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Alles war vorhergesagt, nur nicht gewollt

VonTEAM KAIZEN BLOG

25. August 2026

Nach Bomben und Verhandlungen soll nun der Hunger Teheran beugen, dabei hatten die eigenen Berater dem Präsidenten diesen Ausgang vor dem ersten Schuss vorgerechnet. Tage bevor die ersten Maschinen Richtung Iran abhoben, ließ Präsident Trump seine Geheimdienstchefin ins Oval Office kommen, mit der Frage, die man gewöhnlich vor einem Krieg beantwortet, nicht danach: ob ein umfassender Angriff eine gute Idee sei. Iran stehe so schwach da wie seit Jahrzehnten nicht, hätten ihm hochrangige Berater und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu versichert. Eine seltene Gelegenheit, das Atomprogramm zu zerschlagen und das Vermächtnis als Friedensstifter zu vergolden. Offen blieb, ob ein großer Schlag das Regime gleich mit stürzen würde.

Die damalige Direktorin der Nationalen Nachrichtendienste, Tulsi Gabbard, trug vor, was der Apparat wusste. Die Tötung des obersten Führers werde wahrscheinlich ein härteres Regime hervorbringen, das erst recht nach der Bombe greife. Teheran werde die Straße von Hormus schließen und den Energiemarkt in Aufruhr versetzen. Und es werde amerikanische Truppen und Partner angreifen, bis die Verbündeten an der Verlässlichkeit Washingtons zweifelten. Was Gabbard sagte, sagten auch die Generäle. Ein Krieg fordere Opfer und zehre an den Beständen einer überdehnten Truppe, deren Einsatzbereitschaft weiter sinke. Trump wischte die Bedenken beiseite, das Militär löse jedes Problem, sobald es auftrete. Verteidigungsminister Pete Hegseth und der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, General Dan Caine, versicherten mehrfach, sie kämen mit jeder Komplikation zurecht.

Am 28. Februar fielen die Bomben. Trump rief die Iraner auf, ihre Regierung zu stürzen, und versprach ein Ende binnen 6 Wochen. Fast 6 Monate später feuern die Revolutionsgarden in der Meerenge auf Handelsschiffe, ein Ende ist nirgends zu sehen. Der Krieg kostete schätzungsweise 3.000 Iranern und 18 amerikanischen Soldaten das Leben, 756 weitere wurden nach Angaben des Pentagon verwundet. Er beschädigte US-Stützpunkte und ließ die Munitionsbestände schrumpfen. Die Ölreserven sind geleert. Vor den Zwischenwahlen belastet das die Republikaner, Trumps Umfragewerte fielen auf den tiefsten Stand seiner Amtszeit.

Zu dem, was er wolle, einem Abkommen, das Irans Atomprogramm dauerhaft begrenze, und dem Ruhm des historischen Kriegspräsidenten, sehen frühere Mitarbeiter des Weißen Hauses keinen bequemen Weg mehr. „Das alles war vorhersehbar und wurde vorhergesagt“, sagte Eric Brewer von der Nuclear Threat Initiative, der unter beiden Parteien gedient hat. Vom Krieg ohne politisches Ziel lasse sich eine gerade Linie zu jener Diplomatie ziehen, die ihn nicht habe beenden können.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Olivia Wales, hält dagegen. Trump habe Militär und Atomanlagen des Landes weitgehend zerstört und schicke sich an, mit Seeblockade und Sanktionen die Wirtschaft zu zerschlagen. „Er wird niemals zulassen, dass Iran eine Atomwaffe besitzt“, sagte Wales. Teheran sei gut beraten, ein Abkommen zu schließen, sonst wisse es, was folgen könne. Begonnen hatte das Jahr mit dem Wunsch, amerikanische Stärke vorzuführen. Im Juni 2025 hatten Kampfjets 3 iranische Atomanlagen getroffen, im Januar war der venezolanische Staatschef Nicolás Maduro gefasst worden. Netanyahu empfahl Iran als das nächste Feld.

