Heute in den Kurznachrichten: Jimmy Kimmel verbannt ein Interview mit dem demokratischen Senatskandidaten James Talarico aus dem Fernsehen auf YouTube, weil er der US-Aufsicht FCC offene Drohungen gegen seine Sendung vorwirft. Bei Kaufland kann man derweil einen AfD-Hoodie mit „Wir holen unser Land zurück“ kaufen – verkauft von einem externen Händler, aber mitten auf dem Kaufland-Marktplatz.
Und Dallas liefert den Irrsinn gleich im Paket: Trump lässt Tausende die rechte Hand heben und einen Schwur auf den „größten Präsidenten der Geschichte“ nachsprechen, ein begnadigter Oath Keeper läuft über den Parteitag und zwischendrin singt der Saal den Werbejingle der Flintstones-Vitamine.
Dazu der heißeste August seit Beginn der Aufzeichnungen, neue Rekorde in den Weltmeeren und weiter steigende Treibhausgasemissionen. Und im US-Justizministerium wirft ausgerechnet Trumps eigener Ermittler hin – mit dem Satz: „Wenn ihr Anklagen wollt, wo es keine Beweise gibt, habt ihr ein ethisches Problem.“
Kimmel weicht wegen Drohungen der US-Aufsicht ins Netz aus – Interview mit Demokrat fliegt aus der Fernsehsendung

Jimmy Kimmel sagt, die amerikanische Kommunikationsaufsicht FCC setze seine Sendung unter Druck. Deshalb wird ein Interview mit James Talarico, demokratischer Kandidat für den US-Senat in Texas, nicht im Fernsehen ausgestrahlt, sondern auf YouTube veröffentlicht. Kimmel erklärte in seiner Sendung, er habe seit mehr als 20 Jahren Kandidaten für politische Ämter interviewt, ohne damit Probleme zu bekommen. Jetzt sei etwas anders. Die FCC habe ihm, seiner Sendung, dem Sender ABC, dessen Partnern und örtlichen Stationen wegen ganz normaler redaktioneller Entscheidungen gedroht. Gemeint seien unter anderem Gäste, die der Behörde offenbar nicht passten.
Ausgerechnet Talarico trifft diese Vorsicht nicht zum ersten Mal. Schon im Februar wurde ein Auftritt des Demokraten bei Stephen Colbert aus dem Fernsehen ins Internet verschoben. Damals fürchtete der Sender Ärger wegen der FCC-Regel, nach der politische Kandidaten vergleichbare Sendezeit erhalten müssen. Talarico tritt in Texas gegen den republikanischen Generalstaatsanwalt Ken Paxton an und gilt für die Demokraten als eine ihrer besseren Chancen, in einem Bundesstaat zu gewinnen, der seit Jahren fest von den Republikanern beherrscht wird. Dass sein Interview nun erneut aus dem klassischen Fernsehprogramm verschwindet, ist deshalb politisch alles andere als nebensächlich.
Kimmels Streit mit der Trump-Regierung läuft längst länger. Im September 2025 setzte ABC „Jimmy Kimmel Live“ nach Drohungen des damaligen FCC-Vorsitzenden Brendan Carr bereits zeitweise aus. Im April 2026 verlangten Donald Trump und Melania Trump Kimmels Entlassung wegen eines Witzes über die First Lady. ABC zog daraufhin selbst vor Gericht und erklärte, die von der FCC verlangte vorzeitige Überprüfung von Sendelizenzen bedrohe den Sender in seiner Existenz. Nun landet ein Interview mit einem demokratischen Senatskandidaten vorsichtshalber auf YouTube, weil Kimmel sagt, die staatliche Aufsicht drohe wegen seiner Gästeliste. Für einen Präsidenten, der ständig von freier Rede spricht, ist das eine bemerkenswerte Art, mit Fernsehen umzugehen.
AfD-Propaganda bei Kaufland: Nicht selbst verkauft, aber auf dem eigenen Marktplatz angeboten

Auf dem Kaufland Online-Marktplatz wird ein AfD-Hoodie mit dem Spruch „Wir holen unser Land zurück“ für 39,95 Euro angeboten. Verkäufer ist laut Angebot nicht Kaufland selbst, sondern der externe Händler Printera. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Ware unter der Marke Kaufland, auf deren Plattform und mit deren Infrastruktur verkauft wird. Wer einen Marktplatz betreibt, kann sich nicht vollständig hinter dem Satz verstecken, man sei nur die technische Fläche für fremde Händler. Gerade bei offenem Parteimerchandise stellt sich deshalb die Frage, welche politischen Produkte Kaufland auf seinem Marktplatz überhaupt zulassen will.
Trumpapalooza in Dallas: 5.000 Dollar, Flintstones-Vitamine und ein begnadigter Oath Keeper
Trump: „Also bitte, hebt eure rechte Hand. Ich verspreche dem größten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten, der uns so sehr liebt, dass er kaum noch atmen kann, dass ich mit meiner Familie und meinen Freunden wählen gehen werde …“
Publikum wiederholt die Worte.
