Krieg auf den Märkten – Der Iran-Konflikt treibt Ölpreise, Diplomatie und Militär in einen neuen Sturm

VonRainer Hofmann

März 16, 2026

Während im Nahen Osten erneut Raketen starten und Sirenen heulen, reagieren die Finanzmärkte nervös. Am Montagmorgen stiegen die amerikanischen Aktienmärkte deutlich, nachdem die Ölpreise kurzfristig nachgegeben hatten. Der Leitindex S&P 500 lag im frühen Handel rund ein Prozent im Plus, nachdem er zuvor drei Wochen in Folge verloren hatte. Der Dow Jones gewann etwa 325 Punkte, ein Plus von 0,7 Prozent. Besonders stark reagierte der Technologieindex Nasdaq, der um 1,2 Prozent zulegte. Der Auslöser lag einmal mehr im Ölmarkt. Der Preis für amerikanisches Rohöl fiel zeitweise um 4,1 Prozent auf 94,62 Dollar pro Barrel, nachdem er am Morgen noch über 102 Dollar gestiegen war. Auch die internationale Sorte Brent gab nach und lag bei rund 101,72 Dollar, nachdem sie zuvor bis auf 106,50 Dollar geklettert war. Seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran war der Ölpreis zuvor ausgehend von etwa 70 Dollar je Barrel fast ununterbrochen gestiegen und hatte weltweit Sorgen vor wirtschaftlichen Folgen ausgelöst.

Während Händler in New York und London auf die Bildschirme schauen, spitzt sich die Lage im Nahen Osten weiter zu. In Doha waren Explosionen zu hören, als Iran erneut Raketen in Richtung Katar abschoss. Das Innenministerium forderte die Bevölkerung auf, in ihren Häusern zu bleiben. Kurz zuvor hatten die Luftabwehrsysteme des Landes bereits eine erste Angriffswelle abgefangen. Auch in Bahrain heulten die Sirenen. Die Behörden riefen die Menschen auf, sofort Schutzräume aufzusuchen. Gleichzeitig meldete Israel Raketenwarnungen in Jerusalem und der umliegenden Region. Sirenen warnten dort vor Geschossen aus Iran.

Die Vereinigten Arabischen Emirate berichteten von einem massiven Angriff mit sechs ballistischen Raketen und 21 Drohnen aus Iran. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden seit Beginn des Krieges insgesamt 304 ballistische Raketen, 15 Marschflugkörper und 1.627 Drohnen auf das Land abgefeuert. Sieben Menschen seien dabei getötet worden, darunter zwei Soldaten.

Auch auf dem Meer zeigt sich, wie stark der Krieg die Region verändert hat. Der amerikanische Kommandeur im Nahen Osten, Admiral Brad Cooper, erklärte, die US-Streitkräfte konzentrierten sich darauf, Irans Fähigkeit zu schwächen, Handelsschiffe im Persischen Golf zu bedrohen. Die Angriffe auf Frachter hätten den Verkehr durch die Straße von Hormus praktisch zum Erliegen gebracht. Durch diese Meerenge fließt normalerweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls. Der Ausfall dieser Route hat die Preise steigen lassen und erhöht den Druck auf Washington, die Lage zu stabilisieren.

Iran stellt die Situation jedoch völlig anders dar. Außenminister Abbas Araghchi erklärte in Teheran, die Straße von Hormus sei nicht generell geschlossen. Sie sei nur für die Vereinigten Staaten, Israel und deren Verbündete blockiert. Für andere Staaten bleibe sie offen. Tatsächlich zeigen erste Schiffsbewegungen, dass einzelne Tanker die Passage wieder wagen. Ein von Pakistan kontrollierter Öltanker namens Karachi passierte laut dem Schiffsdatendienst MarineTraffic die Meerenge am Sonntag und fährt inzwischen im Golf von Oman. Auch Indien erwartet ein Schiff mit mehr als 40.000 Tonnen Flüssiggas, das die Straße von Hormus am Wochenende durchquert hat. Nach Angaben der indischen Behörden warten jedoch noch 22 Schiffe westlich der Meerenge auf eine sichere Passage.

Der Krieg hat auch politische Spannungen zwischen Washington und europäischen Regierungen ausgelöst. Der britische Premierminister Keir Starmer verteidigte seine Entscheidung, sich nicht an den Angriffen auf Iran zu beteiligen. Donald Trump hatte ihn scharf kritisiert, weil Großbritannien weder einen Flugzeugträger entsandt noch amerikanischen Bombern uneingeschränkt die Nutzung britischer Stützpunkte erlaubt habe. Starmer erklärte nun, britische Soldaten dürften nur eingesetzt werden, wenn der Einsatz rechtlich abgesichert sei und ein klarer Plan vorliege. Politiker, die das Gegenteil forderten, würden das Land ohne Vorbereitung in einen Krieg treiben.

Auch Italien reagierte zurückhaltend auf amerikanische Forderungen nach militärischer Unterstützung bei der Öffnung der Straße von Hormus. Außenminister Antonio Tajani erklärte in Brüssel, Rom unterstütze zwar eine Verstärkung europäischer Marineeinsätze im Roten Meer, halte eine Ausweitung auf den Persischen Golf jedoch für unwahrscheinlich.

