In Versailles unterschrieb Trump das Abkommen mit dem Iran, im Schloss der historischen Verträge, beim Diner unter goldenen Türen zum zweihundertfünfzigsten Geburtstag Amerikas. Wer wann was unterzeichnete, blieb unklar, der Vertrag lässt sich jederzeit aufkündigen, und seine einzige Sicherheit ist die Drohung mit der nächsten Bombe.
Es ist unterschrieben, sagte Trump, als er Versailles verließ, er habe es soeben in Versailles unterschrieben. Im Schloss der französischen Könige setzte der Präsident am Mittwoch seinen Namen unter die Absichtserklärung mit dem Iran, ohne Kameras, wie das Weiße Haus einräumte. Schon am Sonntag aber war das Papier digital gezeichnet worden, und während der pakistanische Premier Shehbaz Sharif meldete, das Abkommen trete mit sofortiger Wirkung in Kraft und beide Seiten hätten es unterschrieben, ließ das iranische Außenministerium wissen, die für Freitag in der Schweiz geplante Zeremonie werde nun doch nicht stattfinden.
Trump hat die Absichtserklärung mit dem Iran für eine 60-tägige Waffenruhe und die Wiederöffnung der Straße von Hormus unterzeichnet. Auch der Iran hat die Absichtserklärung unterzeichnet.
Wer wann unterschrieb, blieb den ganzen Tag in der Schwebe. Am Sonntag hätten Trump und Vizepräsident JD Vance, dazu Irans Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf das Papier gezeichnet, hieß es zu Wochenbeginn, am Mittwoch nun Trump und der iranische Präsident Masoud Pezeshkian, sagte ein amerikanischer Beamter, während Teheran zunächst schwieg. Ob Trumps Unterschrift in Versailles sich von der digitalen vom Sonntag unterschied, erklärte niemand, und ebenso wenig, ob mit ihr die sechzig Tage zu laufen begannen, die bis zu einem endgültigen Vertrag bleiben. Vermittelt hatten Pakistan und Katar, deren Zeremonie nun in der Luft hing.
Der Ort war kein gleichgültiger. In Versailles sind über die Jahrhunderte viele Verträge geschlossen worden, die Kriege oder Grenzstreite beendeten, der berüchtigtste 1919, der den Ersten Weltkrieg beschloss und dessen harte Auflagen für Deutschland manchen Historikern als Ursprung des Zweiten gelten. Dass ausgerechnet hier ein neuer Friede unterschrieben wurde, im Saal, in dem schon einmal ein Friede so geschrieben wurde, dass er den nächsten Krieg in sich trug, blieb dem Anlass äußerlich, doch wer Geschichte kennt, hörte den Nachhall.

Gefeiert wurde der zweihundertfünfzigste Geburtstag Amerikas. Macron führte Trump vor den berühmten goldenen Türen den Fotografen vor und ließ ein Diner auftragen, das Alain Ducasse bereitet hatte, weißen Spargel mit Hummer und Kaviar, Huhn mit Trüffeln, dazu eine Schokoladentorte mit Vanilleeis. Das Schloss, sagte Macron, sei ein Mittel der Diplomatie und ein Werkzeug des Einflusses, ehrlicher, als er vielleicht wollte.
Was da unterschrieben wurde, nannte ein Beamter ein Abkommen unter Ehrenmännern. Jede Seite könne jederzeit aussteigen, bis ein endgültiger Vertrag stehe, und sollten die Gespräche nicht vorankommen, werde man die Schraube wieder sehr scharf anziehen. Wie der Vertrag denn durchzusetzen sei, fragte man Trump, und er antwortete, was er sonst tun solle, sie vor Gericht zerren, man werde sie aus dem Iran herausbomben, wenn sie ihn brächen. Er glaube nicht, dass es so weit komme, und wolle die Angriffe nicht wieder aufnehmen, doch im Krieg geschähen schlimme Dinge.
Den Wortlaut hatten amerikanische Beamte nach Tagen der Verschwiegenheit den Journalisten diktiert, während der Iran ihn weiter zurückhielt. Vierzehn Absätze umfasst das Papier. Es setzt einen Mindeststandard für das Herabmischen des hoch angereicherten iranischen Urans und sichert die Unversehrtheit des Gebiets von Libanon nach den jüngsten israelischen Angriffen. Washington setzt die Sanktionen aus, ohne sie aufzuheben. Die Durchfahrt durch die Straße von Hormus bleibt sechzig Tage gebührenfrei, spätere Gebühren aber schließt der Entwurf nicht aus, und der Iran werde die Straße nicht in den Zustand vor dem Krieg zurückkehren lassen, sagte Ghalibaf, die Bezahlung für die Durchfahrt sei festgeschrieben.

