Über Jahrzehnte gehörte es zu den festen Bestandteilen des amerikanischen Einwanderungssystems, dass Menschen, die sich legal in den Vereinigten Staaten aufhielten, ihren Aufenthaltsstatus direkt im Land ändern konnten. Wer die Voraussetzungen erfüllte, musste nicht zwangsläufig Koffer packen, das Leben zurücklassen und in ein anderes Land fliegen, um dort auf Behördenentscheidungen zu warten. Studenten gingen nach dem Studium in Arbeitsprogramme über, Menschen mit Arbeitsvisa bauten sich Karrieren auf, Ehepartner amerikanischer Staatsbürger beantragten dauerhafte Aufenthaltsrechte, Flüchtlinge und Menschen mit Schutzstatus versuchten Schritt für Schritt Stabilität in ihr Leben zu bringen. Für viele war dieser Weg kein Sonderfall, sondern eine seit Jahrzehnten gelebte Praxis.

Nun will die Trump-Regierung genau an dieser Stelle eingreifen. Die amerikanische Einwanderungsbehörde USCIS kündigte am Freitag überraschend eine Änderung an, die innerhalb weniger Stunden Verwirrung und Sorge auslöste. Ausländer, die sich vorübergehend in den Vereinigten Staaten aufhalten und eine Green Card beantragen möchten, sollen künftig grundsätzlich das Land verlassen und den Antrag in ihrem Herkunftsland stellen. Nur in sogenannten außergewöhnlichen Umständen soll es Ausnahmen geben. Was genau als außergewöhnlich gilt, blieb zunächst weitgehend offen.
Schon kurz nach Bekanntwerden der Ankündigung begann hektische Aktivität bei Einwanderungsanwälten und Hilfsorganisationen. Telefonleitungen liefen heiß, E-Mail-Postfächer füllten sich. Menschen wollten wissen, ob Ehepartner plötzlich ausreisen müssen, ob laufende Verfahren betroffen sind oder ob Familien auseinandergerissen werden könnten. Viele dieser Fragen blieben zunächst unbeantwortet. USCIS erklärte, man kehre damit zum ursprünglichen Zweck des Gesetzes zurück. Menschen mit Studentenvisa, zeitlich begrenzten Arbeitsvisa oder Touristenvisa würden mit einem bestimmten Zweck in die Vereinigten Staaten kommen und sollten nach Erfüllung dieses Zwecks wieder ausreisen. Die Behörde erklärte sinngemäß, dass ein vorübergehender Aufenthalt nicht automatisch zum ersten Schritt einer dauerhaften Einwanderung werden solle.

Juristen sehen darin jedoch keine gewöhnliche Verwaltungsänderung. Doug Rand, früher Berater bei USCIS während der Biden-Regierung, formulierte seine Einschätzung ungewöhnlich deutlich. Nach seiner Auffassung sei das Ziel dieser Politik offen ausgesprochen worden. Führende Vertreter dieser Regierung hätten wiederholt erklärt, dass weniger Menschen dauerhafte Aufenthaltsrechte erhalten sollen, weil eine Green Card am Ende auch ein Weg zur amerikanischen Staatsbürgerschaft sei. Die möglichen Auswirkungen reichen weit über einzelne Behördengänge hinaus. Nach Zahlen des amerikanischen Heimatschutzministeriums wurden allein im Jahr 2024 etwa 1,4 Millionen Green Cards vergeben. Mehr als 820.000 davon gingen an Menschen, die sich bereits innerhalb der Vereinigten Staaten befanden und ihren Status dort ändern konnten. Seit mehr als zwanzig Jahren nutzten jährlich meist weit über eine halbe Million Menschen genau dieses Verfahren. Lediglich während der Corona-Zeit gingen die Zahlen zeitweise zurück.
Besonders deutlich werden die Folgen im familiären Bereich. Mehr als siebzig Prozent aller Menschen, die über eine Ehe eine Green Card erhielten, erledigten das Verfahren innerhalb der Vereinigten Staaten. Allein im Jahr 2024 betraf das ungefähr 250.000 Menschen. Für viele Familien könnte daraus eine Situation entstehen, die weit über juristische Fragen hinausgeht. Ein amerikanischer Staatsbürger könnte plötzlich erfahren, dass Ehepartner oder Ehepartnerin das Land verlassen müssen, um den Antrag außerhalb der Vereinigten Staaten fortzuführen. Kinder könnten von einem Elternteil getrennt werden. Familien, die seit Jahren gemeinsam leben, könnten gezwungen werden, ihr Leben über mehrere Länder hinweg fortzuführen.

