Der Hüter des Weltfußballs wollte ein Stück davon still und billig verkaufen, und nun droht ihm dafür die Anklagebank. Der europäische Verband UEFA bereitet in der Schweiz eine Strafanzeige gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino wegen strafbarer Misswirtschaft vor und nimmt möglicherweise weitere Funktionäre und Berater ins Visier. In Gerichtsunterlagen in den USA verlangt der Verband Dokumente von Joshua Kushner und dessen Firma Thrive Capital, ebenso vom amerikanischen Ableger der FIFA, während er zugleich auf Infantinos Sturz hinarbeitet.
Infantinos Vorhaben sah vor, 4 Milliarden Dollar einzunehmen, indem 20 Prozent der kommerziellen Rechte der FIFA verkauft würden. Die daraus folgende Bewertung der neuen Vermarktungsgesellschaft FIFA Forward Enterprise von 20 Milliarden Dollar nannte die UEFA in den Unterlagen „absurd niedrig“. Als führender Geldgeber war Thrive Eternal vorgesehen, ein Schwestervehikel von Thrive Capital. Dessen Gründer Joshua Kushner ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn Donald Trumps. Infantino hatte den Verkauf als lukrative Gelegenheit dargestellt, den Fußball weltweit weiter auszudehnen. Der Verkauf hätte das Geldgeschäft der FIFA von ihrer Rolle als Weltverband und Regelgeber des Sports gelöst. Auf Anfragen schwiegen Thrive und die FIFA zunächst.
Der juristische Schritt folgt auf einen langen Streit darüber, wie der Dachverband des Fußballs geführt werden soll, und trifft Infantino an seiner empfindlichsten Stelle, der Macht. In Monte Carlo berieten am Donnerstag die UEFA und ihre europäischen Verbündeten aus dem FIFA-Rat und den nationalen Verbänden das weitere Vorgehen. Die Teilnehmer hätten ihr den Rücken gestärkt, alle verfügbaren Wege zu beschreiten, um die FIFA wieder als Einrichtung zu führen und „nicht um eine einzelne Person herum“. Zunächst hatte der Verband mit einem Boykott sämtlicher Wettbewerbe der gemeinnützigen FIFA gedroht. Am Donnerstag ließ er seine Mannschaften dann doch zur U20-Weltmeisterschaft der Frauen nach Polen ziehen. Grund seien Zusicherungen der FIFA, das Projekt sei „unwiderruflich und dauerhaft zurückgezogen“ und werde in keiner Form wiederkehren. Diese Nachsicht aber werde „ständig überprüft“, eine Teilnahme an FIFA-Wettbewerben könne erneut infrage stehen, „wenn die Umstände es erfordern“.

Infantino hat eingeräumt, die Investitionspläne seien schlecht behandelt worden, und eine Überprüfung versprochen. Der UEFA genügt das nicht: sie fordert eine „wirklich unabhängige externe Untersuchung“, denn die FIFA könne nicht sich selbst prüfen und erwarten, dass die Fußballwelt das Ergebnis einfach schlucke. Im März stellen sich die FIFA-Mitglieder zur Abstimmung, und Infantino strebt eine weitere Amtszeit an. Einen Gegenkandidaten haben seine Widersacher bislang nicht, weshalb die UEFA ankündigte, mit Verbündeten nach einer „glaubwürdigen Alternative“ zu suchen. Viel Druckmittel bleibt kaum, denn die nächste Männer-Weltmeisterschaft, die pralle Kasse der FIFA, liegt 4 Jahre entfernt.
Gespalten hat der Plan den ganzen Sport. Gegen ihn standen die UEFA und die Verbände Amerikas samt der Karibik. Auf Infantinos Seite fanden sich der afrikanische Verband und zahlreiche Vertreter Südamerikas, hinzu kam der Nahe Osten. Auch Saudi-Arabien, von der FIFA als Gastgeber der Weltmeisterschaft 2034 gekürt, stärkte ihm den Rücken und verlangte zugleich Anerkennung für seinen Beitrag zum Fußball über fast ein Jahrzehnt. Der saudische Verband stützte die Bemühungen der FIFA-Führung, „die Einheit innerhalb der Fußballfamilie wiederherzustellen“.

UEFA und FIFA, die beiden Schwergewichte des Weltfußballs, streiten seit Langem über die Herrschaft im Spiel. Die Europäer verdienen Jahr für Jahr Milliarden mit der Champions League der Männer und richten alle 4 Jahre die Europameisterschaft aus. Die FIFA hängt am Tropf ihrer Weltmeisterschaft, deren Vierjahreszyklus bis Jahresende über 15 Milliarden Dollar einspielt, wie Infantino den Mitgliedern während des Turniers 2026 vorrechnete, und hat unter ihm ihr Geschäft im Klubfußball kräftig ausgeweitet. Um diese Summen wird nun gerungen, mit Anwälten statt mit dem Ball.
Fortsetzung folgt …
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Irgendwie klingt es nach Augenwischerei.
Ein Satz lässt mich stutzen „die UEFA findet die Bewertung absurd niedrig“
Ist es womöglich die niedrige Summe, die die UEFA started?
Nicht die Aktion an sich?
Die UEFA muss sich an Taten messen lassen.
Zurück zur Korruption mit Infantino?
Eine Neuausrichtung der FIFA?
Oder eine konsequente Trennung?
Nan darf gespannt sein.
… ja, denn im doch lieber nicht waren die bisher spitze