Der Tag, an dem die Ordnung zerbrach – der offene Krieg im Nahen Osten

VonRainer Hofmann

März 1, 2026

Ajatollah Ali Chamenei ist tot. Getötet bei einem gezielten israelischen Luftangriff auf seinen Führungskomplex im Zentrum von Teheran. Präsident Donald Trump verkündete seinen Tod in der Nacht über soziale Medien. Kurz darauf bestätigte das israelische Militär die „präzise groß angelegte Operation“. Was jahrzehntelang undenkbar schien, ist eingetreten: Der oberste Führer der Islamischen Republik, 86 Jahre alt, mehr als drei Jahrzehnte im Amt, wurde durch einen militärischen Schlag ausgeschaltet. Die Folgen entladen sich seitdem im Stundentakt.

Iran feuerte am Sonntag Wellen von ballistischen Raketen und Drohnen auf Israel sowie auf amerikanische Verbündete im Persischen Golf. In Tel Aviv wurde eine Frau getötet, nachdem eine iranische Rakete die Luftabwehr durchbrach und ein Wohngebäude im Stadtzentrum traf. Mehr als zwanzig Menschen wurden verletzt. Sirenen heulten landesweit, Menschen suchten Schutzräume auf. Selbst Jerusalem meldete erstmals Drohnenalarm. Auch die Golfstaaten blieben nicht verschont. In Bahrain, Sitz der 5. US-Flotte, wurden Dutzende Raketen und Drohnen abgefangen. Ein Hotel in Manama wurde beschädigt. In Dubai schlugen Trümmer abgeschossener Drohnen in Wohnhöfen ein, mehrere Menschen wurden verletzt. In Abu Dhabi trafen herabfallende Teile die Fassade der Etihad Towers, wo sich die israelische Botschaft befindet. In Katar wurden 18 ballistische Raketen abgefangen, mindestens 16 Menschen verletzt. In Kuwait traf eine Drohne den Flughafen. Oman, das noch vor Tagen zwischen Washington und Teheran vermitteln wollte, meldete Angriffe auf den Hafen von Duqm. Selbst ein Öltanker nahe der Straße von Hormus wurde getroffen, seine Besatzung evakuiert.

Die Straße von Hormus ist faktisch blockiert. Reedereien meiden die Passage, durch die normalerweise rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung fließt. Großflughäfen wie Dubai International stellten den Betrieb zeitweise ein. Der Luftraum über weiten Teilen der Region ist geschlossen. Öl könnte beim Handelsstart deutlich steigen. Analysten sprechen von fünf bis zehn Dollar Aufschlag pro Barrel, manche halten wieder dreistellige Preise für möglich. OPEC Plus kündigte zwar eine Fördererhöhung um 206.000 Barrel pro Tag ab April an, doch gemessen an über 100 Millionen Barrel globaler Tagesproduktion bleibt das ein begrenzter Puffer.

In Teheran selbst steigen graue Rauchwolken auf. Das israelische Militär spricht davon, weiterhin „das Herz von Teheran“ zu bombardieren. Mehr als 200 Menschen sollen im Iran seit Beginn der Angriffe getötet worden sein. Die Menschenrechtsorganisation HRANA nennt mindestens 133 zivile Tote und 200 Verletzte, Zahlen, die sich bislang nicht unabhängig überprüfen lassen. Gleichzeitig kursieren Berichte über getötete Kinder an einer Mädchenschule nahe einer Marinebasis.

Neben Chamenei wurden mehrere führende Funktionäre bestätigt getötet: General Mohammad Pakpour, Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden. Verteidigungsminister Aziz Nasirzadeh. Generalstabschef Sayyid Abdolrahim Mousavi. Admiral Ali Shamkhani, enger Berater Chameneis und Leiter eines neu geschaffenen Nationalen Verteidigungsrats. Damit wurde nicht nur ein Staatsoberhaupt getroffen, sondern ein erheblicher Teil der militärischen Führung. Ali Larijani, Irans oberster Sicherheitsfunktionär, erklärte, ein Übergangsrat werde die Führung übernehmen, bis die Expertenversammlung einen neuen obersten Führer bestimmt. Präsident, Justizchef und ein Mitglied des Wächterrats sollen vorübergehend regieren. Larijani kündigte Vergeltung an „mit einer Kraft, die sie noch nie erlebt haben“. Gleichzeitig versuchte die Führung, Kontinuität zu demonstrieren. Massenkundgebungen in Teheran und Isfahan zeigten trauernde Anhänger, während aus Shiraz Videos von jubelnden Menschen kursierten, die hupend den Tod des Ajatollahs feierten.

