Donald Trump verkauft längst nicht mehr nur Politik. Jetzt verkauft seine Familie auch Smartphones. Goldfarben. Patriotisch aufgeladen. Mit „America First“-Werbung, einem eigenen Mobilfunkvertrag und einem Preis von 499 Dollar. Doch genau dieses Projekt entwickelt sich inzwischen immer mehr zu einer peinlichen Affäre für Trump Mobile – und selbst große Teile der eigenen Anhänger beginnen offen zu zweifeln. Der offizielle Trump-Mobile-Account auf X erklärte jetzt, das lange angekündigte „T1 Phone“ werde nun endlich ausgeliefert. Vorbesteller sollten E-Mails mit neuen Informationen erhalten, der Versand beginne noch in dieser Woche.
Lesen Sie auch unseren Artikel: 600.000 Anzahlungen, kein Telefon – jetzt revoltieren sogar Trumps eigene Anhänger
Recherchen ergaben jetzt, das „T1 Phone“ ist ein umgelabeltes T-Mobile REVVL 7 Pro 5G. Produziert wird das Gerät von Wingtech, einem chinesischen Hersteller, der inzwischen Luxshare gehört. Das Smartphone ist nicht amerikanisch produziert, basierend auf einem Modell aus dem Jahr 2024. Weitere Recherchen ergaben: Auf Amazon kann man das Telefon teilweise bereits für rund 126 Dollar erwerben – also für einen Bruchteil des Trump-Preises.
Besonders peinlich ist dabei die politische Ebene. Trump Mobile hatte monatelang offensiv mit „Made in USA“ geworben. Inzwischen wurde diese Formulierung jedoch deutlich abgeschwächt. Auf der Website ist nun nur noch davon die Rede, das Gerät sei „mit amerikanischen Werten entworfen“ und werde von „amerikanischen Teams unterstützt“. Genau diese sprachliche Veränderung sorgt inzwischen selbst im MAGA-Lager für Unruhe. Dass diese Informationen von Beginn an falsch waren, stellten wir bereits am 18. Juni 2025 durch eigene Recherchen klar.
Lesen Sie auch unseren Artikel: Gold, Gigabytes und Größenwahn – Trumps Einstieg ins Mobilfunkgeschäft
Goldenes Versprechen, leeres Schaufenster – Zocken Trumps ihre eigene Basis ab?
Denn gleichzeitig häufen sich Beschwerden von Vorbestellern, die bereits vor Monaten Anzahlungen geleistet haben, aber bis heute kein Gerät erhalten haben. Viele berichten über fehlende Liefertermine und widersprüchliche Angaben. Trump Mobile versucht die Situation zwar zu beruhigen, doch ein Blick in die eigenen Geschäftsbedingungen verschärft den Eindruck eher noch.

Dort steht inzwischen ausdrücklich, dass die 100-Dollar-Anzahlung keinerlei Garantie auf ein Smartphone darstellt. Die Zahlung reserviere weder ein konkretes Gerät noch sichere sie den Preis oder einen Liefertermin. Selbst eine Produktion des Telefons sei nicht garantiert. Wörtlich erklärt Trump Mobile, eine Anzahlung verschaffe lediglich die „bedingte Möglichkeit“, irgendwann später vielleicht ein Gerät kaufen zu dürfen – falls das Unternehmen sich überhaupt entscheide, das Smartphone auf den Markt zu bringen.
Auch der ursprünglich beworbene Preis von 499 Dollar ist laut den Bedingungen nicht verbindlich. Endgültige Preise, Funktionen, Liefertermine oder technische Spezifikationen könnten sich jederzeit ändern. Selbst Werbebilder und Produktbeschreibungen seien lediglich „informativ“ und keine verbindlichen Zusagen.

Genau das sorgt inzwischen für immer mehr Kritik. Denn parallel läuft die Vermarktung des Geräts weiter. Die Website fordert Kunden weiterhin auf, sich das Angebot frühzeitig zu sichern. Gleichzeitig erklärt das Kleingedruckte praktisch das Gegenteil.
Hinzu kommt die Frage, wie „amerikanisch“ das Gerät tatsächlich überhaupt ist. Trump-Mobile-Chef Pat O’Brien erklärte inzwischen, die ersten Modelle seien in den Vereinigten Staaten zusammengebaut worden. Die Frage ist nur: Wo? – Künftig wolle man verstärkt amerikanische Komponenten nutzen. Gleichzeitig deutet alles darauf hin, dass zentrale Teile der Produktion weiterhin aus China stammen.
Dass ausgerechnet Donald Trumps Familie nun mit einem mutmaßlich chinesischen Smartphone Milliardenstimmung im patriotischen Stil erzeugen will, wirkt für Kritiker besonders widersprüchlich. Trump selbst führte jahrelang aggressive Handelskämpfe gegen China, sprach von amerikanischer Produktion und warf US-Unternehmen regelmäßig vor, Jobs nach Asien zu verlagern.
Jetzt steht plötzlich ein Trump-Smartphone im Mittelpunkt, das nach Recherchen auf einem bereits existierenden chinesischen Modell basiert. Die politische Debatte hat Washington inzwischen erreicht. Bereits im Januar forderten demokratische Senatoren um Elizabeth Warren eine Untersuchung durch die Federal Trade Commission. Im Zentrum stehen mögliche irreführende Werbeaussagen, die Anzahlungen sowie die Frage, ob die Behauptungen zur amerikanischen Produktion Verbraucher täuschen könnten.

Trotzdem versucht Trump Mobile weiter, das Projekt als patriotische Alternative zu präsentieren. Der Tarif „47 Plan“ kostet monatlich 47,45 Dollar – eine offensichtliche Anspielung auf Trumps Präsidentschaften als 45. und 47. Präsident der Vereinigten Staaten. Hinzu kommen Familien- und Militärtarife, Pannenhilfe, Telemedizin und internationale Anrufe. Betrachtet man sich die Tarife und den Vertrag genauer, stellt man fest, dass man wenig für viel Geld bekommt.
Doch genau hinter der patriotischen Verpackung wächst inzwischen ein immer größeres Glaubwürdigkeitsproblem. Denn je mehr Details über Produktion, Lieferbedingungen und Vertragsklauseln bekannt werden, desto stärker entsteht der Eindruck eines Produkts, das vor allem von politischer Symbolik lebt – während selbst die tatsächliche Existenz und Herkunft des Smartphones lange unklar blieb. Wenn aus einem angeblich amerikanischen Trump-Handy am Ende nur ein teurer umgelabelter China-Import wird, bricht genau jene Geschichte zusammen, mit der Trump Mobile überhaupt erst Käufer gewinnen wollte.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Wie ist es möglich, dass der mythomane Pädophile mit jedem offensichtlichen Betrug durchkommt?
Die nehmen ihre Anhänger aus wie Weihnachtsgänse, und die merken das nicht mal 🤦🏻♀️