In Washington selbst versucht die Regierung, Sorgen über die wirtschaftlichen Folgen des Krieges herunterzuspielen. Finanzminister Scott Bessent erklärte im Fernsehen, die steigenden Ölpreise würden übertrieben dargestellt. Die Medien versuchten, daraus eine Krise zu machen, sagte er. Sobald der Konflikt beendet sei, würden die Preise wieder sinken. Die Regierung habe bisher nicht versucht, über den Handel mit Öl-Futures künstlich Druck auf die Preise auszuüben. Innenminister Doug Burgum hatte zuvor erklärt, dass über solche Möglichkeiten zumindest gesprochen worden sei.

Auch der Terminkalender des Präsidenten steht inzwischen unter dem Einfluss des Krieges. Donald Trump erwägt, seine geplante Reise nach China zu verschieben. Offiziell wird dies mit logistischen Gründen erklärt. Tatsächlich will der Präsident offenbar in Washington bleiben, um den Krieg zu koordinieren. Seine Sprecherin Karoline Leavitt erklärte, die Gespräche mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping liefen weiterhin. Die Reise könne jedoch verschoben werden, solange die militärische Operation mit dem Namen „Epic Fury“ andauere.

Parallel dazu versucht Washington, Verbündete für eine internationale Aktion zur Sicherung der Straße von Hormus zu gewinnen. Großbritannien diskutiert nach Angaben von Keir Starmer den Einsatz von Minensuchdrohnen in der Region, will jedoch vorerst kein Kriegsschiff entsenden. Auch Deutschland fordert mehr Klarheit über die Ziele der amerikanisch-israelischen Operation. Außenminister Johann Wadephul erklärte vor einem Treffen der EU-Außenminister, Washington und Tel Aviv müssten erklären, wann sie ihre militärischen Ziele als erreicht betrachten. Erst dann könne eine neue Sicherheitsordnung für die Region diskutiert werden.

Die Auswirkungen des Konflikts reichen inzwischen weit über Iran und Israel hinaus. In Libanon wurden bei einem israelischen Luftangriff auf das Dorf Qantara vier Menschen getötet, darunter zwei Kinder. Gleichzeitig wies Israels Verteidigungsminister Israel Katz darauf hin, dass Hunderttausende Libanesen, die aus dem Süden des Landes geflohen sind, vorerst nicht zurückkehren können. Erst wenn Nordisrael wieder sicher sei, könne über eine Rückkehr gesprochen werden.

Auch innerhalb Libanons wachsen die Spannungen. Das Außenministerium kritisierte die schiitische Miliz Hisbollah scharf, nachdem UN-Friedenstruppen im Süden des Landes beschossen worden waren. Die Regierung erinnerte daran, dass militärische Aktivitäten der Hisbollah offiziell verboten seien und keine bewaffnete Gruppe außerhalb der staatlichen Kontrolle das Land in weitere Instabilität treiben dürfe.

Neben den militärischen Nachrichten zeigt der Krieg auch ungewöhnliche politische und gesellschaftliche Nebenwirkungen. Der israelischen Schauspielerin Gal Gadot wurde der Genesis-Preis zugesprochen, der nun auf zwei Millionen Dollar verdoppelt wurde. Die Mittel sollen Organisationen zugutekommen, die Israel nach mehr als zwei Jahren Krieg bei der Versorgung von Verletzten und traumatisierten Menschen unterstützen.

Auch im Irak hat der Konflikt direkte wirtschaftliche Folgen. Der irakische Ölminister Hayan Abdul-Ghani kündigte an, dass eine neue Pipeline von Kirkuk in Richtung Türkei innerhalb einer Woche in Betrieb gehen soll. Sie soll täglich bis zu 250.000 Barrel Öl transportieren und damit eine Exportroute ersetzen, die durch den Krieg und die Blockade der Straße von Hormus unterbrochen wurde.

Während die Börsen kurzfristig auf sinkende Ölpreise reagieren, zeigt der Blick auf die Region ein völlig anderes Bild. Raketen über Katar, Drohnen über den Emiraten, Sirenen in Israel und diplomatische Spannungen zwischen den westlichen Regierungen lassen erkennen, wie schnell sich dieser Krieg weiter ausweiten kann. Jede neue Angriffswelle verändert die Lage auf den Energiemärkten, auf den Seewegen und in den Hauptstädten der Welt. Und niemand kann im Moment sagen, wie lange dieser Zustand noch dauern wird.

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Ela Gatto
Ela Gatto
4 Stunden zuvor

Die Regierung im Libanon: „…Die Regierung erinnerte daran, dass militärische Aktivitäten der Hisbollah offiziell verboten seien und keine bewaffnete Gruppe außerhalb der staatlichen Kontrolle das Land in weitere Instabilität treiben dürfe.“

Das ist ja wohl lächerlich.
In vielen Jahren hat es die Regierung nicht geschafft die Hisbollah aufzulösen.
Man hat den Eindruck, dass sie sich öffentlich dagegen aussprechen, aber die Aktivitäten hinter vorgehaltener Hand tolerieren.
Auch hetzt gibt es nur Worte, statt Taten.

So lange dieser Krieg tobt, sollte kein Land die USA und Israel militärisch unterstützen.
Das kann Trumps „Board of Peace“ doch regeln.🙈🙈🙈

Auf uns alle werden unruhige und noch unbequemere Zeiten zukommen.

Ihr seht es täglich hautnah, erlebt es ständig.
Bitte passt auf Euch auf. ❤️

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