Duft, Diplomatie – und der Satz ‘Wie viele Ehefrauen hast du?’: Ein Moment, der alles sagt

VonRainer Hofmann

November 13, 2025

Es war einer dieser Momente, in denen das Oval Office seine eigene Schwerkraft entwickelt. Keine schwere Rede, kein orchestriertes Protokoll, sondern eine Szene, die gleichzeitig verstörend, entlarvend und fast schon intim wirkt. Donald Trump empfängt den syrischen Präsidenten Ahmad al-Sharaa – und statt der üblichen diplomatischen Eingangsfloskeln greift er zu etwas, das wie ein Requisit aus seiner eigenen Theaterwelt wirkt: einem Flakon seines Parfums. Trump hält die Flasche wie ein Symbol seines persönlichen Imperiums, macht keine große Pause, sondern sprüht seinen Gast kurzerhand ein. Die Geste ist so beiläufig, dass sie sich sofort wie ein Statement anfühlt. Als würde er sagen: In diesem Raum bestimme ich die Regeln, und ich beginne mit meinem eigenen Duft. Dann drückt er ihm eine zweite Flasche in die Hand, angeblich „für deine Frau“, und wirft direkt hinterher die Frage, die den Moment endgültig in eine andere Ebene kippen lässt: „Wie viele Ehefrauen hast du?“

Al-Sharaa antwortet nüchtern: eine. Trump lacht trocken, klopft ihm auf die Schulter und bemerkt, halb Witz, halb Weltbild: „Bei euch weiß man das nie.“ Ein Satz, der auf kleinstem Raum alles offenlegt – die kulturellen Projektionen, das Selbstverständnis des Gastgebers, den unterschwelligen Machtimpuls, der hinter der ganzen Szene pulsiert. Es ist der erste Besuch eines syrischen Präsidenten in den USA seit Jahrzehnten, historisch geladen und politisch heikel. Doch die Szene zeigt, dass Trump selbst solche Momente nicht als Staatsakt betrachtet, sondern als Bühne. Ein Duft als Geste, als Symbol seiner Marke, als Ausdruck von Nähe und Dominanz zugleich. Ein Satz über Ehefrauen, der in jeder diplomatischen Schule als Musterbeispiel für das Gegenteil von Zurückhaltung dienen würde, doch hier als selbstverständlich gilt, weil der Raum, der ihn hervorbringt, nur einem folgt: seiner eigenen Logik.

Man könnte meinen, es sei nur ein skurriler Zwischenfall. Aber es ist mehr. Es ist die komprimierte Essenz dieser Präsidentschaft: Politik wird zur Vorstellung, Diplomatie zur Show, kulturelle Feinheiten zu Stichworten, die man beliebig dreht. Die Szene wirkt fast wie ein Fenster in die tektonischen Verschiebungen, die sich hinter den Kulissen abspielen. Der syrische Präsident, jahrzehntelang isoliert, nun in Washington empfangen, zwischen vorsichtigem diplomatischem Neustart und persönlicher Inszenierung gefangen. Trump wiederum nutzt den Moment, um die Bühne auf seine Art zu definieren – mit einem Geschenk, das keiner brauchte, und einer Frage, die jeder hörte. So entsteht ein Bild, das sich festsetzt: zwei Männer, ein Parfum, ein Satz über Ehefrauen – ein kurzer Moment, der mehr erzählt als manche Gipfelerklärung. Nicht, weil er spektakulär wäre, sondern weil er unverblümt zeigt, wie dieses politische Zeitalter funktioniert. Ein Raum, in dem Grenzen verschwimmen, Privates und Offizielles ineinanderfallen, und in dem selbst ein diplomatischer Besuch zu einer Szene wird, die man zweimal liest, um sicherzugehen, dass man sich nicht verhört hat.

Am Ende bleibt nicht die Frage, wie viele Ehefrauen jemand hat. Es bleibt die Erkenntnis, wie viel man aus einem einzigen, scheinbar nebensächlichen Moment über Macht, Gesten und die Art von Diplomatie lernen kann, die in diesen Tagen das Weltgeschehen prägt. Ein kurzer Atemzug im Oval Office – und plötzlich spricht jeder darüber. Ein Duft, ein Lachen, ein Satz. Und alles steht im Raum.

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Georg Laufs
Georg Laufs
1 Monat zuvor

Einfach nur der Wahnsinn. Danke für die Information

Simone
Simone
1 Monat zuvor

Peinlich, einfach nur peinlich. Ein Moment des Fremdschämends. Nicht der erste und nicht der letzte. Bis jetzt ertragen seine Gegenüber diese Possen, irgendwann kommt er an den falschen.

Carolina
Carolina
1 Monat zuvor

Wie reagierten denn die Umstehenden auf diesen Moment? Mich dürfte niemand einfach so einsprühen. Könnte ja sein, dass man darauf allergisch ist.

C.Sigl-Jotz
C.Sigl-Jotz
1 Monat zuvor

Dieser Mensch ist wie man so schön sagt absolut „durch“, ich frag mich nur wie lange die Amerikaner das noch mitmachen 🤦‍♀️

Muras R.
Muras R.
1 Monat zuvor
Antwort auf  C.Sigl-Jotz

So lange wie er gebraucht wird, lassen ihn die Puppenspieler gewähren

Gerti Mayer
Gerti Mayer
1 Monat zuvor

Für mich zeigt es vor allem eins – Trump ist ein primitiver Trampel: selbstbezogen, übergriffig, ohne Stil und Gefühl für Anstand und Diplomatie.

Helga M.
Helga M.
1 Monat zuvor

Ein absoluter Dummsack an der Spitze der USA. FURCHTBAR!👊😡

Josef Sanft
Josef Sanft
1 Monat zuvor

Also wenn jemals jemand einen Monty Python Award bekommt führt kein Weg an Donald vorbei. Wundert mich, dass rr keine Otterzungen oder einen gebratenen Albatros seviert hat.

Ela Gatto
Ela Gatto
1 Monat zuvor

Das ist wirklich Peinlichkeit pur.

Erstmal sein eigenes Parfum „zu bewerben“.
Es dann Jemand ungefragt quasi ins Gesicht zu sprühen … was wäre, wenn der das ins Auge bekommen hätte? Oder Allergisch reagiert hätte?

Und wer sagt, dass da nur Parfum und kein „Gift“ drin war.
Wundert mich, dass seine Bodyguards da nicht gezuckt haben.

Ich stelle mir vor, dass hätte er bei Putin oder Xi oder Kim gemacht ….

Oder Jemand hätte es bei ihm gemacht.
Der Secret Service hätte das wohl als Attentat wahrgenommen….

Das daraus kein absolutes Deasaster geworden ist (also noch schlimmer) grenzt an ein Wunder

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