Am 29. Juni verlangte Donald Trump öffentlich, die Tankstellen sollten ihre Preise sofort senken, als Ziel nannte er ungefähr 2,50 Dollar pro Gallone. Der Markt stand hoch, getrieben vom Krieg gegen Iran. 2 Tage später kannte der Präsident bereits ein Unternehmen, das bis dahin praktisch niemand kannte. Am 1. Juli feierte er auf seiner Plattform Truth Social einen „SEHR klugen Händler“, der im Nordosten vorangehe, und wusste, dass am 3. Juli genau 25 Stationen im Großraum Philadelphia ihre Preise senken würden. Er verband die Sache mit dem 250. Geburtstag des Landes und seinem Wahlsieg in Pennsylvania. Einen Preis nannte er da noch nicht.

Woher kam dieses Unternehmen? Die Internetadresse von Freedom Fuel wurde am 13. Juni angemeldet, die Freedom Fuel Network LLC am 23. Juni im Bundesstaat Delaware gegründet, unterschrieben von Randy Brown und Yoni Gontownik. Brown trainiert die Spezialteams der Baltimore Ravens und nennt sich einen stolzen Anhänger Trumps. Gontownik handelte früher mit Rohstoffen beim Handelshaus Mercuria und richtet Spendenabende für republikanische Politiker aus. Ein Betrieb, wenige Tage alt, hatte die Aufmerksamkeit des Präsidenten schon sicher, bevor er den ersten Tropfen verkauft hatte. Die Adresse im Netz stand schon Tage vor der Firmengründung bereit, als hätte jemand die Reihenfolge von Werbung und Geschäft vertauscht.

Am 3. Juli begann der Verkauf, und der Preis trug eine Botschaft. 3,47 Dollar pro Gallone, die 47 zu Ehren des 47. Präsidenten, rund 40 Cent unter dem damaligen Marktpreis. Am 7. Juli erklärte das Weiße Haus diese Bedeutung selbst, verbreitete ein eigenes Werbevideo und schrieb die 47 Cent ausdrücklich dem 47. Präsidenten zu. Rechnerisch ergab das keinen Sinn. Der Großhandelspreis lag am 3. Juli nach übereinstimmenden Marktdaten bei rund 2,89 Dollar; mit Transport und Steuern hätte eine Station mindestens etwa 3,64 Dollar verlangen müssen, um kostendeckend zu bleiben. Bei 3,47 Dollar verkaufte Freedom Fuel also gut 17 Cent unter dem eigenen Nullpunkt. Ein Branchenkenner verglich das Geschäft mit dem Sprung von einer Klippe. Trumps Lob löste eine Welle von Berichten aus, in denen Fachleute bezweifelten, dass sich solche Preise dauerhaft halten ließen.
Ein Mitarbeiter räumte ein, man verkaufe weit unter den eigenen Kosten. Das Weiße Haus behauptete zugleich, niemand gleiche die Differenz aus. Eine Zahl, zugeschnitten auf einen einzigen Mann, ein Preis unter jeder Vernunft, und keine Auskunft darüber, wer die Lücke trägt. Ein zufällig günstiger Marktpreis war die 3,47 nicht, mehrere Redaktionen bestätigten die politische Bedeutung der Zahl unabhängig voneinander. Auf ihrer Webseite schrieb die Kette später, sie habe Trumps Aufruf zu niedrigeren Preisen an der Zapfsäule beantwortet. Von hier an wird aus der Werbeaktion eine Spurensuche.
Die Spur führt zu den Grundstücken. Rund ein Drittel der Freedom-Fuel-Standorte steht auf Immobilien von Blue Owl Capital, das beteuert, nur Vermieter zu sein und mit dem Betrieb der Tankstellen nichts zu tun zu haben. Blue Owl kaufte 2021 die auf Rückmietkäufe spezialisierte Oak Street Real Estate Capital, ein Haus, das Immobilien erwirbt und langfristig an die Betreiber zurückvermietet. Über Oak Street schloss Blue Owl im Juni 2021 mit Mountain Express Oil ein Geschäft über bis zu 1 Milliarde Dollar und finanzierte den Erwerb von 286 Tankstellen- und Reisezentrum-Immobilien für mehr als 825 Millionen Dollar. Ein Mann von Oak Street, Jared Sheiker, zog in den Vorstand von Mountain Express ein. Die erste Station, die das Weiße Haus beim Start groß zeigte, im Ort Dresher in Pennsylvania, gehörte ausgerechnet einer Tochter von Blue Owl.

