„Ein Krieg, den wir nicht gewählt haben“ – Emiratischer Milliardär greift Trumps Entscheidung an

VonRainer Hofmann

März 5, 2026

Khalaf Al Habtoor gehört zu den einflussreichsten Unternehmern der arabischen Welt. Der Gründer und Vorsitzende der Al Habtoor Group steht für Hotels, Immobilienprojekte und Investitionen in mehreren Ländern des Nahen Ostens. Wenn jemand aus diesem Kreis öffentlich Kritik äußert, wird das in der Region sehr genau registriert. Genau das geschah jetzt. In einer Stellungnahme erklärte Al Habtoor, dass die Entscheidung von Donald Trump, den Krieg im Nahen Osten auszuweiten, die Staaten des Golfs in eine gefährliche Lage bringe, die sie selbst nicht gewählt hätten. Die Folgen dieses Krieges träfen nicht nur Iran oder Israel, sondern auch jene Länder, die mitten zwischen den Fronten liegen.

Der Unternehmer formulierte seine Kritik ungewöhnlich deutlich. Trumps Vorgehen habe den Golf und andere arabische Staaten „ins Zentrum einer Gefahr gestellt, die sie nicht gewählt haben“. Damit spricht er einen Punkt an, der in vielen Hauptstädten der Region diskutiert wird. Militärbasen, Energieanlagen und wichtige Handelsrouten liegen in unmittelbarer Reichweite möglicher Angriffe. Jede Eskalation zwischen Washington, Israel und Teheran macht diese Orte automatisch zu möglichen Zielen.

Al Habtoor ging noch weiter. Der Krieg, so seine Einschätzung, koste amerikanische Leben in einem Konflikt, der nicht der ihre sei. Diese Worte fallen zu einem Zeitpunkt, in dem die militärische Lage weiter eskaliert. In Kuwait wurden mehrere amerikanische Soldaten bei Raketenangriffen getötet, während iranische Vergeltungsschläge auf Einrichtungen abzielen, die mit amerikanischen Operationen in Verbindung gebracht werden. Die Kritik aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ist bemerkenswert, weil sie von einem Mann kommt, der nicht zur politischen Opposition gehört. Khalaf Al Habtoor steht für eine wirtschaftliche Elite, die normalerweise vorsichtig formuliert und selten offen amerikanische Präsidenten angreift. Seine Unternehmen arbeiten mit internationalen Partnern, investieren in Infrastruktur und Tourismus und sind eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Golfregion verbunden.

Gerade deshalb hat seine Stellungnahme Gewicht. Sie zeigt, dass der Krieg längst nicht nur als militärische Auseinandersetzung wahrgenommen wird. Für viele Länder der Region geht es um Stabilität, Handel und Sicherheit. Der Persische Golf ist eine der wichtigsten Energierouten der Welt. Jede Eskalation bedroht nicht nur Städte und Militärbasen, sondern auch Ölterminals, Häfen und internationale Lieferketten. Al Habtoor spricht damit eine Sorge aus, die in vielen arabischen Staaten existiert. Der Krieg wird von großen Mächten geführt, doch die unmittelbaren Risiken liegen bei den Ländern der Region. Raketen, Drohnen und militärische Gegenangriffe erreichen zuerst jene Orte, an denen amerikanische Stützpunkte, Häfen oder Energieanlagen liegen.

Dass ein Unternehmer seines Formats diese Kritik öffentlich formuliert, zeigt, wie tief die Nervosität inzwischen reicht. Die wirtschaftliche Elite der Golfstaaten lebt von Stabilität und offenen Handelswegen. Ein Krieg, der sich über die gesamte Region ausdehnt, stellt dieses Modell infrage. Die Worte von Khalaf Al Habtoor sind deshalb mehr als nur eine persönliche Meinung. Sie spiegeln die wachsende Unruhe in einer Region wider, die sich plötzlich im Zentrum eines Konflikts wiederfindet, den viele dort nicht als ihren eigenen betrachten.

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