Trump: „Mir ist egal, ob ich registriert bin oder nicht. Ich werde versuchen zu betrügen wie die Hölle, so wie die das machen.“
Donald Trump steht im November gar nicht auf dem Stimmzettel, aber in Dallas tat seine Partei zwei Abende lang so, als ginge es wieder nur um ihn. Der Präsident ließ seine Anhänger versprechen, am 3. November wählen zu gehen, und bat sie ganz offen: „Ihr müsst mir den größten Gefallen tun, den ihr mir je getan habt.“ Sie sollten so wählen, als stünde sein Name selbst auf dem Wahlzettel. Genau da liegt das Problem der Republikaner. Viele ihrer Wähler kommen für Trump, aber nicht automatisch für irgendeinen Kandidaten fürs Repräsentantenhaus oder den Senat. Etliche Republikaner in schwierigen Rennen blieben Dallas gleich ganz fern. Wer kam, bekam dafür die volle Trump-Packung: Demokraten als Gefahr, die eigene Mehrheit als Rettungsring seiner letzten zwei Amtsjahre und obendrauf das Versprechen von 5.000 Dollar für jeden Erwachsenen, falls die Republikaner beide Kammern behalten. Mehr als eine Billion Dollar würde das kosten. Selbst in der eigenen Partei sorgte das für Kopfschütteln. Trump knüpfte das Geld trotzdem direkt an das gewünschte Wahlergebnis. Erst gewinnen, dann Scheck.
JD Vance durfte unmittelbar vor Trump sprechen und zeigte schon einmal, wie 2028 aussehen könnte. Die Demokraten seien „die Partei des Hasses“, erklärte er, und niemand solle das Land „einem Haufen Verrückter“ überlassen, nur weil er mit den Republikanern bei irgendeinem Thema nicht einverstanden sei. Als ein Demonstrant mit mexikanischer Flagge seine Rede störte, brüllte Vance ihm entgegen: „Wenn du Mexiko so sehr liebst, dann beweg deinen Hintern dorthin. Ich kaufe dir ein Flugticket.“ Das Publikum tobte. Am selben Tag sammelte Vance bei einer Veranstaltung in Dallas zwei Millionen Dollar für die Partei ein. Trump selbst lässt über ein ihm nahestehendes politisches Aktionskomitee mehr als 68 Millionen Dollar für Werbung in wichtigen Wahlkämpfen reservieren. Geld ist also reichlich unterwegs. Nur bei den 5.000 Dollar für jeden Erwachsenen weiß weiterhin niemand, woher es kommen soll.
Und dann wurde dieser Parteitag richtig Dallas. Stewart Rhodes lief herum, der frühere Chef der Oath Keepers, den Trump für seine Rolle beim Angriff auf das Kapitol vom 6. Januar begnadigt hatte. Ein republikanischer Kandidat aus Nevada brachte den Saal dazu, den Werbejingle für Flintstones-Vitamine mitzusingen. Mike Johnson erklärte den Wahlkampf zur Entscheidung zwischen „gesundem Menschenverstand und Verrücktheit“. Donald Trump Jr. bekam „USA“-Rufe, während der rechtskonservative Charlie Kirk ein Jahr nach seiner Ermordung geehrt wurde. Eine Familie, deren Tochter in Chicago erschossen worden war, stand mit dem republikanischen Abgeordneten Mike Lawler auf der Bühne, dazu gab es eine Gedenkbank. Draußen riefen Demonstranten „Donald Trump ist hier nicht willkommen“, drinnen wurde weiter gefeiert. Das alles einen Tag vor dem 25. Jahrestag des 11. September.
Am Ende kam dann das Bild, das eigentlich alles erzählte. Luftballons fielen langsam von der Decke, wie nach der Kür eines Präsidentschaftskandidaten. Nur war niemand gekürt worden. Trump ist längst Präsident und kann nach geltendem Recht 2028 nicht noch einmal antreten. Trotzdem stand er da, genoss den Ballonregen und ließ seinen Lieblingstenor Christopher Macchio Oper singen. Die Republikaner wollten eigentlich einen Parteitag für die Zwischenwahlen veranstalten. Heraus kam eine Veranstaltung für einen Mann, der gar nicht zur Wahl steht. Seine Kandidaten sollen gewinnen, seine Anhänger sollen schwören, sein Vize bringt sich für danach in Stellung, und zwischendrin singt der Saal Flintstones-Vitamine. Wer verstehen will, wie sehr sich diese Partei inzwischen um Trump dreht, muss sich den Rest gar nicht kompliziert erklären.
Dallas hat an zwei Abende lang Abgründe vorgeführt.
Der Planet bricht Hitzerekorde – und die Welt bläst trotzdem mehr Treibhausgase in die Luft

Der August 2026 war der heißeste August seit Beginn der Aufzeichnungen und erreichte zugleich den bisherigen Monatsrekord vom Juli 2023. Die globale Durchschnittstemperatur an der Erdoberfläche lag bei 16,96 Grad Celsius. Gegenüber der Zeit vor der Industrialisierung waren das 1,65 Grad mehr, gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2020 sogar 0,85 Grad. Das ist inzwischen keine einzelne Ausreißerzahl mehr. Anfang August wurde auch an der Oberfläche der Weltmeere ein neuer Rekord gemessen: 21,1 Grad Celsius, knapp über dem bisherigen Höchstwert vom März 2024. Copernicus führt die extreme Wärme vor allem auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe zurück, zusätzlich verstärkt durch die ungewöhnlich warmen Meeresoberflächen während El Niño.
