Wir haben über diesen Irrsinn bereits in unseren Kurznachrichten berichtet. Die Posse geht weiter, und sie ist inzwischen zu einem Strafverfahren gereift. David Hearn, siebenundsechzig Jahre alt, wohnhaft in Bethesda im Bundesstaat Maryland, dreimaliger Teilnehmer olympischer Sommerspiele im Kanurennsport, hat sich am Donnerstag vor dem Obergericht des Hauptstadtbezirks durch einen seiner Anwälte für nicht schuldig erklärt. Vergangenen Donnerstag hatte ihn eine Anklagejury wegen Sachbeschädigung angeklagt, ein Verbrechen nach amerikanischem Recht, gestützt auf einen einzigen Anklagepunkt und auf einen Schaden von angeblich mehr als tausend Dollar.

Der Ort der Tat ist das Wasserbecken vor dem Lincoln-Denkmal. Vor den Feiern zum zweihundertfünfzigsten Jahrestag der Unabhängigkeit ließ der Präsident es für sechzehn Millionen Dollar herrichten, und die Arbeiten misslangen von Anfang an. Man setzte Geräte ein, die feinste Bläschen erzeugen und Ozon ins Wasser tragen, um Algen und Bakterien abzutöten, denn das Becken war von einer Algenblüte befallen. Als blaue Brocken der neuen Beschichtung an der Oberfläche trieben, hieß es aus der Verwaltung, man werde das Becken wohl erneut leeren müssen, um die Auskleidung zu reparieren.
Für dieses Versagen fand der Präsident eine Erklärung, für die er keinen Beweis vorlegte. Vandalen hätten Dünger ins Wasser geschüttet und die Beschichtung mit einem Teppichmesser aufgeschlitzt. Vor zweieinhalb Jahrhunderten wurde bereits gefordert, die Strafe müsse zur Tat im Verhältnis stehen, und man hat gewarnt, dass eine Strafgewalt, die dieses Maß verliert, nicht mehr Recht spreche, sondern Furcht verbreite. Denn was Hearn getan hat, beschreibt er selbst so: Am 19. Juni hielt er auf einer Radfahrt von 103 Kilometern an dem Becken, griff hinein, um die abgelöste Versiegelung zu betrachten, berührte kurz ein Stück, das an der Wand hing, und ließ es wieder los, als ein Angestellter des Parks ihn dazu aufforderte. Danach hielten ihn Soldaten der Nationalgarde und Beamte der Parkpolizei fünf Stunden lang fest.

Die Bundesanwältin für den Hauptstadtbezirk, Jeanine Pirro, einst Moderatorin eines konservativen Nachrichtensenders und vom Präsidenten in ihr Amt berufen, sieht es anders. Hearn habe frisch aufgetragene Versiegelung herausgerissen und sich gegenüber einem Angestellten, der ihn zum Aufhören aufforderte, aufsässig verhalten. Die Verwüstung der Denkmäler und öffentlichen Räume der Nation sei ein Affront gegen die gemeinsame Geschichte. Das Gesetz gelte für alle gleich, sagte sie am Donnerstag, und wer es breche, habe die Folgen zu tragen. Vergangene Woche teilte sie überdies mit, sechs weitere Personen seien im Zusammenhang mit dem Beckenprojekt wegen Vergehen festgenommen worden.
Vor Gericht klang der Fall dann kleiner, als er in den Erklärungen ausgesehen hatte. Die Richterin Carmen McLean stellte Hearn nicht unter gerichtliche Aufsicht, während er auf seinen Prozess wartet; die nächste Anhörung ist für den fünften August angesetzt. Der Ankläger Kevin Reddington verlangte keine Aufsicht, sondern lediglich eine Anordnung, sich fernzuhalten, ohne im Saal zu sagen, wovon eigentlich. Mary Dohrmann, eine von Hearns Anwältinnen, nannte ihren Mandanten einen rechtschaffenen Bürger und ein Mitglied der Gemeinschaft und fügte hinzu, die Beweise der Regierung seien schwach.
Norman Eisen, der ihn ebenfalls vertritt, sagte nach der Sitzung, jeder Amerikaner müsse über diese Verfolgung beunruhigt sein. Es sei kein Verbrechen, das Wasserbecken zu berühren. Die Anklage beruhe, so seine Kanzlei in einer Erklärung, auf einer erfundenen Geschichte, und sie spiegele den Versuch der Regierung, die Schuld für eigenes Versagen zu verschieben. Das Rechtswesen sei da, um Tatsachen zu ermitteln, und nicht, um politische Deckung zu liefern.
Draußen vor dem Gerichtsgebäude standen Dutzende Unterstützer mit selbstgemalten Schildern und riefen seinen Namen. Eine Frau war in einem aufblasbaren Froschkostüm gekommen. Hearn trat vor die Kameras, lächelte und sagte kein Wort, hob die rechte Hand und ballte im Weggehen die Faust. Adam Van Grack, der dem amerikanischen Dachverband für Kanu- und Kajaksport vorstand, war unter den Jubelnden. Hearn habe jahrzehntelang freiwillig jenes Gelände des Nationalparkdienstes gepflegt, das den Kanuten als Trainingsstrecke am Potomac diente. Ein Mann, der sein Leben darauf verwandt habe, sein Land international zu vertreten und Eigentum des Nationalparkdienstes zu hüten, sei als bösartiger Zerstörer von Bundeseigentum eine Vorstellung, die dem Gewissen einen Schlag versetze und niemandem einleuchte, der ihn kenne.
So steht am Ende dieses Donnerstags ein Becken, das weiter blättert, ein Denkmal, dessen Vorplatz von Arbeitern gesäubert wird, und ein Siebenundsechzigjähriger, der sich wegen eines Verbrechens verantworten soll. Beccaria wusste, dass es kein sichereres Zeichen einer schwachen Macht gibt als eine harte. Wer sechzehn Millionen Dollar in ein Loch gießt und danach den Mann anklagt, der hineingriff, um zu sehen, was faul ist, hat einen Beweis geführt, nur nicht den beabsichtigten.
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