Drei Wochen vor den amerikanischen Kongresswahlen beginnen die Republikaner, ihre Wahlkampfgelder aus bislang hart umkämpften Wahlkreisen abzuziehen. Der Congressional Leadership Fund, die wichtigste große republikanische Wahlkampforganisation für das Repräsentantenhaus, streicht seine Werbeausgaben in vier Bezirken. Gleichzeitig werden 16 andere Wahlkämpfe zwischen Texas und Pennsylvania zusätzlich finanziert. Die Entscheidung verrät einiges über die Schwierigkeiten der Partei. Geld fließt dorthin, wo ein Sitz noch zu retten scheint. Andere Kandidaten müssen sehen, wie sie zurechtkommen. Der republikanische Wahlkampfstratege Stu Sandler bringt es auf den Punkt: An den Geldströmen lasse sich erkennen, wo die Parteien überhaupt noch ernsthaft kämpfen.
Besonders bitter ist die Entwicklung in Iowa. Im 1. Wahlbezirk erhält die republikanische Abgeordnete Mariannette Miller-Meeks keine weitere Werbeunterstützung dieser Organisation. Ihre demokratische Herausforderin Christina Bohannan tritt bereits zum dritten Mal gegen sie an. Bei der letzten Wahl trennten beide gerade einmal 799 Stimmen. In der Region belasten Kürzungen bei Medicaid die medizinische Versorgung, während Landwirte unter hohen Dieselpreisen leiden. Auch im 7. Bezirk von New Jersey werden die Ausgaben eingestellt. Dort muss sich Tom Kean gegen Rebecca Bennett behaupten. Kean war vier Monate dem Kongress ferngeblieben und hatte erst nach seiner Rückkehr eine psychische Krise offengelegt. Zusätzlich steht seine Unterstützung für Trumps Zollpolitik und den Irankrieg in der Kritik. Vor zwei Jahren hatte er noch mit 5,4 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen.

Wie sich die Wahlkampfgelder derzeit in rasantem Tempo zwischen den einzelnen Wahlkreisen verschieben und was das weniger als 4 Wochen vor der Wahl über die politische Lage aussagt. Ein republikanischer Wahlkampfstratege brachte es auf den Punkt: „Es brennt überall.“
Zusammen mit Wahlkreisen bei Cincinnati in Ohio und im östlichen Michigan hatten diese 4 Rennen bereits 13,3 Millionen Dollar verschlungen, mehr als 12 Prozent der bisherigen Ausgaben der Organisation. Künftig sollen vor allem Bezirke gestützt werden, die Trump 2024 nur knapp gewonnen hatte. Selbst rund um Las Vegas werden die Erwartungen zurückgeschraubt. Eine Trump nahestehende Organisation strich dort beinahe eine Million Dollar an Werbung für Marty O’Donnell, der die Demokratin Susie Lee besiegen soll. Die Republikaner hatten gehofft, Trumps Steuerbefreiung für Trinkgelder werde gerade in Las Vegas Stimmen bringen. Der konservative Politiker David McIntosh räumt inzwischen ein, die wirtschaftliche Lage sei schlecht, viele Wähler seien unzufrieden und die Begeisterung habe nachgelassen. Auch das Scheitern des von Trump gewünschten SAVE America Act habe die eigene Anhängerschaft enttäuscht. Dabei fehlt der Partei keineswegs das Geld. Nach Sandlers Einschätzung waren die Republikaner bei Zwischenwahlen noch nie derart üppig finanziert. Nur die Gewissheit, damit auch gewinnen zu können, schwindet.
Demokraten entdecken plötzlich Wahlkreise, die sie längst abgeschrieben hatten
Während die Republikaner ihre Wahlkampfhilfe neu verteilen, versuchen die Demokraten, aus deren Schwierigkeiten zusätzliche Mandate zu gewinnen. Ihre Wahlkampforganisation für das Repräsentantenhaus hält inzwischen mindestens 12 weitere Wahlkreise für erreichbar, die zu Jahresbeginn noch als kaum zu gewinnen galten. Dafür braucht sie allerdings Geld. Bis zum 22. Oktober sollen 17 Millionen Dollar zusammenkommen, um kurz vor der Wahl neue Fernsehwerbung zu finanzieren. Die Rechnung ist einfach: Je mehr Bezirke die Republikaner verteidigen müssen, desto dünner verteilt sich deren gewaltiges Wahlkampfbudget. Aus der früheren Hoffnung auf einzelne Überraschungen ist eine wesentlich größere Offensive geworden. Nach Darstellung der Demokraten könnten dadurch mindestens sechs zusätzliche Sitze gewonnen werden.
