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Es gibt eine Demütigung, die so weit geht, dass sie aufhört, persönlich zu sein, und zur politischen Kategorie wird. Mark Rutte, Generalsekretär der NATO, hat diese Grenze überschritten – nicht einmal, nicht versehentlich, sondern systematisch und mit erkennbarer Überzeugung!

Heute reist Rutte ins Weiße Haus, um Donald Trump zwei Wochen vor dem NATO-Gipfel in der Türkei zu besänftigen. Trump hat erneut gedroht, das 77 Jahre alte Militärbündnis zu verlassen – diesmal mit dem Argument, dass europäische Verbündete sich geweigert haben, ihm beim Wiederöffnen der Straße von Hormus zu helfen, die seit dem Iran-Krieg geschlossen ist. Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte vergangene Woche in Brüssel nachgelegt und eine sechsmonatige Pentagon-Überprüfung der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa angekündigt. Er kritisierte die Verbündeten dafür, dass sie den USA ihre Stützpunkte in Europa nicht für Angriffe auf Iran zur Verfügung gestellt hatten – obwohl die NATO vor Kriegsbeginn am 28. Februar nicht konsultiert worden war.

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Ruttes Methode in dieser Lage ist bekannt. Er schmeichelt. Er lobt. Er kapituliert präventiv. Auf Fox News – dem Sender, den Trump bekanntlich täglich konsumiert – trat er am Dienstagabend auf und pries Trump als den eigentlichen Führer der NATO, erklärte, er stehe „vollständig hinter ihm“ im Iran-Konflikt, und bezeichnete die Kritik an der Stützpunktfrage als „Einzelfälle“. Das ist die Sprache eines Mannes, der nicht verhandelt. Es ist die Sprache eines Mannes, der bittet.

Aber Rutte geht weiter. Beim NATO-Gipfel im vergangenen Jahr nannte er Trump „Daddy“. Er schickte ihm private Textnachrichten in Trumps eigentümlichem Stil – mit zufällig großgeschriebenen Wörtern – und schrieb:

„Europa wird in großem Stil zahlen – so wie es sein sollte – und das wird dein Sieg sein.“ Trump veröffentlichte diese Nachricht in den sozialen Medien. Im Januar folgte eine weitere Nachricht, die mit den Worten endete: „Ich kann es kaum erwarten, dich zu sehen. Dein Mark.“

Trump teilte auch diese.

Man muss sich die Szene vorstellen: Der Generalsekretär des mächtigsten Militärbündnisses der Welt schreibt private Unterwerfungsbotschaften an einen US-Präsidenten, der sie öffentlich zur Schau stellt wie Trophäen. Und Rutte lässt es geschehen. Mehr noch: Er wiederholt es. Das ist keine Diplomatie mehr. Das ist Selbstauslieferung als Strategie.

Die philosophische Tradition kennt diesen Typus. Hegel beschrieb das Verhältnis von Herr und Knecht nicht als stabile Hierarchie, sondern als eine, die den Knecht am Ende korrumpiert und den Herrn von der Realität entfremdet. Was Rutte praktiziert, ist eine Variante davon: Er gibt Trump das Gefühl der Überlegenheit, in der Hoffnung, dass dieser das Bündnis nicht zerstört. Ob diese Wette aufgeht, weiß niemand. Was sie kostet, ist offensichtlich.

Die NATO wurde 1949 gegründet, um der sowjetischen Bedrohung europäischer Sicherheit entgegenzuwirken. Ihr Kern ist der Kollektivverteidigungsartikel – ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle. Er wurde ein einziges Mal aktiviert: 2001, nach den Anschlägen auf New York und Washington, als Europa für Amerika einstand. Heute droht ein amerikanischer Präsident, das Bündnis zu verlassen, weil europäische Länder sich geweigert haben, Stützpunkte für einen Krieg bereitzustellen, über den sie nicht einmal informiert worden waren. Und der Generalsekretär des Bündnisses antwortet darauf mit Liebesbriefen.

Trump hat die europäischen Verbündeten auch im vergangenen Jahr unter Druck gesetzt, ihre Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2035 zu erhöhen. Rutte hat ihm dafür gedankt. Trump drohte, Grönland zu annektieren – ein Territorium des dänischen Verbündeten. Rutte hat es verwunden. Trump lässt seinen Verteidigungsminister die Truppenpräsenz in Europa in Frage stellen. Rutte fährt nach Washington und lobt.

Es gibt für diese Haltung eine wohlwollende Lesart: Rutte hält das Bündnis zusammen, indem er den Preis persönlicher Würde zahlt. Vielleicht. Aber diese Lesart setzt voraus, dass ein Bündnis, das nur durch permanente Erniedrigung seines Generalsekretärs zusammengehalten wird, noch als Bündnis funktioniert. Ob das stimmt, wird der Gipfel in der Türkei zeigen.

Bis dahin schreibt Mark Rutte Nachrichten. Und Trump veröffentlicht sie.

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