Robert Mueller ist tot – und Trump sagt, er sei froh darüber. Doch wer war Mueller eigentlich?

VonRainer Hofmann

März 22, 2026

Robert Swan Mueller III wurde am 7. August 1944 in Manhattan geboren, wuchs auf der Main Line von Philadelphia auf, ging nach Princeton, nach Vietnam, nach Quantico, nach Washington. Er starb am Freitagabend, 81 Jahre alt, an den Folgen von Parkinson, das ihm 2021 diagnostiziert worden war. Seine Frau Ann, seit 1966 an seiner Seite, und seine zwei Töchter baten um Privatsphäre. Donald Trump schrieb auf Truth Social: „Robert Mueller ist gerade gestorben. Gut, ich bin froh, dass er tot ist. Er kann unschuldige Menschen nicht länger verletzen.“

Man hält inne. Nicht aus Überraschung — sondern weil selbst wer Trump kennt, einen Moment braucht, um diesen Satz zu verdauen.

Siehe auch unseren Artikel: „Gut, ich bin froh, dass er tot ist“ – ein Präsident, der endgültig entgleist

Mueller war kein Mann, der viel redete. Er war einer, der handelte — und schwieg, wenn andere gebrüllt hätten.

Als er 1968 nach Vietnam ging, tat er es, weil ein enger Freund und Lacrosse-Mannschaftskamerad aus Princeton dort gefallen war. Er meldete sich freiwillig, führte einen Infanteriezug, verdiente sich den Bronze Star, weil er unter feindlichem Feuer einen verwundeten Soldaten in Sicherheit brachte. Vier Monate später traf ihn eine Kugel ins Oberschenkel. Er kehrte drei Wochen später zu seinem Zug zurück. Dann ließ ihn seine Frau Ann, die ihn auf Hawaii während eines Heimaturlaubs traf, überzeugen, dass das Recht ein sinnvollerer Weg sei als der Krieg. Er hörte auf sie.

Er studierte Jura an der University of Virginia, wurde Bundesstaatsanwalt, stieg auf, wurde Leiter der Strafrechtsabteilung im Justizministerium, und machte dann 1995 etwas, das seine Kollegen verblüffte: Er rief Eric Holder an, damals Chefankläger in Washington, und fragte, ob er einen Mörder-Staatsanwalt gebrauchen könne. Holder sagte, er sei leicht überqualifiziert. Mueller fragte, wann er anfangen könne.

Drei Jahre lang arbeitete er in Washington als Mordermittler senkte die Mordrate mit, tröstete Hinterbliebene — und nahm sein eigenes Telefon ab: „Mueller, Morddezernat.“

Am 4. September 2001 wurde Mueller zum sechsten FBI-Direktor ernannt. Eine Woche später fielen die Türme.

George W. Bush, Robert Mueller

Erklärung von Präsident George W. Bush zum Tod von Robert Mueller:

„Laura und ich sind zutiefst traurig über den Verlust von Robert Mueller. Bob hat sein Leben dem öffentlichen Dienst gewidmet. Als Marine in Vietnam zeigte er, dass er für schwierige Aufgaben bereit war. Er erhielt einen Bronze Star und ein Purple Heart, bevor er nach Hause zurückkehrte, um Jura zu studieren. Im Jahr 2001, nur eine Woche nach seinem Amtsantritt als sechster Direktor des FBI, richtete Bob die Aufgabe der Behörde nach dem 11. September auf den Schutz der Heimat aus. Er führte die Behörde effektiv und trug dazu bei, einen weiteren Terroranschlag auf US-Boden zu verhindern. Laura und ich sprechen seiner Ehefrau Ann, mit der er fast 60 Jahre verheiratet war, sowie der Familie Mueller unser tief empfundenes Beileid aus.“

George W. Bush fragte ihn täglich beim Morgenbriefing, was das FBI tue, um den nächsten Angriff zu verhindern. Mueller übernahm eine Behörde, die nach Aussage der 9/11-Kommission „immer wieder und immer wieder versagt“ hatte — zusammengebrochene Befehlsketten, abstürzende Computer, ungelesene Abhörprotokolle mangels Übersetzer. Mueller baute das FBI um, von einer Strafverfolgungsbehörde zu einem Nachrichtendienst des 21. Jahrhunderts. Und als die CIA nach dem 11. September geheime Gefangenenlager einrichtete, in denen Terrorverdächtige verhört und gefoltert wurden, waren es Muellers Agenten, die die Missstände meldeten. Im Oktober 2002 eröffneten FBI-Agenten in Guantánamo eine Akte, die sie später mit „Kriegsverbrechen“ beschrifteten.

