Der 18. September beginnt mit einer ziemlich wilden Mischung aus Washington, Moskau und Paris.
UN-Ermittler sehen hinreichende Gründe für mögliche US-Kriegsverbrechen bei 2 Angriffen im Iran, während das Weiße Haus den UN-Menschenrechtsrat frontal angreift. In Russland werden vor der Duma-Wahl färbende Flüssigkeiten aus Wahllokalen verbannt, während gleichzeitig Wohnungen und Autos verlost werden. Donald Trump öffnet Bundesflächen weiter für Jagd und Fischfang und will dabei ausdrücklich auch traditionelle Bleimunition zulassen.
Dazu streiken Beschäftigte des französischen öffentlichen Rundfunks gegen einen Kommentator aus dem Umfeld der extremen Rechten, ein Bundesrichter setzt Trump beim Kennedy Center eine 30-Tage-Frist vor größeren Umbauten oder einem möglichen Abriss, und OpenAI räumt 6 Fälle ein, in denen eigene Modelle Daten erfanden, Fehler verbargen oder versuchten, Begrenzungen zu umgehen.
UN-Ermittler sehen mögliche US-Kriegsverbrechen – das Weiße Haus schlägt zurück

Die Untersuchung trifft Washington an einer empfindlichen Stelle. Experten, die vom UN-Menschenrechtsrat beauftragt wurden, sehen „hinreichende Gründe“ für die Annahme, dass die Vereinigten Staaten bei 2 Angriffen im Iran Kriegsverbrechen begangen haben könnten. Mehr behaupten die Ermittler bislang ausdrücklich nicht. Doch schon diese Feststellung reicht aus, um das Weiße Haus auf Angriff zu schalten. Sprecherin Anna Kelly ging am Donnerstag frontal gegen den UN-Menschenrechtsrat vor. Das Gremium habe seit Jahrzehnten nichts für die Menschenrechte erreicht und verbreite „unseriösen Unsinn“, erklärte sie. Den Vorwurf möglicher amerikanischer Kriegsverbrechen wies das Weiße Haus vollständig zurück. Nach Kellys Darstellung habe in diesem Konflikt allein das iranische Regime Kriegsverbrechen begangen.

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Sie verwies darauf, Iran habe Tausende Menschen im eigenen Land getötet und Amerikaner im Ausland umgebracht. Außerdem beschuldigte sie Teheran terroristischer Handlungen in der Straße von Hormus sowie unterschiedsloser Angriffe auf Nachbarstaaten. Die Antwort aus Washington ist damit eindeutig: Der Vorwurf gegen die USA wird nicht akzeptiert, stattdessen stellt das Weiße Haus die Glaubwürdigkeit des UN-Gremiums selbst infrage. Der Streit dürfte damit erst beginnen. Auf der einen Seite stehen Ermittler eines UN-Menschenrechtsorgans, die genügend Anhaltspunkte für eine mögliche Verletzung des Kriegsvölkerrechts sehen. Auf der anderen Seite steht eine US-Regierung, die diesen Befund als Unsinn zurückweist und Iran allein für Kriegsverbrechen verantwortlich macht. Zwei Angriffe reichen nun aus, um eine Frage auf den Tisch zu legen, die Washington offensichtlich lieber gar nicht dort hätte.
Brillantgrün wird begrenzt, Wohnungen werden verlost – Russlands seltsamer Wahlkampf vor der Duma-Wahl

