Sie rammen die Tür. Sie gehen rein. Und sie zeigen ein Stück Papier, das nach Recht aussieht, aber keines ist. Der ICE-Einsatz im Süden von Minneapolis hat sichtbar gemacht, was schon lange befürchtet wurde: Die US-Einwanderungsbehörde agiert mit eigenen Regeln – vorbei an jeder richterlichen Kontrolle.
Die Bilder vom Sonntag zeigen einen Einsatz in einer ruhigen Wohnstraße. Protestierende hupen, pfeifen, versuchen Zeit zu gewinnen. Beamte in schwarzer Schutzkleidung setzen Pfefferspray ein. Sekunden später ist die Haustür gebrochen, Garrison Gibson wird abgeführt, mal wieder. Seine Frau kommt kurz darauf aus dem Haus – mit einem Dokument in der Hand. Kein Gerichtssiegel. Kein Richtername. Nur das Kreuz eines ICE-Beamten. Juristisch ist das Papier klar einzuordnen. Es ist kein Durchsuchungsbefehl. Es ist nicht einmal ein gültiger Haftbefehl im klassischen Sinn. Es ist ein Verwaltungsformular – unterzeichnet von demjenigen, der den Zugriff leitet. Genau das ist das Problem: Die Einwanderungsbehörde stellt sich selbst die Erlaubnis zur Durchsetzung aus. Und benutzt sie, um Wohnungen zu stürmen.

Die Szene spielte sich nur wenige Tage nach dem Tod von Renée Nicole Good ab. Die 37-Jährige war in ihrem Auto von einem ICE-Agenten erschossen worden. Der Beamte filmte den Einsatz mit seinem eigenen Handy. Auch in diesem Fall berief sich das Heimatschutzministerium auf ein solches hausgemachtes Dokument. Die Proteste in Minneapolis rissen seitdem nicht ab. Schulen blieben geschlossen. Tausende stellen sich seither auf Straßen, um ihre Nachbarschaften zu beobachten. Nicht bewaffnet – sondern mit Trillerpfeifen, Kameras, Warnwesten.
Laut US-Recht darf ein Haus nur mit einem richterlich unterzeichneten Beschluss betreten werden. Dokumente, die ICE selbst ausstellt, gelten nur für Festnahmen im öffentlichen Raum. Das bestätigen alle juristischen Fachstellen, von der ACLU bis zur American Immigration Council. Die Beamtinnen und Beamten vor Ort schert das nicht. Die Tür wird trotzdem aufgebrochen. Die Kamera läuft. Die Person verschwindet.
Auch bei diesem Einsatz wurden Unbeteiligte verletzt. Pfefferspray traf Menschen, die lediglich versuchten zu dokumentieren, was geschah. Die Behörden sprechen von der „größten Durchsetzungskampagne in Minnesota seit Jahrzehnten“. Mehr als 2.000 Menschen wurden seit Dezember festgenommen. ICE verteidigt das Vorgehen. Man handle, weil die Städte nicht kooperierten. Doch das Argument zerfällt. Wenn ein Bundesbeamter ein Formular ausfüllt und sich damit selbst das Recht auf Zugang zu fremden Wohnungen gibt, steht nicht mehr der Rechtsstaat, sondern die Behörde über dem Gesetz. Ein solches Vorgehen erinnert nicht an moderne Demokratien, sondern an autoritäre Systeme.

Minneapolis’ Bürgermeister Jacob Frey und Senatorin Tina Smith fordern inzwischen, dass der tödliche Schuss auf Renée Good nicht allein vom Bund untersucht wird. Beide verweisen darauf, dass das Heimatschutzministerium öffentlich bereits den Ablauf definiert habe – noch bevor Ermittlungen abgeschlossen seien. Die Behauptung, Good habe ihr Fahrzeug als Waffe eingesetzt, wird von keinem unabhängigen Gutachten gestützt. Im Gegenteil: Der Polizeichef widersprach öffentlich und betonte, niemand außer Good sei verletzt worden.
Die Proteste reißen nicht ab. Unsere Schreibtische brechen vor Fälle zusammen. Es ist ein systematischem Vorgehen, gezielter Einschüchterung, Hausdurchsuchungen ohne Rechtsgrundlage, was wir wieder erleben, 1933, anders lässt es sich nicht mehr zusammenfassen. Was in Amerika passiert ist mehr. Die meisten europäischen Medien, aber auch amerikanische Medien, wetteifern in der Selbstvernichtung von Journalismus, Rechtspopulismus wird verniedlicht oder die Opferseite kommt kaum zu Wort. Das Vertrauen in viele Institutionen ist schwer beschädigt. Nicht weil Gesetze durchgesetzt werden – sondern weil sie gebrochen werden. Und mit der Unterschrift der Täter selbst.
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Danke für die Analyse und die Hintergrundinformationen! Bitte weiter so. Ich werde dich/euch bald weiter finanziell unterstützen. Die Beiträge hier sind sehr wichtig!
…ich danke dir und ganz liebe gruesse😀
Täter/Opferumkehr.
Die beliebteste Waffe von Autokraten/Diktaturen.
Das kann man prima in den Medien verbreiten.
MAGA läuft warm und teilt und postet, wie wild.
Man könnte sie auch als Backoffice von ICE bezeichnen. Ohne rechtliche Grundlage hetzen, diffamieren und bedrohen. Vorgaukeln, dass Alle das befürworten.
ICE unterzeichnet Zettel, die rechtlich nicht das Papier wert sind, auf dem sie stehen.
Wer sich diesen widerrechtlichen Hausstürmungen widersetzt und auf sein verbrieftes Recht besteht, wird brutal zu Boden geworfen, gefesselt und abtransportiert.
Selbst wenn es sich um US Staatsbürger handelt, gegenüber denen ICE gar keine Befugnisse hat.
ICE hat Trumps Segen, Rückendeckung von der Regierung.
Also machen sie weiter. Immer brutaler, immer weiter am Recht vorbei.
Wer soll diese sadistischen Typen aufhalten?
in Deutschland ist es keinem gelungen.
Erst der furchtbare 2. Weltkrieg mit Eingreifen der USA hat das faschistische SS Regime zu Fall gebracht.
Vorher haben die Regierungen weg geschaut. Genau, wie heute auch.
Trump wusste, warum er die Kriminellen vom 6. Januar begnadigt hat.
Sie und ihre Freunde toben sich jetzt bei ICE aus.
Rainer, gibt es irgendwelche Daten dazu?
Wie viele Bekannte Oath Keeper, Proud Boys oder andere Rechtsradikale sich bei ICE tummeln?
Wenn die Justiz dieses ICE Gebahren nicht brechen kann, ist der Kippunkt überschritten.
Mir wird ganz Angst und Bange.
Europa schweigt, UK schweigt, Kanada schweigt, Australien schweigt.
Merz ist alles zu Komplex. Wadepuhl setzt auf die gute transatlantische Zusammenarbeit.
Traurig!
Noch was anderes.
ICE handelt rechtswidrig.
Wäre es bicht Aufgabe der örtlichen Polizei ihre Bürger davor zu beschützen?
„Protect and dare“ steht auf den Polizeiwagen. „Schützen und dienen“.
Gilt das nicht mehr? Eine hohle Worthülse?