Raketen über den Meeren – Krieg im Nahen Osten erreicht neue Eskalationsstufe

VonRainer Hofmann

März 4, 2026

Der Krieg gegen Iran hat eine neue Phase erreicht. Während amerikanische und israelische Streitkräfte weiterhin Ziele im Land angreifen, breitet sich der Konflikt inzwischen über mehrere Staaten aus. Raketen schlagen ein, Drohnen werden abgefangen, Diplomaten und Zivilisten verlassen die Region. Die militärische Operation wächst – und mit ihr die Gefahr, dass der gesamte Nahe Osten hineingezogen wird. Die Vereinigten Staaten erlaubten am Mittwoch nicht dringend benötigtem Regierungspersonal und Familienangehörigen die Ausreise aus Saudi-Arabien. Auch aus Oman dürfen amerikanische Regierungsmitarbeiter und ihre Familien das Land verlassen, wenn sie es wünschen. Der Schritt folgt auf mehrere Angriffe Irans in der Region. Die amerikanische Botschaft in Saudi-Arabien war bereits Ziel eines Angriffs geworden. Washington versucht, Personal zu reduzieren, während sich der Konflikt ausweitet.

Massive Angriffe gegen Teheran

Gleichzeitig zeigen neue Informationen, wie verwundbar amerikanische Einrichtungen geworden sind. Sechs US-Soldaten starben bei einem iranischen Drohnenangriff auf ein Operationszentrum im Hafen von Shuaiba in Kuwait. Der Standort lag mehr als 16 Kilometer von der Hauptbasis der US-Armee entfernt. Satellitenbilder zeigen ein zerstörtes Gebäude, aus dem schwarzer Rauch aufsteigt. Das Zentrum bestand aus einem Containergebäude ohne nennenswerte Verteidigung. Joey Amor, der Ehemann der getöteten Sergeant First Class Nicole M. Amor, sagte, die Soldaten seien dorthin verlegt worden, weil man kleinere Gruppen für sicherer hielt als große Basen. Zwei Stunden vor ihrem Tod hatte er noch Nachrichten mit seiner Frau ausgetauscht. Das Pentagon bestätigte inzwischen vier der sechs Opfer. Getötet wurden Captain Cody A. Khork aus Florida, Sergeant First Class Noah L. Tietjens aus Nebraska, Sergeant First Class Nicole M. Amor aus Minnesota und Sergeant Declan J. Coady aus Iowa. Alle gehörten dem 103rd Sustainment Command der Army Reserve an. Der Angriff erfolgte einen Tag nach Beginn der amerikanisch-israelischen Militärkampagne gegen Iran.

Der militärische Umfang der Operation ist inzwischen gewaltig. Admiral Brad Cooper, Kommandeur des US-Central Command, erklärte, amerikanische Streitkräfte hätten seit Beginn der Operation fast 2000 Ziele im Iran getroffen. Die Angriffe hätten die iranische Luftverteidigung stark beschädigt und Hunderte Raketen, Abschussrampen und Drohnen zerstört. Mehr als 50.000 Soldaten sind im Einsatz, unterstützt von rund 200 Kampfflugzeugen, zwei Flugzeugträgern und strategischen Bombern. Cooper sagte in einer Videobotschaft: Wir haben gerade erst begonnen. Iran reagiert mit massiven Gegenangriffen. Nach Angaben der US-Militärführung wurden mehr als 500 ballistische Raketen und über 2000 Drohnen gestartet. Israel meldete mehrere Raketenangriffe auf den Norden des Landes, die größtenteils abgefangen wurden. Auch Katar wurde Ziel eines iranischen Angriffs. Zwei ballistische Raketen wurden abgefeuert, eine schlug auf der Al-Udeid-Basis ein, verursachte aber keine Opfer.

