Melania tritt vor die Kameras – Die Opfer antworten

VonRainer Hofmann

April 10, 2026

Melania Trump erschien am Donnerstagnachmittag ohne Ankündigung im Eingangsbereich des Weißen Hauses vor einer kleinen Gruppe sichtlich überraschter Journalisten und sprach knapp sechs Minuten. Sie wollte ihren guten Namen klarstellen. Die Lügen, die sie mit Jeffrey Epstein in Verbindung brächten, müssten heute enden.

Sie sagte, sie sei nie Epsteins Freundin gewesen. Donald und sie seien gelegentlich zu denselben Partys eingeladen worden wie Epstein, weil sich soziale Kreise in New York und Palm Beach überschnitten. Das erste Mal sei sie ihm im Jahr 2000 begegnet, bei einer Veranstaltung, die sie gemeinsam mit ihrem Mann besucht habe. Epstein habe sie nicht mit Donald Trump bekannt gemacht. Sie habe ihren Mann 1998 zufällig auf einer New Yorker Party kennengelernt, eingeführt vom italienischen Modelagenten Paolo Zampolli. Das sei in ihrem Buch dokumentiert. Zampolli, aus Mailand erreichbar, bestätigte ihre Version und erklärte, er sei bereit, vor dem Kongress auszusagen. Zampolli hatte geschäftliche Verbindungen zu Epstein und taucht mehrfach in den Epstein-Akten auf.

Melanias Name war in den Epstein-Akten aufgetaucht – in einer E-Mail aus dem Jahr 2002, in der eine Frau namens Melania Ghislaine Maxwell für ein Profil über Epstein lobte. Maxwell hatte die Schreiberin mit „Süßer Schatz“ angesprochen, die Frau unterschrieb mit „Liebe“. Melania sagte dazu am Donnerstag, diese Korrespondenz sei nichts weiter als ein beiläufiger Austausch gewesen. Eine Beziehung zu Maxwell oder Epstein habe sie nie gehabt. Sie sei nie in Epsteins Flugzeug gesessen. Sie habe seine Privatinsel nie besucht. Ihr Name tauche in keinen Gerichtsdokumenten, Zeugenaussagen oder FBI-Protokollen im Zusammenhang mit Epstein auf.

Was sie nicht sagte – und was im Raum stand – ist, dass dasselbe von ihrem Mann nicht gesagt werden kann. Trumps Name erscheint mehrfach in den Flugprotokollen von Epsteins Flugzeug. Handelsminister Howard Lutnick bestätigte bei einer Senatsanhörung, Epsteins Insel besucht zu haben. Trump sagte einem Journalisten gegenüber, er habe vorab keine Kenntnis davon gehabt, was seine Frau sagen würde. Das Weiße Haus beantwortete keine Fragen dazu, was der Präsident wann gewusst hatte.

Die Reaktion der Überlebenden ließ nicht lange auf sich warten.

In einer gemeinsamen Erklärung, unterzeichnet von Danielle Bensky, Liz Stein, Marijke Chartouni, Amanda Roberts, Sky Roberts, Sharlene Rochard, Jess Michaels, Maria Farmer, Lara Blume McGee, Rachel Benevidez, Juliette Rose Bryant, Marina Lacerda, Annie Farmer und weiteren, darunter zwei Frauen, die nur als Jane Doe aufgeführt sind, schrieben die Opfer, sie hätten bereits außerordentlichen Mut bewiesen, indem sie an die Öffentlichkeit gegangen seien, Berichte erstattet und ausgesagt hätten. Mehr von ihnen zu verlangen, sei keine Gerechtigkeit, sondern eine Ablenkung von der Verantwortung. Melania Trump verlagere die Last auf die Überlebenden unter politisierten Bedingungen, die jene schützen, die Macht besitzen – das Justizministerium, Strafverfolgungsbehörden, Staatsanwälte und eine Regierung, die dem Epstein Files Transparency Act bis heute nicht vollständig nachgekommen sei. Die Erklärung nannte auch Pam Bondi, die frühere Justizministerin, die zurückgetreten war, unter anderem wegen ihres Umgangs mit den Epstein-Akten. Bondi müsse Antworten für zurückgehaltene Akten und die Offenlegung der Identitäten von Überlebenden liefern. Diese Versäumnisse gefährdeten weiterhin Leben und schützten Mitwisser. Die Überlebenden hätten ihren Teil getan. Jetzt sei es Zeit, dass die Mächtigen ihren tun.

Donald Trump, Melanie Trump, Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell an einer Party im Mar-a-Lago in Palm Beach 12. Februar 2000

Foto: Davidoff Studios, Getty Images

Melania hatte in ihrem Statement gefordert, der Kongress solle den Opfern eine öffentliche Anhörung geben, bei der sie unter Eid aussagen könnten. Der demokratische Abgeordnete Robert Garcia aus Kalifornien, führendes Mitglied des Oversight-Komitees, sagte, er unterstütze diese Forderung – und fügte hinzu, die Demokraten hätten monatelang genau das von den Republikanern verlangt. Er bemerkte auch, dass Melanias Aussagen Trumps wiederholte Behauptung widerlegten, die Epstein-Ermittlung sei ein von Demokraten vorangetriebener Schwindel.

Trump hatte das Land aufgefordert, weiterzumachen. Er hatte einen Reporter angefahren, der ihn nach einer Botschaft an Epsteins Opfer fragte. Seine Frau sagte am Donnerstag: Jede Frau sollte ihren Tag haben, um ihre Geschichte öffentlich zu erzählen, wenn sie es wünscht.

Dann drehte sie sich auf ihren Stiletto-Absätzen um und verließ den Raum. Die Journalisten riefen ihr nach: Warum jetzt? Warum jetzt?

Sie antwortete nicht.

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Muras R.
Muras R.
4 Stunden vor

Auf mich wirkt das wie ein schlecht inszeniertes Ablenkungsmanöver. Auch der Ort ihres Auftritts lässt das vermuten. Sie hätte dieses „Statement“ doch auch in New York, ihrem Wohnsitz, abgeben können

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