Vor der Wahl zur Staatsduma haben mindestens vier russische Regionen neue Regeln für färbende Flüssigkeiten eingeführt. In Tjumen wurden Apotheken vor der Abstimmung vom 18. bis 20. September gebeten, größere Mengen Brillantgrün sowie Jod nicht an einzelne Käufer abzugeben. Polizisten hätten empfohlen, ab fünf Packungen Schluss zu machen. Einen schriftlichen Erlass bekamen die Apotheken nicht. In Surgut steht die Sache bereits im offiziellen Wahlplan: Färbende Flüssigkeiten und leicht entzündliche Stoffe dürfen nicht in Wahllokale gebracht werden, weil sie für Protestaktionen verwendet werden könnten. Kostroma und Tscheljabinsk haben vergleichbare Verbote erlassen. In Kostroma werden alle 448 Wahllokale mit Metalldetektoren ausgestattet. Rund 700 Polizisten sollen täglich im Einsatz sein. Dazu kommen mehr als 100 Angehörige der Nationalgarde, private Sicherheitskräfte sind ebenfalls vorgesehen.
Der Aufwand hat eine Vorgeschichte. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 wurden Wahlurnen mit Brillantgrün oder Tinte übergossen, andernorts gab es Brandstiftungsversuche. Insgesamt wurden solche Vorfälle an 29 Wahllokalen in 20 Regionen registriert. Zwei Jahre später behandelt der russische Staat deshalb selbst eine Flasche mit färbender Flüssigkeit als mögliches Problem am Eingang zur Wahl. Gleichzeitig wird rund um dieselben Wahltage sehr viel dafür getan, Menschen zu interessieren. In Moskau erhalten Teilnehmer des Programms „Million Preise“, die elektronisch oder über Terminals abstimmen, mindestens 1.000 Stadtpunkte. 1 Punkt entspricht 1 Rubel. 100 russische Rubel entsprechen aktuell ungefähr 1,03 Euro beziehungsweise 1,18 US-Dollar. Zusätzlich werden Gewinne bis zu 50.000 Punkten vergeben.
Noch größer fällt das Angebot in Krasnojarsk aus. Dort läuft während der Wahl eine regionale Wissensrunde mit 369 Preisen. Zu gewinnen sind 3 Wohnungen und 6 Autos. Außerdem werden jeweils 90 Mobiltelefone und vernetzte Lautsprecher vergeben, weitere Gewinne kommen hinzu. Die Teilnahmezettel gibt es in der Nähe der Wahllokale. Abstimmen muss man für einen Gewinn ausdrücklich nicht. Im Autonomen Kreis der Chanten und Mansen werden bei „Jugra – gemeinsam!“ mehrere Tausend Preise angekündigt. Darunter befinden sich sechs Wohnungen und drei Autos. Wer teilnehmen will, muss mindestens drei von fünf Fragen beantworten. Vor den Wahllokalen wird also streng kontrolliert, was Menschen mitbringen. Rundherum darf es dafür durchaus etwas zu gewinnen geben.
Trump will Jagd und Fischfang auf Bundesflächen ausweiten – auch Bleimunition soll wieder leichter möglich sein
Große Worte eines Präsidenten der nur zwei Dinge im Sinn hat: Selbstbereicherung und Zerstörung
Donald Trump hat zwei Anordnungen unterschrieben, die Jagd und Fischfang auf Bundesflächen ausweiten sollen. Das Innenministerium und weitere Bundesbehörden haben 90 Tage Zeit, neue Jagdmöglichkeiten zu finden. Dabei geht es auch um Tierarten, die nicht unter bestimmte Schutzbestimmungen für bedrohte Arten fallen. Beim Fischfang soll ebenfalls mehr möglich werden, im Süßwasser wie auf See. Washington dreht damit an Regeln, die festlegen, wo auf öffentlichem Land gejagt werden darf und wo bisher Schluss war.

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Noch deutlicher wird der Auftrag bei der 180-Tage-Frist. Bis dahin sollen die Behörden Vorschläge liefern, welche bestehenden Beschränkungen auf Bundesflächen geändert werden können. Trump will außerdem technische Hilfsmittel auf Zugangswegen und an Jagdorten zulassen. Und dann steht dort ein Satz, der schnell überlesen werden könnte: Traditionelle Bleimunition und bleihaltiges Angelgerät sollen erlaubt werden. Blei gehört damit ausdrücklich zu dem Paket, mit dem die Regierung Jagd und Fischfang erleichtern will. Von einer bloßen Öffnung weiterer Wege kann da kaum noch die Rede sein.
Unterschrieben wurde zunächst ohne großes Publikum. Am Abend änderte sich das Bild. Mehr als 100 geladene Jäger und Angler kamen in den Rosengarten des Weißen Hauses, dazu Vertreter der Branche. Dort konnte gefeiert werden, was die Behörden nun abarbeiten müssen. 90 Tage für neue Jagdmöglichkeiten, 180 Tage für Änderungen bestehender Regeln. Trump gibt die Richtung vor, die Verwaltung soll liefern. Und irgendwo zwischen öffentlichem Land, Gewehr und Angelhaken liegt künftig wieder mehr Blei.
Streik bei Frankreichs öffentlichem Radio wegen rechtsextremem Kommentator bei France Inter

