Vier Stunden Befragung und keine Antworten – Hegseth im Kreuzfeuer des Kongresses

VonRainer Hofmann

April 29, 2026

Die Anhörung im Streitkräfteausschuss zog sich über mehr als vier Stunden. Mit jeder weiteren Runde wurde klarer, woran es fehlt. Pete Hegseth beantwortete zentrale Fragen nicht. Er wich aus, unterbrach, reagierte gereizt. Als die demokratische Abgeordnete Chrissy Houlahan ihn fragte, wie lange die Einsätze gegen Iran noch laufen sollen, kam keine konkrete Angabe. Hegseth sagte, man werde einem Gegner keine Zeitpläne liefern. Auf die Nachfrage, mit welchen zusätzlichen finanziellen Belastungen gerechnet werde, folgte keine Antwort. Die Frage blieb im Raum stehen.

Dann ging es um Tote. Sechs amerikanische Soldaten, stationiert in Kuwait, wurden durch eine iranische Drohne getötet. Pat Ryan stellte die Frage, die im Zentrum steht: War bekannt, dass dieser Standort gefährdet ist. War er ein Ziel. Wurden Soldaten dorthin geschickt, obwohl das Risiko bekannt war. Ryan zitierte Überlebende, die sagten, sie seien nicht vorbereitet gewesen, sie hätten keine ausreichende Abwehr gegen Drohnen gehabt. Hegseth reagierte ausweichend. Er sprach von Schutzmaßnahmen, von täglichem Gedenken an die Gefallenen. Eine klare Einordnung der Vorwürfe gab es nicht. Als Ryan nachsetzte und fragte, ob die überlebenden Soldaten lügen, eskalierte der Moment sichtbar. Hegseth begann zu antworten, wurde unterbrochen. Ryan brach ab und warf ihm vor, genau das zu unterstellen.

RYAN: Sagen Sie, dass diese Soldaten, unsere Soldaten, die diesen schrecklichen Angriff überlebt haben, lügen?

HEGSETH: Vor Beginn des Konflikts …

RYAN: Ich hole mir meine Redezeit zurück. Stopp! Sie haben gerade gesagt, dass das, was sie gesagt haben, falsch ist.

HEGSETH: Hier geht es um ein viel größeres Gesamtbild.

Ein weiterer Komplex blieb offen. Der Angriff auf eine Schule in Iran, bei dem mehr als 165 Menschen starben, darunter viele Kinder. Zwei Monate nach dem Angriff gibt es keine abschließende Erklärung. Ro Khanna konfrontierte Hegseth mit den Folgen dieses Angriffs und wollte wissen, wie es dazu kommen konnte. Hegseth blieb bei der Linie, dass der Vorfall untersucht werde. Er verweigerte Details, verwies auf laufende Ermittlungen und lehnte jede Einordnung ab. Gleichzeitig betonte er, das US-Militär greife keine Zivilisten an.

Auch die militärische Lage wurde angesprochen, konkreter als zuvor. Mehrere Abgeordnete wollten wissen, wie vorbereitet die Streitkräfte auf Drohnenangriffe waren. Hintergrund ist, dass iranische Drohnen trotz vorhandener Systeme Ziele erreicht haben. General Dan Caine erklärte, dass es klare Verfahren gebe, nach denen Soldaten Befehle prüfen und ausführen. Er sprach von festen Abläufen und Checklisten. Auf die konkrete Frage, wie effektiv die Abwehr tatsächlich war und warum Drohnen durchkamen, ging er nicht ein.

Der Druck kam nicht nur von den Demokraten. Auch Republikaner meldeten sich zu Wort. Don Bacon kritisierte offen die Entlassung mehrerer hochrangiger Militärs. Austin Scott stellte die Entscheidung infrage, General Randy George abzusetzen. Beide machten deutlich, dass diese Entscheidungen nicht nur politisch, sondern auch militärisch Folgen haben. Hegseth blieb bei einer knappen Begründung. Das Verteidigungsministerium habe neue Führung gebraucht. Warum genau, erklärte er nicht. Auch auf wiederholte Nachfragen von Chrissy Houlahan kam nichts Konkretes.

DELUZIO: Ist Ihre Anweisung, dass wenn ein ausländischer Gegner sich ergibt und die Waffen niederlegt, ihm keine Gnade gewährt wird und er getötet werden soll?

HEGSETH: Meine Kommandeure wissen genau, wie die Anweisungen für jede einzelne Mission lauten.

Ein weiterer Konfliktpunkt lag tiefer. Chris Deluzio griff die Frage auf, wie Soldaten mit Befehlen umgehen sollen, wenn Zweifel an deren Rechtmäßigkeit bestehen. Hintergrund ist eine Debatte aus dem vergangenen Jahr, in der Abgeordnete öffentlich betont hatten, dass Soldaten illegale Befehle verweigern müssen. Hegseth antwortete knapp, dass Soldaten rechtmäßige Befehle befolgen. Es gebe dafür klare Regeln. Eine weitergehende Erklärung, wie diese Prüfung in der Praxis abläuft, blieb aus.

Während die Anhörung lief, kamen neue politische Signale aus dem Weißen Haus. Donald Trump lehnte ein Angebot aus Teheran ab, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, wenn im Gegenzug die Blockade beendet wird. Gleichzeitig sprach er mit Vladimir Putin. Putin bot an, Russland könne beim Umgang mit Irans angereichertem Uran eine Rolle übernehmen. Trump sagte öffentlich, er sehe darin weniger Priorität als ein Ende des Krieges in der Ukraine.

Die Atmosphäre im Raum veränderte sich im Verlauf der Sitzung. Hegseth reagierte zunehmend gereizt, unterbrach Fragen, wich aus oder beantwortete sie mit Gegenangriffen. Mike Rogers, der Vorsitzende des Ausschusses, griff schließlich ein und mahnte zu einem respektvollen Umgang. Er erinnerte daran, dass die Abgeordneten ihre Zeit haben und Antworten erwarten können.

Am Ende blieb kein klares Bild davon, wie dieser Konflikt weitergeführt werden soll. Es gab keine Zeitangaben, keine konkrete Einschätzung zur militärischen Lage, keine Antwort auf die Frage nach Verantwortung. Was sichtbar wurde, war etwas anderes. Ein Verteidigungsminister, der zentrale Punkte offen lässt. Ein Kongress, der Antworten einfordert und sie nicht bekommt. Und eine Krise, die weiterläuft, während die offenen Fragen größer werden.

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