Ein Gesicht gehört gewöhnlich einem einzigen Menschen. Donald Trump hat am Sonntag eines geteilt. Auf seiner Plattform Truth Social zeigt er eine Fotomontage, zur Hälfte Präsident, zur Hälfte Elvis Presley, zu einer Person zusammengefügt. Erklärt wird nichts. Amerika möge beim Anblick seines Präsidenten an den König des Rock ’n’ Roll denken, mehr verlangt das Bild offenbar nicht. Einen Tag später wählt das Land seinen Kongress. Die Lage der Republikaner ist angespannt, ihr Präsident betrachtet sein Spiegelbild.
Neu ist allein der Partner. Bereits 2022 verkaufte Trump digitale Sammelkarten, auf denen seine Gesichtszüge künstlich nachgebessert waren und die Muskulatur ausgesprochen großzügig bemessen. Mal flog er als Astronaut, mal kämpfte er als Superheld. Auf einer Karte schleuderte er Blitze wie ein Gott, auf einer anderen stand er an George Washingtons Stelle im Boot über den Delaware. Den Cowboy ließ er sich ebenfalls nicht nehmen. Mit der Wirklichkeit hatten diese Bilder wenig zu schaffen, mit dem Geschäft schon. Berichten zufolge brachten die Karten rund 4,6 Millionen Dollar ein.
Elvis begleitet ihn seit Jahrzehnten. In seiner ersten Amtszeit verlieh Trump dem 1977 verstorbenen Sänger nachträglich die Freiheitsmedaille des Präsidenten, eine der höchsten zivilen Auszeichnungen der Vereinigten Staaten. Auf Wahlkampfveranstaltungen erzählte Trump immer wieder, man habe ihn als Jungen seines guten Aussehens wegen mit Elvis verglichen. Die Geschichte hat einen einzigen Zeugen, und der hält das Mikrofon. Sein Publikum durfte sich aussuchen, ob es lachen oder klatschen wollte.

Im März 2026 stand Trump in Graceland, dem einstigen Anwesen des Sängers in Memphis. Er bewunderte dessen Berühmtheit und schwärmte von seinem musikalischen Genie. Elvis habe er nie persönlich kennengelernt, bedauerte er. Die Verehrung hat inzwischen fast religiöse Züge. Sehnsucht richtet sich stets auf das, was fehlt. Ein Präsident geht durch das Haus eines toten Sängers und sieht dessen Ruhm an, wie Menschen sonst Dinge ansehen, die ihnen nie gehören werden.
Dieselbe Kunst der Selbstbezeugung wendet Trump auf seinen Kopf an. Mehrfach versichert er, er habe mehrere kognitive Tests bestanden, darunter Verfahren, mit denen sich Demenzerkrankungen erkennen lassen. Seine Schilderungen der Aufgaben wechseln allerdings, und teilweise decken sie sich nicht mit den Angaben der Entwickler. Bei ihm wird eine Versicherung zum Nachweis, sobald er sie oft genug wiederholt hat. Ein medizinischer Befund gewinnt durch Selbstlob nichts. Das scheint ihn kaum zu stören.
Gründe, sich mit anderem zu befassen, liefert er seit Wochen selbst. Auf seinen Reisen durchs Land redet er ausführlich über den geplanten Ballsaal des Weißen Hauses. Iran droht er mit weiteren Maßnahmen. Zeitweise gilt seine innigste Aufmerksamkeit dem Hinterteil des republikanischen Senators Jon Husted aus Ohio, dessen körperliche Vorzüge er öffentlich würdigt. Ein Land steht vor einer wichtigen Wahl, und sein Präsident ordnet die Dringlichkeiten nach eigenem Geschmack.
Elvis musste sich den Weltruhm ersingen. Trump reicht eine Montage, um wenigstens fürs Auge in seiner Gesellschaft zu erscheinen. Am 3. November entscheiden die Amerikaner, wie ihr Kongress künftig aussieht. Kurz davor hat ihr Präsident noch eine private Angelegenheit erledigt und sich einen Platz neben dem König verschafft. Die andere Hälfte des Gesichts gehört weiter einem Toten. Gefragt hat ihn niemand.
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