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Niemand will den Krieg um seiner selbst willen, sagt der Papst, und genau deshalb hört er nicht auf

VonTEAM KAIZEN BLOG

21. Juli 2026

Wer wissen will, wie ein Krieg sich ausbreitet, muss an diesem Montag nur die Landkarte betrachten. Er begann in der Straße von Hormus, und nun greift er nach dem Roten Meer. Die Huthi, die vom Iran gestützte Miliz im Jemen, kündigten an, saudische Schiffe an der Meerenge Bab al-Mandab zu blockieren, dem südlichen Tor zum Roten Meer. Bislang konnte Saudi-Arabien einen Teil seiner Öllieferungen über diese Route umleiten, seit der Iran Hormus im Würgegriff hält. Machen die Huthi ihre Drohung wahr, wird aus der Verknappung eine Krise, und der Treibstoff der halben Welt hängt an 2 Meerengen zugleich.

Der Sprecher der Miliz, Yahya Saree, begründete den Schritt mit einer angeblich fortgesetzten saudischen Belagerung des Jemen. Fachleute halten diese Erzählung für an das heimische Publikum gerichtet und die Handlungen der Huthi für eng an die Interessen Teherans gebunden. Es ist die alte Kunst, einen fremden Krieg als eigene Notwehr zu verkleiden.

Die Huthi im Jemen haben eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien im Roten Meer angekündigt. Nach ihrer Darstellung würde dies die saudischen Ölexporte über die Meerenge Bab al-Mandab erheblich beeinträchtigen oder unterbrechen.

Unterdessen läuft die Gewalt in ihre zehnte Angriffsnacht. Das amerikanische Regionalkommando meldete Schläge gegen iranische Kommandozentralen, Abschussstellen und die Luftabwehr, erklärtermaßen um Irans Fähigkeit zu schwächen, Handelsschiffe in Hormus anzugreifen. Iranische Staatsmedien berichteten von Angriffen auf Schiras im Süden und von Explosionen in den Hafenstädten Tschahbahar, Konarak, Bandar Abbas und Kaschm. Vor Oman traf ein unbekanntes Geschoss einen Tanker, auf jener Ausweichroute, die das amerikanische Militär den Schiffen empfohlen hatte. Der Iran wiederum beschoss Kuwait und Bahrain, beide Gastgeber amerikanischer Truppen. Seit Freitag sind mindestens 3 amerikanische Soldaten gefallen, ein vierter gilt als vermisst und vermutlich tot, im Iran zählt man seit dem Bruch des Waffenstillstands mindestens 50 Tote.

Aus verschiedenen Teilen der Städte Chabahar und Konarak werden mehrere Explosionen gemeldet.

Trump beantwortete den Tod seiner Soldaten mit einer Drohung im Netz. Jedes Mal, wenn der Iran einen amerikanischen Soldaten töte, werde er dafür ein Vielfaches bezahlen, eine Weisung, die er nach eigenen Worten an das Militär weitergab. Am selben Montag räumte dasselbe Militär ein, die Zahl der in den vergangenen 2 Wochen Verwundeten sei auf beinahe 100 gestiegen, die große Mehrheit davon seien leichte Gehirnerschütterungen. Man beachte die Wortwahl. Wo Trump von Vergeltung im Vielfachen spricht, spricht der Apparat von leichten Erschütterungen, und zwischen beiden Sätzen verschwinden die Verwundeten in einer beruhigenden Statistik.

In diese Sprache aus Drohung und Beschwichtigung tritt eine dritte Stimme, und sie kommt aus Rom. Papst Leo XIV. veröffentlicht an diesem Dienstag ein Buch mit dem Titel „Unbewaffnet und entwaffnend“, der Frieden ist ein Geschenk. Nicht die Atomwaffe schaffe den Frieden, schreibt er im Vorwort, sondern die Abrüstung, und diese Wahrheit, die in den Jahrzehnten der Entspannung noch klar schien, sei von einem Wettrüsten verdunkelt worden, das heute erschrecke. Keinen Staat nennt er beim Namen. Doch einen Satz stellt er voran, der jeden trifft, der diesen Krieg führt. Selbst wer Krieg führe, behaupte, im Namen des Friedens zu handeln, denn niemand wage zu erklären, dass er den Krieg um seiner selbst willen wolle.

Genau hier liegt die philosophische Schärfe des ganzen Vorgangs, und sie ist älter als der Papst. Augustinus, der Kirchenvater, hat vor mehr als 1.600 Jahren die Bedingungen benannt, unter denen ein Krieg gerecht sein könne, und Leo hat auf dem Flug nach Spanien im Juni gesagt, im Iran seien diese Bedingungen nicht erfüllt. Damit ist der Krieg an dem Maßstab gemessen, den die abendländische Moral seit anderthalb Jahrtausenden an ihn anlegt, und für zu leicht befunden. Es ist kein politischer Einwand, es ist ein sittlicher, und gerade das macht ihn für die Macht so unbequem.

Die Macht reagierte, wie sie auf jeden unbequemen Einwand reagiert, sie versuchte, dem Sprecher das Rederecht abzusprechen. Trump beschimpfte den Papst im April als furchtbar für die Außenpolitik. Der amerikanische Botschafter beim Heiligen Stuhl behauptete, Leo spreche gegen den Krieg nicht als Oberhaupt der Kirche, sondern nur als weltlicher Herrscher des Kleinstaats Vatikan, als sei sein Wort dann weniger wert. Der Vatikan wies das zurück. Der Papst spreche stets als Hirte, hieß es in einer Erwiderung, und wenn er gegen den Krieg das Wort ergreife, verkünde er schlicht das Evangelium. Leo selbst hatte schon geantwortet, er fürchte sich nicht, weder vor der Regierung Trumps noch davor, die Botschaft laut auszusprechen.

So stehen an diesem Montag 3 Stimmen gegeneinander. Die des Präsidenten, die Vergeltung im Vielfachen verspricht. Die des Militärs, das die eigenen Verwundeten kleinredet. Und die eines alten Mannes in Rom, der kein Land beim Namen nennt und dennoch von allen am deutlichsten gehört wird. Zwar sagen beide Kriegsparteien, die Tür zur Diplomatie stehe offen, Teheran habe über Vermittler Vorschläge erhalten, Rubio wolle die offene Tür gern sehen. Doch während man von der Tür spricht, schickt Washington mehr Kampfflugzeuge in die Region. Es ist der Satz des Papstes, der über allem bleibt. Niemand wagt zu sagen, dass er den Krieg um seiner selbst willen will, und genau deshalb hört er nicht auf.

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Floh Reiter
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8 Stunden vor

Ein guter Mann.

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