Dann kam der Moment, der Mueller am meisten definiert — und der kaum jemand kennt.

Anfang 2004 stellte Mueller gemeinsam mit seinem Vorgesetzten, dem stellvertretenden Generalstaatsanwalt James Comey, fest, dass Präsident Bush die NSA angewiesen hatte, Amerikaner ohne richterliche Genehmigung abzuhören. Das Programm hieß Stellarwind, war hochgeheim, und hatte nach Muellers Erkenntnissen nie ein Leben gerettet, nie einen Al-Qaida-Angehörigen in den USA aufgedeckt. Vor allem aber verstieß es gegen die Verfassung. Mueller machte sich Notizen. Er schrieb auf, dass der Präsident „versucht, das Gesetz zu umgehen.“ Um 1:30 Uhr morgens am 12. März 2004 setzte er sich an seinen Küchentisch und schrieb einen Rücktrittsbrief. Am nächsten Morgen saß er mit diesem Brief in der Brusttasche allein mit George W. Bush im Weißen Haus.

Bush dachte an die Saturday Night Massacre von 1973, als Nixon seinen Generalstaatsanwalt und dessen Stellvertreter zwang zurückzutreten, um seine Watergate-Tonbänder zu schützen — eine verzweifelte Aktion, die letztlich seine Präsidentschaft zerstörte. Bush gab nach. Das Programm wurde auf eine rechtliche Grundlage gestellt. Mueller sprach nie öffentlich darüber.

Robert Mueller, Barack Obama

Er leitete das FBI zwölf Jahre lang — länger als jeder Direktor nach J. Edgar Hoover. Barack Obama bat ihn 2011, zwei weitere Jahre zu bleiben. Der Kongress stimmte zu. Als Mueller im Juni 2013 abtrat, sagte Obama, unzählige Amerikaner seien heute am Leben, weil das FBI unter Muellers Führung Al-Qaida-Zellen zerschlagen habe.

Mueller glaubte, damit sei sein öffentliches Leben zu Ende.

Am 17. Mai 2017, acht Tage nachdem Trump FBI-Direktor Comey entlassen hatte — wegen der Russland-Ermittlung, wie Trump selbst dem russischen Außenminister und dem russischen Botschafter im Oval Office erklärte —, wurde Mueller zum Sonderermittler ernannt.

Als Trump davon erfuhr, soll er gesagt haben: „Oh Gott. Das ist schrecklich. Das ist das Ende meiner Präsidentschaft.“ Er wusste, schrieb Mueller später, dass eine gründliche FBI-Untersuchung Fakten über seinen Wahlkampf und ihn persönlich zutage fördern würde, die der Präsident als Verbrechen hätte verstehen können.

Muellers Team arbeitete fast zwei Jahre. Es klagte russische Geheimdienstoffiziere und die Führungsstruktur der Internet Research Agency in St. Petersburg an, jener Trollfabrik, die 2016 eine Desinformationskampagne im Auftrag des Kremls geführt hatte. Es schickte Paul Manafort, Trumps ersten Wahlkampfleiter, wegen Betrugs ins Gefängnis. Es holte ein Schuldbekenntnis von Michael Flynn, Trumps erstem Nationalen Sicherheitsberater. Es verurteilte Roger Stone, einen der ältesten politischen Berater Trumps, wegen Lügens gegenüber Ermittlern.

Dann kam die entscheidende Frage: Justizbehinderung durch den Präsidenten.

Mueller zögerte. Er ließ sich von Trumps Anwälten auf schriftliche Fragen beschränken, verzichtete auf eine Vorladung zur eidesstattlichen Aussage. Als Trumps Antworten am 20. November 2018 eintrafen, berief Trump sich bei fast jeder entscheidenden Frage auf Gedächtnisversagen. Mueller gab nach — wieder.