Trump nennt sein Abkommen eine Mauer gegen die Bombe und das von Obama eine Straße zu ihr. Vergleichen lassen sich beide kaum. Der Vertrag von 2015 war ausführlich, achtzehn Seiten und mehr, geschlossen zwischen dem Iran, den Vereinigten Staaten und fünf weiteren Mächten samt der Europäischen Union. Das heutige Papier ist vage und vorläufig, ein Umriss des Weges, an dessen Ende ein voller Vertrag stehen soll. Der vorgesehene Wiederaufbaufonds von dreihundert Milliarden Dollar überträfe die 1,7 Milliarden, die Obama dem Iran einst erstattete, um ein Vielfaches. Obama selbst gab sich zweifelnd, es sei fraglich, ob Trumps Abschluss wesentlich besser ausfalle, und erinnerte daran, dass man Probleme selten wegbomben könne, wo Diplomatie achtzig oder neunzig Prozent löse und den Krieg erspare.
Eine Frage aber ließ der Tag offen, und sie wog schwerer als alle Unterschriften. Ob er jemanden in seiner Regierung für den Raketenangriff auf eine Grundschule im Iran zur Rechenschaft ziehe, der über hundertfünfundsechzig Menschen tötete, wurde Trump gefragt, und er deutete an, dass er es nicht tun werde. Die Frage sei seltsam, der Angriff liege lange zurück, in den ersten Tagen des Krieges, Fehler seien vielleicht gemacht worden, doch niemand habe es mit Absicht getan. Das Verteidigungsministerium untersuche den Fall noch. Es waren Kinder, die in jener Schule starben, und der Präsident, der den Frieden unter goldenen Türen beging, fand für sie kein Wort, das über die Bemerkung hinausging, im Krieg geschähen schlimme Dinge.
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Selbst aus den eigenen Reihen kam Widerspruch. Der Senator Bill Cassidy aus Louisiana nannte das Abkommen den schwersten außenpolitischen Fehlgriff seit Jahrzehnten, Reagan drehe sich im Grabe um. Vor dem Krieg sei die Straße offen gewesen, der Iran unter Sanktionen am Boden und dreizehn amerikanische Soldaten am Leben, nun seien dreizehn Amerikaner tot, die Familien hätten an der Zapfsäule Milliarden gezahlt, die Sanktionen fielen, und das Bomben habe aufgehört. Cassidy hatte seine Vorwahl verloren, nachdem Trump dessen Gegner unterstützte. Der Senator Ted Cruz aus Texas sprach von schlechtem Rat, den der Präsident erhalte, Milliarden an theokratische Wahnsinnige zu geben, die einen töten wollten, sei keine gute Idee, und kein Cent solle dem Ayatollah aus der freien Durchfahrt zufallen.
Eröffnet hatte Trump die Pressekonferenz mit einem vierzigminütigen Monolog, der von Iran und Ukraine bis zu Drogen in Radkappen reichte, er rühmte sich der gesicherten Grenze und meinte, Mexiko habe die Kontrolle über das eigene Land verloren und Präsidentin Claudia Sheinbaum sei verängstigt. Das eingefrorene Vermögen des Iran, sagte er, sei nicht das amerikanische, sondern das iranische, man werde es wohl zurückgeben müssen, denn behielte man es, vertraute niemand mehr dem Dollar. Scheitere das Abkommen, scherzte er, gebe er Vance die Schuld, gelinge es, nehme er selbst den Ruhm. Und jedes Mal, wenn man von Frieden gesprochen habe, sei die Börse gestiegen wie eine Rakete, der eine Präsident, der er nie habe sein wollen, sei der glücklose Herbert Hoover gewesen.
Trump: „Wenn das Iran-Abkommen funktioniert, werde ich mir den Erfolg zuschreiben. Wenn es nicht funktioniert, gebe ich JD die Schuld.“ Eine Aussage, die Trump nicht zum ersten Mal in dieser Form traf.
Mit ungewohnter Härte sprach Trump über Israel. Er empfinde Mitleid mit Libanon und riet dem israelischen Premier Benjamin Netanyahu zu einem sanfteren Vorgehen, man müsse nicht jedes Mal ein Gebäude einreißen, wenn jemand von der Hisbollah es betrete. Libanon sei einst eine der höchsten Kulturen des Nahen Ostens gewesen und in den letzten Jahrzehnten zugrunde gerichtet worden, in den nächsten Wochen werde ein Besuch von dort in Washington erwartet.
„Gebäude werden auf die Menschen niedergerissen oder direkt neben ihnen zerstört. Wie würden Sie dort leben wollen? Das ist so ungerecht, besonders in Beirut. Wissen Sie, man fährt nach Beirut – ich habe mir die Bilder angesehen, ich habe mir die Aufnahmen vor zwei Tagen angesehen, gestern, dort, wo sie eingeschlagen haben. Das war ein schwerer Angriff. Das war aus meiner Sicht unnötig.“
Macron verteidigte den Vorwurf, Trump den roten Teppich auszurollen. Mit einem Bild aus dem Fußball sagte er, ob daheim oder auswärts, er wolle Tore schießen und einem Gast ein schönes Willkommen bereiten. Er habe Trump stets vertraut, auch im Streit um die Zölle, nachdem dieser hundert Prozent Aufschlag auf französische Weine angedroht hatte, sollte eine europäische Digitalsteuer nicht fallen. Eine amerikanische Anweisung, die Ausländern die neuesten Modelle der Firma Anthropic verwehrt und das Unternehmen zwang, sie vom Netz zu nehmen, nannte er streng nationalistisch. Giorgia Meloni lobte die Einheit des Westens und den Druck auf Moskau, das Ziel seien direkte Gespräche zwischen Selenskyj und Putin, von dem bislang kein ernsthaftes Zeichen komme. Der Gipfel, an dem Selenskyj teilnahm, habe Trump überzeugt, dass Russland derzeit nicht ernsthaft verhandeln wolle, sagte Macron und sprach von einem Moment von Évian.
