Norwegens Armee mietete sich den Spion gleich mit: chinesische Autos filmten Soldaten und Torcodes

VonTEAM KAIZEN BLOG

12. Oktober 2026

Norwegens Armee hat sich ihren Späher selbst gemietet. Bei der Übung Øvelse Hovedstad in Oslo im September, die 5.000 Soldaten der Heimwehr zusammenbrachte, fuhren die Truppen chinesische Elektroautos. Einer der Aufträge lautete, im Kriegsfall den Flughafen Gardermoen zu sichern. Gerade die Wege und Zeiten rund um diesen Flughafen hätten in einem echten Krieg Gewicht, und genau sie lagen nun auf den Festplatten chinesischer Fahrzeuge. Die Wagen machten massenhaft Aufnahmen. Sie hielten fest, wer ein- und ausstieg und wohin die Fahrt ging. Mindestens zwei von ihnen waren Modelle der Marke Deepal des chinesischen Herstellers Changan, zwei anonyme Quellen bestätigten die Funde.

Aufgefallen ist es durch Zufall. Ein paar Soldaten, denen langweilig war, klickten sich durch die Menüs des Bordsystems und stießen auf gespeicherte Videos. Ein gewöhnlicher Mietwagen hatte mitgeschrieben, was sonst kein Fremder zu sehen bekommt. Niemand hatte die Kameras eingeschaltet, sie liefen einfach. „Man sieht, wer ins Auto steigt und wer aussteigt, wohin wir fahren, wen wir abholen und wie lange wir an den einzelnen Orten sind“, sagte Leutnant Fredrik Blanck, der an der Übung teilnahm.

Die Kameras hatten auch die Torcodes mitgeschnitten. An manchen Schranken brauche man eine Schlüsselkarte und dazu einen Code, erklärte Blanck, und genau dieser Vorgang liege nun auf den Aufnahmen. Fahrzeuge waren knapp, also benutzte die Truppe die Wagen bis zum Ende der Übung weiter, auch auf militärischem Gelände. Gelöscht wurden die Videos erst danach, und nur in den Autos, in denen es überhaupt ging. In den übrigen blieb, was sich angesammelt hatte. Eine Truppe, die ihre eigenen Tore sichern soll, kam am Ende nicht einmal an die eigenen Mitschnitte heran.

„Wir haben keinen Überblick, wo das landet“, sagte Blanck. Seine Sorge reicht weiter. Ein fremder Dienst könne die Schnipsel zu einem Bild davon zusammensetzen, wie eine militärische Operation abläuft, Schritt für Schritt. Auch die Mikrofone lassen ihn nicht los. Beim Telefonieren über die Freisprechanlage rede man in ein Mikrofon, dessen Verbindung niemand kenne. Das Auto hört mit, und sein Draht nach außen bleibt unsichtbar. Der Fund wurde in einem eigenen Bericht nach oben gemeldet. Die norwegischen Streitkräfte beantworteten die Fragen dazu nicht. Ihre Pressesprecherin Caroline E. Lysne ließ wissen, ein Verbot von Autos aus bestimmten Ländern halte man derzeit nicht für zweckmäßig. Der Gewinn an Sicherheit sei gering, die Nachteile für die Truppe und ihre Zulieferer größer. Die Lücke bleibt also offen, weil ihr Verschließen als zu unbequem gilt.

Die Wagen stammen von First Rent A Car Norway, das in Norwegen die Marke Hertz betreibt und als erster Lieferant im Mietvertrag der Streitkräfte geführt wird. Der Vertrag reicht bis zu 350 Millionen norwegische Kronen. Die Eigentümerkette endet bei der chinesischen Zhejiang Geely Holding Group. Die Armee zahlt viel Geld und bekommt ihre Fahrzeuge von einer Kette, deren letztes Glied in China liegt. Das Unternehmen erklärt, es halte sich an norwegisches und europäisches Recht. Ob ein Gesetz regelt, wohin die Bilder hinter der chinesischen Grenze fließen, steht auf einem anderen Blatt.

Das Problem ist größer als eine Flotte von Mietwagen. Jedes vernetzte Auto, das ein Soldat fährt, führt Kameras und Mikrofone mit sich und hält fest, wohin es rollt. Ein solcher Wagen ist ein rollendes Gedächtnis, er merkt sich Wege und Stimmen und gibt beides weiter, sobald er am Netz hängt. Beim schwedischen Nachbarn standen zum Jahreswechsel 42.338 Beschäftigte in den Streitkräften, mit der Heimwehr zusammen 65.581. Viele von ihnen sitzen in solchen Autos. Über die chinesischen Modelle lässt sich leicht spotten, doch ein Tesla, der alles mitschreibt, wäre keinen Deut harmloser. Die Gefahr steckt in der Vernetzung, gleich welches Siegel vorn auf der Haube klebt. Diese Lücke hat bisher kaum jemand bedacht.

Polen hat die Folgerung schon gezogen. Seit Februar dürfen chinesische Autos nicht mehr auf geschützte Militäranlagen, aus Furcht, ihre Kameras und Fühler könnten geheime Daten sammeln. Diensttelefone an die Bordsysteme solcher Wagen anzuschließen, ist dort ebenfalls untersagt. In Oslo fuhr die Truppe die Autos weiter, weil es an Fahrzeugen fehlte. Was in dieser Zeit aus den Bordspeichern nach draußen ging, weiß bis heute niemand. Der Gegner braucht keinen Spion mehr, wenn die Armee ihn selbst ans Tor fährt.

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