Der Krieg, der schon gewonnen ist – und trotzdem weitergeht

VonRainer Hofmann

März 12, 2026

Donald Trump sprach am 11. März 2026 in Kentucky. Was er sagte, hätte eigentlich Fragen aufwerfen müssen. Stattdessen rollte es einfach weiter, Satz für Satz, ohne dass jemand ihn unterbrach. „Midnight Hammer hat Irans nukleares Potenzial vollständig ausgelöscht“, sagte er. „Sie haben kein nukleares Potenzial.“ Dann, ohne Pause: „Aber sie haben wieder angefangen.“ Zwei Aussagen. Beide aus demselben Mund. Beide innerhalb von Sekunden. Und keine von ihnen hebt die andere auf – zumindest nicht in der Logik, die Trump dabei anwendet.

Midnight Hammer war der Name der gemeinsamen Militäroperation der USA und Israels im Sommer 2025. Amerikanische Streitkräfte griffen dabei drei iranische Nuklearanlagen an: Fordow, Natanz und Isfahan – die Kernanlagen des iranischen Atomprogramms. Die Begründung war klar formuliert: Iran stehe kurz vor einer Atombombe. Regierungsvertreter sprachen von Wochen. Das war der Grund. Daraus wurde der Krieg. Nun, im März 2026, sagt Trump, das Programm sei durch Midnight Hammer vollständig zerstört worden. Und gleichzeitig: Iran habe neu begonnen. „Deshalb müssen wir es zu Ende bringen. Wir wollen nicht alle zwei Jahre zurückkommen.“

Man kann diese Aussagen nicht gleichzeitig für wahr halten, ohne zu fragen, welche davon eigentlich gilt. Wenn Fordow, Natanz und Isfahan zerstört sind und das Programm damit ausgelöscht wurde – wovor schützt der Krieg dann noch? Wenn Iran neu begonnen hat, war Midnight Hammer dann erfolgreich? Trump stellt die Frage nicht. Er beantwortet sie auch nicht. Er sagt beides und geht weiter. In Kentucky sagte er außerdem, die USA hätten 58 iranische Kriegsschiffe ausgeschaltet und die iranische Luftwaffe beseitigt. Iran sei „sehr stark“ gewesen und „gut vorbereitet“ – habe aber nicht erwartet, was kam. „Sie wissen nicht, was sie getroffen hat. Sie wurden vom amerikanischen Militär getroffen.“

Kurz darauf: „Man sagt nie zu früh: Wir haben gewonnen.“ Eine Sekunde Pause. Dann: „Wir haben gewonnen.“ Der Sieg ist also erklärt. Aber der Krieg geht weiter, weil man nicht zu früh gehen darf. Weil der Job noch nicht fertig ist. Weil Iran neu angefangen hat. Weil man sonst alle zwei Jahre zurückkehren müsste.

Das Besondere daran ist nicht, dass ein Politiker sich widerspricht. Das ist alt. Das Besondere ist die Geschwindigkeit, mit der es passiert, und die Selbstverständlichkeit, mit der es vorgetragen wird. Kein Zögern, kein Korrigieren, kein Einräumen. Die Aussagen stehen nebeneinander, als gehörten sie zusammen. Was am Anfang als unmittelbare Bedrohung beschrieben wurde, existiert laut Trump nicht mehr – und muss dennoch weiter bekämpft werden. Der ursprüngliche Grund hat sich still verändert, ohne Ankündigung, ohne Erklärung. Der Krieg läuft. Die Begründung wechselt mit. Und der Abstand zwischen beiden wird größer, je mehr Trump spricht.

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Wuschitz
Wuschitz
1 Monat vor

Das ist typisch für Demente oder psychisch Kranke. Alles kann nebeneinander existieren und sie glauben das wirklich. Darum klingt auch irgendwie überzeugend. Aber solche Menschen in solchen Posten ist Ungeheuerlichkeit.

Carolina
Carolina
1 Monat vor

Kann es sein, dass es mit Trump seiner Gesundheit gerade rasant abwärts geht?

Stefan Winterscheidt
Stefan Winterscheidt
1 Monat vor

Das können nur Aussagen eines Schwachsinnigen sein.

Ela Gatto
Ela Gatto
1 Monat vor

So hört es sich an, wenn ein demented narzisstischer Soziopath redet.

Nur, das dieser Demente den Atomkoffer hat.
Die Macht, weil keiner aufsteht, die Welt in den Abgrund zu reißen.

Ja und MAGA?
MAGA glaubt ihm, himmelt ihn an.
Selbst die, die gelobt haben, dass er der Präsident ist, der keinen Krieg begann.
Das er es jetzt doch macht, ist eine Notwendigkeit.

Und die westlichen Politiker krauchen ihm weiter in den Hintern.
Außer Kanada und Soanien bietet ihm keiner die Stirn.

Wirklich traurig, dass sich alle beugen.
Und ja, die nicht wrstlichen Staaten beugen sich Ryssland und/oder China.

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