Krieg auf offener See – Ein amerikanisches Torpedo, ein gesunkenes iranisches Kriegsschiff und eine Region in Flammen

VonRainer Hofmann

März 4, 2026

Der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und Iran hat eine weitere Schwelle erreicht. Ein amerikanisches U-Boot versenkte ein iranisches Kriegsschiff mit einem Torpedo im Indischen Ozean. Der amerikanische Verteidigungsminister Pete Hegseth bestätigte den Angriff im Pentagon. Nach seinen Worten handelte es sich um den ersten Angriff dieser Art auf ein feindliches Kriegsschiff seit dem Zweiten Weltkrieg. Das Schiff sank vor der Küste Sri Lankas. Die Marine des Inselstaates meldete, dass zunächst nur Ölspuren und Rettungsflöße auf dem Wasser zu sehen gewesen seien, als ihre Schiffe den Ort erreichten. Überlebende wurden im Meer treibend gefunden. Später bestätigten die Behörden, dass 32 Menschen gerettet werden konnten. Gleichzeitig wurden 87 Leichen geborgen.

Der Vorsitzende der US-Generalstabschefs, General Dan Caine, erklärte, ein amerikanisches Angriffs-U-Boot habe die iranische Fregatte Dena mit einem einzelnen Torpedo vom Typ Mark 48 versenkt – der erste Torpedoangriff der US-Marine auf ein feindliches Kriegsschiff seit dem Zweiten Weltkrieg. Präsident Donald Trump sagte zudem, eines der zentralen Ziele der amerikanischen Militärstrategie sei die Zerschlagung der iranischen Marine.

Der Angriff steht in direktem Zusammenhang mit der laufenden militärischen Offensive der Vereinigten Staaten und Israels gegen Ziele des iranischen Sicherheitsapparats. Während amerikanische und israelische Streitkräfte Luftangriffe auf militärische Infrastruktur fliegen, reagiert Iran mit Raketen, Drohnen und Angriffen auf die regionale Energieversorgung. Pete Hegseth erklärte, die Vereinigten Staaten würden weitere Streitkräfte in die Region verlegen. Kampfflugzeuge und Bomber seien bereits auf dem Weg. Zugleich machte er deutlich, dass Washington nicht unter Zeitdruck stehe. Die Vereinigten Staaten würden sich „so viel Zeit nehmen, wie nötig ist, um erfolgreich zu sein“.

Der Vorsitzende der amerikanischen Generalstabschefs, Dan Caine, erklärte, die amerikanischen Munitionsbestände seien ausreichend. Zu Beginn der Operation seien besonders präzise Waffen eingesetzt worden. Jetzt greife das Militär verstärkt auf klassische Bomben zurück, nachdem amerikanische und israelische Kräfte die Kontrolle über große Teile des iranischen Luftraums erreicht hätten. Der Konflikt entwickelt sich gleichzeitig auf mehreren Ebenen. In Israel heulen seit Stunden immer wieder Sirenen. In Jerusalem, Tel Aviv und im Norden des Landes werden Drohnen und Raketen gemeldet. Ein Teil der Angriffe kommt aus Iran, andere aus dem Libanon. Die Hisbollah griff bereits zu Beginn der Woche mit Raketen und Drohnen in den Krieg ein, worauf Israel mit Luftangriffen im Libanon reagierte.

Auch andere Staaten geraten zunehmend in den Sog der Auseinandersetzung. Ein iranischer ballistischer Flugkörper, der sich dem türkischen Luftraum näherte, wurde von NATO-Abwehrsystemen abgefangen, bevor er das Land erreichte. Das türkische Verteidigungsministerium bestätigte den Abschuss. Trümmerteile fielen in der Provinz Hatay nahe der syrischen Grenze. Die Liste der betroffenen Staaten wächst. Einschläge oder Trümmerteile wurden inzwischen in Israel, Saudi-Arabien, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Jordanien, Katar, Irak, Bahrain, Syrien, Oman, Zypern und nun auch in der Türkei registriert.

