Welcome to The Kaizen Blog   Click to listen highlighted text! Welcome to The Kaizen Blog

10. September 2026 – Kurznachrichten

VonTEAM KAIZEN BLOG

10. September 2026

Heute in den Kurznachrichten: Aus den Kaizen Akten: Ein Mann mit Arbeitserlaubnis, Sozialversicherungsnummer und regelmäßigen ICE-Terminen sitzt plötzlich in Guantánamo. Adam Abdullah sagt, bis heute habe ihm niemand erklärt, warum er überhaupt festgenommen wurde. In Miami hieß es noch, Kuba sei nur ein Tankstopp.

Außerdem: Sprengsätze an deutschen Hochspannungsleitungen, Iran baut seine Stellvertreter am Golf weiter aus, Laura Loomer erklärt Republikanern in Dallas, dass sie ohne Trump kaum gewinnen können. Und Kanada setzt seine Gegenzölle genau dort an, wo es Trumps Partei wehtut – in Ohio, Maine und Kansas.

Iran baut neue Front gegen US-Verbündete am Golf auf – Huthis und irakische Milizen arbeiten enger zusammen

Iran ordnet seine Verbündeten im Nahen Osten neu. Nachdem Hamas und vor allem die Hisbollah in den vergangenen Kriegen schwere Verluste erlitten haben, spielen nun die Huthis im Jemen und proiranische Milizen im Irak eine deutlich größere Rolle. Wie weit diese Zusammenarbeit inzwischen geht, zeigte sich bei den Drohnenangriffen auf saudische Ölanlagen im Juli. Zwei saudische Vertreter und ein ranghoher irakischer Sicherheitsbeamter berichten, dass Huthi-Vertreter gemeinsam mit irakischen Milizen in einem Operationsraum saßen und bei Planung und Durchführung des zweitägigen Angriffs halfen. Saudi-Arabien und die USA antworteten damals mit gemeinsamen Luftangriffen im Irak. Mindestens 20 irakische Kämpfer, sechs iranische Berater und mindestens ein Vertreter der Huthis wurden dabei getötet.

Seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen Iran Ende Februar hat diese Zusammenarbeit noch einmal an Bedeutung gewonnen. Teheran versucht, Saudi-Arabien und andere Staaten am Golf unter Druck zu setzen, die amerikanische Truppen beherbergen oder eng mit Washington zusammenarbeiten. Die Huthis greifen dabei längst nicht mehr nur Schiffe im Roten Meer an. Seit Ende Juli wurden mehr als ein Dutzend Angriffe auf saudische Ölanlagen und Tanker registriert. Am Dienstag traf eine neue Angriffswelle Ziele im Süden Saudi-Arabiens und verletzte mehr als 70 Menschen, darunter Frauen und Kinder. Eine Woche zuvor hatten die Huthis eine Blockade gegen saudische Schiffe im Roten Meer angekündigt. Damit geraten ausgerechnet jene Transportwege unter Beschuss, auf die Riad sein Öl stärker verlagert hat, seit die Straße von Hormus wegen des Krieges kaum noch zuverlässig nutzbar ist.

Saudi-Arabien versucht inzwischen, einen wachsenden Teil seiner Exporte über das Rote Meer, den Suezkanal und die ägyptische SUMED-Pipeline abzuwickeln. Dort stieg die transportierte Menge von rund 650.000 Barrel täglich im Juni auf mehr als 1,9 Millionen im August. Doch auch diese Route ist nicht sicher. Bereits im vergangenen Monat traf eine Rakete der Huthis einen saudischen Tanker im nördlichen Roten Meer, rund 1.000 Kilometer vom Huthi-Gebiet entfernt. Gleichzeitig kämpfen saudisch unterstützte Kräfte im Jemen wieder an mehreren Abschnitten gegen die Huthis. Die seit 2022 weitgehend eingehaltene Waffenruhe ist praktisch zerbrochen. Der Krieg im Jemen, der nach Schätzungen der Vereinten Nationen bereits mindestens 150.000 Menschen das Leben gekostet hat, droht damit erneut vollständig aufzubrechen.

