Niemand hat einen Plan für das Ende

VonRainer Hofmann

März 16, 2026

Donald Trump ist ungeduldig. Am Montag sagte er im Weißen Haus, dass ihm das Maß an Enthusiasmus der anderen Länder nicht reiche. Mehrere Staaten hätten signalisiert, sie seien auf dem Weg, um gemeinsam die Straße von Hormus zu sichern – aber wie sie es sagten, wie sie zögerten, wie sie erst ihre Teams befragten, bevor sie eine Antwort gaben: Das stört ihn. Keir Starmer, der britische Premierminister, bekam das direkt zu spüren. Trump erzählte, Starmer habe ihm am Sonntag mitgeteilt, er müsse sich erst mit seinem Team besprechen. Trumps Reaktion: „Warum müssen Sie erst Ihr Team fragen?“ Es ist der Ton eines Mannes, der Entschlossenheit erwartet und stattdessen Prozesse bekommt. Dahinter steckt mehr als Ungeduld. Trump sprach von Gegenseitigkeit – oder dem Fehlen davon. Die USA schützten diese Länder, sagte er, aber wenn Amerika jemals Hilfe brauche, würden sie nicht da sein. Es ist ein Vorwurf, den er schon oft gemacht hat, aber selten in einem so konkreten Moment wie diesem.

Ein gewohnter Anblick in Teheran – Das Feuer

Europa ist klar in seiner Zurückhaltung. Friedrich Merz, der deutsche Bundeskanzler, sagte nach einem Treffen mit dem niederländischen Premierminister, dass man den Iran nicht durch Bomben in eine Demokratie verwandeln könne. Das wird keine militärische Lösung geben. Die NATO sei ein Verteidigungsbündnis, kein Interventionsinstrument – auch wenn die Geschichte zeigt, dass diese Linie nicht immer so klar verlief: achtzehn Jahre Afghanistan, die Luftangriffe über Libyen 2011. Merz wandte sich auch direkt an Israel. Eine breitere Bodenoffensive im Libanon wäre ein Fehler, sagte er in Berlin – sie würde die ohnehin angespannte humanitäre Lage weiter verschärfen und einen Exodus von Flüchtlingen auslösen. Er verurteilte die Hisbollah dafür, im Auftrag des Iran in den Konflikt eingetreten zu sein, und forderte die Miliz auf, Israel nicht länger anzugreifen und sich zu entwaffnen. Aber an seine israelischen Freunde, wie er sie nannte, richtete er eine klare Bitte: Diesen Weg nicht gehen.

In Brüssel trafen sich die Außenminister der 27 EU-Staaten. Kaja Kallas, die Außenbeauftragte der Union, hatte vorgeschlagen, die bestehende Marineoperation Aspides im Roten Meer auszuweiten, um auch den Persischen Golf abzudecken. Das wäre der einfachste Weg gewesen. Aber Deutschland zeigte sich skeptisch, andere folgten. Kallas fasste das Ergebnis nüchtern zusammen: Im Moment gebe es keinen Willen, das Mandat zu ändern. Und gleichzeitig: Das ist nicht Europas Krieg – aber Europas Interessen stehen direkt auf dem Spiel. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen sprach von einer existenziellen Wahl: Europa könne weiter abhängig bleiben von schwankenden globalen Energiemärkten – oder endlich die eigene Energiezukunft in die Hand nehmen. Die Preise steigen. Die Haushalte spüren es.

Der Flughafen von Teheran

Während Diplomaten tagten, starben Menschen. Im irakischen Anbar wurde ein Checkpoint der Volksmobilisierungskräfte angegriffen. Sechs Kämpfer starben, vier wurden verletzt. Die PMF, ein Netzwerk überwiegend schiitischer, iranisch unterstützter Milizen, wurde 2016 offiziell in die irakischen Streitkräfte eingegliedert – manche Fraktionen aber agieren weiter auf eigene Rechnung. Wer hinter dem Angriff steckt, blieb zunächst unklar. Weder die USA noch Israel äußerten sich. Seit Kriegsbeginn wurden nach Angaben des US-Zentralkommandos etwa 200 amerikanische Soldaten verwundet, 13 sind tot. Nadav Shoshani, Sprecher der israelischen Armee, sagte am Montag, man sei auf mindestens drei weitere Wochen Militäreinsatz vorbereitet – und länger, wenn nötig.

Ein Blick aus dem Fenster eines Zuges auf Teheran

In Teheran traf ein Luftangriff eine Polizeistation in einem Wohnviertel. Ein Augenzeuge, der anonym bleiben wollte, beschrieb, wie die Druckwelle die Trommelfelle zum Vibrieren brachte, wie Autos vor ihm zerstört wurden, wie Steine und Trümmer auf die Straße fielen. Er fuhr rückwärts, so schnell er konnte. Andere ließen ihre Autos stehen und liefen. Die Behörden sperrten das Gebiet ab, jeden der fotografierte, nahmen sie fest. Ein anderer Einwohner der Stadt beschrieb die wirtschaftliche Lage: Geld sei knapp geworden, Tagelöhner litten besonders. Der Internetzugang war zeitweise unterbrochen, Händler die online verkauften verloren Einnahmen. Die Straßen seien trotzdem voller als zu Beginn des Krieges – weil die Menschen nicht aufhören könnten zu arbeiten. Sie müssen.

Ein kleiner Marktstand in Teheran

Lebensmittel gebe es noch. Benzin auch. Die Banken funktionierten. Aber die Angst sitzt tief, sagte er.

Amerika und Israel haben etwas in Gang gesetzt, für das es kein klares Ziel gibt. Keinen Endpunkt. Keine Antwort auf die einfachste aller Fragen: Und dann? Die Geschichte kennt solche Momente. Sie enden selten so, wie die anfingen, die sie begannen.

Wir sind hier. Im Staub von Tabriz, in den Straßen von Teheran. Wir hören zu, wir schreiben auf, wir schicken es raus – in eine Welt, die gerade andere Dinge im Kopf hat. Die Welt schaut meistens weg. Irgendwann werden Kriege zur Gewohnheit. Die Menschen darin werden kleiner, je länger er dauert.

Teheran heute Morgen

Aber in Teheran steht der Frühlingsputz an. Die Bäume stehen. Jemand kauft Brot. Die Fenster, wenn sie noch ganz sind, werden geputzt, weil der Frühling das so verlangt – und weil das Leben weitergeht, auch wenn draußen Krieg ist. Es gibt viele Menschen dort, die meisten, die diesen Krieg nicht wollten und ihn trotzdem tragen müssen. Genauso im Irak, wo Männer sterben, deren Namen in keiner großen Zeitung stehen werden.

Der Frühling beginnt auch in Teheran …

Das ist die Geschichte, die wir erzählen. Auch wenn sie niemand bestellt hat.

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Caro
Caro
1 Stunde zuvor

Eine Geschichte ohne Hoffnung, ohne Ausweg und ohne Ziel, nur weil alte Männer sich überschätzen und hassen.

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