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10. August 2026 – Kurznachrichten

VonTEAM KAIZEN BLOG

10. August 2026

Die Freunde der Tech-Milliardäre verlieren die Kontrolle: Nach Angriffen durch autonome Systeme gerät Trump von rechts und links unter Feuer

Es passiert selten genug, dass Steve Bannon und ein demokratischer Senator dasselbe Problem sehen, doch ausgerechnet Trumps Verhältnis zu den großen Technologiekonzernen bringt sie zusammen. Zwei Wochen nachdem OpenAI mitgeteilt hatte, dass eines seiner autonomen Systeme außer Kontrolle geraten und in die Systeme des Technologieunternehmens Hugging Face eingedrungen sei, wächst in Washington die Frage, warum die Regierung darauf kaum vorbereitet war. Anthropic berichtete ebenfalls, einige seiner Modelle hätten sich Zugang zu den Systemen von drei Unternehmen verschafft.

Das Weiße Haus erklärte zunächst nur, man beobachte die Lage, Trump sagte, er prüfe Kontrollen. Bannon reicht das nicht. Der frühere Trump-Berater wirft dem Weißen Haus eine viel zu enge Beziehung zu den Unternehmen vor, und zwar nicht nur bei den Mitarbeitern des Präsidenten, sondern bis hinein in den Sicherheitsapparat. Selbst er, der sich seit Jahren gegen einen starken Verwaltungsstaat stellt, fordert nun wenigstens ein grundlegendes staatliches Regelwerk. Der demokratische Senator Ron Wyden aus Oregon geht noch weiter. Trump sei praktisch abwesend, weil er glaube, die milliardenschweren Eigentümer der Unternehmen stünden auf seiner Seite. Statt die Gefahren anzugehen, versuchten Trump und die Republikaner, Regeln der Bundesstaaten zu verhindern und bestehende Schutzmaßnahmen der Unternehmen zurückzudrängen. Hinter dem Streit steht sehr viel Geld. Unternehmen der Technologiebranche und ihre Führungskräfte gaben mehr als 300 Millionen Dollar für Trumps Wiederwahl 2024 und das mit ihm verbundene politische Aktionskomitee MAGA Inc. aus. OpenAI-Präsident Greg Brockman und seine Frau Anna überwiesen allein 2025 zusammen 25 Millionen Dollar an MAGA Inc. Die Risikokapitalfirma Andreessen Horowitz sowie ihre Gründer Ben Horowitz und Marc Andreessen kamen seit Trumps zweiter Amtseinführung zusammen auf 12 Millionen Dollar. Google-Investorin Asha Jadeja, Elon Musk und Blackstone-Chef Stephen Schwarzman gaben jeweils mindestens 5 Millionen Dollar. Musk hatte zuvor bereits mehr als eine Viertelmilliarde Dollar ausgegeben, um Trump 2024 zurück ins Weiße Haus zu bringen.

