Trump sagt, der Krieg ende, wenn er es in den Knochen spüre – Der vierte Samstag und der Nahe Osten steht in Flammen

VonRainer Hofmann

März 21, 2026

Teheran, 21. März 2026. Die Iraner feiern Nowruz, das persische Neujahr. Auf den Straßen beten Menschen, Kinder laufen durch den Morgenregen, Eid al-Fitr liegt über dem Land wie ein letzter Gruß. Und während die Gläubigen ihre Teppiche ausrollen, fallen doch irgendwo über dem Khuzestan wieder Bomben.

Teheran wird bombardiert, Tag für Tag — aber wer die Ziele betrachtet, fragt sich irgendwann, ob dahinter ein Plan steckt oder nur die nächste Rakete.

Es ist der Beginn der vierten Kriegswoche. Seit dem 28. Februar bombardieren die Vereinigten Staaten und Israel Iran. Über 8.000 Ziele wurden bisher getroffen — Militäranlagen, Schiffe, Raketenlager, unterirdische Bunker entlang der Küste. Admiral Brad Cooper, Chef des US-amerikanischen Central Command, sagt am Samstagmorgen in einem vierminütigen Video, Irans Marine fahre nicht mehr aus, Kampfjets blieben am Boden, die Fähigkeit, Raketen und Drohnen in dem Tempo wie zu Kriegsbeginn abzufeuern, sei gebrochen.

Und dann, gleich danach, schlägt eine iranische Rakete in das Gebäude eines leeren Kindergartens in Rishon LeZion ein, südlich von Tel Aviv. Was soll man von so einer Einschätzung halten?

Das ist dieser Krieg. Beide Dinge gleichzeitig, immer.

Krankenhaus Khuzestan, 21. März 2026

In Ahvaz, im Südwesten Irans, stirbt ein Kind in einem Freizeitkomplex namens Ritaj. Das Andimeshk-Krankenhaus im gleichen Khuzestan, an der Grenze zum Irak, meldet schwere Schäden — es nimmt keine Patienten mehr auf. Niemand bekennt sich sofort zu diesen Einschlägen. Israel schweigt. Die USA auch. Der Tote bleibt vorerst namenlos in der Flut der Meldungen. Die Szenen dort; unfassbar. Wir stehen mit Kollegen dort in Kontakt.

Khuzestan, 21. März 2026

Gleichzeitig hält der Iran ein Staatsbegräbnis in Qom ab. Erst für den Geheimdienstminister Esmail Khatib, der bei einem israelischen Angriff getötet wurde. Dann für Ali Mohammad Naini, den Sprecher der Revolutionsgarden, ebenfalls durch israelischen Beschuss gefallen. Die Menge trägt Bilder. Der Regen über Beirut trägt Asche, zu viele, die das Regime noch unterstützen – freiwillig, getrieben oder gezwungen.

In Beirut schlägt kurz vor dem Morgengrauen israelische Luftwaffe ein. Sieben Stadtteile wurden am Freitagabend mit Evakuierungsaufforderungen belegt, die meisten blieben trotzdem. Hasnaa Ali Hashem, 55 Jahre alt, war fünf Tage lang geblieben, bevor sie floh. Jetzt sitzt sie in einem Stadion, das als Notunterkunft dient. Der Regen kommt durch die Betonpfeiler, Matratzen werden nass, improvisierte Zelte halten nicht. „Wohin sollen wir gehen?“, fragt sie. „Wir wollen nach Hause.“ Über 1.000 Menschen sind in Libanon seit Kriegsbeginn gestorben, mehr als eine Million vertrieben.

In Khiam, einem Grenzort wenige Kilometer nördlich von Israel, kämpfen israelische Bodentruppen gegen Hisbollah-Kämpfer. Panzerbeschuss, Luftunterstützung, vier Tote auf Hisbollah-Seite laut israelischem Militär. Es ist eine dieser Operationen, die man „gezielt“ nennt und die trotzdem das Dorf verändert.

Und dann Natanz

Das Atomzentrum, 220 Kilometer südöstlich von Teheran, der Kern des iranischen Urananreicherungsprogramms, wird am Samstagmorgen erneut getroffen. Irans staatliche Nachrichtenagentur Mizan meldet den Angriff. Keine Strahlung, kein Leck, kein Risiko für die umliegende Bevölkerung, sagt Teheran. Die Internationale Atomenergiebehörde bestätigt, über den Angriff informiert worden zu sein. Israel dementiert den Angriff auf Natanz. Die USA schweigen.

