„Wir schieben es ihnen in den Arsch“: Trump verteilt Bundesgeld nach Treue, und die Welt sieht ratlos zu

VonTEAM KAIZEN BLOG

5. Oktober 2026

In einer Turnhalle in Vandalia, Ohio, fand der Präsident der Vereinigten Staaten am vergangenen Samstag den Satz, der seine Vorstellung vom Regieren genauer beschreibt als jedes Programm. „Geht einfach wählen“, rief Donald Trump den Leuten in der Butler High School zu. „Wenn ihr das tut, gewinnen wir, und wir gewinnen groß, und wir schieben es ihnen in den Arsch.“ Gemeint waren die Demokraten. Gemeint war ein Land, das sich der Redner wie eine Sache vorstellt, mit der man nach Belieben verfährt.

Trump: „Wir werden haushoch gewinnen, und wir werden es ihnen in den Arsch schieben.“

Der Auftritt galt republikanischen Kandidaten, unter ihnen Senator Jon Husted und der Bewerber ums Gouverneursamt Vivek Ramaswamy. Zwischen die Beschimpfungen legte Trump ein Versprechen und eine Drohung. Bleibe seine Partei an der Macht, hätten die Leute in Ohio einen direkten Draht zu seiner Regierung und kämen leichter an Bundeshilfe. Gewännen die Demokraten, werde er weniger geneigt sein, dem Staat zu helfen. Über die Kandidatin Amy Acton sagte er schlicht: „Aber ihr werde ich nicht helfen.“ Ohios republikanische Amtsträger riefen ihn oft an und bäten um Geld, erzählte er. Lob und Strafe im selben Atemzug, dazwischen lag an diesem Abend kein Gedanke an das Land, nur an die Treue zu ihm selbst.

Bundesgeld gehört dem Bund, nicht dem Mann an seiner Spitze. Es stammt von allen Steuerzahlern, auch von denen vor der Halle, die ihm ihre Schilder entgegenhalten. In Trumps Mund wird daraus ein Gnadenerweis, den man sich durch das richtige Kreuz auf dem Stimmzettel verdient. Er teilt die Mittel des Staates aus wie ein Herrscher sein eigenes Gut, nach Zuneigung und nach Gehorsam. Wo die Kasse des Gemeinwesens am Wohlwollen eines Einzelnen hängt, verwandelt sich die Verwaltung in einen Hofstaat.

Die Demokraten nannte er „dumme Hurensöhne“. Die Umfragen, die seiner Partei Verluste voraussagen, wischte er beiseite. Es werde eine große Überraschung geben, weil die andere Seite nicht wisse, was gerade geschehe. Zahlen, die ihm nicht gefallen, behandelt er wie Gegner, die man niederredet. So redet einer, der die Wirklichkeit für verhandelbar hält, solange er nur laut genug ist.

Die Wirklichkeit vor der Halle hört auf solche Sätze nicht. Trumps Beliebtheit sinkt seit Monaten, während die Preise oben bleiben, beim Sprit und bei anderen Gütern des Alltags, mitten im Krieg der USA und Israels gegen den Iran. In Ohio ist der Benzinpreis binnen eines Jahres um 35 Prozent geklettert, auf 4,16 Dollar je Gallone. Seine Zollpolitik gegen Kanada hat Gegenzölle ausgelöst, die nach Zahlen von 2025 Ohios Ausfuhren im Wert von rund 3 Milliarden Dollar treffen. 2024 holte er hier über 55 Prozent der Stimmen. Geblieben ist die Rechnung, die jetzt andere zahlen.

Jonathan Smith, links

Vor der Turnhalle, seiner alten Schule nördlich von Dayton, stand Jonathan Smith, 19, Bauarbeiter, mit einem Schild: „Wo sind meine niedrigeren Benzinpreise?“ Er spare auf eine Hochzeit, sagte er auf Nachfrage, und je weiter der Sprit steige, desto schwerer falle das Zurücklegen. Für wen er bei der Senatswahl stimme, wisse er noch nicht. Der Präsident verspricht ihm die Demütigung der Gegner. Der junge Mann rechnet, ob die nächste Tankfüllung noch in den Monat passt.

