Gefragt, für wen sein rund sechsundsiebzig Meter hoher Bogen in Washington errichtet werde, antwortete der Präsident mit zwei Wörtern: für mich!
Der Triumphbogen ist eine alte Form. Die römischen Kaiser ließen ihn errichten, um einen Sieg zu feiern, eine heimgekehrte Armee, eine bezwungene Provinz. Donald Trump möchte nun einen solchen Bogen in Washington bauen, rund sechsundsiebzig Meter hoch, und es fällt schwer, den Sieg zu benennen, den er bekrönen soll. Gefragt, für wen das Bauwerk bestimmt sei, gab der Präsident die ehrlichste Auskunft, die zu diesem Vorhaben überliefert ist. Für mich, sagte er. Damit ist über den Sinn des Denkmals mehr gesagt, als alle Gutachten zusammen ergeben werden.

Am Donnerstag stand der Plan zur Prüfung an, vorgenommen von der Nationalen Hauptstadt-Planungskommission, die zu klären hat, ob das Bauwerk die An- und Abflüge stört oder die Gesetze über die zulässige Höhe von Gebäuden in der Hauptstadt verletzt. Bei der Kommission sind nahezu 1700 Eingaben aus der Bevölkerung eingegangen, fast alle gegen den geplanten Bogen. Auch die Mitarbeiter der Kommission haben mehrere Bedenken vorgebracht. Über die Fragen des Flugverkehrs und der Höhe hinaus fehle es, wie aus einem vor der Sitzung erstellten Papier hervorgeht, an hinreichenden Angaben zu den Baustoffen, zur geplanten Beleuchtung sowie zur Einhaltung der Vorschriften über die Regenwasserentwässerung. Die Kommission ist die Planungsbehörde des Bundes für die Region Washington, doch Republikaner und Angestellte des Präsidenten verfügen in ihr über die Mehrheit der Stimmen. So prüft hier der Beauftragte des Geprüften das Werk seines Dienstherrn, und man darf gespannt sein, zu welchem Ergebnis ein Gremium gelangt, das dem Bauherrn untersteht.

Den Vorsitz führt Will Scharf, der zugleich als Stabssekretär im Weißen Haus dient. Die Anmerkungen seiner Mitarbeiter nannte er in einer Mitteilung Routine und wies darauf hin, dass das Personal der Kommission gleichwohl empfohlen habe, das Vorhaben voranzutreiben. Die Bitten um weitere Auskünfte und um die Einhaltung bestehender Gesetze seien „in Bezug auf unser übliches Genehmigungsverfahren und dessen Zeitplan völlig unauffällig“. Er rechne damit, dass in der Sitzung erörtert werde, ob die Pläne gegen das Bundesgesetz über die Höhe von Gebäuden verstoßen. Dieses Gesetz lässt in Washington Bauwerke von mehr als rund neunundvierzig Metern in der Regel nicht zu. Ein Bogen von sechsundsiebzig Metern überschreitet diese Grenze um die Hälfte, und es gehört zur Eigenart der Lage, dass ein Gesetz, das für alle gilt, ausgerechnet von jenem überschritten werden soll, der die Gesetze zu vollziehen hat.

