Trump sucht einen verschwundenen Sullivan, Stevens findet einen Republikaner: Amerikas Wahltag gerät zur politischen Groteske

VonTEAM KAIZEN BLOG

3. November 2026

Donald Trump hat am Morgen des amerikanischen Wahltags einen möglichen Entführungsfall ausgerufen. Der Vermisste heißt Daniel J. Sullivan Jr., kandidiert in Alaska für den Senat und trägt beinahe denselben Namen wie der republikanische Amtsinhaber Dan S. Sullivan. Für den Präsidenten genügt diese Namensgleichheit inzwischen, um aus einem Wahlzettel eine Verschwörung zu machen. In einem nächtlichen Beitrag erklärte Trump, der angeblich falsche Kandidat sei verschwunden. Niemand könne ihn finden. Vielleicht hätten ihn korrupte demokratische Anwälte entführt, die aus Angst vor einer Strafverfolgung wegen Wahlbetrugs handelten.

Daniel J. Sullivan Jr. und Dan S. Sullivan, Republikaner

Die Geschichte hat einen erheblich prosaischeren Ausgangspunkt. Sullivan, ein pensionierter Grundschullehrer aus Petersburg, wurde nach Angaben von Ortsansässigen bereits am vergangenen Montag beim Besteigen eines Flugzeugs nach Anchorage gesehen. Ein Bekannter berichtete außerdem, Sullivan und seine Frau seien für ausgedehnte Reisen bekannt. Sein weiterer Aufenthaltsort blieb zunächst ungeklärt. Eine Entführung belegt das nicht. Trump bevorzugt eine Welt, in der selbst eine Flugreise zum Gegenstand strafrechtlicher Fantasien taugt. Hinter dem Streit steht ein ernstes Wahlrennen. Mary Peltola fordert den republikanischen Senator heraus. Der parteiunabhängige Daniel J. Sullivan Jr. steht ebenfalls auf dem Stimmzettel. Recherchen zufolge hätten Personen mit Verbindungen zu Peltolas Wahlkampf seine Kandidatur unterstützt. Peltola bestreitet, davon gewusst zu haben; auch die Demokraten weisen eine Beteiligung zurück. In Alaska laufen Untersuchungen zu den Umständen der Kandidatur. Eine strafrechtliche Schuld ist damit keineswegs festgestellt.

Trump hatte bereits behauptet, die Demokraten wollten den Senatssitz mithilfe eines falschen Sullivan stehlen. Die Wähler könnten die beiden Namen angeblich nicht auseinanderhalten. Der Präsident empfahl deshalb ausdrücklich Dan S. Sullivan, dazu Bernadette Wilson für das Gouverneursamt und Nick Begich für das Repräsentantenhaus. Seine Begründung fiel gewohnt bescheiden aus: Niemand habe mehr für Alaska getan als Trump selbst. Ein Wähler in Anchorage betrachtete den Stimmzettel dagegen und erklärte trocken, die Unterscheidung sei eindeutig. Sogar ohne Brille.

Während Trump in Alaska nach einem angeblich Entführten sucht, zerlegt in Michigan eine demokratische Abgeordnete ihre eigene politische Vergangenheit. Haley Stevens verlor die Senatsvorwahl gegen Abdul El-Sayed, versprach anschließend Unterstützung und stellte sich zwei Tage vor der Wahl demonstrativ an die Seite seines republikanischen Gegners Mike Rogers. Gemeinsam besuchten sie am Sonntag einen Gottesdienst in Detroit. Die öffentliche Unterstützung überraschte selbst Teile ihres eigenen Mitarbeiterstabs.

Der Bruch hatte eine Vorgeschichte. Haley Stevens kritisierte El-Sayeds Äußerungen zu Israel und verlangte eine Distanzierung von einer Wahlwerbung, die amerikanische Unterstützung für Israel mit Lebensmittelpreisen verband. Auch die Auftritte des politischen Kommentators Hasan Piker an El-Sayeds Seite störten sie. Debbie Dingell lud Stevens schließlich von einer geplanten gemeinsamen Kirchenveranstaltung mit El-Sayed und James Clyburn aus. Rogers erschien als politischer Ersatz mit erstaunlich kurzer Anlaufzeit.

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In ihrer Erklärung behauptete Stevens, El-Sayed habe sie aus seinem Wahlkampf ausgeschlossen; sie könne ihn deshalb nicht länger unterstützen. Noch kurz zuvor hatte sie führenden Demokraten versichert, an seiner Seite zu bleiben. Ihr 890 Wörter umfassendes Schreiben vom Montag bezeichnete die Entscheidung als Gewissensfrage. Darin erklärte sie, El-Sayed sei für das Senatorenamt ungeeignet. Berichte charakterisierten den Text als mithilfe künstlicher Intelligenz verfasst. Ein unabhängiger Nachweis dafür liegt nicht vor.

Am Dienstag erschien Stevens mit ihrer Mutter in einem Wahllokal in Birmingham, Michigan. Sie trug einen auffälligen Strohhut, der ihr Gesicht teilweise verdeckte. Auf die Frage einer Reporterin, ob sich die Unterstützung für Rogers gelohnt habe, sprach sie lieber von der Familientradition des gemeinsamen Wählens. Sie nannte den Wahltag einen Tag der Mehrheitsmacher, berichtete von einem Gespräch mit Hakeem Jeffries und verwies auf ihre schriftliche Erklärung. Auf erneute Nachfrage antwortete sie, Wählen lohne sich immer. Die Frage hatte eine andere Richtung.

Der Vorsitzende der Demokraten in Michigan, Curtis Hertel, erklärte, Stevens gehöre der Partei nicht mehr an und werde künftig auch nicht dazugehören. Nahezu 24 frühere Wahlkampfmitarbeiter warfen ihr in einem offenen Brief eigennütziges und beschämendes Verhalten vor. Ihr langjähriger Büroleiter Justin German legte sein Amt nieder, weitere Beschäftigte verließen ihr Team. Besonders bitter fiel ihr eigener politischer Richtungswechsel ins Gewicht: Noch während der Vorwahl hatte Stevens Rogers als Politiker kritisiert, der Trumps Kurs bedenkenlos absegnen würde.

In Alaska soll ein Name die Demokratie bedrohen, in Michigan soll eine persönliche Abrechnung zur Gewissensentscheidung geworden sein. Beides geschieht unmittelbar vor einer Wahl, bei der die Kontrolle über den Kongress auf dem Spiel steht. Trump verlangt von den Wählern, auf einen einzelnen Buchstaben im Namen Sullivan zu achten. Stevens möchte dagegen, dass niemand ihre eigene Unterschrift unter eine republikanische Wahlempfehlung allzu genau betrachtet.

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