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Der Mann, der den Himmel nicht erwartet, plant die Hölle für danach – Gelobt sei Allah

VonTEAM KAIZEN BLOG

11. Juli 2026

Philosophieren heißt sterben lernen. Wer das gelernt habe, ist frei, denn man könne niemand mehr drohen. Man liest diesen Satz und denkt an einen 80-jährigen Mann, der in der Nacht zum Samstag eine Botschaft absetzte, in der sich die genaue Umkehrung dieses Gedankens zeigt. Donald Trump hat das Sterben nicht gelernt. Er hat beschlossen, es zu bewaffnen.

In der Nacht setzte er einen Text ab, der jede Regel dessen bricht, was ein Staatsoberhaupt öffentlich sagen darf. Man muss ihn Wort für Wort auseinandernehmen, um zu sehen, wie tief der Verfall reicht, denn kein Satz darin ist harmlos.

Er beginnt mit einem Ausdruck aus der Waffenkammer. Geladen und entsichert, so sagt man von einem Gewehr, das man an die Schulter legt. Trump sagt es von 1000 Raketen und von einem Land mit mehr als 90 Millionen Menschen. Der Wortschatz des Schützenvereins, gelegt über einen ganzen Staat. Dann die Steigerung: tausende weitere sollten unmittelbar folgen. Schon die Grammatik strauchelt, und die Zahl verliert jeden Sinn. Nach 1000 kommen tausende, nach tausenden vermutlich noch mehr. Es ist das Zählen eines Mannes, dem die Menge mehr gilt als das Maß.

Der Anlass bleibt im Nebel. Die Drohung sei in vielen Ecken der Welt ausgesprochen worden. Wer sie ausgesprochen habe, wo und wann, verschweigt er. Ein Präsident, der einen Vernichtungsschlag ankündigt, stützt ihn auf ein Raunen von überallher. Es folgt die juristische Übervorsicht dessen, der sonst jede Vorsicht verachtet: ihn zu ermorden oder zu ermorden zu versuchen. Nicht erst der vollendete Mord, schon der Versuch soll ein ganzes Land kosten. Wer diesen Satz ernst nimmt, hat die Verhältnismäßigkeit nicht verbogen, sondern gestrichen.

Im Zentrum steht ein einziges Wort, in Großbuchstaben: ich. Der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, in diesem Fall ich. Hier fällt die Maske. Das Amt und der Mensch, die ein Präsident zu trennen gelernt haben sollte, fallen in eins. Nicht die Institution wird bedroht, sondern er, und für ihn soll die Welt brennen.

Dann der kälteste Satz des ganzen Textes: Die Befehle seien bereits erteilt. Ein Mechanismus also, der auslöst, wenn sein Urheber tot ist, ein Totmannschalter, wie ihn die Atommächte des Kalten Krieges ersannen, hier aber nicht zur Abschreckung gedacht, sondern als persönliche Rache über das eigene Grab hinaus. Das Militär sei bereit, willens und fähig, so seine Worte, eine feste Wendung des englischen Rechts, wie sie in Verträgen steht. Die Sprache des Immobilienhändlers, der er war, angewandt auf die Auslöschung eines Staates.

Es geht in diesem Ton weiter: für einen Zeitraum von 1 Jahr, verlängerbar. Ein Vernichtungsfeldzug mit einer Laufzeit wie ein Mietvertrag, samt Verlängerungsoption. Und schließlich das Ziel, ganz Iran vollständig zu dezimieren und zu zerstören, alle Gebiete des Landes. Dezimieren hieß bei den Römern, jeden zehnten Mann zu töten. Ihm genügt das nicht, er stellt das Wort neben die vollständige Zerstörung und meint das ganze Land. Es ist die Ankündigung eines Massenmords, getippt in ein soziales Netzwerk, zwischen Werbung und Belanglosigkeit.

Gelobt sei Allah

Und darunter die 3 Wörter, die man zweimal lesen muss, um ihre Absurdität zu fassen: Gelobt sei Allah. Ein Mann, der seit Monaten Krieg gegen ein Land führt, dessen Staatsreligion er hier anruft, beendet seine Vernichtungsdrohung mit dem Lobpreis eben jenes Gottes, in dessen Namen die andere Seite zurückschießt. Es ist entweder blanker Hohn oder die vollständige Gleichgültigkeit dessen, der Wörter nur noch als Wirkung kennt, nicht mehr als Bedeutung. Ganz zuletzt die Unterschrift wie unter einer Urkunde, Präsident Donald J. Trump, als brauchte ein Eintrag, der ohnehin seinen Namen trägt, noch die volle Amtsbezeichnung, damit auch der Letzte begreife, hier pöble nicht ein Mann, hier spreche ein Staat. Das ist das Ungeheuerliche, dass beides zugleich wahr ist.