Für Iran ist das Vorgehen allerdings gefährlich. Im Irak hat die Regierung den bewaffneten Gruppen befohlen, bis Ende September ihre Waffen abzugeben, mehrere mächtige proiranische Milizen weigern sich jedoch. Saudi-Arabien wiederum könnte nach den neuen Angriffen zu einem größeren militärischen Gegenschlag greifen. Die Huthis verfügen über Marschflugkörper, ballistische Raketen, Drohnen und unbemannte Unterwasserfahrzeuge und haben in den vergangenen Jahren immer wieder moderne Waffen ins Land gebracht. Iran bestreitet, die Gruppe zu bewaffnen, iranische Waffen wurden jedoch auf Schlachtfeldern und in abgefangenen Lieferungen gefunden. Was Teheran mit seinen Verbündeten erreichen will, ist inzwischen deutlich: Der Krieg gegen Iran soll für Washington und dessen Partner am Golf teurer werden. Der Preis dafür könnte ein neuer großer Krieg im Jemen und eine weitere Gefährdung der wichtigsten Ölwege der Welt sein.

Sabotage am Stromnetz: Deutschland kann regional tagelang dunkel werden

Deutschland ist gegen einen einzigen Defekt im Stromnetz ziemlich gut abgesichert. Gegen mehrere gezielte Angriffe zur selben Zeit sieht die Sache anders aus. Martin Braun, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik und Professor an der Universität Kassel, warnt vor erheblichen und länger dauernden Stromausfällen in einzelnen Regionen, wenn wichtige Teile der Infrastruktur bewusst zerstört werden. Ein landesweiter Blackout wäre deutlich schwieriger herbeizuführen, weil das deutsche und europäische Netz über Reserven, alternative Leitungswege und automatische Schutzsysteme verfügt. Eine beruhigende Garantie ist das trotzdem nicht. Entscheidend ist nicht irgendeine Zahl von Megawatt oder Umspannwerken, sondern was getroffen wird, wie viele Schäden gleichzeitig auftreten und ob die Betreiber den Ausfall noch abfangen können.

Wie ernst das inzwischen ist, zeigen die vergangenen Tage. Am 1. September wurden Hochspannungsleitungen bei Turnow-Preilack in Brandenburg angegriffen, nahe dem Kraftwerk Jänschwalde. Zwei Kurzschlüsse legten vorübergehend einen Kraftwerksblock lahm. Am selben Tag traf es ein Umspannwerk in Bergheim in Nordrhein-Westfalen, fünf Erzeugungsanlagen fielen aus. In Sachsen fanden Ermittler am 4. September zwölf selbst gebaute Sprengsätze bei Hochspannungsleitungen an den Umspannwerken Bärwalde und Graustein. Drei Tage später kamen neun weitere Funde hinzu. Insgesamt lagen dort 21 Vorrichtungen, die nach Ansicht der Ermittler Kurzschlüsse auslösen und Leitungen beschädigen sollten. Nur weil sie rechtzeitig entdeckt wurden, blieb der Strom an.

Am 8. September nahm die Polizei schließlich einen 48-Jährigen nahe dem Kraftwerk Weisweiler fest. Bei ihm sollen sich Sprengsätze befunden haben, weitere Ladungen wurden in einem nahe gelegenen Zelt entdeckt. In Bekennerschreiben erklärte der Verfasser die Angriffe mit seinem Protest gegen fossile Brennstoffe. Ob und wie die einzelnen Taten miteinander zusammenhängen, wird weiter untersucht. Was ein erfolgreicher Angriff bedeuten kann, hat Berlin bereits Anfang Januar erlebt. Ein Brandanschlag auf Kabel beim Kraftwerk Lichterfelde kappte am 3. Januar die Versorgung von 45.400 Haushalten und 2.200 Gewerbekunden, auch die Fernwärme war betroffen. Erst vier Tage später floss überall wieder Strom. Braun warnt deshalb nicht nur vor den Anschlägen selbst. Ersatzteile, Reparaturteams, geschützte Kommunikation und regelmäßig geübte Wiederherstellung entscheiden darüber, ob aus Stunden Tage werden. Wer mehrere wichtige Stellen gleichzeitig trifft, muss Deutschland nicht vollständig abschalten, um sehr viel Schaden anzurichten.