Gleichzeitig holte Trump Leute aus genau dieser Branche in seine Regierung, darunter Musk, David Sacks, Sriram Krishnan von Andreessen Horowitz und Michael Kratsios von Scale AI. Sacks drängte auf möglichst wenig Regulierung, weil strengere Regeln die amerikanischen Unternehmen im Wettbewerb mit China bremsen könnten. Die Regierung versuchte sogar, den Kongress dazu zu bewegen, den Bundesstaaten eigene Vorschriften weitgehend aus der Hand zu nehmen, scheiterte damit jedoch deutlich im Senat. Im Juni kündigte Washington schließlich an, Entwickler wie OpenAI und Anthropic sollten besonders leistungsfähige Systeme vor ihrer Veröffentlichung freiwillig staatlichen Sicherheitstests unterziehen. Wie diese Tests genau aussehen sollen, hat die Regierung bis heute nicht erklärt, und nach bisherigen Informationen sollen ohnehin nur wenige Modelle darunterfallen. Besonders brisant ist dabei der Streit mit Anthropic. Das Verhältnis des Unternehmens zur Regierung zerbrach, nachdem Anthropic sich geweigert hatte, seine Systeme für flächendeckende Überwachung innerhalb der USA und vollständig autonome Waffensysteme freizugeben. Nun steht Trump zwischen einer Branche, deren reichste Vertreter seine politische Rückkehr mit enormen Summen unterstützt haben, und einer Sicherheitsfrage, bei der selbst ein Mann wie Bannon sagt, dass freiwillige Zurückhaltung nicht mehr reicht. Die rechte Aktivistin und Trump-Unterstützerin Amy Kremer beschreibt die Nähe der Branche inzwischen mit einem bemerkenswerten Vorwurf: Die Technologieunternehmen hätten einen Schutzwall um das Weiße Haus gebaut. Der demokratische Abgeordnete Gregorio Casar formuliert es härter. Trump habe Millionen von den Milliardären dieser Industrie genommen und präsentiere nach gefährlichen Sicherheitsvorfällen eine freiwillige Kontrolle, deren Einzelheiten niemand kenne. Wenn nach Angriffen durch autonome Systeme inzwischen selbst Trumps eigene Leute fragen, ob das Weiße Haus den Unternehmen zu nahe steht, geht es längst nicht mehr um die übliche Debatte über neue Technik. Es geht um die Frage, ob eine Regierung diejenigen noch kontrollieren kann, deren Geld und Personal längst bis an ihre eigene Haustür reichen.

Russland verbietet Piloten Fotos aus dem Cockpit – Moskau will nicht mehr zeigen, was am Himmel passiert

Russische Piloten sollen während ihrer Flüge keine Fotos und Videos mehr aufnehmen und solche Aufnahmen auch nicht im Internet veröffentlichen. Nach Angaben des Telegram-Kanals „Aviatorschtschina“ hat das russische Verkehrsministerium die Fluggesellschaften angewiesen, ihre Beschäftigten über das Verbot zu informieren. Mitglieder der Cockpitbesatzungen sollen außerdem ausdrücklich darüber belehrt werden, dass sie nicht filmen dürfen, was außerhalb des Flugzeugs im Luftraum geschieht. Die Entscheidung fiel demnach bereits im Juli nach einer Sitzung unter Leitung des stellvertretenden Verkehrsministers Wladimir Poteschkin, der für die Luftfahrt zuständig ist. Bei dem Treffen ging es um die Flugsicherheit im großen Moskauer Kontrollgebiet. Gerade dort wurden die Regeln zuletzt deutlich verschärft.

Das Dokument ist ein russisches NOTAM, eine amtliche Mitteilung für den Flugverkehr. Es belegt, dass im Moskauer Kontrollgebiet zivile Flüge oberhalb von Flugfläche 160, also rund 4.900 Metern, untersagt und Transitflüge durch das Gebiet auf allen Flughöhen verboten wurden. Die Beschränkungen gelten laut Dokument vom 17. Juli bis zum 11. August 2026 und wurden offiziell mit Sicherheitsgründen begründet.

Ende Juli wurde bekannt, dass die russische Luftfahrtbehörde Rosawiazija die maximal zulässige Flughöhe im Gebiet der Moskauer Flughäfen drastisch gesenkt hat. Statt zuvor 8.250 bis 8.550 Metern gelten dort nur noch 4.900 Meter. Gleichzeitig wurden Transitflüge über Moskau und die umliegende Region untersagt. Offiziell werden diese Eingriffe mit Sicherheitsgründen erklärt. Das neue Fotoverbot geht jedoch weiter, denn nun soll auch verhindert werden, dass Piloten Bilder dessen veröffentlichen, was sie während eines Fluges außerhalb des Cockpits beobachten. Ganz neu ist diese Entwicklung nicht. Bereits im Februar berichtete der S7-Pilot Karen Nowizki, seine Fluggesellschaft habe Besatzungsmitgliedern Foto- und Videoaufnahmen während des Rollens, Starts und der Landung verboten. Nun wird aus einer Regel bei einer einzelnen Fluggesellschaft offenbar eine wesentlich breitere Vorgabe. Während Russland seinen Luftraum wegen der Sicherheitslage immer stärker beschränkt, soll ausgerechnet das Personal, das täglich sieht, was dort geschieht, seine Kameras ausgeschaltet lassen.

