Trumps neue Sprecherin behauptete, die Abtreibungspille stamme aus den Gaskammern der Nazis

byTEAM KAIZEN BLOG

10. October 2026

Das Weiße Haus hat eine neue Stimme. Katie Zacharia, 42, bisher Kommunikationsberaterin im Umfeld der Trump-Bewegung, wird künftig die Regierung vor der Presse vertreten. Zu den Thesen, die sie öffentlich verbreitete, gehörte, die Abtreibungspille komme geradewegs aus Hitlers Vernichtungslagern. Die Frau, die dem Land nun erklären soll, was die Regierung treibt, hat eine erfundene Geschichte über den Holocaust verbreitet.

Im vergangenen Herbst knüpfte sie das Präparat Mifepriston im Netz an den Hersteller von Zyklon B, dem Giftgas aus den Lagern des Zweiten Weltkriegs. Die Kette, die sie zog, führte über die Firma Degesch, an der der Chemieverbund I.G. Farben 42,5 Prozent hielt und 5 von 11 Aufsichtsratssitzen besetzte. I.G. Farben, von ihr der „Chemiker des Teufels“ genannt, habe das Gas für die Gaskammern hergestellt, mehr als 35.000 Zwangsarbeiter geschunden, viele aus Auschwitz, und sich zur besseren Ausbeutung ein eigenes Lager gebaut. Woher dieser Einfall stammt, lässt sich nicht nachvollziehen. Vorgetragen hat sie ihn als gefragte Gästin im Fernsehen, lange bevor das Weiße Haus nach ihr rief.

„Im Vorstand von Seth Grubers White Rose zu sitzen, ist für mich einfach eine Fortsetzung meiner Leidenschaft dafür, ihm dabei zu helfen, den Kulturkampf gewissermaßen zu durchbrechen und direkt zum Wesentlichen vorzudringen, wissen Sie, zu den Bemühungen um Entvölkerung durch Abtreibung, zu den rassistischen Wurzeln der Abtreibung. Wissen Sie, die Abtreibungspille enthält dieselben Chemikalien, die sie in den Vernichtungs-, wissen Sie, in den Vernichtungslagern im nationalsozialistischen Deutschland benutzt haben, um den Progesteronfluss zu stoppen und dem Baby den Sauerstoff abzuschneiden, richtig? Das sind dieselben Chemikalien, die damals verwendet wurden. Und deshalb ist es für mich einfach ein großer Segen und ein Geschenk, in diesem Vorstand zu arbeiten und Seite an Seite mit einem solchen Kulturkämpfer tätig zu sein.“ (November, 2025)

Vor laufender Kamera ging sie noch weiter. Im Vorstand von Seth Grubers Gruppe „White Rose“ zu sitzen, nannte sie eine Fortsetzung ihrer Leidenschaft, den Kulturkampf zu durchbrechen und zum „Wesentlichen“ vorzudringen, zur „Entvölkerung durch Abtreibung“ und zu den „rassistischen Wurzeln der Abtreibung“. Die Abtreibungspille enthalte „dieselben Chemikalien“, mit denen man in den Vernichtungslagern des nationalsozialistischen Deutschland den Progesteronfluss gestoppt und dem Kind den Sauerstoff abgeschnitten habe. Es sei ihr ein Segen, Seite an Seite mit einem solchen Kulturkämpfer zu arbeiten.

Der Name ihrer Gruppe macht das Ganze noch finsterer. Die Weiße Rose waren die Studenten um die Geschwister Scholl, die das NS-Regime 1943 für ihren Widerstand enthaupten ließ. Diesen Namen borgt sich eine Kampagne, während die Frau in ihrem Vorstand die Gaskammern in ein Flugblatt gegen eine Tablette zerrte. Das Andenken der Ermordeten, gespannt vor den Karren dessen, wogegen sie starben.

Belegt ist etwas anderes. Mifepriston wurde in Frankreich entwickelt, beim Hersteller Roussel-Uclaf, und dort 1988 zugelassen. Die ganze Verbindung, die Zacharia andeutete, besteht aus einer Kette von Übernahmen über Jahrzehnte. Der Pharmariese Sanofi schluckte irgendwann die Nachfolger jener Firma, die einst Zyklon B herstellte, und übernahm Ende der 1990er auch Roussel-Uclaf. Ein gemeinsamer Eigentümer, Generationen später, ist keine Herkunft. Die Behauptung einer direkten Linie aus Nazi-Deutschland hält nicht, sie ist falsch.

Die Methode dahinter ist älter als ihre Laufbahn. Die Abtreibung mit Auschwitz zu verknüpfen, erspart jedes Argument, es bleibt die bloße Anklage. Aus einer medizinischen und rechtlichen Frage wird ein Massenmord, aus der Gegenseite werden Schergen. Zacharia sprach von „Entvölkerung“ und von „rassistischen Wurzeln“, den festen Vokabeln einer Szene, die hinter dem Recht auf Abtreibung einen Plan zur Auslöschung wittert. Das Bild vom Gas erledigt die Auseinandersetzung, ehe sie beginnt, und der Widerspruch gerät von selbst in die Nähe der Täter.