Laura Loomer droht Republikanern in Dallas: Ohne Trump schafft ihr es nicht über die Ziellinie

Laura Loomer hat auf dem republikanischen Parteitag in Dallas eine ziemlich klare Botschaft für all jene Parteifreunde, die lieber zu Hause geblieben sind: Seid gefälligst dankbar. Die rechte Trump-Verbündete ging besonders auf jene Republikaner los, die in schwierigen Wahlkämpfen stecken und trotzdem nicht zum Parteitag gekommen sind. „Wenn ihr nicht auftaucht, um den Präsidenten zu unterstützen, damit er euren traurigen Hintern wegen der fehlenden Begeisterung über die Ziellinie schleppen kann, dann hofft besser, dass die Wähler genug Begeisterung haben, um für euch aufzutauchen“, sagte Loomer. Viel deutlicher lässt sich kaum sagen, wie wenig sie von einem Republikaner hält, der glaubt, auch ohne Trump gewinnen zu können.

Lesen Sie auch unseren Artikel: Die Hexenmeisterin aus Westchester – Laura Loomers Aufstieg zu einer der gefährlichsten Frauen Amerikas

Dabei machte Loomer keinen Versuch, die Abhängigkeit der Partei vom Präsidenten kleinerzureden. Trump komme schließlich nicht für sich selbst nach Dallas. Seine Wahl habe er gewonnen, noch einmal für das Präsidentenamt antreten könne er nicht. Er komme, um den Republikanern zu helfen, erklärte sie. Und genau dafür sollten sie ihm dankbar sein. Ihre Begründung war nicht gerade schmeichelhaft für die eigene Partei: Die Republikaner seien ohne Donald Trump an der Spitze des Wahlzettels schlicht nicht in der Lage, sich erfolgreich über die Ziellinie zu bringen. Für eine Partei, die sich gern als große politische Bewegung verkauft, ist das eine bemerkenswert offene Beschreibung der eigenen Schwäche.

Loomers Warnung richtete sich dabei nicht nur an Kandidaten für die Zwischenwahlen. Auch diejenigen, die schon auf 2028 schauen, sollten sich davor hüten, Trumps Anhänger gegen sich aufzubringen. Damit liegt auf dem Parteitag ziemlich offen auf dem Tisch, was viele Republikaner lieber etwas höflicher formulieren: Auch wenn Trump selbst nicht mehr kandidiert, soll seine Gefolgschaft weiter darüber entscheiden, wer innerhalb der Partei eine Zukunft hat. Wer sich von ihm entfernt, riskiert nicht nur seinen Ärger, sondern womöglich gleich die eigenen Wähler. Loomer sagt es nur gröber als die meisten anderen – und genau deshalb hört man bei ihr besonders gut, wie eng die Partei ihre eigene Zukunft inzwischen an einen Mann gebunden hat.

Aus den Kaizen Akten: Mit Arbeitserlaubnis nach Guantánamo: ICE sagt Adam Abdullah bis heute nicht, warum es ihn festnahm

Adam Abdullah hatte eine Arbeitserlaubnis, eine Sozialversicherungsnummer und meldete sich regelmäßig bei ICE. Heute sitzt der 31-jährige Somalier in Guantánamo Bay. Dazwischen liegt eine Reise durch das amerikanische Abschiebesystem, bei der ihm offenbar niemand erklären wollte, warum er überhaupt festgenommen worden war. Abdullah kam 2023 in die USA und beantragte Asyl. Im vergangenen Dezember stoppten Bundesbeamte sein Auto in St. Paul mitten während „Operation Metro Surge“. Er fragte nach dem Grund und nach einem Haftbefehl. Die Antwort, die er schildert, ist bemerkenswert kurz: Man brauche keinen, man sei die Einwanderungsbehörde und wisse, dass er Adam Abdullah sei.

Danach ging es durch Gefängnisse in Minnesota, Kentucky und Louisiana. Schließlich hieß es, er werde über Miami nach Somalia abgeschoben. In Miami erzählte man ihm, Kuba sei nur ein Tankstopp auf dem Weg nach Afrika. Aus dem Tankstopp wurde Guantánamo. Abdullah sagt, er sei während der Flüge an Händen und Füßen gefesselt gewesen. Seit etwa zwei Wochen sitzt er nun in Camp Six. Sieben weitere Somalier seien dort, mehrere ebenfalls in den Twin Cities festgenommen. Gespräche mit seinem Anwalt dauern nur fünf bis zehn Minuten. Ob diese Telefonate überhaupt vertraulich sind, weiß nicht einmal der Anwalt selbst.

