge, deren Öffnung jeder anders buchstabiert. Am Freitag war er vorbei, und am Samstag reisten die Vermittler. Morgen wird jemand erklären, er sei offen. Und täglich grüßt derselbe Krieg, nur das Wasser ist ein anderes.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English