2023 ging Mountain Express spektakulär unter, und Blue Owl wurde als größter Vermieter in das Insolvenzverfahren gezogen. Der Insolvenzverwalter warf Blue Owl und Sheiker einiges vor, von der Verletzung treuhänderischer Pflichten bis zur Verschwörung. Beide bestritten jedes Fehlverhalten und zahlten 2025 zur Beilegung 15 Millionen Dollar. Auf einem gewaltigen Bestand von Tankstellen sitzengeblieben, fand Blue Owl neue Betreiber, und hier treten Shamikh und Syed Kazmi auf. In New Jersey gehören 17 solcher Stationen Blue Owl und werden von den Brüdern geführt, 6 davon zählen heute zu Freedom Fuel. Die Umweltbehörde von New Jersey belegte die Betreiber dieser 17 Standorte im Mai mit knapp 430.000 Dollar Strafe, mehr als 202.000 Dollar davon entfielen auf die sechs späteren Freedom-Fuel-Stationen, wegen undichter Untergrundtanks und wegen Lieferungen trotz behördlicher Sperre. Von den ursprünglich 25 Freedom-Fuel-Stationen ließen sich 14 Unternehmen der Brüder zuordnen, 8 mietete Shamikh Kazmi von Blue Owl.

Die Grafik zeigt, wie eng Freedom Fuel mit einem bereits bestehenden Netz aus Tankstellenbetreibern, Firmen und Lieferstrukturen verbunden ist. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Shamikh und Mohammad Kazmi, deren Unternehmen und Tankstellen sich über offizielle Register und Unternehmensunterlagen bis zu mehreren Freedom-Fuel-Standorten zurückverfolgen lassen. Weitere Verbindungen führen über MR3 Logistics, US Diesel und Energy Transfer Marketing & Terminals LP in die Logistik- und Kraftstoffversorgung. Entscheidend ist: Freedom Fuel entstand offenbar nicht als völlig neues, isoliertes Tankstellennetz, sondern griff auf bestehende Firmen, Standorte und Lieferbeziehungen zurück. Die Grafik belegt damit keine gemeinsame Eigentümerschaft aller Beteiligten und auch kein Fehlverhalten. Sie macht aber sichtbar, wie viele der später unter Freedom Fuel auftretenden Stationen und Unternehmen schon zuvor miteinander verbunden waren.
Und der Präsident? In seinem Depot lag der Vermieter. Seine Offenlegung weist 5 bis 25 Millionen Dollar in einem Kreditvehikel namens Blue Owl Capital Corporation aus, dazu 500.001 bis 1 Million Dollar direkt in der Muttergesellschaft Blue Owl Capital Inc., zu der die Immobilienplattform gehört. Am 15. Mai 2026 kaufte sein Investmentkonto weitere Aktien dieser Muttergesellschaft für 50.001 bis 100.000 Dollar, wenige Wochen bevor Freedom Fuel überhaupt gegründet wurde. Schon am 4. und am 17. März hatte das Konto zugekauft. Ein Beweis, dass Trump von Freedom Fuel wusste oder den Kauf selbst veranlasste, liegt darin nicht; seine Konten würden nach Angaben des Weißen Hauses unabhängig und modellgestützt geführt, und nach der jüngsten Offenlegung habe er fast alles wieder verkauft. Die zeitliche Überschneidung bleibt trotzdem stehen.
Dann kam die Rechnung, die niemand beglich. Die Mansfield Oil Company aus Gainesville behauptet vor dem Bundesgericht für den Eastern District of Pennsylvania, KRSM Inc. des Syed Kazmi habe zwischen Ende Mai und Anfang Juli mehr als 1 Million Gallonen Kraftstoff im Wert von fast 4 Millionen Dollar aus einem Terminal in Twin Oaks abgeholt und nie bezahlt. Bezogen worden sei der Kraftstoff seit 2022 auf Kredit, in rund 150 Ladungen zwischen dem 21. Mai und dem 7. Juli. Das Terminal liegt weniger als 56 Kilometer von den meisten Freedom-Fuel-Stationen entfernt. Ein Teil des Kraftstoffs sei an mindestens 10 dieser Stationen in Pennsylvania gegangen. KRSM habe so billig verkaufen und so viel Aufmerksamkeit erzeugen können, heißt es in der Klage wörtlich, weil das Unternehmen den Lieferanten nie bezahlt habe. Als Mansfield am 27. Juli Geld einziehen wollte, habe die Bank mitgeteilt, Kazmis Unternehmen gebe es nicht frei. Der Anwalt von Mansfield, Urs Broderick Furrer, bestätigte die Lieferungen an die aufgeführten Stationen; der Fall läuft unter Mansfield Oil Company of Gainesville gegen KRSM Inc., 26-cv-6072.
Kazmi weist das zurück. Sein Anwalt Paul Toner nennt die Sache einen Abrechnungsstreit über falsch bepreiste Rechnungen, sein Mandant habe den geforderten Beträgen nie zugestimmt und verweise auf doppelt berechnete Posten. Recherchen zeichnen ein klar anderes Bild. Zwischen Ende Juli und dem 10. August habe Kazmi in mehreren Telefonaten die Zahlung noch zugesagt, so die Klage, in einer Erklärung vom 25. August bestritt er die Schuld dann. Am Freitag ordnete der zuständige Richter Gerald A. McHugh Jr. dennoch an, KRSM müsse mindestens 2,75 Millionen Dollar auf einem Konto vorhalten. Freedom Fuel selbst ist nicht beklagt. Neu ist der Vorwurf gegen die Brüder nicht: Über die Jahre liefen mehr als ein Dutzend Klagen wegen mutmaßlichen Geldgebarens gegen sie, mehrere endeten mit Versäumnisurteil. 2021 soll Shamikh Kazmi in 10 Tagen Kraftstoff im Wert von mehr als 667.000 Dollar entwendet haben; im vergangenen November verurteilte ihn ein Gericht zur Rückzahlung.
