Der Fall Jeffrey Epstein zwingt zu einer der schwierigsten Fragen überhaupt: Wer war Opfer – und wer wurde Teil der Maschinerie, die weitere Opfer hervorbrachte? Ermittler, Staatsanwälte, FBI-Beamte und Journalisten ringen bis heute mit dieser Grenze. Denn Epsteins System funktionierte nicht nur durch Gewalt oder Geld. Es funktionierte durch Kontrolle über Menschen. Viele der Mädchen und jungen Frauen, die in seine Häuser kamen, waren zuerst Opfer. Einige tauchten einmal auf, gaben die angeblichen „Massagen“, wurden missbraucht und verschwanden danach für immer aus seinem Leben. Andere kehrten zurück. Manche kamen wieder und wieder. Und einige von ihnen begannen später, neue Mädchen zu bringen.
Für Außenstehende wirkt das kaum nachvollziehbar. Warum kehrt jemand zurück, nachdem er missbraucht wurde? Die Antwort liegt in der Art, wie Epstein seine Umgebung aufgebaut hatte. Er versprach jungen Menschen ein anderes Leben. Geld. Möglichkeiten. Kontakte. Wer seine Häuser betrat, sah Luxus, der für viele unvorstellbar war. Für Mädchen aus schwierigen Familien oder ohne stabile Unterstützung war das mehr als nur Reichtum. Es war die Aussicht auf ein anderes Leben. Epstein verstand genau, wie man Vertrauen erzeugt. Er präsentierte sich als jemand, der sich kümmert. Ein Mann mit Einfluss, der Türen öffnen kann. Neben ihm stand Ghislaine Maxwell, die für viele der Mädchen eine fast mütterliche Rolle spielte. Sie stellte Fragen über ihr Leben, hörte zu, gab Ratschläge – und schuf damit eine Nähe, die später zur Kontrolle wurde. Die Botschaft war einfach: Wer sich an die Regeln hielt, konnte Teil dieser Welt werden.

Ein Beispiel dafür ist Sarah Kellen. Sie wuchs als Zeugin Jehovas auf, in einer streng abgeschotteten Umgebung. Als junge Erwachsene wurde sie von ihrer Familie ausgeschlossen. Sie zog mit einem Freund ans andere Ende des Landes, doch auch diese Beziehung zerbrach. Am Ende stand sie allein da. Eine junge Frau ohne Halt, die zuvor bereits in einer stark kontrollierten Gemeinschaft gelebt hatte. Für jemanden wie Epstein war das eine ideale Ausgangslage. Am Anfang versprach er vielen dieser jungen Frauen Arbeit als Assistentinnen. Schritt für Schritt wurden sie in seine Abläufe eingebunden. Termine koordinieren. Kontakte organisieren. Irgendwann ging es nicht mehr um Büroarbeit, sondern um die Organisation der Mädchen, die zu ihm gebracht wurden.

Sarah Kellen Vickers gehörte zu den zentralen Figuren im Umfeld von Jeffrey Epstein. Dokumente aus dem Ermittlungsverfahren der Jahre 2006 bis 2008 zeigen bereits, dass sie im Haus in Palm Beach die meisten Termine organisierte. Mädchen, die zu den angeblichen „Massagen“ kamen, erhielten nach den Treffen zwischen 200 und 300 Dollar – das Geld zahlte häufig sie aus. Recherchen und Gerichtsunterlagen zeigten, dass Kellen Vickers bis über 2013 hinaus in Verbindung mit Epstein stand und auch für ihn tätig war. Mehrere Zeuginnen nannten ihren Namen während des Prozesses gegen Ghislaine Maxwell. Der Richter bezeichnete sie bei der Urteilsverkündung sogar als „strafrechtlich verantwortliche Beteiligte“. Trotzdem wurde Kellen Vickers bis heute nie angeklagt. In mehreren Zivilklagen taucht ihr Name allerdings als Beklagte auf.

Auch in späteren Gerichtsunterlagen taucht der Name von Sarah Kellen Vickers weiterhin im Umfeld von Jeffrey Epstein auf. In einer eidesstattlichen Erklärung im Verfahren Virginia L. Giuffre gegen Ghislaine Maxwell vor dem Bundesgericht des United States District Court for the Southern District of New York schildert ein leitender Ermittler einer privaten Investigationsfirma die Zustellung von Vorladungen. Der Ermittler Douglas G. Mercer erklärt darin unter Eid, dass seine Firma damit beauftragt war, Vorladungen an mehrere Personen aus Epsteins innerem Kreis zuzustellen. Dazu gehörten Jeffrey Epstein, Sarah Kellen Vickers und Nadia Marcinkova.