Während die Temperaturen steigen, steigen auch die Emissionen weiter. Im Jahr 2025 verursachte die Menschheit nach Angaben der Europäischen Kommission rund 54 Milliarden Tonnen CO₂-Äquivalente – so viel wie nie zuvor. Gegenüber dem Vorjahr waren das noch einmal 0,7 Prozent mehr. Besonders stark legten die Vereinigten Staaten zu: Dort stiegen die Emissionen um 2,2 Prozent und damit absolut stärker als in jedem anderen Land. China, weiterhin größter Emittent der Welt, kam auf ein Plus von 0,1 Prozent. Indien senkte seine Emissionen dagegen um 0,2 Prozent. China, die USA, Indien, die Europäische Union, Russland und Indonesien zusammen verursachen rund 62 Prozent der weltweiten Treibhausgase.
Hält diese Entwicklung an, könnte die Erde nach Einschätzung der Europäischen Kommission bereits bis zum Ende dieses Jahrzehnts dauerhaft um etwa 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau wärmer sein. Gerade die Rekorde im Meer machen die Lage zusätzlich gefährlich. Wärmeres Wasser dehnt sich aus und lässt den Meeresspiegel steigen. Es gibt außerdem mehr Wärme und Feuchtigkeit an die Atmosphäre ab, wodurch schwere Stürme und extreme Hitze an Land wahrscheinlicher werden. Gleichzeitig können wärmere Ozeane weniger Kohlendioxid aufnehmen. Die Rechnung wird damit immer einfacher: Die Temperaturen erreichen neue Höchststände, die Meere ebenfalls – und ausgerechnet in diesem Moment produziert die Welt noch mehr von den Gasen, die diese Entwicklung antreiben.
Trumps Ermittler wirft hin: „Wenn ihr Anklagen ohne Beweise wollt, habt ihr ein ethisches Problem“

Joe diGenova war im April ins US-Justizministerium zurückgeholt worden, um ausgerechnet jene früheren Ermittler und Geheimdienstleute ins Visier zu nehmen, die Donald Trump über Jahre untersucht hatten. Fünf Monate später ist er weg. Der 81-Jährige bestätigte seinen Rücktritt selbst. Hinter den Kulissen wuchs offenbar der Ärger darüber, dass seine Untersuchung kaum vorankam und noch immer keine Anklage hervorgebracht hat. Dann fiel ein Satz, der für die Regierung unangenehmer kaum sein könnte: „Wenn ihr Anklagen wollt, wo es keine Beweise gibt, habt ihr ein ethisches Problem.“ Später erklärte diGenova, diese Aussage sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. Es gebe durchaus Material für die verfolgten Anklagethesen, sagte er, nur brauche man eben Zeit. Genau die wollte man ihm offenbar nicht mehr geben.
Die Untersuchung war von Anfang an gewaltig angelegt. Sie sollte mehrere voneinander getrennte Ermittlungen gegen Trump zu einer möglichen Verschwörung früherer Regierungsbeamter gegen ihn zusammenführen. Dazu gehören die Russland-Ermittlungen zur Wahl 2016 und die Durchsuchung von Mar-a-Lago im Jahr 2022, bei der geheime Regierungsdokumente sichergestellt wurden. Trump betrachtet beides seit Jahren als Teil einer Kampagne gegen ihn. DiGenova gehörte zu seinen treuesten Verbündeten, unterstützte auch Trumps Versuche, das Wahlergebnis von 2020 zu kippen, und sprach immer wieder von einer Verschwörung innerhalb der Geheimdienste. Nun scheidet ausgerechnet dieser Mann aus einer Untersuchung aus, die Trumps alte Gegner zur Verantwortung ziehen sollte.
Bis heute ist unklar, ob daraus überhaupt strafrechtliche Fälle entstehen. Die frühere Sonderermittlung hatte umfassende russische Einflussnahme auf die Wahl 2016 festgestellt, aber keine strafbare Verschwörung zwischen Moskau und Trumps Wahlkampfteam nachweisen können. Andere Untersuchungen fanden schwere Fehler des FBI, aber ebenfalls kein kriminelles Verhalten führender Ermittler. Schon im vergangenen April war ein leitender Staatsanwalt aus der Untersuchung gegen den früheren CIA-Direktor John Brennan ersetzt worden, nachdem er Zweifel an der Stärke des Falls geäußert hatte. Brennan bestreitet die Vorwürfe, er habe den Kongress bei der Entstehung der Geheimdienstbewertung belogen, und verklagte das Justizministerium inzwischen auf Sicherung sämtlicher Akten. Jetzt geht auch diGenova. Der Mann, der Trumps Gegner untersuchen sollte, verlässt seinen Posten – und hinterlässt ausgerechnet die Frage, ob Washington schneller Anklagen wollte, als die Beweise sie hergaben.
