Der Regenwald wird vernichtet, Europa verwaltet das Geld: Geldwäschevorwürfe gegen JBS und seine mächtigen Geschäftspartner

VonTEAM KAIZEN BLOG

5. November 2026

Im Amazonas fallen die Bäume, in Europa werden die Geschäfte abgewickelt. Dazwischen liegt eine Fleischindustrie, deren Gewinne inzwischen Gegenstand schwerer Geldwäschevorwürfe sind. Die Transnational Legal Coalition, ein neu gegründeter internationaler Zusammenschluss von Rechtsanwälten sowie Menschenrechts- und Umweltorganisationen, darunter das Global Legal Action Network (GLAN), reichte am 4. November 2026 insgesamt 14 rechtliche Beschwerden in Deutschland, Großbritannien, Irland und den Niederlanden ein. Sie richten sich gegen den weltgrößten Fleischproduzenten JBS und seine europäischen Geschäftspartner. Banken und Wirtschaftsprüfer stehen ebenso im Mittelpunkt wie die Anwälte des Unternehmens. Die Anschuldigung reicht weit über gewöhnliche Umweltverstöße hinaus: Die Beteiligten könnten geholfen haben, Erlöse aus rechtswidriger Regenwaldzerstörung in den regulären Wirtschaftskreislauf einzuschleusen.

Der weltgrößte Fleischproduzent JBS ist tief im europäischen Lebensmittelgeschäft verankert. Über Tochtergesellschaften wie Moy Park bestehen Lieferbeziehungen zu Tesco, Aldi, Lidl, Sainsbury’s, Asda, Waitrose und Co-op sowie zu McDonald’s, Burger King, KFC und Nando’s. Auch Deutschland gehört zu den Absatzmärkten für brasilianisches Rindfleisch aus JBS-Schlachthöfen. Während gegen JBS und seine europäischen Finanzpartner schwere Geldwäschevorwürfe im Zusammenhang mit der Zerstörung des Amazonas erhoben werden, gelangt das Fleischgeschäft des Unternehmens bis auf die Teller europäischer Verbraucher.

Damit geraten auch jene Unternehmen unter Druck, die an seinen Geschäften verdienen, während sie ihren Kunden öffentlich verantwortungsvolles Wirtschaften versprechen. Die Grundlage liefert eine Untersuchung der Umweltorganisation AidEnvironment. Demnach sind die Lieferketten von JBS unmittelbar oder mittelbar mit mehr als 6,5 Millionen Hektar abgeholzter Fläche verbunden. Das entspricht über 16 Millionen Acres. Rinder werden auf ehemaligen Waldflächen gehalten, anschließend verkauft und schließlich Teil eines internationalen Fleischgeschäfts. Die entscheidende juristische Frage lautet, ob Tiere von strafbar gerodetem Land als Vermögenswerte krimineller Herkunft gelten. Falls ja, könnten auch die damit erzielten Erlöse unter Geldwäschevorschriften fallen.

Wenig glaubwürdige Weideflächen …

JBS verdient Milliarden mit einem Geschäft, dessen ökologische Folgen längst dokumentiert sind. Untersuchungen beziffern den Methanausstoß des Unternehmens auf eine Größenordnung, die mit den gemeinsamen Emissionen von ExxonMobil und Shell vergleichbar ist. Während sich der Amazonas unter dem Druck der Rinderhaltung verändert, wächst der wirtschaftliche Einfluss des Fleischproduzenten weiter. Die Natur kennt keine Bilanztricks. Was vernichtet wurde, bleibt vernichtet, auch wenn der Gewinn anschließend durch 20 Konten wandert. Besonders brisant sind die Namen der betroffenen Finanzunternehmen. Barclays und Rabobank gehören dazu, ebenso BlackRock. Auch KPMG und EY werden in den Beschwerden genannt. Die Vereinigung wirft ihnen vor, ihre gesetzlichen Pflichten zur verstärkten Überprüfung risikoreicher Geschäftsbeziehungen verletzt zu haben. Europäische Geldwäschevorschriften verlangen bei erhöhtem Risiko eine genauere Untersuchung der Herkunft von Vermögenswerten. Verdachtsfälle müssen den zuständigen Behörden gemeldet werden. Unterlassungen können auch für verantwortliche Mitarbeiter strafrechtliche Folgen haben.

George Collecott vom Global Legal Action Network bringt die Anschuldigung auf einen einfachen Punkt. Hätten die europäischen Geschäftspartner ihre Pflichten erfüllt, hätten sie das Geldwäscherisiko erkennen müssen. Anschließend hätten sie ihre Geschäftsbeziehungen beenden oder die Strafverfolgungsbehörden informieren müssen. Stattdessen bestünden seit Jahren enge Verbindungen zu JBS. Nun sollen Aufsichtsbehörden in den betroffenen Staaten untersuchen, ob diese Unternehmen ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachgekommen sind. Die bequeme Behauptung, von allem nichts gewusst zu haben, soll ihnen künftig nicht mehr helfen. Barclays verweist darauf, bereits seit 2021 verstärkte Prüfungen bei Kunden aus der Rindfleischproduktion durchzuführen. Rabobank erklärt, keine neuen Kunden zu akzeptieren, deren Land nach Januar 2018 illegal gerodet worden sei. KPMG prüft die Beschwerde. BlackRock äußerte sich nicht. Auch von JBS und EY lag keine Stellungnahme vor.

Für seinen Börsengang in New York 2025 verlegte JBS seinen offiziellen Sitz in die Niederlande. Das Land bietet steuerliche Vorteile, verlangt allerdings auch die Einhaltung gesetzlicher Sorgfaltspflichten. Greenpeace Niederlande bereitete bereits im April rechtliche Schritte gegen das Unternehmen vor. Anlass ist unter anderem dessen geplante Investition von 2,5 Milliarden Dollar in neue Fleischverarbeitungsanlagen in Nigeria. Greenpeace fordert Informationen über das Vorhaben, die nach eigenen Angaben bislang weder JBS noch die nigerianische Regierung geliefert haben.

Im Juli 2026 verabschiedete sich JBS schließlich von seinem bisherigen Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden. Auch das Versprechen, Entwaldung aus den brasilianischen Lieferketten zu entfernen, verschwand aus dem Nachhaltigkeitsbericht. Auf dem Papier lassen sich Verpflichtungen streichen. Strafrechtliche Verantwortung erledigt sich dadurch nicht. Genau deshalb könnten diese 14 Beschwerden für JBS und seine europäischen Geschäftspartner erheblich gefährlicher werden als die nächste öffentliche Debatte über abgeholzten Regenwald.

Fortsetzung folgt …

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