Donald Trump führte auf dem Stützpunkt Joint Base Andrews die neue Air Force One vor, einen von Katar geschenkten Boeing-Jet im Wert von rund zweihundert Millionen Dollar. Das Flugzeug ist gegen jede äußere Gefahr gehärtet, die seine Ingenieure benennen können. Gegen die Verpflichtung, die ein Geschenk schafft, gibt es keine Panzerung!
Am Anfang stand ein Versagen. Zwei Boeing 747-8, die das Land 2018 bestellt hatte, sollten 2024 fliegen, gelten nun für 2028 und werden kaum vor dem Ende von Donald Trumps Amtszeit fertig. In den Stau, den er selbst so nannte, trat ein fremder Staat. Am Freitag führte der Präsident in einem Hangar des Stützpunkts Joint Base Andrews die neue Air Force One vor, einen einst katarischen Großraumjet, der die Zeit überbrücken soll, bis die bestellten Maschinen endlich kommen. Es ist ein Geschenk. Die Regierung von Katar überließ den Luxus-Boeing 747, von der Branche auf etwa zweihundert Millionen Dollar geschätzt, und die amerikanische Regierung nahm ihn im vergangenen Jahr förmlich an, obwohl Fragen nach Anstand und Rechtmäßigkeit im Raum standen, ein so teures Geschenk von einer fremden Regierung zu nehmen. Abgeordnete beider Parteien fragten, ob Katar den Präsidenten auf unstatthafte Weise zu beeinflussen suche. Er wischte die Bedenken beiseite, Katar sei so freundlich gewesen, es bereitzustellen, und erinnerte sich, den Emir um eines ihrer Flugzeuge gebeten zu haben. Ein gewöhnlicher Präsident, sagte er, würde das nicht tun, ein gewöhnlicher Präsident halte sich von Flugzeugen fern, doch das Land müsse angemessen vertreten werden.
Vertreten heißt bei ihm zunächst aussehen. Das babyblaue Äußere aus der Zeit Kennedys ist verschwunden, der Bauch nun marineblau gestrichen, darüber ein roter Streifen. An der linken Seite, wo der Präsident einsteigt, prangt das Siegel des Präsidenten. Das Heck trägt eine große Flagge, am Rumpf stehen die Worte United States of America. Die Farben seien nach seinem Geschmack, sagte er, das Babyblau habe man gemocht, doch es sei Zeit für einen Wechsel, dies sei die schlankste Linie. Nötig sei das neue Flugzeug, seit ihm aufgefallen war, dass andere Nationen schönere besäßen. Es ist das jüngste der bekannten Dinge, die er nach seinem Bild umformt, nach dem Oval Office und dem Ballsaal des Weißen Hauses, zuletzt dem Reflecting Pool.
Die Vorführung selbst war ganz Auftritt. Er stieg mit großer Geste aus der Maschine, während seine Erkennungsmelodie God Bless the USA erklang, und nannte vor einigen hundert angetretenen Soldaten der Luftwaffe das Flugzeug ein fliegendes Weißes Haus von einem Luxus, wie ihn noch niemand gesehen habe. Den Hangar, sagte er, habe man eigens bauen müssen, um das neue Flugzeug zu fassen, das größer ist als seine Vorgänger. Der geschenkte Jet beschließt das Kapitel zweier babyblauer Maschinen, die seit 1990 die Präsidenten trugen und seit langem unter Mängeln leiden. Seit über einem Jahrzehnt klagen beide Parteien, die Flugzeuge seien eng und müssten ersetzt werden. Seine Rückkehr vom G7-Gipfel in Frankreich in dieser Woche war der letzte geplante Flug an Bord der alten Maschine.
Trump: „Es fliegt weiter und schneller als jede Air Force One. Man muss nicht alle paar Stunden zum Tanken anhalten. Vielleicht muss man überhaupt nie zum Tanken anhalten. Es hat das, was sie unbegrenzte Reichweite nennen – na ja, ziemlich nah an unbegrenzt.“
Doch ein ziviles Verkehrsflugzeug in das des Präsidenten zu verwandeln, ist keine Frage des Geschmacks. Die Luftwaffe erklärte, jedes Flugzeug, das Air Force One heißen soll, müsse strenge Anforderungen erfüllen, und der katarische Jet sei nach einem strengen Plan umgebaut worden, der ebendiese Fähigkeiten über alles gestellt habe, während ein großer Teil der früheren Ausstattung für ein Staatsoberhaupt erhalten blieb. Der Staatssekretär der Luftwaffe, Troy Meink, sagte dem Kongress im vergangenen Jahr, jede zivile Maschine brauche erhebliche Umbauten, um sicher genug zu sein, und diese kosteten wohl weniger als vierhundert Millionen Dollar. Abgeordnete sorgten sich, seine Ungeduld lasse zu wenig Zeit, die Abwehr gegen Raketen und gegen die elektromagnetischen Wirkungen einer atomaren Explosion einzubauen. Seit September arbeitet die Luftwaffe daran, das Flugzeug bereitzumachen, das bald seine ersten Erprobungsflüge beginnen soll, die letzte Prüfung, ehe es den Präsidenten trägt.

Mit dem neuen Jet will er im kommenden Monat zum NATO-Gipfel nach Ankara fliegen und irgendwann nach China zurückkehren, vermutlich zum Treffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft, das China im November ausrichtet. Wenn man in London oder in Deutschland lande, anderswo auch, übertreffe dieses Flugzeug jedes andere, sagte er, und so müsse es für das Land sein. Am 4. Juli soll es einen Überflug über Washington anführen, gefolgt von Kampfjets der Typen F-22 und F-35. Bei der Vorführung erwähnte er nebenbei, aus der Straße von Hormus strömten die Schiffe nur so heraus. Die beiden alten Maschinen, VC-25A genannt, gehen nicht in den Ruhestand, sondern bleiben, bis die neuen Boeing-Flugzeuge, VC-25B genannt, in Dienst treten, und sowohl sie als auch der katarische Jet stehen bereit, wobei eine eigene Gruppe für jeden Flug das passende Flugzeug wählt. Auch andere Regierungsmaschinen sollen dasselbe Rot, Weiß und Blau tragen. Den katarischen Jet selbst werde er nicht mehr fliegen, sobald er aus dem Amt scheide, hat er erklärt, vielmehr solle er einer künftigen Präsidentenbibliothek geschenkt werden.

So ist am Ende ein Flugzeug entstanden, das gegen fast alles gehärtet ist, was Menschen ihm antun könnten, gegen Raketen und gegen den Puls einer atomaren Explosion, gegen alles, was ein Ingenieur benennen kann. Nur gegen eine Gefahr ist keine Panzerung vorgesehen. Ein Geschenk dieser Größe verpflichtet, auch wenn niemand die Schuld je ausspricht, und keine Abwehr der Welt schützt den, der es annimmt, vor der stillen Rechnung, die der Geber führt. Er nennt es, das Land angemessen zu vertreten. Doch ein Land, das sich von fremdem Eigentum tragen lässt und das Geliehene am Ende in einer Bibliothek aufbewahrt, vertritt vielleicht weniger seine Größe als die Frage, was es dafür schon versprochen hat, ohne es zu wissen.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English