Ein anderes beratendes Gremium des Bundes, die Kommission der bildenden Künste, hat das Vorhaben bereits gebilligt, nachdem der Präsident einige maßvolle Änderungen vorgenommen hatte, darunter den Verzicht auf goldene Löwen, die auf dem Bogen hatten thronen sollen. Über das Ausmaß der Vergoldung lässt sich also verhandeln, über das Bauwerk selbst offenbar nicht. Gewiss ist seine Zukunft dennoch nicht. Die Bundesluftfahrtbehörde prüft, ob der Bogen eine Gefahr für den Luftverkehr darstellt, eine Untersuchung, die sie für alle Bauten von mehr als rund einundsechzig Metern verlangt. Der Bogen soll etwa eineinhalb Kilometer von einem Hubschrauberlandeplatz des Pentagons und etwa drei Kilometer vom Flughafen Ronald Reagan entfernt stehen, einem der meistfrequentierten Luftdrehkreuze des Landes. Es wäre eine eigene Art von Größe, ein Denkmal des eigenen Ruhms so hoch zu bauen, dass die Flugzeuge ihm ausweichen müssen.
Eine Gruppe von Veteranen des Vietnamkriegs hat geklagt, um den Bau zu verhindern. Sie verweist auf die fehlende Zustimmung des Kongresses und macht geltend, der Bogen verstelle den Blick zwischen dem Lincoln-Denkmal und dem Nationalfriedhof Arlington. Die Regierung hält dem entgegen, Beschlüsse des Kongresses aus den 1920er Jahren, die mit der Gestaltung der Arlington-Gedächtnisbrücke zusammenhängen, gäben ihr das Recht zum Bau bereits in die Hand. Man holt also einen hundert Jahre alten Vorgang hervor, um sich die Frage an den Kongress zu ersparen. Viele Kritiker wenden ein, die Prachtentfaltung des Bauwerks beeinträchtige die Würde der Stille, die dem nahen Friedhof gebührt. Genau hier liegt das Anstößige, das über die Eitelkeit hinausreicht. Wer sein Selbstbildnis zwischen die trauernde Nation und ihre Toten stellt, nimmt die Gefallenen in den Dienst seines eigenen Andenkens.
Seit Sokrates gilt als erstes Zeichen des Verstandes das Wissen um die eigene Grenze, und so verrät, wer sich selbst zum großen Geist erklärt, dass ihm gerade diese Grenze unbekannt ist. Intellekt ist kein Titel, den man sich verleiht, sondern ein Urteil, das andere fällen, und wer es über sich selbst ausspricht, hat den Begriff schon verfehlt, den er für sich beansprucht. Wer sich für einen der größten Geister der Geschichte erklärt, liefert damit den Beweis, keiner zu sein.
In den Eingaben, die die Kommission veröffentlichte, hieß es vielfach, der Bogen werde eher ein Denkmal für Trump als für das Land. Der Präsident hat diese Auffassung mit jenem einen Wort bestätigt. „Bitte bauen Sie dieses ungeheuerliche Eitelkeitsprojekt nicht, nur um Trump zu gefallen“, schrieb eine Verfasserin namens Jane Allison. Eine andere, Ann Trowbridge, rügte die „hässliche, grelle Gestaltung“ und schrieb, der Bogen sei „zu hoch, eine Verschwendung des Geldes heutiger und künftiger Steuerzahler und wird die bundesstaatliche Landschaft von Arlington und Washington dauerhaft entstellen“. Es fanden sich auch Befürworter. „Ich finde, der Bogen wird fantastisch aussehen“, schrieb Will Nance. „Mir fällt keine bessere Art ein, unseren zweihundertfünfzigsten Jahrestag als Land zu begehen.“ Der Sprecher des Weißen Hauses, Davis Ingle, erklärte, der Bogen werde das Besuchserlebnis der Veteranen auf dem Nationalfriedhof Arlington „verbessern“ und als „sichtbares Andenken“ an die Opfer dienen, die Amerikaner im Lauf der Geschichte gebracht hätten. „Der Triumphbogen am Memorial Circle wird eines der bekanntesten Wahrzeichen werden, nicht nur in Washington, sondern auf der ganzen Welt“, sagte Ingle.

Bleibt der Gedanke, der unter dem ganzen Vorhaben liegt. Ein Denkmal ist das Urteil, das eine Gesellschaft über das fällt, was des Erinnerns wert ist, und gewöhnlich spricht die Nachwelt es über die Toten, nicht der Lebende über sich selbst. Trump kehrt diese Ordnung um. Er errichtet sich das Denkmal zu Lebzeiten, mit dem Geld der Steuerzahler, gegen das Gesetz über die Höhe, geprüft von seinen eigenen Angestellten, und stellt es zwischen die Nation und ihre Gefallenen. Es ist ein Triumphbogen, der keinen Sieg benennen kann, weil er keinen feiert außer der Person dessen, der ihn baut. Und es ist, am Ende, das aufrichtigste Bauwerk, das man sich denken kann, denn es sagt in Stein genau das, was sein Erbauer in zwei Wörtern gesagt hat.
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Größenwahnsinn in Reinkultur
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