Der Krieg greift zugleich tief in die Weltwirtschaft ein. Die Straße von Hormus, durch die etwa ein Fünftel des globalen Ölhandels transportiert wird, ist praktisch zum Erliegen gekommen. Schifffahrtsdaten zeigen, dass der Tankerverkehr durch die Meerenge um etwa neunzig Prozent zurückgegangen ist. Reedereien meiden die Route aus Angst vor Angriffen. Die Auswirkungen sind sofort sichtbar. Der Ölpreis stieg sprunghaft an. Börsen weltweit reagieren nervös, weil steigende Energiepreise die ohnehin fragile Weltwirtschaft zusätzlich belasten könnten.

Auch der Energiesektor selbst wird zum Ziel. Das staatliche Unternehmen QatarEnergy erklärte wegen der Kriegslage „höhere Gewalt“ für seine Lieferverträge und stellte die Produktion von Flüssiggas vorübergehend ein. Zuvor waren iranische Angriffe auf Anlagen in den Industriezentren Ras Laffan und Mesaieed gemeldet worden. Die iranischen Revolutionsgarden reagierten mit der bisher schärfsten Drohung seit Beginn des Krieges. In einer Erklärung im Staatsfernsehen hieß es, die Angriffe auf Iran würden den „vollständigen Zusammenbruch der militärischen und wirtschaftlichen Infrastruktur der Region“ zur Folge haben.

Gleichzeitig zeigt sich, dass auch Iran unter Druck steht. Westliche Sicherheitsbeamte gehen davon aus, dass das Land bei der aktuellen Abschussrate nur noch für wenige Tage über größere Bestände an einsatzfähigen ballistischen Raketen verfügt. Die Zahl der Angriffe sei bereits zurückgegangen. Möglich sei jedoch auch, dass Iran einen Teil seiner Bestände bewusst zurückhalte. Ein weiteres Zeichen der Eskalation ist die digitale Abschottung des Landes. Die Organisation NetBlocks meldet, dass Iran seit rund vier Tagen praktisch ohne Internetverbindung ist. Die Netzaktivität liegt nach ihren Daten bei nur noch etwa einem Prozent des normalen Niveaus. Bereits während der landesweiten Proteste im Januar hatte die Regierung eine ähnliche Abschaltung angeordnet.

Der Krieg fordert bereits jetzt einen hohen Preis. Nach Angaben iranischer Behörden sind mehr als tausend Menschen getötet worden. Auch amerikanische Verluste sind bekannt geworden. Bei einem iranischen Drohnenangriff auf ein Operationszentrum in einem zivilen Hafen in Kuwait wurden sechs amerikanische Soldaten getötet. Die militärische Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Israel läuft unterdessen auf Hochtouren. Ein israelischer Militärvertreter sprach von täglich vier- bis fünftausend Abstimmungsgesprächen entlang der militärischen Befehlsketten beider Länder. Die Planung der ersten Angriffswelle habe bereits drei Wochen vor Beginn der Operation begonnen.

Während militärische Planer über Ziele, Munition und Einsatzdauer sprechen, wächst international die Sorge über die rechtlichen und politischen Folgen dieses Krieges. Der kanadische Premierminister Mark Carney warnte, die Weltordnung gerate immer stärker unter Druck. Staaten handelten zunehmend ohne Rücksicht auf internationale Regeln und Gesetze, sagte er bei einer Rede in Sydney. Auch der einflussreiche schiitische Geistliche Ali al-Sistani im irakischen Nadschaf verurteilte die Angriffe auf Iran scharf. Einen Staat ohne Zustimmung der Vereinten Nationen militärisch anzugreifen, sei ein Verstoß gegen das Völkerrecht, erklärte er. Ein solcher Krieg werde Chaos und Instabilität über die gesamte Region bringen.

Während Politiker warnen und Generäle planen, bewegt sich der Konflikt weiter in Richtung einer offenen regionalen Konfrontation. Das versenkte Kriegsschiff im Indischen Ozean ist nur ein einzelner Vorfall in einem Krieg, der sich längst über Grenzen hinweg ausbreitet. Die Frage ist nicht mehr, ob der Krieg größer wird. Die Frage ist, wie viele Länder noch hineingezogen werden.

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Anja
Anja
2 Stunden zuvor

Das klingt jetzt vielleicht zynisch, aber da der Iran seine Drohnen jetzt selbst braucht, können sie keine mehr an Russland liefern. Gut für die Ukrainer, vielleicht 🤔

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