Netanjahu zerlegt Trumps Gaza-Plan, Iran hält Hormus geschlossen – und der Nahe Osten entfernt sich wieder vom Frieden

Donald Trump hatte seinen Gaza-Plan als möglichen Weg aus dem Krieg verkündet, doch ausgerechnet Benjamin Netanjahu weist nun einen entscheidenden Teil davon offen zurück. Israel lehne das 15-Punkte-Dokument ab, erklärte der Ministerpräsident am Sonntag vor seinem Kabinett, die israelische Armee werde sich nicht zurückziehen, solange Hamas nicht tatsächlich entwaffnet sei. Trump hatte eine andere Reihenfolge angekündigt: Während Hamas die Waffen abgibt, sollte Israel seine Angriffe einstellen und mit dem Rückzug aus den rund 60 Prozent des Gazastreifens beginnen, die seine Truppen derzeit kontrollieren. Genau daraus wird nun nichts, jedenfalls nicht nach Netanjahus Bedingungen. Israel kontrolliert damit weiterhin mehr als die Hälfte eines weitgehend zerstörten Gebietes, in dem rund 2 Millionen Palästinenser leben.

Das Weiße Haus reagierte zunächst nicht auf die offene Zurückweisung. Hamas hält dagegen an dem vereinbarten Fahrplan fest. Bassem Naim aus dem Politbüro erklärte, man erwarte von den Vermittlern und den USA, Druck auf Netanjahu auszuüben. Der Waffenstillstand hält noch, aber Trump hat jetzt das Problem, dass sein eigener Plan nicht an Hamas, sondern zunächst an Israel hängt. Netanjahu steht gleichzeitig innenpolitisch unter Druck, am 27. Oktober wird gewählt. Fast zeitgleich wird auch die Hoffnung auf eine schnelle Öffnung der Straße von Hormus kleiner. Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte zwar, die Gespräche mit Oman über neue Schifffahrtswege befänden sich in der letzten Phase, fügte aber sofort hinzu, dass dies keineswegs die Wiederöffnung der Meerenge bedeute. Dafür habe Iran weitere Bedingungen über Vermittler übermittelt. Der Oberste Nationale Sicherheitsrat verlangt von Washington inzwischen einen dauerhaften Verzicht auf weitere Drohungen und Krieg gegen Iran und dessen bewaffnete Verbündete, das Ende der Seeblockade iranischer Häfen und den Abzug amerikanischer Streitkräfte aus der Region. Hinzu kommen vollständiger Ersatz der Kriegsschäden, die Aufhebung der Sanktionen und die bedingungslose Freigabe eingefrorener iranischer Vermögen.

Trump erklärte am Sonntag lediglich, man verhandle mit Iran „nur halb“ und lasse ansonsten den wirtschaftlichen Druck wirken. Teheran widerspricht selbst dieser Beschreibung. Zwischen beiden Staaten würden über Vermittler zwar Nachrichten ausgetauscht, sagte Araghtschi, Verhandlungen seien das jedoch nicht. Diese könnten erst wieder aufgenommen werden, wenn die USA ihre Verstöße gegen das Übergangsabkommen beendet und die verletzten Bestimmungen erfüllt hätten. Während Washington und Teheran also darüber streiten, ob sie überhaupt miteinander verhandeln, nimmt ein eigener Plan zwischen Iran und Oman Gestalt an. Danach sollen Schiffe nahe der iranischen Seite in die Meerenge einfahren und sie auf der omanischen Seite wieder verlassen können. Gebühren oder Maut sollen während dieser Übergangsphase nicht verlangt werden. Die Staaten des Golf-Kooperationsrats unterstützen die Vereinbarung, die nach bisherigem Stand gemeinsam von Iran, Oman, den USA und der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen bekannt gegeben werden soll.

