ICE verbrennt Milliarden für Haftlager – drinnen fehlen Ärzte, Hygiene und selbst grundlegende Sicherheit

VonTEAM KAIZEN BLOG

30. September 2026

Das Haftsystem der Vereinigten Staaten ist schneller gewachsen, als irgendjemand es geplant hat. Seit Januar 2025 hat die Einwanderungsbehörde ICE ihre Kapazität in einem Tempo hochgetrieben, dem die Ordnung nicht folgen konnte. Das US-Rechnungsprüfungsamt GAO hält fest, die Behörde habe sechs große Ausbauvorhaben mit Milliardensummen betrieben, ohne die Planung, die solche Summen verlangen. Geld war reichlich da. Für die Menschen hinter den Zäunen fehlte das Nötigste. Zwischen dem Geld und den Eingesperrten klaffte von Anfang an eine Lücke, und niemand schloss sie.

Auch so ein Albtraum: Das Adams County Correctional Facility, Mississippi

Der Kongress gab ICE rund 45 Milliarden Dollar allein für Haftplätze, bis zum Haushaltsjahr 2029, ein Teil der etwa 75 Milliarden, die das Ausgabengesetz von 2025 der Behörde zuwies. Kaum floss das Geld, stieg die Zahl der Inhaftierten. Am 20. Januar 2025 saßen im Schnitt 39.314 Menschen in Haft, am 1. April 2026 waren es 67.204, ein Zuwachs von 71 Prozent. Die Zahl der zugelassenen Einrichtungen kletterte von 134 auf 239. In Monaten verdoppelte sich beinahe, wofür ein Rechtsstaat sich Zeit nehmen sollte. Ein Plan dahinter fehlte. Das GAO habe keine festen Ziele feststellen können, weder für den Umfang der Haft noch für die Art der Einrichtungen. Wie die langfristigen Kosten zu bewerten wären und ob die teuren Neubauten den billigeren Plätzen im eigenen Bestand vorzuziehen seien, blieb ebenso offen. Schon dieses Fehlen habe Millionen verschlungen, so die Prüfer. Bauen ohne Ziel wird teuer, und bezahlt haben es die Steuerzahler und die Eingesperrten zugleich.

Am deutlichsten zeigt sich das an den Lagerhallen. Seit Ende 2025 kaufte ICE Hallen im ganzen Land, um sie zu Haftzentren umzubauen, bis zu 24 sollten es werden. Zwischen Januar und April 2026 erwarb die Behörde 11 Stück für rund 1,07 Milliarden Dollar. Im Juni hieß es, 7 davon würden wieder verkauft. Umsonst war der Rückzug nicht. 7,7 Millionen Dollar an nicht erstattbaren Kaufkosten meldete ICE für diese 7 Hallen, dazu bis August weitere 12,8 Millionen für Strom und Bewachung. Über 20 Millionen also, noch bevor der Verlust aus einem Verkauf unter den gezahlten 707 Millionen hinzukommt. Gekauft, um Menschen zu verwahren, abgestoßen, ehe je einer darin saß.

Camp East Montana, die größte Haftanstalt von ICE, auf dem Militärstützpunkt Fort Bliss in Texas.

Bei den Hallen blieb die Verschwendung nicht. Der Ausbau griff nach Militärgeländen und Behelfslagern, nach Bundesgefängnissen und Standorten der Bundesstaaten, wo immer Betten zu finden waren. In Guantánamo Bay flossen Millionen in die Vorbereitung der Einwanderungshaft, Zelte darunter, die man wieder abbaute, nachdem das Heimatschutzministerium DHS befand, sie genügten den eigenen Haftstandards nicht. Belegt war der Ort weit unter der Kapazität, mit der man öffentlich geprahlt hatte. Zelte für Menschen, aufgestellt und wieder abgerissen, ehe die eigene Behörde sie für tauglich hielt.

Das größte Lager steht in Texas. Camp East Montana auf dem Militärgelände Fort Bliss bei El Paso wurde zu ICEs größter Einrichtung. Die US-Armee und ICE trieben es im Eiltempo in Betrieb, so das GAO. Der Auftrag über 1,3 Milliarden Dollar ging über ein Vergabeverfahren, das man für Haftdienste zuvor nie genutzt hatte, an eine Firma ohne jede Erfahrung mit Haft. Im August 2025 öffnete das Lager. Der Auftrag lautete, Betten zu füllen, die Vorschriften kamen danach, wenn sie kamen.

