Das Kuchenrezept aus dem Justizministerium – Wie aus Trumps Akten plötzlich Nachtisch wurde

VonRainer Hofmann

Mai 21, 2026

Manche Geschichten aus Washington lesen sich inzwischen wie schlechte Drehbücher. Diesmal taucht zwischen geheimen Regierungsunterlagen, einem gesperrten Ermittlungsbericht und Donald Trump plötzlich ein Kuchenrezept auf. Genauer gesagt zwei Kuchenrezepte. Zumindest dem Dateinamen nach.

Die frühere Bundesstaatsanwältin Carmen Mercedes Lineberger aus Florida steht im Zentrum einer neuen Anklage des US-Justizministeriums. Der Vorwurf wiegt schwer. Sie soll eine Kopie eines bislang unter Verschluss stehenden Berichts des Sonderermittlers Jack Smith an ihre private E-Mail-Adresse geschickt haben. Nach Angaben der Ermittler geschah dies, obwohl eine richterliche Anordnung ausdrücklich untersagte, den Bericht weiterzugeben, zu übertragen oder Kopien zu verbreiten.

Ehemaliger Sonderermittler des US-Justizministeriums Jack Smith, Carmen Mercedes Lineberger

Laut Anklage arbeitete Lineberger damals als Staatsanwältin im Southern District of Florida und leitete die Niederlassung in Fort Pierce. Im Dezember soll sie den Bericht über die Ermittlungen gegen Donald Trump im Zusammenhang mit geheimen Dokumenten auf ihrem Regierungscomputer gespeichert und anschließend weitergeleitet haben. Der Bericht fasste die Untersuchung von Jack Smith und dessen Team zusammen und behandelte Trumps Umgang mit geheimen Unterlagen in Mar-a-Lago.

Besonders auffällig ist die Art, wie die Unterlagen laut Ermittlern weitergeleitet worden sein sollen. Der ursprüngliche Dateiname soll verändert worden sein. Aus dem Bericht wurde plötzlich „Bundt_Cake_Recipe.pdf“, auf Deutsch also ein Kuchenrezept für einen Gugelhupf. Unter genau diesem Namen soll die Datei gespeichert und an die private Adresse verschickt worden sein. Selbst die Betreffzeile der E-Mail soll denselben Namen getragen haben.

Doch damit endet die Geschichte nicht

Monate zuvor soll Lineberger laut Anklage bereits interne Mitteilungen des Justizministeriums und Teile eines internen Vermerks mit Kennzeichnungen für den offiziellen Dienstgebrauch gesammelt haben. Auch diese Dokumente sollen an ihre private E-Mail-Adresse geschickt worden sein. Diesmal unter dem Dateinamen „Chocolate_cake_recipe.pdf“. Warum sie dies getan haben soll, bleibt offen. Die Anklage nennt keinen erkennbaren Zweck. Die Staatsanwaltschaft erklärt lediglich, dass Lineberger beruflichen Zugriff auf die Unterlagen hatte. Was sie mit ihnen außerhalb des Dienstsystems wollte, bleibt bisher unbeantwortet.

Eine Geschichte wie diese gehört eigentlich zwischen die Seiten eines Comichefts, dorthin, wo das Übertriebene erlaubt ist und das Unwahrscheinliche eine Heimat hat. Doch sie spielt nicht dort. Und genau das macht sie zu einer Absurdität, die niemand erfunden haben wollte.

Vor Gericht in West Palm Beach bekannte sich Lineberger nicht schuldig. Ihr Anwalt reagierte zunächst nicht auf Anfragen.

Im Hintergrund läuft dabei eine deutlich größere Geschichte weiter. Der Bericht von Jack Smith gehört zu einem Verfahren, das Donald Trump lange juristisch unter Druck setzte. Trump wurde vorgeworfen, nach seiner ersten Amtszeit zahlreiche geheime Regierungsunterlagen in Mar-a-Lago aufbewahrt und Rückgabebemühungen behindert zu haben.

Die Öffentlichkeit hat diesen Bericht bis heute nie gesehen.

Richterin Aileen Cannon stellte sich auf die Seite von Trumps Anwälten, die argumentierten, eine Veröffentlichung wäre nach dem Wahlsieg Trumps im Jahr 2024 unfair und nachteilig. Nachdem Jack Smith das Verfahren eingestellt hatte, blieb der Inhalt unter Verschluss.

Am Ende steht noch eine Aussage des heutigen FBI-Direktors Kash Patel im Raum. Seine Behörde werde diejenigen zur Verantwortung ziehen, die das Vertrauen der amerikanischen Öffentlichkeit verletzt hätten, und sprach gleichzeitig von einer Untersuchung, die seiner Ansicht nach niemals hätte eingeleitet werden dürfen.

Und genau dort entsteht eine neue Frage. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur um Dateinamen, E-Mails oder ein angebliches Kuchenrezept. Es geht um ein Justizsystem, das seit Jahren in politischen Schlachten steht, um geheime Berichte, die niemand lesen darf, und um Verfahren, deren Geschichte noch immer nicht abgeschlossen scheint.

Nur eines steht bereits fest.

Wenn geheime Ermittlungsakten am Ende aussehen wie Backanleitungen, dann ist in Washington längst etwas aus dem normalen Rahmen geraten.

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