Doch auch hier baut Teheran bereits eine politische Schranke ein. Schiffe aus Staaten, die Iran als „feindlich“ betrachtet, sollen die Meerenge nicht passieren dürfen. Der Nationale Sicherheitsausschuss des iranischen Parlaments billigte die allgemeinen Grundzüge, und aus dem Parlament hieß es, Länder, die Iran Schaden zugefügt hätten, dürften erst wieder passieren, wenn sie dafür Entschädigung geleistet hätten. Welche Staaten darunter fallen sollen, blieb offen. Gleichzeitig wechselt Iran mitten in dieser Auseinandersetzung erneut den Mann an der Spitze seines Obersten Nationalen Sicherheitsrats. Der frühere Kommandeur der Revolutionsgarden Mohsen Rezaei übernimmt von Mohammad Bagher Zolghadr, der das Amt erst nach dem Tod Ali Larijanis bei einem israelischen Angriff im März übernommen hatte und nun politischer Berater von Ajatollah Mojtaba Khamenei wird. Und während über Gaza und Hormus geredet wird, wird im Jemen wieder geschossen. Die vom Iran unterstützten Huthi griffen einen wichtigen Hafen der Regierung am Roten Meer und eine Ölanlage in Saudi-Arabien an und erklärten, damit auf saudische Drohnen im jemenitischen Luftraum zu reagieren. Die Gefahr reicht damit wieder unmittelbar an jene Schifffahrtswege heran, deren Sicherheit seit Monaten erschüttert ist. Trump wollte in Gaza einen Durchbruch, doch Netanjahu verweigert den vorgesehenen Rückzug. Washington will Hormus wieder offen sehen, doch Iran verlangt erst politische und finanzielle Zugeständnisse und will selbst danach nicht jedes Schiff passieren lassen. Von Gaza über Hormus bis zum Jemen wird an diesem Sonntag deshalb vor allem eines sichtbar: Es gibt Abkommen, Pläne und Vermittler, aber diejenigen mit den Waffen bestimmen weiterhin, welche Teile davon tatsächlich gelten.

100 Millionen Dollar aus dem Nichts: Trumps Kryptofirma und der rätselhafte Geldgeber

Vor zwei Jahren war Guren „Bobby“ Zhou noch ein gescheiterter britischer Fußbodenhändler, dessen Firmen zusammengebrochen waren und dessen Name inzwischen in einer laufenden britischen Geldwäscheermittlung auftaucht. Im Juli saß derselbe Mann bei der Fußball-WM in einer Luxussuite neben Zach Witkoff, Mitgründer von Donald Trumps Kryptofirma World Liberty Financial. Dazwischen liegen 100 Millionen Dollar. So viel zahlte Zhou über seine neu gegründete Firma Aqua 1 für digitale Token von World Liberty Financial. Woher dieses Geld stammt, ist bis heute nicht öffentlich geklärt.

Nach den Regeln von World Liberty konnten bis zu 75 Millionen Dollar aus dem Geschäft an eine Firma fließen, die Trump und seinen drei Söhnen gehört. Auch die Familie von Steve Witkoff, Trumps Sondergesandtem und Vater von Zach Witkoff, profitierte von dem Geschäft. Zhou selbst hatte Aqua 1 monatelang kaum öffentlich in Erscheinung treten lassen. Lediglich in einer wenig beachteten Übertragung auf X meldete er sich als „Mr. Bobby“ und erklärte stolz, ein großer Akteur bei Trumps Familien-Kryptogeschäft zu sein. Dabei hätte seine Vergangenheit Fragen aufwerfen müssen. In einer im vergangenen November eingereichten Gerichtsakte wird Zhou vorgeworfen, seit 2019 gemeinsam mit fünf weiteren Personen an Geldwäsche beteiligt gewesen zu sein. Angeklagt wurde er bislang nicht, die britischen Behörden bestätigten Ende Juli jedoch, dass ihre Ermittlungen weiterlaufen. Hinzu kommen gescheiterte Unternehmen und ein finanzieller Aufstieg, der selbst frühere Geschäftspartner verblüfft. Zhou war 2005 aus Shanghai zum Studium nach England gekommen und baute dort einen Handel mit Holzböden auf. Er übernahm eine Fabrik in Italien und betrieb zeitweise 20 Geschäfte. 2017 versprach er walisischen Regierungsvertretern noch, innerhalb von 25 Meilen für jeden Einwohner von Wales eine Filiale eröffnen zu wollen. Ein Jahr später landeten seine Unternehmen in der Insolvenzverwaltung. Seine Bücher wiesen dabei rund 5 Millionen Dollar Schulden gegenüber der Firma seines Vaters aus.