Am 25. April 2016 ließ das Ermittlungsbüro die aktuellen Adressen dieser Personen in New York recherchieren, um die Zustellung der gerichtlichen Dokumente vorzubereiten. Die Erklärung zeigt, dass mehrere der zentralen Figuren aus Epsteins Umfeld auch Jahre nach den ersten Ermittlungen weiterhin Gegenstand juristischer Verfahren und Untersuchungen waren. Der Name Sarah Kellen Vickers erscheint damit nicht nur in den frühen Ermittlungsakten aus Palm Beach, sondern auch in späteren Gerichtsunterlagen im Zusammenhang mit den Zivilverfahren rund um das Netzwerk von Jeffrey Epstein.
Ihre Arbeit begann bereits 2002. Sie war sowohl im Anwesen in Manhattan als auch im Haus in Palm Beach tätig. In dieser Zeit verlor Maxwell bereits an Einfluss im täglichen Ablauf, während Kellen zunehmend Aufgaben übernahm, die zuvor Maxwell zugeschrieben wurden. Carolyn Andriano, selber ein Opfer von Epstein, sagte vor Gericht aus, dass Kellen Vickers mindestens einmal Nacktfotos von ihr gemacht habe, bevor ein Termin stattfand, der später in sexuellen Missbrauch durch Epstein mündete. Andriano erhielt dafür mehrere hundert Dollar. Sie starb 2023 in einem Hotelzimmer in West Palm Beach an einer versehentlichen Überdosis. Kellen Vickers selbst beschreibt sich als Opfer. Sie erklärte, sie sei von Epstein und Maxwell „wöchentlich vergewaltigt und missbraucht“ worden. Gleichzeitig zeigen Aussagen und Unterlagen, dass Epstein viele Mädchen dafür bezahlte, weitere junge Frauen zu bringen. Berichten zufolge verlangte er täglich drei neue Termine. Viele der Opfer stammten aus Schulen im Palm-Beach-County. Besonders häufig wird die Royal Palm Beach High School genannt, von der mindestens fünfzehn Schülerinnen in das System gerieten.

Heute lebt Sarah Kellen Vickers ein völlig anderes Leben. Sie war mit dem NASCAR-Champion Brian Vickers verheiratet. Im Februar 2025 reichte er laut Gerichtsunterlagen in Miami-Dade die Scheidung ein. Das Verfahren läuft noch. Das Paar besaß ein Haus in Miami Beach im Wert von rund 6,5 Millionen Dollar, das zum Verkauf stand. Der Fall Sarah Kellen Vickers macht deutlich, wie schwer es ist, in Epsteins System klare Grenzen zu ziehen – zwischen Opferrolle, Abhängigkeit und eigener Verantwortung.
Manche von ihnen hätten vielleicht gehen können, als sie begriffen, was wirklich geschah. Doch so einfach war es selten. Viele waren kaum älter als Jugendliche. Einige kamen aus Familien, die bereits zerbrochen waren. Andere hatten selbst schon Missbrauch erlebt. Wieder andere wurden im Ausland angeworben und in die Vereinigten Staaten gebracht, mit Versprechen auf eine Karriere als Model oder Schauspielerin.
So funktioniert Menschenhandel. Er beginnt selten mit Gewalt. Er beginnt mit Versprechen. Wer aus sicheren Verhältnissen kommt, kann sich kaum vorstellen, wie schnell Menschen in solche Abhängigkeiten geraten. Wer nie erlebt hat, wie es ist, völlig allein zu sein, unterschätzt leicht, welche Macht jemand wie Epstein über junge Menschen gewinnen konnte. Epstein und Ghislaine Maxwell schufen eine Umgebung, in der sexueller Missbrauch als etwas Normales erschien. Mädchen wurden davon überzeugt, dass dies Teil eines Systems sei, das ihnen angeblich Vorteile bringe. Was von außen wie ein Netzwerk aus Tätern und Helfern wirkt, war für viele von innen ein Geflecht aus Abhängigkeit, Angst und falschen Hoffnungen.
Der Fall Epstein ist deshalb mehr als die Geschichte eines reichen Mannes, der Verbrechen beging. Er zeigt, wie leicht verletzliche Menschen manipuliert werden können – und wie schnell Opfer in Rollen gedrängt werden, die sie selbst nie gewählt hätten. Das gilt nicht nur für diesen einen Fall. Weltweit werden zehntausende Kinder und junge Erwachsene auf ähnliche Weise ausgebeutet. Wer diese Realität bekämpfen will, muss zuerst begreifen, wie solche Systeme funktionieren. Und vor allem muss etwas geschehen, das lange nicht selbstverständlich war: Den Opfern glauben.
