Russland will einen Teil seiner Beteiligung an Aeroflot verkaufen. Nach Angaben der staatlichen Vermögensverwaltung sollen 23,76 Prozent der Aktien des Unternehmens auf den Markt gebracht werden. Grundlage dafür ist ein Regierungsbeschluss vom 28. April. Bereits jetzt läuft die Suche nach einer juristischen Stelle, die den Verkauf organisieren soll. Bewerbungen werden vom 22. Mai bis zum 8. Juni angenommen. Die Entscheidung fällt in eine Situation, in der sich die Zahlen deutlich von den Erwartungen früherer Jahre unterscheiden. Nach Berechnungen des Ökonomen Sergej Aleksaschenko könnte der russische Staat bei diesem Geschäft einen Verlust von etwa zwölf Milliarden Rubel hinnehmen müssen.
Der Hintergrund reicht zurück in das Jahr 2020. Damals kaufte das russische Finanzministerium über den Nationalen Wohlfahrtsfonds große Teile der Aeroflot-Aktien, um das Unternehmen während der Krise rund um Covid zu stabilisieren. Der Preis lag damals bei sechzig Rubel pro Aktie. Heute liegt der Marktwert nach Angaben Aleksaschenkos bei ungefähr 47 Rubel. Da mehr als 944 Millionen Aktien verkauft werden sollen, entsteht aus der Differenz eine erhebliche Lücke. Was damals als staatliche Stabilisierung gedacht war, entwickelt sich nun zu einem Geschäft mit Verlust.

Die letzte größere Platzierung von Aeroflot-Aktien fand im Oktober 2020 statt. Damals nahm das Unternehmen insgesamt 80,04 Milliarden Rubel ein. Der russische Staat übernahm den größten Teil davon und investierte rund 50 Milliarden Rubel. Bis heute hält Russland weiterhin die Kontrolle über den Konzern. Der Staatsanteil liegt aktuell bei 73,8 Prozent. Mit dem geplanten Verkauf würde dieser Anteil kleiner werden, der Staat bliebe jedoch weiterhin klar bestimmender Eigentümer.
Der Vorgang zeigt zugleich ein Problem, das weit über eine einzelne Fluggesellschaft hinausgeht. Staatliche Eingriffe können Unternehmen kurzfristig stützen, doch Jahre später entscheidet der Markt über den tatsächlichen Wert einer Investition. Die Zahlen, die heute auf dem Tisch liegen, sehen deutlich anders aus als die Erwartungen, die im Herbst 2020 mit Milliardenbeträgen verbunden waren.
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