Wenn die Macht kippt – im Weißen Haus beginnt die Vorbereitung auf den Tag danach

VonRainer Hofmann

Mai 5, 2026

Im Weißen Haus laufen seit Wochen interne Briefings, die nach außen kaum sichtbar sind, aber eine klare Richtung zeigen. Die Rechtsabteilung bereitet politische Mitarbeiter darauf vor, wie sie mit parlamentarischer Kontrolle umgehen müssen. Nicht theoretisch, sondern konkret. Präsentationen erklären, wie Aufsicht durch den Kongress funktioniert, welche Rechte Abgeordnete haben und wie auf Anfragen reagiert werden soll. Die Botschaft ist eindeutig. Schreiben wird riskanter. Formulierungen werden vorsichtiger. Jede Notiz kann später Teil einer Untersuchung werden.

Die Schulungen dauern etwa dreißig Minuten, wirken aber weit über diesen Rahmen hinaus. Mitarbeiter werden angehalten, genau zu überlegen, was sie festhalten und wie sie es festhalten. Antworten auf Anfragen aus dem Kongress sollen zügig erfolgen, gleichzeitig präzise und abgesichert. Es geht nicht um Routine, sondern um Vorbereitung auf eine Situation, die im Weißen Haus als realistisch eingeschätzt wird.

Hintergrund ist die wachsende Erwartung, dass die Republikaner bei den Zwischenwahlen im November mindestens eine Kammer verlieren könnten. Innerhalb der Regierung wird dieses Szenario offen diskutiert. Ein Teilnehmer beschreibt die Gespräche als nüchtern, ohne Beschönigung. Die Möglichkeit eines Machtwechsels ist nicht entscheidend, sondern Teil der Planung.

Offiziell wird das anders dargestellt. Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses erklärt, solche Hinweise gebe es seit Beginn der Amtszeit und sie seien nichts Besonderes. Doch der Ton hat sich verändert. Die aktuellen Briefings stehen klar im Kontext der bevorstehenden Wahlen und der Frage, was danach passiert. Die Gründe dafür sind sichtbar. Die Zustimmung für Donald Trump sinkt täglich, belastet durch wirtschaftliche Folgen des Iran-Krieges und andere politische Konflikte. Umfragen zeigen einen Vorsprung der Demokraten bei den Kongresswahlen, der zuletzt gewachsen ist. Fünf Punkte liegen sie vorne, nachdem es zuvor nur zwei waren.

Auf Trump können unruhige Zeiten zukommen

Im Weißen Haus erinnert man sich genau an die erste Amtszeit. Vorladungen, Anhörungen, Ermittlungen gehörten zum Alltag. Viele Mitarbeiter sehen darin bis heute eine ungerechtfertigte Kampagne. Gleichzeitig werden auf demokratischer Seite neue Forderungen laut. Nach Trumps Drohung, die iranische Zivilisation auszulöschen, wird erneut über ein Amtsenthebungsverfahren gesprochen. Donald Trump selbst spricht offen über die Gefahr. Bei öffentlichen Auftritten sagt er, dass die Partei im Amt die Zwischenwahlen selten gewinnt. Er verbindet das direkt mit seiner eigenen Zukunft. Wenn die Republikaner verlieren, werde man einen Grund finden, ihn anzuklagen. Diese Einschätzung äußert er nicht hinter verschlossenen Türen, sondern öffentlich.

Damit entsteht eine Situation, in der Regierungshandeln und Wahlkampf ineinander greifen. Auf der einen Seite werden politische Entscheidungen getroffen, auf der anderen Seite bereitet man sich bereits auf mögliche Ermittlungen vor. Die Schulungen im Weißen Haus sind kein Routineprogramm. Sie sind ein Zeichen dafür, dass man sich auf eine Phase einstellt, in der jede Entscheidung überprüft und jede Handlung hinterfragt werden kann. Der Druck auf die Regierung wächst.

Was nach außen wie Routine wirkt, ist in Wahrheit Vorbereitung auf politischen Druck. Die Regierung richtet sich darauf ein, dass sich die Machtverhältnisse austauschen könnten. Und dass damit eine neue Phase beginnt, in der nicht mehr nur entschieden wird, sondern in der Entscheidungen selbst zum Gegenstand von Verfahren werden.

Fortsetzung folgt …

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