Der 448-seitige Abschlussbericht ging am 22. März 2019 an Generalstaatsanwalt William Barr, Muellers langjährigen Kollegen und Familienfreund. Barr hielt den Bericht 25 Tage unter Verschluss und verkündete öffentlich, Mueller habe keine ausreichenden Beweise für Justizbehinderung gefunden. Trump rief aus, er sei „vollständig entlastet.“

Mueller schrieb Barr einen wütenden Brief. Er sprach von „öffentlicher Verwirrung über wesentliche Aspekte der Ergebnisse unserer Untersuchung.“ Öffentlich schwieg er trotzdem — bis Trump im Juli 2020 Roger Stones Gefängnisstrafe aussetzte. Da schrieb Mueller einen Gastkommentar in der Washington Post und erklärte, dass jede Entscheidung in dem Fall allein auf Fakten und Recht beruht habe. „Gegenteilige Behauptungen sind falsch.“

Im Dezember 2020 begnadigte Trump Manafort und Stone. Im Oktober desselben Jahres bereits Flynn. Alle drei spielten später eine Rolle bei der Mobilisierung jener Menge, die am 6. Januar 2021 das Kapitol stürmte.

Der frühere juristische Berater im Weißen Haus unter Trump, Ty Cobb, kritisiert Trumps „beschämenden“ und „verachtenswerten“ Beitrag zum Tod von Robert Mueller:

„Er ist ein dementer Narzisst. Er hasst ernsthaft jeden, der sich ihm entgegenstellt, hat das Justizministerium zu einer Rachemaschine umgebaut und regiert das Land auf sehr autoritäre Weise – mit Unterstützung eines feigen Kabinetts und noch feigerer Republikaner im Kongress.“

Im Juli 2024 entschied der Oberste Gerichtshof mit sechs zu drei Stimmen, dass Präsidenten für Handlungen im Rahmen ihrer Amtsgewalt nicht strafrechtlich verfolgt werden können. Richterin Sonia Sotomayor schrieb in ihrer Gegenmeinung: „Der Präsident ist nun ein König über dem Gesetz.“

Mit Trumps Wiederwahl 2024 wurden alle laufenden Strafverfahren eingestellt.

Mueller hatte in einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte 2020 gesagt, es komme nicht darauf an, auf welche Art man diene. „Das Einzige, worum wir bitten, ist, dass man für sein Land und seine Gemeinschaft arbeitet.“

Er hat das getan. Über fünf Jahrzehnte, unter vier Präsidenten, in Vietnam, in Washington, in Morddezernaten und Sonderkanzleien, mit einem Rücktrittsbrief in der Brusttasche, der nie abgeschickt werden musste — weil er nicht abgeschickt werden musste.

Am Freitagabend ist er gestorben. Und Trump schrieb: „Robert Mueller ist gerade gestorben. Gut, ich bin froh, dass er tot ist. Er kann unschuldige Menschen nicht länger verletzen.“

Senator Mark Warner aus Virginia, führender Demokrat im Geheimdienstausschuss des Senats, schrieb, Mueller habe sein Leben dem Dienst gewidmet und tief an die Rechtsstaatlichkeit geglaubt. Das ist das eine Amerika.

Das andere Amerika hat gerade seinen Präsidenten.

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Anja
Anja
1 Tag zuvor

R.I.P. Es ist einfach nur beschämend was dieser demente Narzisst von sich gibt 😢

Ela Gatto
Ela Gatto
1 Tag zuvor

Robert Mueller, ein sehr aufrechter, integerer und tapferer Mann.

Die USA hat ihm viel zu verdanken.
Sehr viel.

Er musste nicht alles an die Öffentlichkeit zerren und laut brüllen um etwas zu erreichen.
Fakten und das Gesetz waren auf seiner Seite.

Er hat sich an Trump gewagt.
Aber in einigen Punkten zu lange gezögert.
So verlief alles im Sande und mit dem Urteil vom Supreme Court, war Trump fein raus.

Trump vergisst aber nicht
Und er hat kein Problem auf Tote zu spucken.🤬

B. Stelz
B. Stelz
19 Stunden zuvor

Ein vorheriges Lektorat würde der Veröffentlichung guttun.

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