Bei France Inter blieb am Sonntag ausgerechnet die Sendung des Mannes stumm, um den der Streit seit Wochen wächst. Beschäftigte des französischen öffentlichen Rundfunks traten für 2 Tage in den Ausstand, weil Charles Sapin seit Ende August einen wöchentlichen politischen Kommentar beim meistgehörten Radiosender des Landes spricht. Sapin ist stellvertretender Chefredakteur von Valeurs Actuelles. Gewerkschaften werfen ihm vor, rechtsextreme Positionen zu verbreiten, und halten die redaktionelle Ausrichtung des Wochenblatts für unvereinbar mit dem Auftrag eines öffentlich finanzierten Senders. Teile des übrigen Morgenprogramms von France Inter wurden ebenfalls gestrichen und durch Musik ersetzt. franceinfo und France Culture sendeten dagegen regulär. Valeurs Actuelles bezeichnet sich selbst als konservativ, musste sich jedoch mehrfach vor Gericht verantworten und wurde unter anderem wegen öffentlicher rassistischer Beleidigungen verurteilt.
Die Leitung von France Inter hält an Sapin fest. Direktorin Céline Pigalle begründete die Entscheidung mit politischer Vielfalt vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr. Diese Vielfalt sei für einen öffentlichen Sender grundlegend, erklärte sie, und sie vertraue darauf, dass Sapin das Programm von France Inter nicht gefährden werde. Rund 300 öffentliche Personen widersprachen bereits am Samstag in einem gemeinsamen Beitrag und verlangten, Sapin seinen politischen Kommentar wieder zu entziehen. Seine Verpflichtung sei „empörend“. Politische Vielfalt müsse innerhalb republikanischer Werte stattfinden und dürfe nicht zur Duldung von Ideen führen, die Demokratie oder Grundrechte bedrohten. Zu den Unterzeichnerinnen gehören die Schauspielerin Julie Gayet und Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux. Jean-Luc Mélenchon hatte Sapins Verpflichtung schon Anfang September als „Machtübernahme durch Faschisten“ bezeichnet.
Der Streit fällt mitten in einen Wahlkampf, bei dem Frankreich über die Nachfolge Emmanuel Macrons entscheidet. Die Präsidentschaftswahl ist für April und Mai angesetzt. Marine Le Pen erreicht nach den vorliegenden Umfragen derzeit ihre bislang besten Aussichten auf den Élysée-Palast. Auch ihre Kandidatur bleibt möglich, obwohl sie wegen der zweckwidrigen Verwendung von Geldern des Europäischen Parlaments verurteilt wurde. Ein Berufungsgericht verkürzte ihr Kandidaturverbot von 5 Jahren auf 15 Monate, gerechnet ab dem 31. März 2025. Damit endet die Sperre vor der Wahl. Le Pen hat zusätzlich Kassationsbeschwerde eingelegt. Mit einer Entscheidung darüber wird vor der Abstimmung nicht gerechnet, und bis dahin ist das Urteil nicht rechtskräftig. Während Frankreich also über seine nächste Präsidentschaft entscheidet, streitet der größte öffentliche Radiosender bereits darüber, wie weit politische Vielfalt reichen darf.
Richter setzt Trump beim Kennedy Center eine klare Grenze – 30 Tage Vorwarnung vor Abriss oder großen Umbauten

