In Minneapolis tauchte in diesen Tagen ein Mittel auf, das viele zunächst ratlos machte. Keine der bekannten weißen oder grauen Wolken, sondern ein dichter, grün gefärbter Rauch, der sich über Straßen und Parks legte. Eingesetzt von Bundesbeamten bei Einsätzen gegen Demonstrierende, begleitet von einer klaren Ansage: Jetzt wird Gas eingesetzt. Die Farbe wirkte bedrohlich, fast militärisch. Die Frage stand sofort im Raum, ob hier etwas Neues, Gefährlicheres verwendet wird.
Tatsächlich handelt es sich nicht um ein völlig unbekanntes Mittel, sondern um Rauchgranaten eines US-Herstellers für Polizei- und Militärausrüstung. Diese Granaten erzeugen farbigen Rauch, der in erster Linie zur Markierung oder zur Zerstreuung eingesetzt wird. In Minneapolis wurden sie von Einheiten der Grenz- und Einwanderungsbehörden genutzt, mehrfach und gezielt, wie Aufnahmen und Augenzeugenberichte zeigen. Besonders auffällig war der Einsatz durch den regionalen Border-Patrol-Chef, der vor laufender Kamera ankündigte, dass Gas eingesetzt werde, und kurz darauf den grünen Rauch freisetzte.
Der Rauch selbst enthält keine geheimen Substanzen, aber er ist alles andere als harmlos. Die chemische Zusammensetzung umfasst Stoffe, die aus toxikologischer Sicht problematisch sind. Dazu gehört Kaliumperchlorat, ein Stoff, der beim Verbrennen größtenteils reagiert, dessen Rückstände aber dennoch gesundheitlich relevant sein können. Hinzu kommen Spuren von Schwermetallen wie Blei und Chrom. Beide gelten als giftig, können bei wiederholter Exposition langfristige Schäden verursachen und stehen im Verdacht, Krebs auszulösen oder die Fortpflanzung zu beeinträchtigen. Die Mengen in einer einzelnen Granate sind begrenzt, doch sie sind real und nicht zu leugnen.

Interessant ist der Vergleich zu dem Gas, das bei Protesten häufiger eingesetzt wird: klassisches Tränengas. Fachleute, die sich seit Jahren mit den gesundheitlichen Folgen solcher Mittel beschäftigen, weisen darauf hin, dass die grüne Rauchgranate nicht zwangsläufig giftiger ist als herkömmliches Tränengas. Im direkten Vergleich kann Tränengas sogar belastender sein, vor allem für Augen, Atemwege und Haut. Dennoch bleibt festzuhalten, dass auch der grüne Rauch kein harmloser Nebel ist, sondern eine Mischung, die Reizungen verursacht und chemische Risiken mit sich bringt.

Dem Farbenfaschismus sind keine Grenzen gesetzt – welche Farbe würde wohl die AfD bevorzugen?
Die Farbe spielt dabei eine besondere Rolle. Grün signalisiert Gefahr, Gift, Militär. Dieser Effekt ist gewollt. Der Rauch wirkt nicht nur auf den Körper, sondern auch auf den Kopf. Er erzeugt Angst, Unruhe, das Gefühl, einer besonders aggressiven Maßnahme ausgesetzt zu sein. Fachleute sprechen von einem starken psychologischen Effekt, der die tatsächliche chemische Belastung überlagert. Menschen ziehen sich zurück, geraten in Panik, verlieren Orientierung, noch bevor sie genau wissen, womit sie es zu tun haben.
Problematisch ist dabei auch die mangelhafte Transparenz. Die Sicherheitsdatenblätter der Hersteller, die Auskunft über Risiken und Inhaltsstoffe geben sollen, sind teils schwer zugänglich oder gar nicht abrufbar. Wer wissen will, was genau eingeatmet wurde, muss suchen, archivierte Dokumente aufrufen oder sich auf Fachwissen verlassen. Für Menschen, die dem Rauch ausgesetzt sind, bleibt in der Situation selbst keine Zeit für solche Fragen.

Der Einsatz dieses grünen Rauchs fügt sich damit in ein Muster ein. Es geht nicht nur um physische Kontrolle, sondern um Abschreckung. Um das sichtbare Zeichen staatlicher Macht. Auch wenn der Rauch nicht giftiger ist als andere Mittel, bleibt er ein chemisches Kampfmittel gegen Zivilisten. Er enthält Stoffe, die niemand freiwillig einatmen würde. Und er wird in Wohngebieten, Parks und auf Straßen eingesetzt, in denen sich nicht nur Demonstrierende aufhalten, sondern auch Anwohnerinnen, Kinder, Unbeteiligte. Am Ende ist die Farbe nebensächlich. Entscheidend ist, dass Bundesbehörden in Minneapolis chemische Reizstoffe einsetzen, deren Risiken bekannt sind und deren Wirkung bewusst auf Angst und Verdrängung zielt. Der grüne Rauch mag auf den ersten Blick wie eine neue Eskalationsstufe wirken. In Wahrheit steht er für etwas Vertrautes: staatliche Gewalt, technisch verfeinert, visuell aufgeladen und politisch gewollt.
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