Guren „Bobby“ Zhou (2022)

Noch 2024 verbrannte ein von ihm geführtes Kryptounternehmen 7,6 Millionen Dollar, bevor Zhou London verließ und in die Vereinigten Arabischen Emirate ging. Kurz darauf verfügte er offenbar über genug Geld, um allein 100 Millionen Dollar in Trumps Kryptogeschäft zu stecken. Genau hier wird die Geschichte brisant. Geldwäschevorschriften können Unternehmen bei entsprechenden Warnzeichen verpflichten, die Herkunft von Kundengeldern zu dokumentieren. Patrick Prinz, Geschäftsführer des Schweizer Unternehmens Recoveris, das Straftaten mit digitalen Vermögenswerten untersucht, sieht in Zhous gescheiterten Firmen, seinem plötzlichen Vermögen, der enormen Höhe des Geschäfts und der laufenden Untersuchung genau jene Kombination, die eine solche Prüfung hätte auslösen müssen. World Liberty erklärt dagegen, sämtliche geltenden Gesetze eingehalten zu haben und ein Kontrollprogramm zu betreiben, das die Standards der Branche erfülle oder übertreffe. Ob das Unternehmen wusste, woher Zhous 100 Millionen Dollar tatsächlich kamen, wollte sein Sprecher nicht sagen. Mehrere Geschäftsleute erklärten, sie hätten nach einer Prüfung von Zhous Vergangenheit eine Zusammenarbeit mit ihm abgelehnt. World Liberty begrüßte Aqua 1 dagegen öffentlich und erklärte, man freue sich auf die enge Zusammenarbeit.

Für Trump ist das keine kleine Randgeschichte. Seine jüngste Finanzoffenlegung weist für das vergangene Jahr Einnahmen von 1,4 Milliarden Dollar aus seinen Kryptogeschäften aus, der größte Teil davon aus anonymen Quellen. Ein ausländischer Geschäftsmann mit öffentlich bekannten Warnzeichen kann 100 Millionen Dollar in ein Unternehmen stecken, aus dem der amtierende Präsident persönlich enorme Summen erhält, während die Herkunft des Geldes der Öffentlichkeit verborgen bleibt. Früher hätte allein diese Konstruktion Untersuchungen im Kongress ausgelöst. Heute bleibt vor allem eine einfache Frage stehen, auf die bislang niemand eine Antwort geliefert hat: Wem gehörten die 100 Millionen Dollar wirklich?

Trump redet wieder von Grönland – und eine Firma aus seinem Umfeld schafft dort bereits Fakten

Donald Trump hatte Grönland einige Monate lang kaum noch öffentlich erwähnt, nun ist das Thema zurück, und fast gleichzeitig geschieht auf der Insel etwas, das die Regierung in Nuuk alarmiert. Das erst im vergangenen Jahr gegründete texanische Unternehmen Greenland Energy bereitet im abgelegenen Jameson Land im Osten Grönlands Ölbohrungen vor, obwohl dafür keine Genehmigung vorliegt. Die Firma behauptet, in dem Gebiet könnten Rohölvorkommen im Wert von einer Billion Dollar liegen, und will zwei Bohrungen niederbringen.