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gerade diese Mädchen aus prekären Verhältnissen fühlten sich vielleicht zum ersten Mal gewertschätzt. Viele hatten Missbrauch (nicht unbedingt sexuellen) und Vernachlässigung erfahren. Trotzdem sollten Opfer, die zu Tätern wurden, vor Gericht kommen, angehört werden, auch um weitere Täter und Opfer zu identifizieren. Das wird leider unter der jetzigen Regierung nicht passieren. Da werden lieber etwaige unliebsame Zeugen mundtot gemacht.
…dam ist nichts hinzuzufügen
Gestern Nacht wurden im ZDF Dokus zu Trump und Epstein gebracht.
In der Doku wurde berichtet, dass Epstein zu seinem Geburtstag 12 jährige Drillinge geschenkt bekam.
Diese hat er vergewaltigt und einen Tag später wieder ins Flugzeug gesetzt und heim fliegen lassen.
Nun habe ich im Netz mal gesucht was man dazu findet.
Ich fand nur diesen Bericht – vielleicht ist es in anderen Berichten auch erwähnt worden, aber nicht so explizit wie hier.
Hier wird auch darauf eingegangen wie es zu solchen Übergriffen kommen konnte.
Also indirekt auch Abhängigkeiten…
Sex-Sklaven aus Frankreich eingeflogen Epstein soll Geschwister (12) missbraucht habenJeffrey Epstein hat sich in der Zelle das Leben genommen und muss keine Konsequenzen für seine mutmasslichen Taten fürchten. Sein Kumpel Jean-Luc Brunel dagegen schon. Dieser soll Epstein als Geburtstagsgeschenk drei Geschwister (12) aus Frankreich eingeflogen haben.
Wie aus der Zivilklage von Virginia Giuffre (35) hervorgeht, soll der Freund des US-amerikanischen Multimillionärs und Model-Scout, Jean-Luc Brunel (72), Epstein zum Geburtstag einst drei zwölfjährige Geschwister aus Frankreich «geschenkt» haben.Demnach sollen die Drillinge als Überraschung extra eingeflogen worden sein, berichtet die «Daily Mail»
Guiffre, die eigenen Angaben zufolge 1999 im Alter von 15 Jahren selbst als Sexsklavin angeworben und im Alter von 17 Jahren dazu gezwungen wurde, mit Prinz Andrew Sex zu haben, gibt an, die Mädchen getroffen zu haben.
«Jeffrey gab vor mir damit an, dass er die Zwölfjährigen aus Frankreich eingeflogen bekommen hatte. Die Girls stammten aus einer sehr armen Familie, und die Eltern hatten Geld gebraucht», sagt die Frau.
Der frühere Investmentbanker hätte ihr dann erzählt, wie die Französinnen «ihn massierten und Oralsex an ihm ausführen mussten». Einen Tag nach dem Fest seien sie wieder nach Hause geflogen worden.
«Er war total happy über sein Geschenk und hat noch wochenlang geschwärmt, wie süss und jung sie waren. Er hat mir erzählt, wie Brunel sie in Paris mit grossen Summen Geld, Visa und dem Versprechen von Model-Karrieren von den Eltern loseisen konnte. Jeffrey hat darüber gelacht, wie einfach er mit Geld alles und jeden kaufen konnte.»
Giuffres Gerichtsdokumente stammen aus der Klage von 2015. Erst vor zwei Wochen erlaubte ein Gericht, dass die mehr als 2000 Seiten der Klageschrift publik gemacht werden dürfen
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.https://www.blick.ch/ausland/sex-sklaven-aus-frankreich-eingeflogen-epstein-bekam-drillinge-12-zum-geburtstag-geschenkt-id15475249.html
Über Jean-Luc Brunel haben wir hier im Magazin häufig berichtet und sind die wenigen, die das auch in Frankreich recherchiert haben. Nun zu den Fakten:
Die in der Doku erwähnte Geschichte über angebliche zwölfjährige Drillinge aus Frankreich, die Jeffrey Epstein zum Geburtstag „geschenkt“ worden seien, taucht tatsächlich in der öffentlichen Debatte rund um den Epstein-Komplex auf. Sie stammt jedoch nicht aus einem strafrechtlich bewiesenen Vorgang, sondern aus Aussagen in zivilrechtlichen Gerichtsunterlagen und aus Medienberichten, die sich auf diese Aussagen beziehen. Deshalb ist eine saubere Einordnung wichtig.
