Krieg um die Straße von Hormus – Trump ruft andere Staaten auf, Kriegsschiffe zu schicken – Raketen treffen Bagdad

VonRainer Hofmann

März 15, 2026

Die Straße von Hormus ist einer der empfindlichsten Punkte der Weltwirtschaft. Durch diese Meerenge zwischen Iran und Oman fließt ein großer Teil des globalen Ölhandels. Seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Iran ist dieser Weg faktisch blockiert. Tanker meiden die Passage, Versicherungen steigen aus, die Preise steigen. Nun versucht Präsident Donald Trump, den Verkehr dort mit militärischem Druck wieder zu erzwingen. Am Samstag rief Trump andere Staaten öffentlich dazu auf, Kriegsschiffe in die Straße von Hormus zu schicken, um die Passage „offen und sicher“ zu halten. In seinem Netzwerk Truth Social schrieb er, viele Länder würden Schiffe entsenden. Er nannte dabei Großbritannien, China, Frankreich, Japan und Südkorea. Konkrete Zusagen nannte er nicht. Auch hier zeigt sich wieder, wie unvorbereitet der Angriff auf den Iran war.

Der Aufruf zeigt, wie schwierig die Lage militärisch geworden ist. Selbst wenn Irans Luftabwehr stark beschädigt ist, kann das Land den Seeweg weiterhin bedrohen. Kleine Drohnen, Minen und schnelle Boote reichen aus, um den Schiffsverkehr zu stören. Trump räumte selbst ein, dass Iran solche Fähigkeiten behalten werde – „egal wie stark sie geschlagen sind“, wie er schrieb. Der Konflikt dauert inzwischen drei Wochen. In der Nacht wurde die amerikanische Botschaft in Bagdad angegriffen. Zwei irakische Regierungsvertreter bestätigten den Angriff. Sirenen heulten, aus dem Botschaftsgelände stiegen dichte Rauchwolken auf.

Die US-Botschaft erklärte anschließend, dass von Iran unterstützte Milizen wiederholt die sogenannte Internationale Zone in Bagdad beschossen hätten. Amerikanische Staatsbürger wurden erneut aufgefordert, Irak sofort zu verlassen. Auch das Konsulat in Erbil solle aus Sicherheitsgründen gemieden werden. Eine schiitische Miliz bekannte sich zunächst nicht zu dem Angriff. Nur wenige Stunden zuvor war in Bagdad ein weiteres Gebäude zerstört worden. In dem wohlhabenden Viertel Arasat wurde ein Haus bei einer Explosion schwer beschädigt. Kämpfer der schiitischen Gruppe Kataib Hezbollah sperrten das Gebiet ab. Später erklärte die Organisation, drei ihrer Mitglieder seien bei einem Angriff getötet worden.

Bagdad

Parallel verschärft sich die Lage am Golf. In den Vereinigten Arabischen Emiraten stieg Rauch über dem Hafen von Fujairah auf, dem einzigen großen Ölterminal des Landes außerhalb der Straße von Hormus. Behörden bestätigten ein Feuer nach dem Abschuss einer Drohne. Trümmerteile waren in das Hafenareal gefallen. Verletzte gab es nach offiziellen Angaben nicht. Teheran weitete die Drohungen gleichzeitig aus. Die halb staatliche iranische Nachrichtenagentur Tasnim forderte Menschen auf, die Hafenbereiche von Jebel Ali in Dubai, Khalifa in Abu Dhabi und Fujairah sofort zu verlassen. Diese Orte seien nun legitime Ziele, hieß es. Begründet wurde das damit, dass sich amerikanische Streitkräfte dort zwischen zivilen Anlagen aufhielten. Während der Konflikt im Golf eskaliert, brennt auch eine zweite Front.

Fujairah

Im Libanon setzt Israel seine Luftangriffe fort, nachdem die Hisbollah wieder Raketen abgefeuert hat. Die schiitische Organisation ist eng mit Iran verbunden. Nach Angaben libanesischer Behörden wurden in dieser neuen Phase des Krieges bereits mehr als 800 Menschen getötet, über 2.000 verletzt und mehr als 800.000 vertrieben. Am Freitag traf ein Luftangriff ein Gesundheitszentrum in der südlibanesischen Stadt Burj Qalawiya. Das Gesundheitsministerium meldete zwölf Tote – Ärzte, Sanitäter und Pflegekräfte, die während des Dienstes arbeiteten.

Die israelischen Streitkräfte erklärten, man kenne die Berichte über den Angriff und prüfe den Vorfall. Auch internationale Organisationen schlagen Alarm. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, erklärte, seit dem 2. März seien im Libanon 27 Angriffe auf Einrichtungen des Gesundheitswesens bestätigt worden. Dabei seien 30 Menschen getötet und 35 verletzt worden. Gesundheitsarbeiter müssten immer geschützt werden, sagte er.

Währenddessen bleibt die Straße von Hormus blockiert. Je länger die Passage geschlossen bleibt, desto stärker spüren die Weltmärkte die Folgen. Ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels verläuft durch diesen schmalen Seeweg. Tanker warten außerhalb der Gefahrenzone, Frachtrouten werden umgeleitet, Versicherungsprämien steigen. Mit seinem Aufruf an andere Staaten versucht Donald Trump nun, eine internationale Flotte in die Region zu bringen. Doch die entscheidende Frage bleibt offen: Ob andere Länder bereit sind, sich militärisch in einen Krieg hineinziehen zu lassen, der längst weit über Iran hinausreicht.

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