Natanz

Russlands Außenministeriumssprecherin Maria Zakharova nennt den Angriff einen „schamlosen Bruch des Völkerrechts“ und warnt vor einer „realen Katastrophe im gesamten Nahen Osten.“ Russische Worte, die über Völkerrecht, mehr Hohn geht kaum. Wenig später gratuliert Wladimir Putin dem iranischen Volk zum Nowruz und nennt sein Land Irans „loyalen Freund und verlässlichen Partner.“ Putin bleibt sich treu: Worte zuerst, dann mehr Worte.

In Washington wartet der Kongress. Nicht auf den Sieg — auf eine Erklärung.

Thom Tillis

Senator Thom Tillis, Republikaner aus North Carolina, sagt, er unterstütze grundsätzlich alles, was die Herrschaft der Mullahs beende. Aber dann hält er inne. „Am Ende muss man strategisch artikulieren können, was die Ziele sind.“ Das klingt nach einer Frage, die sich ein Soldat stellt. Oder ein Buchhändler in einer Stadt, die sich Krieg noch nicht vorstellen kann.

13 amerikanische Soldaten sind tot. Über 230 verwundet. Das Pentagon hat einen Kriegskreditsantrag über 200 Milliarden Dollar beim Weißen Haus eingereicht. Benzin kostet in den USA um die vier Dollar. Rohöl — Brent Crude — notiert über 115 Dollar pro Barrel.

Und Donald Trump twittert am Freitagabend, er denke darüber nach, die „großartigen Militäroperationen“ im Mittleren Osten „herunterzufahren.“ Derselbe Trump, der am gleichen Tag Reportern gesagt hatte, von einem Waffenstillstand sei keine Rede. Normal? Nein. Normalität? Ja.

Das US-Finanzministerium hebt am Freitag vorübergehend Sanktionen auf iranisches Öl auf, das sich auf Schiffen auf hoher See befindet. Eine Ausnahmegenehmigung, gültig bis zum 19. April. Scott Bessent, der Finanzminister, hatte den Schritt zuvor selbst vorgeschlagen — damit nicht China als einziges Land von iranischem Öl profitiert, während der Westen kämpft. Das ist die Logik des modernen Krieges: Man bombardiert einen Feind und hebt gleichzeitig Sanktionen auf seine Ölexporte auf, weil die Energiepreise sonst das eigene Volk treffen. Grotesker geht es nicht mehr.

Jordanien meldet in der dritten Kriegswoche 36 iranische Raketen und Drohnen, insgesamt 240 seit dem 28. Februar. Ein Kind wurde verletzt. Die Vereinigten Arabischen Emirate schossen drei ballistische Raketen und acht Drohnen ab. Saudi-Arabien interceptierte Drohnen über der Ostprovinz. In Bahrain, wo die US-Marine einen Stützpunkt unterhält, heulten die Sirenen.

4.000 KM – Und dann Diego Garcia

Die britisch-amerikanische Basis auf dem Atoll im Indischen Ozean, 4.000 Kilometer von Iran entfernt, wurde angegriffen. Irans Arm reicht weit — aber nicht so weit, wie die Schlagzeilen flüstern. Die gesicherte Reichweite liegt bei etwa 2.000 Kilometern, das ist Mittelstrecke, kein Weltherrschaftsprogramm. Diego Garcia liegt 4.000 Kilometer entfernt — wer also von einem iranischen Treffer dort spricht, spricht von etwas, das die Physik noch nicht abgesegnet hat. Gefährlich genug ist Iran trotzdem, nur auf eine nüchternere, weniger filmreife Art. Erfolglos, wie das britische Verteidigungsministerium ebenfalls mitteilt, ohne zu erklären, wie nah die Raketen kamen oder welche Waffen eingesetzt wurden. Einen Tag zuvor hatte London angekündigt, amerikanischen Streitkräften die Nutzung der Basis für Angriffe auf iranische Schiffahrtssperren zu erlauben. Iran hatte bereits vorher geschossen. Berichten zufolge fiel eine Rakete aus, die andere wurde abgefangen. Das Timing ist so exakt wie ein bitterer Witz.

