Einen Tag nach der Ankündigung, die Straße von Hormus wieder zu öffnen, hat die Iranische Revolutionsgarde sie am Samstag erneut geschlossen. Kein Schiff solle sich von seinem Ankerplatz im Persischen Golf oder im Arabischen Meer bewegen, hieß es in einer Erklärung, die über staatliche Medien verbreitet wurde. Wer sich der Meerenge nähere, werde als Kooperation mit dem Feind gewertet – und entsprechend behandelt.
Der unmittelbare Auslöser war ein amerikanisches Manöver, das Teheran als Bruch des Waffenstillstands wertet. Trump hatte zwar erklärt, die Straße von Hormus sei offen, aber die US-Blockade iranischer Häfen blieb in Kraft. Für die Revolutionsgarde war das keine Nuance, sondern ein Widerspruch, der Konsequenzen haben musste. „Es ist unmöglich, dass andere durch die Straße von Hormus passieren, während wir es nicht können“, sagte Mohammad Bagher Ghalibaf, Parlamentspräsident und Chefunterhändler Irans bei den Gesprächen in Islamabad. „Wenn die Vereinigten Staaten die Blockade nicht aufheben, wird der Transit durch die Straße von Hormus mit Sicherheit eingeschränkt.“

Während diese Erklärungen noch liefen, wurden vor der Meerenge zwei indisch beflaggte Schiffe unter Beschuss genommen. Indien reagierte schnell: Das Außenministerium in Neu-Delhi bestellte den iranischen Botschafter ein, bezeichnete den Vorfall als „schwerwiegend“ und forderte Iran auf, die sichere Durchfahrt für indische Schiffe wieder zu gewährleisten. Vor dem Waffenstillstand hatte Indien noch sichere Passage für acht seiner Schiffe ausgehandelt – diese Vereinbarung scheint nun hinfällig.
Irgendwo in der Straße von Hormus greift ein Kapitän zum Funk. Er hat eine Genehmigung. Er hat eine Position. Er hat alles getan, was man tun muss, damit ein Schiff legal durch eine Meerenge fährt. Und trotzdem hört er jetzt Dinge, die nicht zu dem passen, was ihm vor Minuten noch zugesichert wurde. Er meldet sich. Nennt das Schiff. Nennt die Koordinaten. Erinnert daran, dass die Durchfahrt freigegeben war. Seine Stimme bricht nicht zusammen, aber sie sucht – sucht nach jemandem auf der anderen Seite, der antwortet, der erklärt, der wenigstens zuhört. „Sie haben mir die Durchfahrt erlaubt. Jetzt eröffnen Sie das Feuer.“ Stille.
Die Einheiten der Revolutionsgarde haben sich bereits genähert. Das Feuer ist bereits gefallen. Und über denselben Funkkanal, auf dem der Kapitän noch immer spricht, läuft eine neue Durchsage an alle Schiffe in der Region – die Meerenge sei geschlossen, niemand dürfe passieren. Dieselbe Meerenge, die Minuten zuvor noch offen war. Kein Übergang, keine Erklärung, einfach eine neue Realität, die die alte ersetzt, während die Sanmar Herald noch mittendrin liegt.
Ghalibaf sprach am Samstag in einer live übertragenen Rede an die iranische Bevölkerung. Er beschrieb den Waffenstillstand als Erfolg für Iran – die USA und Israel hätten weder die Regierung gestürzt noch internationale Unterstützung für eine Kontrolle der Meerenge gewinnen können. „Wenn der Feind seine Ziele nicht erreicht, bedeutet das, dass er besiegt wurde“, sagte er. Zugleich betonte er, dass Iran die Straße von Hormus weiter kontrolliere und jeden amerikanischen Schritt, den Teheran als Verletzung des Waffenstillstands betrachtet – einschließlich Minenräumoperationen – mit voller militärischer Kraft beantworten werde. „Wir sind vollständig vorbereitet. Wenn sie den kleinsten Fehler machen, werden wir mit voller Kraft antworten.“
Mohammad Bagher Ghalibaf: „Die Straße von Hormus steht unter der Kontrolle der Islamischen Republik Iran. Wir haben entschieden auf den Versuch der USA reagiert, Minen zu räumen, und dies als Verstoß gegen die Waffenruhe gewertet. Die Situation eskalierte bis nahe an eine direkte Konfrontation, doch der Gegner zog sich zurück. Wenn derzeit Verkehr durch die Straße stattfindet, dann nur, weil die Kontrolle über die Meerenge in unseren Händen liegt.
Die Amerikaner haben in den vergangenen Tagen eine Blockade angekündigt – das ist eine rücksichtslose und ignorante Entscheidung. Es ist unmöglich, dass andere die Straße passieren, während wir es nicht können. Wenn die USA die Blockade nicht aufheben, wird die Bewegung durch die Straße von Hormus definitiv eingeschränkt werden.“
„Iran hat ein bisschen frech gespielt, sie wollten die Straße von Hormus wieder schließen – aber sie können uns nicht erpressen.“
Die Verhandlungen zwischen Iran und den USA hätten zwar Fortschritte gemacht, seien aber noch weit von einer Einigung entfernt, so Ghalibaf. Jede Vereinbarung müsse schrittweise und auf Gegenseitigkeit basieren. Die USA müssten „das Vertrauen des iranischen Volkes verdienen“ und von einseitigem Druck abrücken. Militärisch könne Iran nicht mit den USA mithalten, räumte er ein – aber diese Lücke sei durch Strategie und asymmetrische Kriegsführung ausgeglichen worden.
Parallel dazu meldete sich aus Beirut Naim Qassem, Generalsekretär der Hisbollah, zu Wort. Den zehntägigen Waffenstillstand mit Israel, der in der Nacht zum Freitag in Kraft trat, nannte er einen Sieg für seine Organisation. Einen dauerhaften Frieden knüpfte er an zwei Bedingungen: vollständiger Rückzug israelischer Truppen aus dem Libanon und ein permanentes Ende israelischer Angriffe. Israel hat bislang erklärt, seine Truppen würden während des Waffenstillstands im Südlibanon bleiben, und signalisiert, dass eine Pufferzone im Süden auch danach besetzt bleiben soll. Das amerikanische Außenministerium hatte in seiner Erklärung zum Waffenstillstand festgehalten, beide Seiten hätten vereinbart, dass die Hisbollah vollständig entwaffnet werden solle. Qassem sagte dazu, seine Organisation sei „vollständig offen für Zusammenarbeit mit den libanesischen Behörden in einem neuen Kapitel, das auf der Souveränität des Libanon aufbaut.“ Was das konkret bedeutet, ließ er offen.
Was an diesem Samstag deutlich wird: Der Waffenstillstand existiert auf dem Papier, aber die Positionen, die zu diesem Krieg geführt haben, stehen unverändert. Iran hält die Meerenge. Amerika hält die Blockade. Und irgendwo zwischen diesen beiden Entscheidungen liegen zwei beschossene Schiffe und eine Verhandlung, die nach eigener Aussage beider Seiten noch weit von einem Ende entfernt ist.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English