Besonders deutlich wird dieser Versuch im 10. Wahlbezirk von Ohio. Dort sitzt seit 12 Amtszeiten der Republikaner Mike Turner, früher Bürgermeister von Dayton. Vor zwei Jahren gewann er mit 18 Prozentpunkten Vorsprung. Trump lag in diesem Bezirk 2024 allerdings nur 6 Punkte vorn. Die Demokraten halten Turner inzwischen für verwundbar. Auffällig ist auch, dass er erst Ende September mit Fernsehwerbung begann, später als viele andere Abgeordnete in umkämpften Wahlkreisen. Das republikanische Wahlkampfkomitee schaltete dort erst in dieser Woche zusätzliche Werbung. Turners jahrzehntelange Erfahrung im Kongress schützt ihn damit offenbar nicht mehr davor, plötzlich um seinen Sitz kämpfen zu müssen.
Gelingt die Spendensammlung, wollen die Demokraten außerdem in der Region Miami sowie in den Vororten von St. Louis und rund um Little Rock in Arkansas werben. Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vom Juni erleichtert ihnen dabei den Einsatz ihrer Mittel. Die Partei darf Werbeplätze gemeinsam mit den Kandidaten zu den günstigeren Tarifen erwerben, die sonst den Wahlkampfteams selbst vorbehalten sind. Courtney Rice, Kommunikationsdirektorin des demokratischen Wahlkampfkomitees, stellt klar, dass die 17 Millionen Dollar für zusätzliche Möglichkeiten gebraucht würden. Die bereits laufenden Wahlkämpfe zur Erreichung der Mehrheit von 218 Sitzen seien davon unabhängig. Gerade diese Unterscheidung zeigt, wie weit sich die Erwartungen innerhalb weniger Monate verändert haben. Bezirke, für die sich früher kaum jemand finanziell engagieren wollte, erhalten plötzlich Aufmerksamkeit. Ob sich damit tatsächlich Mandate gewinnen lassen, entscheiden die Wähler am 3. November.
Trump gewann Nebraska mit mehr als 20 Punkten. Jetzt müssen Republikaner 15 Millionen Dollar zur Verteidigung schicken

Die republikanischen Abgeordneten Tom Kean aus New Jersey und Mariannette Miller-Meeks aus Iowa verlieren wichtige finanzielle Wahlkampfunterstützung, nachdem sich ihre Aussichten verschlechtert haben. Rechts: Don Bacon aus Nebraska, der bei der Wahl 2026 nicht erneut antritt.
Nebraska gehörte bislang zu den Bundesstaaten, in denen republikanische Senatoren ihren Wahlkampf vergleichsweise ruhig führen konnten. Donald Trump gewann dort 2024 mit einem Vorsprung von mehr als 20 Prozentpunkten. Nun werden ausgerechnet in diesem Bundesstaat Millionenbeträge mobilisiert, um Senator Pete Ricketts vor einer Niederlage zu bewahren. Herausforderer ist der unabhängige Kandidat Dan Osborn, der von den Demokraten unterstützt wird. Der Senate Leadership Fund, die große Wahlkampforganisation der republikanischen Senatsführung, kündigte am Dienstag Investitionen von 15 Millionen Dollar an. Eine Summe, die gewöhnlich dort eingesetzt wird, wo tatsächlich um die Mehrheit gekämpft werden muss. Nebraska stand ursprünglich weit entfernt von solchen Überlegungen.
Weitere sieben Millionen Dollar fließen nach Angaben über Werbeausgaben aus der Kryptowährungsbranche. Die entsprechend finanzierte Organisation Fairshake hat damit ebenfalls beschlossen, den Wahlkampf in Nebraska zu beeinflussen. Gleichzeitig erhöhte sie ihre Investitionen im Senatsrennen von Ohio auf insgesamt 45 Millionen Dollar. Dort kämpft der republikanische Senator Jon Husted gegen den früheren demokratischen Senator Sherrod Brown. Politische Überzeugungen werden in diesen Wahlkämpfen mit Summen beworben, für die sich andernorts Krankenhäuser bauen ließen. Die Höhe der Ausgaben garantiert allerdings noch keinen einzigen zusätzlichen Wähler.