Menschen wohnten dort, ehe ICE die eigene Vorschrift erfüllt und die Anlage abgenommen hatte. Kameras an der Umzäunung fehlten, ein Hof zum Auslauf ebenso. Für Besuche von Anwälten und Angehörigen gab es keinen tauglichen Raum. Nach der Eröffnung meldete ICE selbst weitere Mängel, Lücken in der medizinischen Versorgung und unhygienische Zustände, und eine geladene Schusswaffe ging verloren. Ernste Gefahren für Häftlinge und Personal, urteilte das GAO. Eine geladene Waffe verschwindet im größten Haftlager des Landes, und niemand nahm das zum Anlass innezuhalten.

Klimaanlagen vor den Haftbereichen von Camp East Montana in Fort Bliss, Texas. Dutzende einzelne Außengeräte kühlen die Haftbereiche in der texanischen Hitze. Energetisch ist das eine grobe Lösung: hoher Stromverbrauch, viel Abwärme direkt auf dem Gelände und statt einer effizient geplanten zentralen Kühlung eine ganze Reihe einzelner Geräte. Wie effizient die konkreten Anlagen tatsächlich arbeiten, lässt sich aus dem Foto allein nicht bestimmen.

Zugleich zahlte ICE für Leistungen, die niemand brauchte. Der ursprüngliche Vertrag sah Zahlungen für Mahlzeiten und Betrieb vor, die nicht sanken, als die Belegung weit unter die 5.000 Plätze fiel. Für volle Kosten sorgte er auch dann, wenn gar kein Mensch im Lager saß, und selbst nach dem Wechsel des Betreibers liefen die Zahlungen für überflüssige Mahlzeiten weiter. Bessere Preisregeln, schätzt das GAO, könnten zig Millionen sparen. Mahlzeiten für leere Zellen, während den vollen der Arzt fehlt. Durch den ganzen Ausbau läuft derselbe Widerspruch. Milliarden standen bereit für Gebäude und Betten. Drinnen fanden die Prüfer fehlenden Auslauf und zu enge Besuchsräume. Dazu Lücken in der Medizin und Schmutz. Sicherheit und Aufsicht blieben schwach. Wohin das Geld floss, zeigt, was zählte, die Mauern und die Betten. Das Tempo, in dem sie hochgezogen wurden, zählte ebenso. Die Menschen darin kamen zuletzt.

Heather MacLeod, beim GAO für Heimatschutz und Justiz zuständig, nannte das Ganze ein Versagen der Planung im Großen. Das Amt empfahl ICE einen umfassenden Plan für Ziele und Mittel. Das Heimatschutzministerium stimmte zu, doch fertig sein will ICE damit erst am 31. August 2027. Rascher wäre besser, warnte das GAO, angesichts der Summen und des Risikos weiterer Fehlausgaben. Senator Dick Durbin sprach von Unfähigkeit und Verschwendung und verlangte, DHS und ICE zur Verantwortung zu ziehen. Das Ministerium verteidigte das Tempo, es setze zügig und günstig um, was die Regierung an Massenabschiebung verlangt. Das Geld hatte ein Ziel, mehr Menschen schneller wegzusperren, und dieses Ziel erfüllte es, während alles andere zu kurz kam.

Die Frage nach der Verantwortung reicht weiter als sieben Hallen und ein paar Essensverträge. Warum wuchs ein Apparat, der Zehntausende festhält, mit solcher Eile, ehe die Aufsicht und der Schutz standen, die ihn tragen müssten? Für die Eingesperrten schlägt die schlechte Planung unmittelbar durch. Sie heißt fehlender Arzt und keine saubere Zelle. Sie heißt ein Besuch ohne Raum, Haft in einem Lager, das geöffnet wurde, ehe es geprüft war. Zehntausende sitzen in diesem System, und die Prüfer lassen offen, wohin die Milliarden geflossen sind und wie es den Menschen darin geht. Ein Bett stand schneller bereit als ein Arzt, eine Halle schneller als ein Plan. Der Ausbau läuft weiter. Die Eile galt der Zelle, nie dem Menschen darin.

Fortsetzung folgt …

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2 Comments
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Carola Richter
Carola Richter
1 Stunde vor

Eine sinnlose Geldverschwendung, die zudem der eigenen Wirtschaft und der Bevölkerung schadet UND gegen Menschenrechte verstößt.

Rainer Hofmann
Administrator
1 Stunde vor
Antwort auf  Carola Richter

…aber so etwas von Verstößen gegen Menschenrechten, Umwelt … die lassen nichts aus – und wir haben uns das vor Ort ja angeschaut

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