Trumps Amerika hat die Rechnung bekommen: 8 von 10 Wählern wollen einen politischen Umbruch

VonTEAM KAIZEN BLOG

16. Oktober 2026

Donald Trump hatte den Amerikanern versprochen, die Energiekosten zu halbieren. Jetzt kleben an Tankstellen Aufkleber mit seinem Gesicht und den Worten „Das war ich!“. Daneben stehen die Benzinpreise. Knapp vier Wochen vor der Kongresswahl dokumentiert eine landesweite Befragung, wie weit die Wirklichkeit von den Versprechen des Weißen Hauses entfernt ist. Rund 8 von 10 registrierten Wählern missbilligen Trumps Umgang mit den Lebenshaltungskosten. Etwa drei Viertel lehnen seine Wirtschaftspolitik ab. In einem Land, dessen Präsident unermüdlich von Erfolgen spricht, ist inzwischen selbst der Einkauf zum politischen Gegenbeweis geworden.

Die unermüdliche Aufklärungsarbeit von einigen Medien, investigativen Journalisten und Menschenrechts-, Umwelt- und Wirtschaftsorganisationen hat inzwischen auch jene Republikaner erreicht, die Trump bislang gegen jede Kritik verteidigt haben. Seine Versprechen werden an den Preisen im Supermarkt gemessen, seine Kriegsentscheidungen an den Rechnungen der Tankstellen. Ein Präsident, der sich für seine angeblichen Erfolge unablässig selbst feiert, muss erleben, dass ihm selbst die eigenen Wähler immer weniger glauben. Wie lange lässt sich ein politisches Versagen noch als Triumph verkaufen, wenn die Menschen längst aus eigener Tasche dafür bezahlen? Der Unmut reicht weit über die Wirtschaft hinaus. Nur ungefähr ein Drittel der registrierten Wähler bewertet Trump positiv. Ähnlich wenige billigen seine Amtsführung. Rund 8 von 10 nennen die Wirtschaft oder die Lebenshaltungskosten als besonders wichtige Themen der bevorstehenden Wahl. Demokratie, Gesundheitspolitik und der Krieg gegen Iran beschäftigen jeweils etwa zwei Drittel. Trump hatte einen Krieg von vier oder fünf Wochen in Aussicht gestellt. Inzwischen dauert er bereits acht Monate. Die Rechnung wird täglich neu ausgestellt, auch dort, wo niemand über Krieg oder Frieden entscheiden durfte.

Kalispell, Montana, 14. Oktober 2026

Sogar in der republikanischen Wählerschaft beginnt die Zustimmung zu bröckeln. Gerade 44 Prozent billigen Trumps Umgang mit den Lebenshaltungskosten. Deutlich besser fallen seine Werte bei der Kriminalitätsbekämpfung aus. Mit der Wirtschaft unter Trump sind viele allerdings unzufrieden. Alles wird teurer, auch seine Zölle halte viele für falsch. Parteitreue schützt inzwischen offenbar nicht einmal mehr vor dem eigenen Kassenbon. In der Außenpolitik unterstützen ihn noch 69 Prozent.

Diana Walker, eine 65-jährige Demokratin aus Georgia, beschreibt die Lage noch unverstellter. Die Welt bewege sich rückwärts, die Menschen könnten sich kaum noch etwas leisten. Ob Republikaner oder Demokraten, alle bekämen die Härte der Verhältnisse zu spüren. Solche Aussagen haben wenig mit den Triumphmeldungen aus Washington gemein. Die politische Wirklichkeit lässt sich schwer beschönigen, wenn ein gewöhnliches Leben zunehmend zur finanziellen Zumutung wird.

Besonders tief sitzt der Wunsch nach Veränderung. Rund die Hälfte der Befragten verlangt einen grundlegenden politischen Wandel. Weitere 3 von 10 wünschen sich sogar einen vollständigen Umbruch. Insgesamt wollen damit ungefähr 8 von 10 Wählern eine erhebliche Veränderung der politischen Verhältnisse. Unter Demokraten und Unabhängigen ist diese Forderung stärker ausgeprägt. Doch selbst bei den Republikanern verlangen 45 Prozent grundlegende Veränderungen, weitere 13 Prozent einen vollständigen Umbruch. Bei der Wahlbereitschaft haben die Demokraten derzeit einen Vorsprung. Etwa drei Viertel ihrer registrierten Anhänger halten die Stimmabgabe im November für äußerst wichtig. Unter Republikanern sind es ungefähr 6 von 10. Über alle politischen Lager hinweg messen rund zwei Drittel dieser Wahl höchste Bedeutung bei, weitere 2 von 10 bezeichnen sie als sehr wichtig. Man spürt langsam Aufbruchstimmung in der Partei, die auch lange genug gedauert hatte. Die Demokraten investieren inzwischen sogar in traditionell republikanisch geprägte Staaten wie Iowa und Kansas.

Etwa die Hälfte der registrierten Wähler bevorzugt eine demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus beziehungsweise im Senat. Rund 4 von 10 wünschen sich jeweils eine republikanische Mehrheit, 15 Prozent sind unentschlossen. Seit 2 Jahren kontrollieren die Republikaner den Kongress. Nun müssen sie sich mit einer Bevölkerung auseinandersetzen, deren Unzufriedenheit längst über einzelne politische Streitfragen hinausgewachsen ist. Die Zahlen beschreiben die Stimmung vor der Wahl, deren Ausgang bleibt offen. Für die Demokraten steckt darin allerdings eine weniger schöne Wahrheit. Lediglich 4 von 10 Befragten betrachten ihre Partei positiv, ungefähr die Hälfte negativ. Die Republikaner werden sogar von rund 6 von 10 negativ beurteilt. Unter den Anhängern beider Parteien mögen jeweils etwa 8 von 10 ihre eigene politische Seite. Bei den Unabhängigen fällt das Urteil deutlich auseinander: Rund zwei Drittel bewerten die Republikaner negativ, bei den Demokraten sind es etwa 4 von 10. Auch Vizepräsident JD Vance stößt auf breite Ablehnung. Ungefähr die Hälfte sieht ihn negativ, nur rund 1 Drittel positiv.

Viele unabhängige Wähler, bezeichnen die republikanische Regierungszeit als Albtraum. Mehrere Verantwortliche würde man mittlerweile lieber im Gefängnis sehen. Doch auch den Demokraten traue man kaum etwas zu, nach einer Machtübernahme etwas zu verändern. Die Skepsis richtet sich damit längst gegen mehr als die derzeitige Regierung. Ein Wechsel der Mehrheit allein könnte dieses verlorene Vertrauen kaum zurückbringen.

Die Befragung des NORC, eines überparteilichen Forschungsinstituts an der University of Chicago, fand vom 8. bis 12. Oktober unter 1.119 Erwachsenen statt, darunter 925 registrierte Wähler. Die statistische Fehlerspanne beträgt bei den registrierten Wählern 4,2 Prozentpunkte, bei allen Befragten 3,9 Prozentpunkte. Vorsicht bleibt geboten, denn die Zahlen sind eine Momentaufnahme vor der Wahl. Doch das Missverhältnis zwischen den Versprechen aus Washington und dem Leben außerhalb der Hauptstadt ist kaum zu übersehen. Trump hatte billigere Energie versprochen. Inzwischen klebt sein Gesicht neben den Benzinpreisen, während Millionen Amerikaner darüber nachdenken, wie gründlich sich ihr Land verändern muss.

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