London nennt Irans Handlungen „rücksichtslos.“ Teherans Außenminister Abbas Araghchi sagt, sein Land wolle keinen Waffenstillstand, sondern ein „vollständiges, umfassendes und dauerhaftes Kriegsende.“ Der Krieg sei „illegal und unprovoziert.“

Hamas balanciert. Die palästinensische Bewegung hat Iran als Verbündeten, Katar als Gastland und Geldgeber. Beide Länder stehen gerade auf verschiedenen Seiten. Iyad al-Qarra, ein palästinensischer Analyst, sagt: Hamas läuft auf der Klinge eines Messers. Zwei Wochen lang schwieg die Bewegung zu Irans Raketenangriffen auf Katar. Dann, in einer einzigen Stellungnahme, bat sie Iran, die Nachbarländer zu verschonen — ohne Katar beim Namen zu nennen. Mohammed Darwish, ein führender Vertreter der Terrororganisation Hamas-, schrieb am 13. März einen Brief an Mojtaba Khamenei, den Sohn des getöteten iranischen Obersten Führers, und beglückwünschte ihn zur Ernennung als Nachfolger. Gleich und gleich gesellt sich gerne, im Osten wie im Westen.

Iranische Außenpolitik läuft dieser Tage über seltsame Kanäle. Außenminister Araghchi erklärt Japan und Südkorea, Iran sei bereit, deren Schiffe durch die Straße von Hormus passieren zu lassen. Japan importiert über 90 Prozent seines Öls durch diese Meerenge. Seoul führt „vielseitige Gespräche“ mit Teheran. China, Indien, Pakistan, Malaysia und Irak haben bereits sichere Durchfahrt.

Europa und die Vereinigten Staaten nicht

Admiral Cooper sagt, Iran habe „erheblich degradierte“ Fähigkeiten, die Straße von Hormus zu kontrollieren. Wie und wann sie vollständig wieder geöffnet wird — dazu sagt er nichts. 22 Länder, darunter Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Japan, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain, fordern in einer gemeinsamen Erklärung Irans Rückzug aus der Meerenge. „Die Folgen von Irans Handlungen“, heißt es darin, „werden von Menschen in allen Teilen der Welt gespürt werden, am stärksten von den Verletzlichsten.“

Trump hat am Freitag auf Social Media etwas geschrieben, das wie ein Rückzug klingt. Kein Regimewechsel mehr als erklärtes Ziel. Kein Ultimatum über Irans Nuklearbrennstoff. Stattdessen: Iran militärisch schwächen, US-Verbündete schützen, die Straße von Hormus den Ländern überlassen, die sie brauchen. „Wenn man uns fragt, helfen wir“, schreibt Trump. Aber eigentlich sollen Japan, Südkorea, Europa und China das selbst lösen.

Israels Verteidigungsminister Israel Katz sagt am gleichen Samstag, die Angriffe würden in der kommenden Woche „erheblich eskalieren.“ Beide haben Recht. Beide haben Unrecht. Das ist die Lage am 21. März 2026, dem dritten Nowruz-Tag, dem vierten Freitag des Krieges, dem ersten Tag, an dem in einem iranischen Krankenhaus keine Patienten mehr aufgenommen werden können.

Die Todeszahlen: über 1.300 im Iran, über 1.000 im Libanon, 15 in Israel, 13 Amerikaner.

Am 13. März sagte er es erstmals, am 16. März wiederholte er es … — es ist seine Antwort.

Ein Mann, der Kriege mit Körpergefühlen steuert — und Tote, die ihre Knochen längst nicht mehr spüren

Trump sagt, der Krieg ende, wenn er es in den Knochen spüre – Senator Mark Warner nennt das schlicht verrückt, und er hat nicht Unrecht. Die Ziele wechseln wie Kulissen: Regimewechsel, Uran weg, Raketen weg — keines davon ist ohne Bodentruppen erreichbar, und Bodentruppen will niemand aussprechen. Der Kongress soll Milliarden bewilligen für einen Krieg, dessen Ende in den Knochen eines Mannes wartet.

Der Kindergarten in Rishon LeZion war leer. Das Kind in Ahvaz war es nicht.

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