Kanadas Supermärkte verändern sich im Kühlregal. Was Donald Trump als Handelskrieg begonnen hat, landet zwischen Erdbeeren und Orangen, dort, wo politische Entscheidungen plötzlich ein Herkunftsetikett tragen. Immer mehr Kanadier greifen zu heimischer Ware und meiden Produkte aus den USA. Händler verbessern die Herkunftskennzeichnung und suchen andere Lieferanten. Die Bewegung „Kauft kanadisch“ begann im vergangenen Jahr, nachdem Trump Zölle auf kanadische Waren verhängt hatte. Zuletzt wurde sie schärfer. Die Handelsgespräche brachen am 21. August zusammen, neue Zölle und Gegenzölle folgten. Zusätzlich hatte Trump per Dekret eine Umbenennung zu „Lake America“ veranlasst. Der Streit zwischen Regierungen steht inzwischen vor dem Kühlregal.

Giancarlo Trimarchi, Präsident des unabhängigen Händlers Vince’s Market in Ontario, bekam wütende Zuschriften und Kommentare, weil seine Läden amerikanisches Obst und Gemüse führten. Er zeigte Kunden öffentlich, dass der größte Teil der Ware aus Kanada komme. Seine vier Geschäfte im Großraum Toronto führen inzwischen rund 90 Prozent kanadische Frischware. Erdbeeren bezieht Trimarchi nun aus Quebec statt aus den USA. Die Umstellung koste Geld, deshalb habe er sogar das Werbebudget gekürzt. Früher habe man Qualität und Preis gegeneinander abgewogen. Heute komme die Herkunft dazu. „Diesmal ist es deutlich aggressiver als im vergangenen Jahr“, erklärte er.
Auch die großen Händler lesen die Stimmung. Loblaw Cos, Kanadas größter Lebensmittelhändler, brachte im August nach kurzer Pause Ahornblatt-Schilder in die Obst- und Frischeabteilungen zurück. Zusätzlich kennzeichnet ein „T“, welche Waren von Zöllen betroffen seien. Kanadische Produkte sollen dadurch leichter zu erkennen sein. Metro, die Nummer 3 im Land, erklärte, man werde derzeit heimische Ware weiter bevorzugen. Gary Sands, Vizepräsident für Politik und Interessenvertretung bei der Canadian Federation of Independent Grocers, erklärte, die Haltung der Kanadier habe sich dauerhaft verändert. Ein Einkaufszettel kann inzwischen politische Aussage werden, selbst wenn nur Milch und Kartoffeln daraufstehen.
Regierungsdaten zeigen, wie tief die bisherige Abhängigkeit reicht. Kanada ist nach Warenwert der 5.-größte Importeur Gemüses weltweit. Die USA bleiben der wichtigste Lieferant und stellen mehr als die Hälfte der Einfuhren; Mexiko folgt dahinter. Der US-Anteil an Kanadas Gemüseimporten fiel auf 62,6 Prozent. Im Juli 2023, noch vor Trumps Wahl, waren es 69 Prozent gewesen. Bei Obst stammte im Juli weiterhin mehr als die Hälfte der Einfuhren aus den USA. In den Regalen taucht dafür Ware aus Marokko und Südafrika auf. Spanien und Brasilien liefern ebenfalls mehr, Honduras ebenso. Jede Kiste aus einem neuen Herkunftsland löst ein Stück der alten Gewohnheit.
Der kanadische Winter setzt dieser neuen Selbstständigkeit harte Grenzen. Frische Ware kommt traditionell aus Gewächshäusern oder Lagerbeständen. Vieles wird importiert, weil das günstiger ist. Die Regierung investiert rund drei Milliarden kanadische Dollar über 10 Jahre in Gewächshäuser und vertikale Landwirtschaft, um die heimische Produktion im Winter auszubauen. Zugleich wolle sie die Lebensmittelpreise bremsen, deren Anstieg innerhalb der G7 zu den höchsten zählt. Mehr heimische Produktion solle dabei helfen. Politischer Trotz braucht irgendwann beheizte Hallen und eine Stromrechnung.

Gordon Dean, Eigentümer von Mike Dean Local Grocer mit Geschäften im ländlichen Ontario und in Quebec, erklärte, zu den alten US-Lieferketten eile niemand zurück. Sobald neue Bezugswege aufgebaut seien, werde die Versorgung breiter und damit sicherer. Unterschiedliche Vorschriften zwischen den Provinzen erschwerten weiterhin den innerkanadischen Warenverkehr. Viele Händler blieben deshalb von Lieferanten südlich der Grenze abhängig.
Mike von Massow ist Professor für Lebensmittel- und Agrarökonomie an der University of Guelph. Sein Fachgebiet umfasst zudem Ressourcenökonomie. Er erklärte, Nationalgefühl verdränge derzeit teilweise die ökonomische Rechnung. Das könne sich wieder ändern, falls sich das Verhältnis verbessert. Vollständig zur früheren Nähe werde die Beziehung zwischen Kanada und den USA womöglich nicht zurückkehren. Eine spätere Entspannung, besonders unter einer neuen US-Regierung, könne amerikanische Produkte wieder attraktiver machen, weil sie häufig billiger seien. Trump erklärte unterdessen am Samstag in Dublin, Kanada wolle sehr dringend ein Abkommen mit den USA und eine Einigung könne „ziemlich bald“ kommen. Kanada behandle amerikanische Landwirte unfair und müsse Zölle beseitigen. Während Washington noch über das nächste Abkommen spricht, bauen kanadische Händler längst Wege, die an den USA vorbeiführen.
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Bravo Kanada! Ich wünschte, Europsa würde Kanada noch viel mehr unterstützen. Die USA können ohne Im- und Exporte nicht überleben, sie zu isolieren, ist das Beste, was die zivilisierte Welt tun kann.