Die Hilfsorganisation Oxfam nannte den Gipfel einen der Auslassungen, Klima und Gleichheit, auch die Menschenrechte seien beiseitegeschoben worden, um Trumps Teilnahme zu sichern, das Schweigen sei zur Strategie geworden, immerhin habe man zu einer gemeinsamen Antwort auf den Ebola-Ausbruch im Kongo aufgerufen. Was Oxfam eine Auslassung nennt, erleben wir Tag und Nacht. Was in Amerika geschieht, sehen wir rund um die Uhr. Die Verstöße gegen die Menschenrechte sind eklatant, Tausende unschuldige Menschen sitzen in Haft, und wir versuchen, jeden Einzelnen wieder in die Freiheit zu holen, gequält von einer ICE, die einer Miliz gleicht und von einem extremen Rechtspopulismus getrieben wird, vor dem auch Europa inklusive Deutschland nicht geschützt ist. Auch den Iran haben wir wochenlang unmittelbar vor Ort erlebt, gesehen, wie ohne Sinn und Verstand Bomben auf Ziele fielen, die nicht im Ansatz einer militärischen Logik folgten. Dass das Regime in Teheran barbarisch ist, bleibt unbestritten, bestraft aber wurde ein ganzes Volk. Wenn das der Anspruch des Jahres 2026 an die Menschenrechte sein soll, ist in den letzten Jahren vieles falsch gelaufen.
Die Menschenrechte brauchen mehr als dringend Unterstützung, und dem Rechtspopulismus Einhalt zu gebieten verlangt noch weit mehr, Unterstützung und Wehrhaftigkeit. Man könnte das alles nach Art einer Agentur abhandeln, doch das ist nicht unsere Art. Dass kommende Generationen im Regen stehen gelassen werden, wie es eben jetzt geschieht, muss deutlich ausgesprochen werden, und dass Politiker wie Trump ihren Weg so nicht weitergehen dürfen, ist mehr Pflicht als Diplomatie. Die Diplomatie ist eine feine und wichtige Sache, doch sie lebt von der Verlässlichkeit, und mit Trump ist man schlicht verlassen.
Käme es zur Unterschrift beider Präsidenten, wäre es ein großer Schritt für zwei Länder, deren Beziehungen 1980 über die Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft in Teheran abrissen. Pezeshkian war mit dem Versprechen besserer Beziehungen zum Westen angetreten, doch seit der Iran im Januar Tausende protestierende Menschen getötet hatte und die Hardliner die Hebel des Gottesstaates übernahmen, steht er am Rand.

Vor fünfzehn Wochen noch hatte Trump verkündet, es werde kein Abkommen geben außer der bedingungslosen Kapitulation, und als der Wortlaut nun Absatz für Absatz verlesen wurde, las er sich nach allem, nur nicht nach einer Kapitulation. Der Iran ging aus der Begegnung mit der stärksten Armee der Welt nicht nur lebend hervor, sondern mit dem Beweis, dass das wirtschaftliche Chaos seine schärfste Waffe ist, die Straße gesperrt, Anlagen und Stützpunkte am Golf in Brand gesetzt, und nach Trumps eigenem Wort hat es gewirkt. Antony Blinken, einer der Architekten des Abkommens von 2015, spottete, der einzige Erfolg sei die Wiederöffnung einer Straße, die vor dem Krieg offen war, wofür man den Iran nun mit Ölfreigaben bezahle. Die längere Lehre aber ist die bitterste. Zwei Jahrzehnte stand der Iran an der Schwelle zur Bombe, ohne sie zu überschreiten, und wurde dafür zweimal bombardiert, während Nordkorea, das den Weg zur Bombe einst zu Ende ging und heute über sechzig Sprengköpfe verfügt, von Trump keine Drohung mehr hört. Wer daraus den falschen Schluss zieht, hat ihn vielleicht schon gezogen.
So endete der Tag, an dem in Versailles ein Friede unterschrieben wurde, den jede Seite jederzeit verlassen darf und den nur die Drohung mit der nächsten Bombe bindet. Der Mann, der das Gold der Türen bewunderte, setzte seinen Namen an den Ort, an dem Europa einst die Bedingungen schrieb, aus denen der nächste Krieg erwuchs, und für die Kinder, die in einer iranischen Schule starben, fand er nur den Satz, im Krieg geschähen schlimme Dinge. Ein Friede, dessen erste Sicherheit die angedrohte Bombe ist, trägt den nächsten Krieg schon in sich. Versailles weiß, wie das endet.
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