Husted baut darauf, dass Trump jene an die Urnen holt, die sonst zu Hause blieben. Zugleich ging er Sherrod Brown an, den Demokraten und Veteranen, der gegen ihn antritt. Der sei 50 Jahre im Amt gewesen, höhnte Husted, man möge eine einzige Sache nennen, die er je für die Leute getan habe. Vor Reportern erklärte er, man müsse den Iran-Krieg „zu unseren Bedingungen“ gewinnen, und er zeige den Menschen, dass er für niedrigere Preise kämpfe. Browns Sprecherin Lauren Chou hielt dagegen, Husted stelle „Unternehmen und Milliardäre an die erste Stelle, und wir alle zahlen dafür“. Sie warf ihm Steuergeschenke vor, die Rechenzentren ins Land gelockt hätten, dazu seine Gefolgschaft bei Trumps Iran-Politik.

Ohio zählt zu den acht Senatsrennen, die als offen gelten. Am 3. November entscheidet sich, wer das knapp geteilte Repräsentantenhaus und den Senat führt. Fremde Geldgruppen haben Dutzende Millionen in den Staat gepumpt, das Duell Husted gegen Brown ist laut Unterlagen der Bundeswahlkommission das zweitteuerste des Landes. Gestritten wird über Rechenzentren und über Reizthemen wie Operationen an minderjährigen trans Personen. Ein Lehrling, 20, sagte, von den KI-Rechenzentren halte er wenig, wählen gehe er wegen Trumps Aufmerksamkeit für den Staat trotzdem, dazu wegen der 2025 gedeckelten Steuer auf Überstunden. Eine Frau, 60, hielt ein Schild für ein Rechenzentrum in ihrer Stadt im Nordosten Ohios hoch, an der Stelle eines Stahlwerks. „Sie wollen da ein Rechenzentrum?“, fragte Husted zurück. Als sie mit ihm posieren wollte, warf ein Mann aus seinem Tross die Frage ein: „Geht das auch ohne das Schild?“

Man muss sich den Vorgang nüchtern vor Augen führen. Ein amtierender Präsident macht öffentlich zur Bedingung, dass ein Bundesstaat die Hilfe des Bundes nur erhält, wenn er die passenden Leute wählt. In einer Republik hört an diesem Satz die Republik auf. Kein Gericht und keine fremde Regierung hat ihn am Samstag dafür zur Rede gestellt. Die Drohung lief durch die Nachrichten wie eine Wasserstandsmeldung, abgehakt zwischen Benzinpreis und Rechenzentrum. Gewöhnung ist die leise Form der Zustimmung.

Das Verstörende an diesem Tag liegt weniger in Vandalia als in der Stille ringsum. Die Allmachtsfantasie ist ins Normale gerutscht und trägt inzwischen den Tonfall des Alltags. Schwerer noch wiegt, dass die politische Welt jenseits der Opposition dem Treiben ratlos zusieht. Ein Staatschef, der die Hilfe des Staates an Gefolgschaft knüpft, beschreibt ein Verfahren, das jede Regierung von Europa bis Asien aus den dunklen Kapiteln kennt. Gekommen ist Schweigen, höflich und berechnend, ein Abwarten, ob der Mann sich von selbst erledige. Er erledigt sich nicht. Er lernt bei jedem Auftritt dazu, wie weit er gehen darf, und misst die Grenze an der Ruhe derer, die ihm zusehen. Sie kennen die Geschichte der Männer, die den Staat mit ihrem Eigentum verwechselten, und schweigen trotzdem. Die Gallone wird teurer, der Ton roher, und irgendwann fragt niemand mehr, ob es auch ohne das Schild geht.

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