Auf der neuen Internetseite des Weißen Hauses gleitet eine Figur im Anzug über den Bildschirm und sammelt Menschen ein. Die Steuerung folgt jenem alten Automatenspiel, in dem eine Schlange länger wird, je mehr sie verschlingt. Hinter dem Mann in der Krawatte wächst eine Kette von Gestalten in orangefarbenen Overalls, und flinke Finger treiben den Punktestand hinauf. Ein solches Spiel verlangt vom Spieler nichts als Geschwindigkeit und nimmt ihm dafür jedes Gewicht dessen ab, was seine Finger anrichten.
Das Ding heißt Rio Run. Gesteuert wird nach übereinstimmenden Berichten eine digitale Ausgabe des Grenzbeauftragten Tom Homan, die am Rio Grande entlangzieht und Migranten in verschiedenen Hautfarben aufliest. Die Anweisung an den Spieler lautet, die Linie abzugehen und jeden Grenzgänger vom Feld zu holen, bis die Zahl der Abschiebungen stimmt. Das Bild erinnert an die Aufnahmen von Menschen, die in Ketten die Flugzeuge in fremde Länder besteigen.
Daneben liegen weitere Titel bereit. In einem Bauklötzchenspiel nach dem Vorbild von Tetris sollen Ziegel gestapelt werden, um die Grenze vor einer heranrückenden Horde zu schützen, angekündigt als Belagerung durch Grenz-Zombies. Ein anderes lädt dazu ein, mit einem Netz Bargeld und Gold zu fangen und in die sogenannten Trump-Konten zu füllen, jene Anlagekonten, in die der Staat für berechtigte Kinder 1.000 Dollar einzahlt. Ein weiteres verlangt, das Schulessen richtig zu sortieren, damit Amerika wieder gesund werde. Beworben wurde die Sammlung mit einem Video, dessen Schriftzug die Marke des japanischen Spielehauses Sega nachahmt.

Der begleitende Satz fiel knapp aus: „CAN’T STOP WINNING. Build the wall. Deport. Fill a Trump Account.“ Das Weiße Haus erklärte auf Anfrage, man sei ganz darauf gerichtet, die vielen Erfolge des Präsidenten so zu erzählen, dass sie jeden Amerikaner erreichten. Die Seite setze eine Kultur des Vergnügens und des Gewinnens gegen die düstere sozialistische Vorstellung, die man den Demokraten zuschreibe. Die eigene Politik als Kurzweil anzubieten verrät, wie leicht sie ihren Urhebern von der Hand geht.
Den Auftritt im Netz behandelt das Weiße Haus seit Langem als Mittel der Politik, mit zugespitzten Videos und Anspielungen, die die eigenen Leute anfeuern und die Gegenseite ärgern sollen. Die Spielhalle treibt dieselbe Methode einen Schritt weiter. Für die Regierung zählt die Werbung, den Helfern an der Grenze bleibt die Herabsetzung lebender Menschen.
An der Grenze klingt das anders. „Mir wird schlecht davon“, sagte Amerika Garcia Grewal, Mitdirektorin der Frontera Federation im texanischen Eagle Pass. Man spiele seit Jahren mit dem Leben von Menschen, jetzt habe man daraus ein Videospiel gemacht. Die Gestalter hätten den Sinn dafür verloren, was es heiße, ein Mensch zu sein und sich um andere zu kümmern. Adriana Jasso, Koordinatorin der Organisation AMIGOS San Diego Community, die selbst an der Grenze arbeitet, sprach von einem Mangel an Ernst in der Regierung. Die Grausamkeit überrasche längst niemanden mehr. Hier werde als Spiel ausgegeben, was keines sei, während in den Lagern Menschen in ernster Gefahr steckten.
Ein Punktestand ist die älteste Verkleidung einer Leichenzählung. Er macht aus dem, was zählt, eine bloße Ziffer, und die höchste Ziffer belohnt das gründlichste Wegsehen. So lässt sich betreiben, was niemand ansehen möchte, sobald es die Form eines Feierabendvergnügens trägt.

Hinter dem Punktestand steht eine Wirklichkeit, die sich schwerer wegtippen lässt. Unsere Recherche zeigt so viele Festgehaltene in der Einwanderungshaft wie nie zuvor, von rund 40.000 zu Amtsantritt auf über 60.000 im späten Jahr 2025. Die Planungen reichen darüber hinaus bis jenseits der 100.000. Fast 75 Prozent der Inhaftierten tragen keine strafrechtliche Verurteilung, und der weitaus größte Teil sitzt in privat geführten Anlagen, deren Betreiber an jedem Hafttag mitverdienen. Keiner dieser Festgehaltenen taucht als Ziffer auf einem Bildschirm auf, jeder wartet in einer Zelle, die sich nicht wegklicken lässt. Im Schnitt bleibt ein Festgehaltener 44 Tage, und jeder Tag schlägt mit 152 Dollar zu Buche. Der Etat für all das überschreitet 14 Milliarden Dollar. Auf einen Freigelassenen kommen nach den Zahlen vom November 2025 mehr als 14, die geradewegs aus dem Gewahrsam abgeschoben werden.
Vor Gericht sieht die Bilanz des Gewinnens dünn aus. Acht Bundesberufungsgerichte haben die zugrunde liegende Politik der zwingenden Inhaftierung für rechtswidrig erklärt. Das Weiße Haus feiert einen Punktestand, den kein Gericht anerkennt.
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Puh…diese Subjekte in Trumps Regierung merken wahrscheinlich nicht wie maralisch verkommen sie sind…
Wie kommt das denn bei der amerikanischen Bevölkerung an? Trump hat ja im Vergleich zu Merz immer noch eine unerhört große Zustimmung von 33%, wie ich vor ein paar Tagen las…wie kann überhaupt irgend jemand Trumps Agieren gut finden? Ich verstehe Menschen immer weniger…
… es ist an unterster stufe kaum noch zu schlagen und es ist erschütternd, wie tief Amerika gesunken ist