Nicht jeder wollte diesen Krieg. Vizepräsident JD Vance warb für den langsameren Weg: Iran lasse sich vielleicht am Verhandlungstisch zur Aufgabe des Atomprogramms bewegen, riskant zwar, doch billiger als ein Feldzug mit kaum absehbaren Folgen, zumal die iranische Wirtschaft unter den Sanktionen ohnehin zerfalle. Scheitere dieser Weg, besäße ein späterer, schneller Schlag umso mehr Berechtigung. Trump hörte zu und wählte dann die „entscheidenden“ Optionen des Pentagon.

Admiral Brad Cooper, Chef des US-Zentralkommandos, führte mit Hegseth und Caine die Ziele vor: Raketenwerfer, Radaranlagen, Waffenfabriken, Minenlager, Kriegsschiffe. Die Islamische Republik solle überwältigt und gelähmt werden, während Israel ihre Führung ausschalte. Das Pentagon liefere unvoreingenommene Informationen, erklärte ein Vertreter des Weißen Hauses. Ein Sprecher Caines wollte sich nicht äußern, das Zentralkommando verwies auf Anfrage an das Büro des Verteidigungsministers, das schwieg. Während der Krieg lief, betraten CIA-Direktor John Ratcliffe und Unterhändler Steve Witkoff eine Spendengala in Mar-a-Lago mit einer Nachricht: Israel habe Irans obersten Führer Ali Khamenei getötet. Trump ließ sie die Meldung gleich den Gästen verkünden, der Saal klatschte, der Präsident verschränkte die Arme und reckte die Brust. Die CIA äußerte sich auf Anfrage nicht.

Der Beifall verklang schneller, als die Rechnung wuchs. Auf dem Thron des getöteten Vaters saß der Sohn Mojtaba Khamenei, härter und ohne Gedanken an Kapitulation, wie Gabbard es vorhergesagt hatte. Die Verluste an Männern und Gerät stellten die Frage, was dieser Krieg einbrachte. Die geschlossene Straße von Hormus legte ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasverkehrs lahm und trieb die Spritpreise nach oben. Staatschefs am Golf, unter ihnen Saudi-Arabien und Katar, baten in Washington um ein Ende und eine Lösung, bei der niemand das Gesicht verliere. Auch Republikaner riefen an, der Krieg schade der Partei im November. Intern grollte Trump und fragte, warum Iran unter dem Dauerbeschuss nicht falle.

Eine Waffenruhe kam zustande. Verteidigungsbeamte sahen zu, wie Teheran die Pause nutzte und Dutzende Minen in einen kleinen Abschnitt der Meerenge legte. Mitte April, noch unschlüssig, fragte Trump einen Freund, ob er dem Iran „die Scheiße wegbomben“ solle. Der riet ab, das ziehe die Vereinigten Staaten nur tiefer in einen wachsenden Nahostkrieg. Am 17. Juni kam der Durchbruch, eine vorläufige Einigung zur Öffnung der Meerenge und ein Fenster von 60 Tagen für Atomgespräche. Warum er sich mit dem Vorläufigen begnüge, wollten Vertraute wissen; Trump verwies auf interne Umfragen, wonach fast 80 Prozent der Amerikaner ein Ende wollten, gleich zu welchem Preis. Kurz darauf beschoss Teheran wieder Schiffe. Trump nahm es als Verrat.

Von da an drehte sich das Rad: ein verkündetes Abkommen, sein rasches Scheitern, dann Drohungen, mal wahr gemacht, mal zurückgezogen mit Verweis auf neue Fortschritte bei der Demontage des Atomprogramms. Ende Juli befahl Trump einen Schlag, größer als alles seit dem Zweiten Weltkrieg, und zog den Befehl zurück, als regionale Staatschefs zur Mäßigung drängten. Trump setzt nun auf Sanktionen und eine dauerhafte Blockade, die auch die eigene Truppe zermürbt. Dazu das Warten, das Iran nach seiner Erzählung auf Knien zu ihm kriechen lassen soll. Öffne sich die Wasserstraße wieder, ließe sich der Sieg auch ohne Atomabkommen ausrufen.

Am 17. August verstrich die Frist der Atomgespräche. 3 Tage darauf verkündete Finanzminister Scott Bessent den Umstieg auf den Wirtschaftskrieg, der das „Regime zum Einsturz“ bringen solle, getauft auf den Namen Operation Economic Outcast. 6 Monate nach dem ersten Schuss ist das Wort vom Regimewechsel zurück, dort, wo alles begann, nur um vieles teurer.

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