Donald Trump hatte schon im vergangenen Jahr angeordnet, Migranten nach Guantánamo zu bringen. Im Wahlkampf sprach er von bis zu 30.000 Menschen. Im Mai sollen dort lediglich sechs Migranten aus Haiti festgehalten worden sein, Abdullah berichtet nun von weiteren Gefangenen aus anderen Ländern. Im Oktober steht endlich eine Anhörung an. Das Heimatschutzministerium erklärte zu einem jüngsten Flug nach Kuba, an Bord seien einige der „Schlimmsten der Schlimmen“ und „kriminelle illegale Ausländer“ gewesen. Adam Abdullah erzählt eine andere Geschichte: Arbeitserlaubnis, Sozialversicherungsnummer, regelmäßige Termine bei ICE und trotzdem Guantánamo. Nicht einmal der Grund für seine Festnahme wurde ihm nach eigener Aussage genannt. Mehr muss man über den Abstand zwischen der politischen Parole und dem Menschen, der am Ende darin verschwindet, eigentlich nicht wissen.

Kanada setzt seine Zölle genau dort an, wo Republikaner um ihre Sitze zittern

Donald Trump wollte Kanada mit Zöllen unter Druck setzen. Kanada schickt die Rechnung nun dorthin zurück, wo sie den Republikanern wenige Wochen vor den Zwischenwahlen besonders wehtun kann. Ohio gehört dazu. Kanada ist der größte Exportmarkt des Bundesstaates und kaufte zuletzt amerikanische Waren im Wert von 17,5 Milliarden Dollar, vor allem Autos und Maschinen. Genau solche Produkte treffen die kanadischen Maßnahmen. Gleichzeitig steckt der Republikaner Jon Husted in einem engen Rennen gegen den früheren demokratischen Senator Sherrod Brown. Husted verteidigte Trumps Zölle zunächst. Jetzt klingt er vorsichtiger. Es komme darauf an, wie das Ganze ende und ob beide Länder einen guten Deal bekämen.

In Maine wird es noch unmittelbarer. Kanada hat Holz und landwirtschaftliche Produkte mit 50 Prozent Zoll belegt, beides wichtig für den Grenzstaat. Dort muss die republikanische Senatorin Susan Collins gegen den Demokraten Troy Jackson antreten. Collins kritisiert den Handelskrieg inzwischen selbst, Jackson erinnert sie allerdings daran, dass ihre Partei ihn erst möglich gemacht hat. Seine Rechnung ist einfach: Die Gegenzölle treiben die Kosten für die Menschen in Maine hoch, und Trump sitzt nicht irgendwo außerhalb dieser Geschichte. Er hat sie begonnen.

Kansas ist für die Republikaner fast noch unangenehmer. Trump drohte am Labor Day damit, dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier den amerikanischen Markt abzudrehen. Nur sitzt dessen US-Zentrale ausgerechnet in Kansas. Mehr als 1.000 Arbeitsplätze hängen dort direkt an dem Unternehmen, andere Angaben sprechen von rund 1.500 Familien. Senator Roger Marshall verspricht plötzlich, diese Jobs zu verteidigen, und sagt, er habe die Sache bereits ins Oval Office getragen. Den Namen des Mannes, der das Problem verursacht hat, lässt er dabei lieber weg. Genau so sieht der Handelskrieg inzwischen aus: Trump schlägt gegen Kanada, Kanada schlägt zurück, und republikanische Kandidaten erklären ihren eigenen Wählern, warum amerikanische Jobs und amerikanische Exporte plötzlich zwischen den Fronten liegen. Bei 38 Prozent Zustimmung für Trump ist das keine besonders angenehme Geschichte, die man im Wahlkampf erzählen muss.

Unabhängiger Journalismus · Kaizen Blog

Wir sind dort,
wo es wehtut

Wir sitzen nicht im Warmen und schreiben über die Welt – und wir hören auch nicht beim Schreiben auf. Unsere Hilfe ist dort, wo sie gebraucht wird. Wir sind ein kleines Team. Keine Investoren, keine Millionäre, keine große Redaktion im Hintergrund. Was wir haben, sind Herz, Wille und der Anspruch, Dinge aufzudecken, über die andere oft hinwegsehen. Wenn Sie möchten, dass diese Arbeit weiter möglich bleibt, unterstützen Sie den Kaizen Blog.

Unsere Arbeit lebt von denen, die hinschauen – und dafür einstehen, dass das möglich bleibt.
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x
Click to listen highlighted text!