Hilfsorganisationen warnen bereits vor genau diesem Szenario. Die Organisation World Relief erklärte, dass bestimmte Familien in eine Lage geraten könnten, aus der es praktisch keinen funktionierenden Ausweg gibt. Menschen könnten verpflichtet werden, zur Bearbeitung ihres Einwanderungsverfahrens in ihr Herkunftsland zurückzukehren, obwohl dort möglicherweise gar keine Visa bearbeitet werden oder die nötigen Strukturen fehlen.
Besonders kompliziert könnte die Lage für Menschen aus Ländern werden, die bereits von amerikanischen Einschränkungen betroffen sind. Die Trump-Regierung hat bereits Schritte unternommen, welche die Einreise aus zahlreichen Ländern begrenzen oder erschweren. In einigen Fällen bestehen vollständige Reiseverbote, in anderen wurden Visa-Verfahren eingeschränkt oder ausgesetzt. Dadurch entsteht eine Frage, die Anwälte bereits unmittelbar nach der Ankündigung stellten. Was passiert mit Menschen, die das Land verlassen müssen, aber anschließend möglicherweise gar nicht mehr zurückkehren können?
Afghanistan zeigt, wie kompliziert solche Fälle werden können. Die amerikanische Botschaft dort wurde nach dem Abzug amerikanischer Truppen im August 2021 geschlossen. Menschen aus Afghanistan verfügen damit nicht einmal über eine reguläre amerikanische Vertretung im eigenen Land, über die ein solches Verfahren durchgeführt werden könnte. Auch Shev Dalal-Dheini von der American Immigration Lawyers Association äußerte deutliche Kritik. Nach ihrer Einschätzung könnte die neue Regelung eine jahrzehntelange Praxis grundlegend verändern. Betroffen sein könnten Ehepartner amerikanischer Staatsbürger, Menschen mit humanitärem Schutzstatus, Arbeitsvisa-Inhaber, Ärzte, Fachkräfte, Studenten sowie religiöse Visa-Inhaber. Dazu kommt ein weiteres Problem. Bereits heute warten Menschen in manchen amerikanischen Konsulaten im Ausland länger als ein Jahr auf Termine. Sollten künftig Hunderttausende zusätzliche Verfahren hinzukommen, könnten die Wartezeiten weiter steigen.
Der Einwanderungsanwalt Robert O’Malley aus Michigan berichtete bereits kurz nach Veröffentlichung der Richtlinie von besorgten Mandanten. Menschen hätten gefragt, ob Ehepartner ausreisen müssen und ob Familien zusammenbleiben können. Seine Antwort fiel vorsichtig aus. Er erklärte, dass er selbst zunächst das neue sechsseitige Dokument prüfen müsse, bevor belastbare Empfehlungen möglich seien. Selbst bei angekündigten Ausnahmen blieb vieles offen. USCIS erklärte lediglich, dass Menschen mit wirtschaftlichem Nutzen oder besonderem nationalen Interesse wahrscheinlich weiterhin ihren bisherigen Weg nutzen könnten. Welche Berufsgruppen darunter fallen, blieb zunächst unklar. Ob hochqualifizierte Fachkräfte, Ärzte oder Menschen mit H-1B-Arbeitsvisa dazugehören, wurde nicht beantwortet.
Für Hunderttausende Menschen entstand damit innerhalb weniger Stunden eine Situation voller Unsicherheit. Es geht nicht nur um Formulare oder Aufenthaltsdokumente. Es geht um Wohnungen, Arbeitsplätze, Kinder, Ehen und Zukunftspläne. Es geht um Menschen, die ihr Leben bereits seit Jahren in den Vereinigten Staaten aufgebaut haben und die plötzlich mit einer Frage konfrontiert werden, auf die selbst viele Einwanderungsanwälte am Freitag noch keine Antwort geben konnten:
Muss ein Leben, das längst in Amerika stattfindet, künftig erst Amerika verlassen, um dort bleiben zu dürfen?
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Wie furchtbar! Hoffentlich gibt es da einen handwerklichen Fehler. Muss so eine Gesetzesänderung nicht von Senat und Kongress beschlossen werden?
Mein Account ist rudimentär gerettet Und für mich wichtig, er kann oder sie nicht an Bezahlfunktionen oder an mein WhatsApp. ZWEI Monate darf ich den Namen des Accounts von AI Mess nicht ändern. Wie finde ich Dich auf Instagram? All die tollen Menschen sind für mich gerade weg. Und das trifft mich hart. Und die Community vermisse ich sehr, weil ich ja immer noch keine Lösung für Mobilität habe und hybride Veranstaltungen und Mitgliederversammlungen selten sind. Und ich zu dem Thema noch viel lernen muss. Ich warte jetzt ab, ob der Hacker mich in Ruhe lässt. Grüsse bitte alle lieb von mir.
https://www.facebook.com/photo/?fbid=122235765266434116&set=a.122100076610434116 = alle von Dir herzlich gegrüßt incl Wasserstandsmeldung- Instagram haben wir, aber nutzen wir kaum, weil dort die Einspielvariante anders ist und uns für die Arbeit einfach die Zeit fehlt = https://www.instagram.com/the_kaizen_blog/ – Ist aber für die kommenden Monate geplant den Account auszuzubauen – Ganz liebe Grüsse
…hier die ersten Grüsse
Nun auch die Greencard und diverse andere Visa.
„…Nur in sogenannten außergewöhnlichen Umständen soll es Ausnahmen geben. Was genau als außergewöhnlich gilt, blieb zunächst weitgehend offen….“
Auf jeden Fall darf man sich nie Trump-kritisch geäußert haben.
Und bestimmte Länder, wie Trump es entscheidet, werden grundsätzlich ausgenommen sein.
Es werden erneut Millionen Menschen in den USA in eine emotionale und wirtschaftliche Unsicherheit gestossen.
Waskommt als Nächstes?
Überprüfung von Staatsbürgerschaften?
Wersich Trump-kritisch geäußert hat, dem wird ein „erschleichen“ der Staatsbürgerschaft vorgeworfen?
Ich davon aus, dass dagegen schon zig Klagen eingereicht worden sind?
Letztlichwird es wahrscheinlich vorm Marionetten Supreme Court entschieden…. in einigen Jahren.
Bis dahin bleibt die Angst und Unsicherheit. 😞
… komplett irre der typ und der schaden für amerika wird grösser und grösser