Viele Menschen der iranische Bevölkerung feierten auf den Straßen von Teheran

Die andere Seite: „Als Trauernde zusammenkamen, um Ajatollah Chamenei zu betrauern, riefen sie ‚Allahu Akbar‘, als sie das Geräusch einer Explosion hörten.“

International verschärfen sich die Fronten. Wladimir Putin sprach von einer „zynischen Verletzung aller Normen des internationalen Rechts“ und würdigte Chamenei als Staatsmann, der die russisch-iranische Partnerschaft gestärkt habe. Die Meinung Putins, der das Völkerrecht mit Füßen tritt, ist jedoch überflüssig. Jeder kann darauf verzichten. China verurteilte die Tötung als schwere Verletzung der iranischen Souveränität. Kaja Kallas, EU-Außenbeauftragte, nannte das Ereignis einen Wendepunkt und sprach von einer möglichen Öffnung für ein anderes Iran. Großbritanniens Verteidigungsminister John Healey erklärte, niemand werde Chamenei nachtrauern, forderte aber eine rechtliche Begründung für das Vorgehen.

Die CIA spielte offenbar eine zentrale Rolle bei der Zielidentifizierung. Nach Angaben von mit der Operation vertrauten Personen hatte sie über Monate Chameneis Aufenthaltsorte und Bewegungsmuster analysiert und schließlich eine Zusammenkunft der Führungsspitze lokalisiert. Als klar war, dass der oberste Führer persönlich anwesend sein würde, erfolgte der Schlag. Israels Verteidigungsminister Israel Katz spricht von einem Wendepunkt und davon, Bedingungen für einen Regierungswechsel zu schaffen. Das israelische Militär beziffert Irans Arsenal zu Beginn des Konflikts auf rund 2.500 Boden-Boden-Raketen. Präsident Trump kündigte an, die Angriffe würden „die ganze Woche oder so lange wie nötig“ fortgesetzt, um „Frieden im Nahen Osten und in der Welt“ zu erreichen.

Doch während die politischen Erklärungen noch formuliert werden, steigen die Opferzahlen weiter. In Beit Shemesh, westlich von Jerusalem, meldete der israelische Rettungsdienst sechs Tote nach einem iranischen Raketenangriff – das bislang schwerste Ereignis auf israelischer Seite seit Beginn der Kämpfe. Vier Menschen schweben in Lebensgefahr, Dutzende weitere wurden verletzt. In Kuwait berichtete das Verteidigungsministerium von 97 ballistischen Raketen und 283 Drohnen, die auf das Land abgefeuert wurden. Ein Mensch kam dort ums Leben, mehr als 30 wurden verletzt. Das US-Außenministerium wies Diplomaten in mehreren Ländern an, Schutz zu suchen, und forderte auch amerikanische Staatsbürger in der Region auf, sich in Sicherheit zu bringen. Ägyptens Präsident Abdel-Fattah el-Sissi warnte in einem Gespräch mit Omans Sultan Haitham bin Tariq vor einem Abgleiten des Nahen Ostens ins Chaos und rief zu Dialog und politischen Lösungen auf.

Doch was sich gerade abzeichnet, ist kein schneller Sieg. Es ist ein offener Konflikt mit unklarem Ende. Die Golfstaaten, die ihr Wirtschaftsmodell auf Stabilität und Sicherheit aufgebaut haben, erleben Raketen über ihren Skylines. In Pakistan starben acht Demonstranten bei einem Sturm auf das US-Konsulat in Karachi. In Kaschmir gingen Tausende auf die Straße. Der Konflikt strahlt weit über Teheran und Tel Aviv hinaus. Mit dem Tod Ali Chameneis ist eine Epoche beendet. Ob damit ein neues Kapitel beginnt oder eine lange Phase der Eskalation, weiß niemand. Sicher ist nur: Die Schwelle wurde überschritten. Und sie lässt sich nicht einfach wieder herstellen.

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Ela Gatto
Ela Gatto
9 Stunden zuvor

Man könnte auch sagen, Trump hat die Büchse der Pandora geöffnet.

Wie sich der Konflikt auf (derzeit noch?) Verbündete in der arabischen Welt auswirkt, kann Niemand vorher sehen.

Jeder hat eigene Interessen.
Wirtschaftlich, Religiös und Sicherheit.

Wenn dieser Krieg weiter um sich greift und Bürger der Anreiner getötet oder verletzt werden, kann sich das Blatt schneller wenden, als gedacht.
Durch US Basen stehen viele Anreiner auf der Zielliste des Iran.