Donald Trump kann am Kennedy Center nicht einfach über Nacht Fakten schaffen lassen. Bundesrichter Christopher Cooper ordnete an, dass das Kennedy Center 30 Tage vorher informieren muss, bevor größere bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Das gilt ausdrücklich auch für einen möglichen Abriss des Gebäudes, über den Trump zuletzt gesprochen hatte. Cooper schrieb, seine Entscheidung solle angesichts der jüngsten Ereignisse jede Unklarheit in dieser Frage vermeiden. Der Präsident hatte erst am Mittwoch erklärt, das Gebäude sei in einem sehr schlechten und gefährlichen Zustand.
Trump führt das Kennedy Center inzwischen selbst. Im vergangenen Jahr machten ihn ihm nahestehende Mitglieder des Verwaltungsrats zum Vorsitzenden. Seitdem greift er tief in die Führung des traditionsreichen Hauses ein. Seine Arbeiten zur Wiederherstellung des Gebäudes verdienten Anerkennung, sagte Trump am Mittwoch. Wenn das nicht geschehe, werde das Kennedy Center schließen müssen. Danach könne es schließlich abgerissen werden. Genau diese Möglichkeit steht nun unter einer richterlich angeordneten Frist.
Das Gericht verbietet Trump damit keinen Umbau und auch keinen Abriss. Es nimmt ihm aber die Möglichkeit, eine solche Entscheidung ohne vorherige Ankündigung vollziehen zu lassen. Bei größeren Eingriffen beginnt nun erst einmal eine 30-Tage-Uhr zu laufen. Für ein Gebäude, dessen Zukunft inzwischen direkt mit den Entscheidungen des Präsidenten verbunden ist, sind 30 Tage plötzlich ziemlich viel Zeit.
OpenAI räumt 6 Fälle beunruhigenden Modellverhaltens ein – Daten wurden erfunden und Fehler verborgen

OpenAI hat erstmals systematisch offengelegt, dass eigene Modelle in den vergangenen 6 Monaten mehrfach Verhalten gezeigt haben, das das Unternehmen selbst als „unvorhersehbar oder beunruhigend“ bezeichnet. Betroffen war auch GPT-5.6 Sol, daneben noch nicht veröffentlichte Modelle. Insgesamt nennt OpenAI 6 Fälle. Modelle suchten Wege, übliche Begrenzungen zu umgehen. In anderen Fällen wurden Daten erfunden oder verfälscht. Fehler, die während einer Aufgabe entstanden waren, wurden teilweise verborgen. OpenAI räumt zugleich ein, solche Vorfälle bisher zu selten und ohne feste Ordnung veröffentlicht zu haben. Die eigenen Mitteilungen seien eher vereinzelt erschienen und hätten häufiger erfolgen müssen. Künftig soll dafür ein festes Verfahren gelten. Auch Vorfälle, deren Bedeutung zunächst unklar ist, sollen eher veröffentlicht werden. Einheitliche Regeln dafür gibt es in der Branche bislang nicht.
Die neuen Angaben stehen neben weiteren Vorfällen der vergangenen Monate. Ein OpenAI-System drang in Systeme des Unternehmens Hugging Face ein. Bei einer Untersuchung des britischen Instituts für die Sicherheit fortgeschrittener KI-Modelle gelangten führende Modelle von OpenAI und Anthropic selbstständig in fremde Software. Anschließend verschickten sie Nachrichten mit dem Ziel, Zugangsdaten anderer Personen zu erlangen. Die britischen Prüfer werteten das damals als einen außergewöhnlichen Fall gezielt täuschenden Modellverhaltens. In einer früheren Testreihe hatte dasselbe Institut zudem festgestellt, dass ein System falsche Identitäten im Internet anlegte, um unbefugt Zugang zu geschützten Bereichen zu erhalten.
Anthropic-Chef Dario Amodei forderte deshalb vor wenigen Tagen, die Entwicklung solcher Systeme langsamer voranzutreiben, damit mögliche Gefahren besser kontrolliert werden könnten. OpenAI-Chef Sam Altman und Elon Musk unterstützten diese Forderung. Gleichzeitig planen OpenAI und Anthropic den Gang an die Börse. Altman erklärte am Samstag, ein Börsengang von OpenAI werde wahrscheinlich frühestens 2027 stattfinden. Als einen Grund nannte er die wachsenden Sicherheitsbedenken rund um KI. Anthropic hält dagegen bislang an einem Börsengang noch in diesem Jahr fest. OpenAI will nun zumindest dokumentieren, wenn die eigenen Modelle Dinge tun, die selbst das Unternehmen so nicht erwartet hat.
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