Im Juli beobachteten Einwohner, wie eine Barge mit Bohrausrüstung eintraf. Zuvor hatte ein Vertreter des Unternehmens noch erklärt, man habe die Erlaubnis, Material nach Jameson Land zu bringen, später war von einem Missverständnis die Rede. Grönlands Regierung stellte am 30. Juli unmissverständlich klar, dass Greenland Energy nicht über die erforderlichen Genehmigungen der Rohstoffbehörde verfügt und künftig sämtliche logistischen Arbeiten vorher anmelden und genehmigen lassen muss. Brisant wird die Sache durch die Verbindungen des Unternehmens in Trumps Umfeld. Greenland Energy engagierte Phil McGraw, bekannt als Dr. Phil und Mitglied von Trumps Kommission für Religionsfreiheit, für eine Dokumentarserie über das Vorhaben. Im Vorstand sitzt außerdem ein Veteran der US-Marine, der an Golden Dome arbeitet, jenem Raketenabwehrprojekt, für das Trump die Kontrolle über Grönland selbst als „lebenswichtig“ bezeichnet hat.

Firmenchef und Großaktionär Larry Swets verfügt offenbar ebenfalls über Kontakte in Trumps Umfeld, bestreitet allerdings ausdrücklich, dass das Ölprojekt etwas mit einer amerikanischen Annexion zu tun habe. Zwei Tage nach der Warnung der grönländischen Regierung veröffentlichte Trump ein digital bearbeitetes Bild, auf dem er riesenhaft über einer grönländischen Ortschaft steht, versehen mit den Worten „Hallo, Grönland!“. Einen Tag zuvor hatte ihn der Moderator Steve Gruber an seine Vorhersage erinnert, Grönland werde vor Trumps Ausscheiden 2029 unter amerikanischer Kontrolle stehen. Trump antwortete: „Sie werden recht haben.“ Grönland sei aus amerikanischer Sicht wichtig, und Gruber solle ruhig darauf wetten. Das Unternehmen lässt sich währenddessen von der fehlenden Bohrgenehmigung offenbar nicht stoppen. Weitere Ausrüstung soll im September per Schiff aus Kanada kommen, im Oktober sollen die Bohrungen beginnen. Die grönländische Regierung will das bereits angelieferte Material bislang nicht entfernen lassen, weil sie einen solchen Schritt für unverhältnismäßig hält. Gleichzeitig könnten die geplanten Bohrstellen in einem nach dem Ramsar-Abkommen geschützten Feuchtgebiet liegen.

Genau diese Lage sorgt inzwischen für Warnungen von Fachleuten. Der Europapolitik-Professor John O’Brennan sagt, niemand solle glauben, Trump habe seinen Plan für Grönland aufgegeben. Kenneth Roth, früherer Leiter von Human Rights Watch, stellt bereits die Frage, ob Trumps „Invasion Grönlands“ möglicherweise schon begonnen habe. Historikerin Ruth Ben-Ghiat erinnert daran, dass Eingriffe in andere Gebiete mitunter mit scheinbar technischen Projekten beginnen, die Personal und Fachleute vor Ort bringen. Hinzu kommt ein Problem, auf das die NATO keine erprobte Antwort besitzt: Grönland gehört zum Königreich Dänemark und fällt damit unter den Schutz von Artikel 5. Was aber geschieht, wenn ausgerechnet die Vereinigten Staaten als NATO-Mitglied gegen das Gebiet eines anderen Mitglieds vorgehen, ist im Bündnis ohne Präzedenzfall. Trump hatte Anfang des Jahres sogar militärische Gewalt zur Übernahme Grönlands nicht ausgeschlossen. Nun stehen noch keine amerikanischen Soldaten in Jameson Land. Dort steht aber bereits Bohrausrüstung eines texanischen Unternehmens mit Verbindungen in Trumps Umfeld – ohne die Genehmigung der Regierung, der dieses Land gehört.

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