Shamikh Kazmi taucht in diesen Papieren nicht als Statist auf. In älteren Verfahren führte er bei Universal Property Services das Tagesgeschäft, in neueren firmiert er als deren Vorstandschef. Sein Weg durch die Branche ist mit Prozessen gepflastert, und mancher davon dreht sich um die Frage, ob er sich an das Urteil hält, das gegen ihn ergeht. In einem Streit mit BP und Diwan Petrol stellte ein Bundesgericht fest, eine Anordnung zur Entfernung der BP-Marken sei nicht vollständig befolgt worden, sodass BP zuletzt nur mit Hilfe des U.S. Marshals Service durchgreifen konnte. In Florida ging es um 17 frühere Circle-K-Stationen, an denen unbezahlte Mieten und offene Kraftstofflieferungen hingen. Solche Serien laden zum Kürzertreten ein; Kazmi plante das Gegenteil, mit der Marke Yum Grills & Market und einem millionenschweren Gebot für das Hochhausensemble Centre Square in Philadelphia.
Das Weiße Haus hält Abstand, und die Art, wie es Abstand hält, sagt am meisten. Zuerst räumte es ein, mit den Aufbauern von Freedom Fuel gesprochen zu haben, verweigerte aber jede Erklärung dazu, wie das Vorhaben entstand. Auf die Frage nach den Brüdern erklärte ein Beamter, niemand habe mit Syed Kazmi gesprochen oder gearbeitet, und ließ die Frage nach Shamikh offen. In der jüngsten Fassung heißt es enger, man habe keinerlei Kontakt oder Geschäfte mit Syed Kazmi und KRSM gehabt. Ob es Kontakte zu Shamikh, zu Brown oder zu Gontownik gab, beantwortet diese sorgsam enge Formulierung weiterhin nicht.
Auch bei Blue Owl führt eine Spur in die Politik. Die beiden führenden Männer, Doug Ostrover und Marc Lipschultz, spendeten früher an beide Parteien, zuletzt nach den Daten der Bundeswahlkommission FEC nur noch an Republikaner, etwa an Elise Stefanik oder den Congressional Leadership Fund. Einen belastbaren direkten Geldfluss an Trumps eigene Kampagne belegt das bisher nicht. Blue Owls Hunger auf Tankstellen reicht ohnehin weit über Freedom Fuel hinaus: Ein Papier der Börsenaufsicht SEC zeigt ein Programm mit GPM Investments über bis zu 1 Milliarde Dollar für Tankstellen- und Ladenimmobilien zwischen 2023 und 2025. Donald Trump Jr. wiederum verwaltet als Treuhänder den Familientrust mit Stimm- und Anlagerechten, doch die einzelnen Käufe geben unabhängige Verwalter und Modelle vor; eine eigene Freedom-Fuel-Verbindung der Familie ließ sich nicht finden. Die Preise stiegen seit dem Start übrigens wieder, blieben Anfang August aber unter der Konkurrenz, und das Netz wuchs auf 29 Standorte.
Bleibt die Frage, die alles zusammenhält. Verliert ein Unternehmen absichtlich Geld, um eine politische Werbeaktion zu finanzieren, und stimmt es sich dabei mit einem Kandidaten oder einer Partei ab, kann daraus nach den Regeln der FEC eine Sachspende oder eine koordinierte Ausgabe werden. Die Behörde prüfe dann, wer gezahlt habe und was verbreitet worden sei; auch die Nähe der Abstimmung zum Politiker gehöre dazu. Direkte Unternehmensspenden an Kandidaten sind ohnehin verboten. Die Adresse für eine solche Untersuchung ist der House Committee on Oversight and Government Reform, der Unterlagen anfordern und Zeugen vorladen kann. Ihm haben wir unsere Recherche übergeben. Den Vorsitz führt James Comer, ranghöchster Demokrat ist Robert Garcia, an dem es nun ist, die Fäden aufzunehmen. Was belegt ist, wiegt schwer genug für eine Vorladung: ein Preis auf die Nummer des Präsidenten, beworben vom Weißen Haus, auf Grundstücken eines Vermieters, an dessen Mutter der Präsident Aktien hielt und weiter zukaufte, verkauft unter Einstand und teils mit Benzin, das laut Klage nie bezahlt wurde. Ob das Zufall war oder Absprache, muss nicht Trump beantworten. Beantworten müssen es die, die ihn vorladen können.
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