Teuer bezahlen das die Toten. Die sechs Millionen Ermordeten zur rhetorischen Keule zu machen, nimmt ihnen den Ernst und reicht sie als Requisit über das Pult. Die Frau, die so redete, soll bald für ein ganzes Land sprechen, auch für dessen jüdische Bürger und für die vielen Frauen, die diese Tablette genommen haben. Ihnen allen drückte sie das Zeichen der Lager auf, im Vorbeigehen, als Mittel zum Zweck. Eine Erinnerung, die man als Waffe trägt, stumpft ab, bis nichts Heiliges mehr an ihr bleibt.

Von einem Pult aus wiegt dieselbe Behauptung schwerer. Was als Eintrag im Netz noch die Marotte einer Kommentatorin war, trägt vom Rednerpult des Weißen Hauses das Siegel der Regierung. Die Reporter, die ihr gegenübersitzen, müssen dann entscheiden, ob sie eine solche Lüge durchgehen lassen oder sie jedes Mal zurückweisen. Genau darauf zielt die Wahl. Eine Sprecherin, die mit dem Unsinn schon ins Amt kommt, rückt die Grenze dessen, was man im Namen der Vereinigten Staaten sagen darf, bevor sie das erste echte Wort gesprochen hat.

Wie beliebig die Überzeugung unter dem Lebenslauf liegt, zeigt ihr Weg. Vor dem Weißen Haus beriet sie das Unternehmen hinter dem Trump-Netzwerk Truth Social und saß ständig in den Runden des konservativen Fernsehens. Davor arbeitete sie für Fix California, gegründet von Trumps Vertrautem Ric Grenell, dem früheren kommissarischen Geheimdienstkoordinator. Zwischen Februar und März diente sie wenige Wochen unter der Heimatschutzministerin Kristi Noem, griff dort den Senator Richard Blumenthal für dessen Kritik an den Flughafen-Razzien der Einwanderungsbehörde ICE an und pries deren Festnahmen als „heldenhaft“ gegen „kriminelle illegale Raubtiere“. Dieselbe Frau sammelte 2012 und 2013, frisch von der Pepperdine-Fakultät für Recht, Geld für ein Hilfswerk, das Kindern von Wanderarbeitern half. Was sie damals für Migrantenkinder tat, verkehrt sich heute in Beifall für die Razzien gegen deren Eltern, und die Überzeugung wechselt mit dem Wetter der Laufbahn.

Diese Regierung sucht an ihrem Pult keine Erklärerin, sie sucht eine Kämpferin. Zacharia kommt aus dem Fernsehen, und ihre Vorgängerin Karoline Leavitt ging im August den umgekehrten Weg, vom Podium vor die Kamera eines Senders. Zwischen Studio und Pult liegt kaum noch ein Unterschied, beide verkaufen, keines fragt. Vom Bildschirm ans Mikrofon des Weißen Hauses nimmt man die Gewohnheit mit, dass die Lautstärke die Prüfung ersetzt und das stärkste Bild gewinnt, nicht das wahrste.

Was sie erbt, ist eine Regierung, die in Skandalen fast untergeht. Man wirft ihr vor, moskaunahen Regierungen zuzuarbeiten und den Iran dazu einzuladen, amerikanische Städte zu beschießen. Dazu kommen aus Steuergeld bezahlte Propaganda und 810 Millionen Dollar an vom Kongress bewilligten Mitteln, die das Weiße Haus strich, nach Ansicht von Kritikern gegen das Gesetz. Diese Lage soll sie dem Land nun als Normalzustand verkaufen.

Die Aufgabe einer Sprecherin ist es, zwischen der Öffentlichkeit und der Wahrheit zu stehen und die Wahrheit durchzulassen. Diese Sprecherin tritt das Amt an und hat bereits mit einer gefälschten Vergangenheit gehandelt, und ihr erstes Verkaufsstück war die Zumutung, eine erfundene Holocaust-Geschichte für eine zulässige Meinung zu halten. Eine Fälschung zur Sprecherin zu machen, heißt, die Wahrheit nicht mehr zu fürchten, weil man sie bereits ersetzt hat. Eine Regierung verrät an der Wahl ihres Mundes, was sie von der Wahrheit hält.

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Angelina Verhorst
Angelina Verhorst
1 hour ago

Immer und immer wieder das gleiche Klischee, im Aussehen, in der Vita, im Verhalten und im moralischen Kompass.

Rainer Hofmann
Admin
1 hour ago

… da haben sie recht, alle von rechten sendern ist dabei wohl das größte Kriterium.

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