Zu wem werden die Anreiner stehen?
Zu Israel (einem „Dauerfeind“) und den USA (nicht beliebt in der islamischen Welt)?
Oder dann doch zu den arabischen Ländern?

Was passiert, wenn Trump einen NATO Fall deklariert, wenn Menschen in US Konsulaten sterben?

Sonja Gang
Sonja Gang
6 Stunden zuvor

Die Amis sind immer wieder gut im Erschaffen von Unordnung.

Statt aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen – und hier gerade im Gebiet: Iran, Irak, Afghanistan, Pakistan, mischen sich die USA mal wieder ein.
Schmeißen Bomben, töten wer ihnen im Weg steht. Richten Chaos an – und haben dann keine Lösung wenn es nicht so läuft wie sie dachten.

Genau durch dieses Vorgehen ist der Zustand entstanden, den wir als Chaos und ständiger Konflikte sehen.
Ländergrenzen wurden willkürlich gezogen, Völker und Völkerstämme zerrissen – das schaffte böses Blut und wirkt bis heute nach.

Oder, wie Falle Husseins:
Hier sind die wichtigsten Punkte zum Verhältnis zwischen Saddam Hussein und den USA:

  • Unterstützung beim Machtaufbau (1960er/70er): CIA-Unterlagen und Berichte deuten darauf hin, dass die USA in den 1960er Jahren den Baathisten halfen, an die Macht zu kommen. Ziel war es, die als kommunistenfreundlich geltende Regierung unter Abd al-Karim Qasim zu beseitigen. Es gibt Berichte, dass Saddam Hussein bereits 1959 an einem von der CIA unterstützten Attentat auf Qasim beteiligt war.
  • Waffen und Geheimdienstinfos (1980er): Während des Iran-Irak-Krieges (1980–1988) unterstützten die USA das Regime von Saddam Hussein massiv mit wirtschaftlicher Hilfe, Aufklärungsinformationen (Satellitenbilder) und militärischer Ausrüstung, um einen Sieg des Iran zu verhindern.
  • Wissen um Chemiewaffen: US-Regierungen wussten, dass Saddam Hussein Chemiewaffen gegen iranische Truppen und die eigene Bevölkerung (Kurden) einsetzte, lieferten jedoch weiterhin Informationen und „dual-use“-Technologie.
  • Wandel der Beziehung: Das Verhältnis änderte sich drastisch mit der irakischen Invasion in Kuwait 1990. Aus dem „Partner“ wurde ein Feind, was 1991 zum Golfkrieg und 2003 zum Sturz Saddams durch die USA führte. 

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die USA haben den Weg für Saddams Baath-Partei geebnet und ihn später in seinem Krieg gegen den Iran massiv gestützt, um eigene geostrategische Interessen (Realpolitik) zu verfolgen, was ihn als Diktator festigte

Und Jahre später dann die Kehrtwende – weil der USA ihre Marionette nicht mehr passte:
Saddam Hussein, der ehemalige irakische Diktator, wurde am 30. Dezember 2006 durch den Strang hingerichtet, nachdem er von einem irakischen Sondergericht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt worden war. Er wurde zuvor am 13. Dezember 2003 von US-Soldaten gefasst, nachdem er sich nach dem Einmarsch der USA im März 2003 versteckt hatte. 

Wichtige Details:

  • Gefangennahme: US-Spezialkräfte fanden Hussein am 13. Dezember 2003 in einem Erdloch in der Nähe von Tikrit.
  • Prozess und Urteil: Nach seiner Festnahme wurde er der irakischen Justiz übergeben. Der Prozess begann 2004 und endete mit einem Todesurteil.
  • Hinrichtung: Die Hinrichtung fand am 30. Dezember 2006 statt.
  • Hintergrund: Die USA führten 2003 den Irakkrieg, um das Regime von Saddam Hussein zu stürzen, basierend auf der (später nicht bestätigten) Annahme von Massenvernichtungswaffen. 

Zuvor, im Jahr 2003, wurden bereits seine Söhne Udai und Qusai bei einem Gefecht mit US-Soldaten getötet.

…… zum „Vergleich“ – über Russland regen wir aber auf!
Warum verurteilen wir die USA nicht?
Weil wir meinten die USA sein ein Freund? Die USA seinen freundlicher als ein Russland?
Weil wir meinten, die USA achten Menschenrechte? Sind modern und agieren sozial?

Wie geschrieben: Es soll nur ein anschauliches Beispiel sein – und zum Nachdenken anregen. Bewerten muss es jeder für sich.

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