Der Ursprung der Geschichte liegt in eidesstattlichen Aussagen und Gerichtsunterlagen aus Zivilklagen, insbesondere im Umfeld der Klagen der Epstein-Überlebenden Virginia Giuffre. In verschiedenen Dokumenten schildert sie Begegnungen mit Mädchen aus Europa und beschreibt, dass der französische Modelagent Jean-Luc Brunel junge Mädchen aus armen Verhältnissen angeworben habe, oft mit Versprechen von Modelkarrieren oder Visa. Brunel war Gründer der Modelagentur MC2 Model Management und wurde über Jahre hinweg von mehreren Frauen beschuldigt, junge Models für Epstein rekrutiert zu haben.
In diesen Unterlagen wird auch eine Episode erwähnt, in der Epstein gegenüber Giuffre damit geprahlt haben soll, dass Brunel ihm sehr junge Mädchen aus Frankreich beschafft habe. Einige Boulevardmedien – insbesondere Daily Mail und ähnliche Portale – haben diese Passage später zugespitzt dargestellt und daraus die konkrete Geschichte von „zwölfjährigen Drillingen als Geburtstagsgeschenk“ formuliert. Genau diese zugespitzte Version wurde in manchen Artikeln verbreitet.
Wichtig ist jedoch: Diese Darstellung ist kein gerichtlich bestätigter Tatnachweis. Sie basiert auf Aussagen aus Zivilverfahren und auf Medieninterpretationen dieser Aussagen. Es gibt keine öffentliche strafrechtliche Anklage oder gerichtliche Feststellung, die exakt diesen Vorfall mit Drillingen bestätigt. Seriöse Medien berichten über solche Aussagen in der Regel vorsichtiger und ordnen sie als Behauptungen innerhalb von Klagen oder Zeugenaussagen ein.
Unbestritten ist dagegen der größere Kontext. Gegen Jean-Luc Brunel wurden in Frankreich Ermittlungen wegen Vergewaltigung, sexueller Gewalt und Menschenhandels geführt. Mehrere Frauen warfen ihm vor, minderjährige Models für Epstein rekrutiert zu haben. Brunel wurde 2020 in Paris festgenommen. Im Februar 2022 wurde er in seiner Gefängniszelle in La Santé tot aufgefunden. Die französischen Behörden stuften seinen Tod offiziell als Suizid ein. Ein Strafprozess gegen ihn fand deshalb nie statt.
Auch im Fall Epstein selbst blieb vieles ungeklärt. Epstein starb 2019 im Metropolitan Correctional Center in New York, ebenfalls offiziell durch Suizid, während er auf seinen Prozess wegen Sexhandels mit Minderjährigen wartete. Dadurch kam es nie zu einer vollständigen gerichtlichen Aufarbeitung seines gesamten Netzwerks.
Zusammengefasst: Die Geschichte mit den angeblichen zwölfjährigen Drillingen existiert in Form von Zeugenaussagen und Medienberichten, insbesondere aus Boulevardquellen. Sie ist Teil der Vorwürfe rund um Epstein und Brunel, aber nicht als gerichtlich bewiesener Sachverhalt bestätigt. Der belegte Hintergrund ist jedoch, dass Epstein über Jahre ein Netzwerk von Frauen und Mädchen aus verschiedenen Ländern missbrauchte und dass der Modelagent Jean-Luc Brunel laut mehreren Zeugenaussagen eine zentrale Rolle bei der Rekrutierung junger Models gespielt haben soll.
Danke für die ausführliche Einordnung und Info.
gerne
Das war und ist leider schon vor Epstein ein ganz großes Problem gewesen.
Minderjährige Migranten werden mit Versprechen abgefangen, bevor sie es zu offiziellen Einrichtungen schaffen.
Die Anwerber sind häufig selber Migranten, die „alles durchlaufen“ haben.
Sie wirken authentisch.
Im Pädophilen/Prostitutionsmilieu läuft es genau so.
Es braucht nicht einmal einen mächtigen Mann, wie Epstein.
Bei jungen Mädchen reicht meist ein junger Typ, der sie umschmeichelt.
Oder eine Frau mittleren Alters, die „Hilfe“ anbietet.
Bei jungen Jungen kommen junge Männer zum Einsatz.
Freiwillig gehen kann man aus solch kontrollierter Missbrauchssituation nur selten.
Die Realität besteht aus abgeschlossenen Zimmern, steten Häuserwechseln.
Vielleicht hatte einige der Epstein Opfer die Option freiwillig zu gehen.
Sie kehrten zum Teil zurück. Klassisches Stockholm-Syndrom.😞
Täter die Opfer waren, müssen auch eine Strafe erhalten.
Alleine aus Gerechtigkeit gegenüber deren Opfern.
Aber der eigene Missbrauch muss ebenfalls Thema sein!
Unter der Trump Regierung wird alles getan das zu vertuschen, Opfer zum Schweigen zu bringen.
Missbrauch im realen Leben als Kavaliersdelikt darzustellen.🤬
👍