Die Auswirkungen treffen inzwischen auch Zivilisten in mehreren Ländern. In Kuwait City starb ein elfjähriges Mädchen, nachdem bei einem Abfangmanöver Trümmerteile auf ein Wohnhaus gefallen waren. Ihre Mutter und drei weitere Familienmitglieder wurden verletzt. Saudi-Arabien meldete, seine Luftverteidigung habe neun Drohnen abgeschossen. Die Vereinigten Arabischen Emirate erklärten, seit Beginn des Krieges mehr als tausend iranische Drohnen und Raketen abgefangen zu haben. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums schlugen 57 Drohnen tatsächlich auf emiratischem Gebiet ein, während von 186 ballistischen Raketen nur eine ihr Ziel traf.

Auch die Seewege geraten zunehmend unter Druck. Ein Handelsschiff wurde im Golf von Oman nahe der Küste der Emirate von einem Geschoss getroffen. Der Angriff beschädigte die Stahlhülle des Schiffes, Opfer gab es nicht. Das britische maritime Sicherheitszentrum bestätigte den Vorfall. Der Krieg erreicht zugleich immer neue Schauplätze. In Teheran berichtete das Staatsfernsehen von schweren Explosionen im Morgengrauen. Israel erklärte, seine Luftabwehr sei wegen iranischer Raketen aktiviert worden. In der libanesischen Stadt Baalbek wurden bei einem israelischen Angriff auf einen Wohnkomplex mindestens vier Menschen getötet und sechs weitere verletzt.

Auch innerhalb Irans greifen israelische Streitkräfte weiter an. Militärsprecher Effie Defrin erklärte, ein Gebäude in der Stadt Qom sei getroffen worden, in dem Geistliche zusammenkommen sollten, um über die Wahl eines neuen Obersten Führers zu beraten. Während die militärische Eskalation weitergeht, wächst die politische Unsicherheit in Washington. Der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, sagte nach einer geheimen Unterrichtung des Kongresses, niemand könne derzeit vorhersagen, wie der Konflikt ausgehen werde. Die Vereinigten Staaten hätten nicht die Aufgabe, im Iran eine neue Staatsordnung aufzubauen. Es liege an den Iranern selbst, ihre Zukunft zu bestimmen.

Auch im Senat gibt es Kritik. Der demokratische Senator Tim Kaine sieht ein beunruhigendes Muster. Die Regierung beginne militärische Operationen, ohne den Kongress einzubeziehen. Kaine erklärte, die Regierung habe wiederholt Angriffe gestartet, ohne vorher eine Genehmigung einzuholen, und anschließend nur geheime Briefings abgehalten, über die Abgeordnete öffentlich kaum sprechen dürfen. Außenminister Marco Rubio verteidigte die Entscheidung zum Angriff. Präsident Trump habe gehandelt, weil sich eine einmalige Gelegenheit geboten habe. Die Vereinigten Staaten hätten nicht riskieren wollen, zuerst angegriffen zu werden. Rubio erklärte außerdem, die Regierung werde alles tun, um amerikanische Bürger aus der Region zu evakuieren. Schätzungen zufolge befinden sich rund 1500 Amerikaner in besonders gefährdeten Gebieten.

Die Auswirkungen reichen weit über die unmittelbaren Kriegsgebiete hinaus. In Gaza verfolgen Palästinenser den Konflikt mit wachsender Sorge. Viele befürchten, dass Grenzübergänge erneut geschlossen werden könnten und sich die Versorgungslage weiter verschlechtert. Bewohner eines Zeltlagers in Khan Younis sagten, sie hätten genug von Kriegen und fürchteten, dass Lebensmittel und Wasser bald noch schwerer zu bekommen sein werden. Auch die internationale Gemeinschaft warnt vor den Folgen. UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher erklärte, der Konflikt treffe Zivilisten in fast einem Dutzend Staaten der Region. Angriffe hätten bereits Wohnhäuser, Krankenhäuser und Schulen getroffen. Betroffen seien Iran, Libanon, Syrien, die palästinensischen Gebiete, Israel, die Emirate, Bahrain, Katar, Kuwait und Saudi-Arabien.

Die militärischen Operationen laufen weiter. Diplomaten werden ausgeflogen, Schiffe werden getroffen, Raketen werden abgefangen. Der Konflikt hat längst die Grenzen eines einzelnen Krieges überschritten. Was als Angriff auf Iran begann, entwickelt sich zu einer regionalen Konfrontation, deren Ende niemand vorhersagen kann.

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