Nebraska steht mit dieser Entwicklung keineswegs allein. Auch Kansas und South Carolina erhalten inzwischen zusätzliche Unterstützung aus dem Umfeld der republikanischen Senatsführung. Beide Bundesstaaten hatte Trump 2024 ebenfalls mit zweistelligen Vorsprüngen gewonnen. Im ursprünglichen Werbeplan vom April, der insgesamt 342 Millionen Dollar umfasste, waren alle drei Bundesstaaten noch gar nicht enthalten. Damals konzentrierten sich die Republikaner vor allem auf Georgia und North Carolina, wo sie demokratische Sitze gewinnen wollten. Inzwischen wurde dieser Plan grundlegend verändert. Mittel werden aus früheren Angriffszielen abgezogen und in die Verteidigung vermeintlich sicherer republikanischer Mandate gesteckt. Dass eine Partei solche Summen in Bundesstaaten investieren muss, die ihr Präsident deutlich gewonnen hatte, sagt viel über die Unsicherheit ihrer Wahlkampfplaner. Die vergangenen Wahlergebnisse liegen weiterhin in den Tabellen. Bezahlen muss die Partei für die Gegenwart.
342 Millionen Dollar und trotzdem keine Ruhe: Der Kampf um den US-Senat wird für Republikaner immer teurer

Die republikanische Senatsführung hatte ihre Wahlkampfstrategie im April noch auf einen Angriff auf demokratische Mandate ausgerichtet. Georgia und North Carolina gehörten zu den wichtigsten Zielen. Wenige Wochen vor der Wahl sieht die Verteilung des Geldes erheblich anders aus. Republikanische Organisationen investieren zusätzliche Millionen in Kansas und South Carolina, obwohl Donald Trump dort 2024 deutlich gewonnen hatte. Auch Nebraska wird inzwischen teuer verteidigt. Der ursprüngliche Werbeplan über 342 Millionen Dollar wurde entsprechend umgebaut. Dass republikanische Geldgeber ihre Ausgaben derart spät neu ordnen, zeigt vor allem, wie wenig Sicherheit die früheren Einschätzungen noch bieten.
Auch die Demokraten verändern ihre Strategie. Ihre wichtigste Wahlkampforganisation für den Senat zog vergangene Woche Werbung aus Georgia zurück. Dort verfügt der demokratische Senator Jon Ossoff gegenüber seinem republikanischen Herausforderer Mike Collins über einen erheblichen Spendenvorsprung. Das frei werdende Geld soll anderen Wahlkämpfen zugutekommen. Besonders im Blick stehen Maine und New Hampshire sowie Michigan. Hinzu kommen Iowa und Kansas, außerdem Texas, Alaska und Ohio. Die Demokraten wollen ihre Mittel dorthin lenken, wo sie zusätzliche Chancen sehen. Während die Republikaner in früher als sicher betrachtete Gebiete investieren, suchen ihre Gegner nach weiteren möglichen Angriffszielen. Beide Seiten können sich ihre Entscheidungen inzwischen teuer bezahlen lassen.
Der demokratische Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, stellte seinen Parteikollegen am Dienstag eine Frage, die den Wahlkampf treffend beschreibt. Ob die beispiellose Flut republikanischer Wahlkampfmittel den demokratischen Vorteil bei Kandidaten und politischen Positionen überwinden werde, wollte er wissen. Seine Einschätzung der politischen Stimmung ist selbstverständlich die eines Mannes, der seine eigene Partei zur Mehrheit führen will. Doch die finanziellen Entscheidungen liefern einen ungewöhnlich aufschlussreichen Blick auf die Sorgen beider Lager. Die Republikaner verfügen über enorme Mittel, müssen inzwischen aber auch Wahlkreise und Senatssitze absichern, die lange als unproblematisch galten. Die Demokraten wiederum entdecken zusätzliche Möglichkeiten, benötigen dafür jedoch dringend weitere Spenden. Drei Wochen vor der Abstimmung wird damit bereits entschieden, welche Kandidaten überhaupt noch genügend Geld haben, um ihre Wähler zu erreichen. Am 3. November werden die Stimmen gezählt. Bis dahin zählen die Wahlkampforganisationen ihre Millionen.
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