Der Hintergrund ist eine Todesfurcht, die dieser Präsident in seiner zweiten Amtszeit kaum noch verbirgt. Geplagt von Beschwerden, von stark geschwollenen Knöcheln und auffälligen Blutergüssen an den Händen, hat er mehrfach laut darüber nachgedacht, ob er in den Himmel komme, und dabei erklärt, seine Aussichten auf die Himmelspforte stünden schlecht. Ein Mann, der seinen eigenen Ausschluss aus dem Paradies für wahrscheinlich hält, richtet nun 1000 Raketen so aus, dass sie noch feuern, wenn er selbst nicht mehr da ist, um das Feuer zu sehen. Wer nicht auf den Himmel hofft, plant offenbar die Hölle für die Zeit nach sich.

Anlass ist nicht bloße Einbildung. Mehreren bisher nicht belegten Darstellungen zufolge soll Israel Washington nachrichtendienstliche Hinweise auf einen mutmaßlichen iranischen Plan gegeben haben, Trump zu töten. Auf den Straßen Teherans zeigten Aufnahmen dieser Woche Plakate, die sein Leben forderten. Bei der Trauerfeier für den getöteten Ajatollah Ali Chamenei, den Trump am ersten Kriegstag hatte töten lassen, trugen die Trauernden Banner mit der Aufschrift, man werde Trump töten. Die Drohung ist also real. Die Frage ist nicht, ob sie besteht, sondern was ein Staatsoberhaupt aus ihr macht. Dieses hier macht daraus ein posthumes Bombardement und eine nächtliche Prahlerei.

Dazu passt eine Szene, die er lieber verschwiegen hätte. Auf dem Rückweg vom Gipfel des Nordatlantikbündnisses in der Türkei musste er das Flugzeug wechseln und seine glänzende neue Präsidentenmaschine vorübergehend stehen lassen, ein Geschenk der Regierung Katars. Es hieß, der Rückgriff auf die ältere Maschine, die Trump selbst als des Amtes unwürdig geschmäht hatte, sei aus Sicherheitsgründen nötig gewesen, weil Iran einen Anschlag plane. 2 frühere Sicherheitsbeamte sollen erklärt haben, der geschenkten Maschine fehlten die abhörsichere Verständigung und die militärische Abwehr, die man brauche, um einen Konflikt sicher zu führen, was besonders schwer wiege, seit der Waffenstillstand mit Iran erneut zerbrochen sei.

Trump selbst schrieb, seine neue Maschine sei zu einem amerikanischen Stützpunkt im Vereinigten Königreich geflogen worden, damit Soldaten sie besichtigen könnten. Auf die Frage bei der abschließenden Pressekonferenz in der Türkei, ob der Wechsel mit Sicherheitsbedenken zu tun habe, antwortete er, er stehe auf Irans Todesliste an Nummer 1. Er sagte es nicht wie einer, den es ängstigt. Er sagte es wie einer, den es schmeichelt. Hier liegt der wahre Gehalt dieser Nacht. Die Todesliste ist ihm kein Grund zur Sorge, sondern ein Titel. Er trägt die Gefahr wie einen Orden, weil sie ihm bestätigt, was er am meisten braucht, seine eigene Bedeutung. Montaigne wusste, dass gerade der Mächtige das Sterben fürchtet, weil er am meisten zu verlieren glaubt, und dass diese Furcht ihn grausam macht. Wer das Ende nicht annehmen kann, versucht, es zu überbieten.

Einem Boulevardblatt, der New York Post, vertraute er am selben Freitag noch seine Nachlassregelung an. Er habe Anweisungen hinterlassen, sagte er, falls etwas geschehe, man solle sie dann buchstäblich auf einem Niveau bombardieren, das sie nie zuvor gesehen hätten. So klingt ein Testament im Jahr 2026. Kein Wort an die Seinen, keine Sorge um das Land, nur die Aussicht, dass sein Tod ein ganzes Volk mit in den Abgrund zieht.

Man sollte ein Leben so führen, dass der Tod uns nicht mehr abnehmen kann als einen ruhigen Nachmittag. Von solcher Gelassenheit ist dieser Mann so weit entfernt wie seine Rakete vom Frieden. Er hat 1000 Gründe, sich unsterblich zu fühlen, und keinen einzigen, es zu sein.

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