Eine Woche nach dem Urteil, das seinen Namen für unrechtmäßig hinzugefügt erklärt, tilgt das Kennedy-Zentrum die Spuren des Präsidenten, und zwar bis zum 12. Juni!

Washington D.C. – Das Kennedy-Zentrum hat begonnen, den Namen des Präsidenten wieder zu entfernen, eine Woche nachdem ein Bundesgericht entschieden hat, dass Donald Trumps Name dem Haus für die darstellenden Künste auf unrechtmäßige Weise hinzugefügt worden war. Es ist ein seltener Vorgang, eine Unsterblichkeit mit Frist. Bis zum 12. Juni, so verlangt es die Rechtsabteilung des Hauses in einem Vermerk an die Belegschaft, müssen E-Mail-Signaturen, Briefköpfe und sonstige Schriftstücke wieder jenen Namen tragen, der dort von Anfang an stand, das John-F.-Kennedy-Zentrum für die darstellenden Künste oder kurz das Kennedy-Zentrum. Das Reich des hinzugeschriebenen Namens, so stellt sich heraus, reichte am Ende bis zur E-Mail-Signatur und keinen Schritt weiter. Man sollte sich den Vorgang in seiner ganzen Eigenart vergegenwärtigen. Ein Haus, das dem Andenken eines früheren, im Amt getöteten Präsidenten gewidmet ist, wurde von einem lebenden mit dessen eigenem Namen überschrieben.
Das Andenken an den einen sollte dem Ruhm des anderen dienen, und ein Gericht hat dem ein Ende gesetzt, indem es feststellte, was eigentlich keiner Feststellung bedurft hätte, dass man seinen Namen nicht einfach auf fremde Häuser schreiben darf.

Wie man das Unvermeidliche begleitet, zeigt die Erklärung des Hauses. Man komme der Anordnung des Gerichts nach, sagte Roma Daravi, die für die Öffentlichkeitsarbeit des Zentrums zuständig ist, und prüfe zugleich alle rechtlichen Möglichkeiten, um „diese Erneuerung zu bewahren und die Führungsleistung von Präsident Trump zu würdigen“. Es ist die feine Kunst, einen Namen mit der einen Hand zu entfernen und ihn mit der anderen zu preisen, dem Urteil zu gehorchen und im selben Atemzug nach Wegen zu suchen, ihm doch noch zu entgehen. Gehorsam, der sich als Ehrerbietung verkleidet, gehorcht nur halb.
Das Urteil vom 29. Mai betraf nicht allein den Namen. Es untersagte der Regierung auch, das Kultur- und Kunsthaus für die umfangreichen Umbauten zu schließen, die im Juli hatten beginnen sollen. Wenige Stunden später erklärte Trump, er ziehe sich aus dem Vorhaben zurück und treffe Vorkehrungen, die Aufsicht über jenes Haus an den Kongress abzugeben, das bis zu seiner zweiten Amtszeit das John-F.-Kennedy-Zentrum für die darstellenden Künste gewesen war und es nun wieder ist. So rasch, wie der Name gekommen war, verschwand auch der Plan, der ihn tragen sollte.

Bleibt die Frage, was ein Name auf einem Haus überhaupt ist. Er ist der Wunsch, sich die Dauer des Gebäudes zu leihen, im Gedächtnis zu bleiben, indem man sich an das heftet, was schon bleibt. Doch das Erinnertwerden lässt sich nicht anbringen, es wird erworben, und was die Macht hinschreibt, kann das Recht wieder abnehmen. Der Name Kennedys steht dort, weil er für etwas einzustehen begann; der hinzugefügte Name hielt so lange, wie die Tinte und die Geduld der Gerichte reichten. Es ist derselbe Mann, der sich anderswo einen Triumphbogen errichten lassen will, und er lernt hier den Unterschied zwischen einer Ehre, die man empfängt, und einer, die man sich nimmt. Die erste überdauert die Person. Die zweite hat ein Datum, an dem sie zu entfernen ist, und in diesem Fall lautet es: bis zum 12. Juni.
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