Während in Baden-Württemberg die AfD kurz vor einer wichtigen Wahl stand, fehlte ausgerechnet ihr Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten. Markus Frohnmaier war nicht in Rottweil, sondern in Washington. Dort traf sich Anfang März ein Netzwerk, das in Europa bisher kaum verstanden wird. Unter dem Namen „Alliance of Sovereign Nations“ versammelten sich Politiker aus vielen Ländern Europas gemeinsam mit führenden Figuren der amerikanischen MAGA-Bewegung. Offiziell ging es um nationale Souveränität. Tatsächlich entstand in Washington ein politisches Geflecht, das weit über gewöhnliche Parteikontakte hinausgeht.

Die Konferenz wurde von Turning Point Action unterstützt, einer Organisation aus dem Umfeld des konservativen Aktivisten Charlie Kirk. Sie mobilisiert Wähler, organisiert Kampagnen und baut politische Netzwerke auf. Initiatorin des Treffens war die republikanische Kongressabgeordnete Anna Paulina Luna, eine zentrale Figur im jungen Flügel der MAGA-Bewegung. Geleitet wurde die Veranstaltung vom Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson. In Washington entstand damit eine Plattform, die ausdrücklich darauf abzielt, internationale politische Kräfte zu vernetzen, die sich gegen supranationale Strukturen richten.

Die Organisatoren sprechen von einem Bündnis zum Schutz nationaler Selbstbestimmung gegen „nicht gewählte globale Institutionen“. Hinter dieser Formel verbirgt sich eine Agenda, die sich direkt gegen die europäische Integration richtet. Staaten sollen ihre eigenen Interessen über internationale Zusammenarbeit stellen. Nationale Identität soll wieder zum zentralen politischen Bezugspunkt werden. Europäische Regulierung, gemeinsame Institutionen und überstaatliche Entscheidungsstrukturen gelten in dieser Logik als Hindernisse.

Der uns nun vorliegende Brief ist brisant, weil er ein konkretes Beispiel dafür liefert, wie europäische Rechtsparteien versuchen, direkten Zugang zu politischen Netzwerken in Washington zu kaufen. Das Schreiben stammt von der amerikanischen Lobby- und Beratungsfirma BGD Legal & Consulting aus Atlanta. Adressiert ist es an die rumänische Partei AUR (Alianța pentru Unirea Românilor). Unterzeichnet wurde es am 31. März 2025 von dem Partner der Kanzlei Daniel Lee Delnero.
Der Inhalt ist eindeutig: Die Firma bietet an, für die Partei Kontakte zu „prominenten Amerikanern“ herzustellen und sie beim Medien- und politischen Netzwerkaufbau in den USA zu beraten. Für diese Dienstleistung verlangt BGD 1,5 Millionen Dollar. Das Honorar sollte innerhalb von 30 Tagen nach Unterzeichnung des Engagement-Schreibens bezahlt werden. Im Gegenzug verpflichtet sich die Firma, der Partei Zugang zu wichtigen politischen Akteuren in den Vereinigten Staaten zu verschaffen. Wörtlich wird von „networking opportunities with prominent American figures“ gesprochen. Der Brief enthält außerdem eine Klausel, nach der die Vereinbarung aufgehoben werden kann, falls solche Kontakte im April 2025 nicht zustande kommen. Delnero erklärt zugleich, er werde als Hauptansprechpartner fungieren und bei Bedarf weitere Firmen oder Einzelpersonen in die Lobbyarbeit einbeziehen.
Politisch ist dieses Dokument deshalb relevant, weil es zeigt, dass eine europäische Partei bereit war, sehr hohe Summen für direkten politischen Zugang in Washington zu bezahlen. Ziel war offensichtlich nicht nur klassische PR-Beratung, sondern der Aufbau eines politischen Netzwerks im Umfeld der amerikanischen Rechten. Die Gefahr liegt in der möglichen Internationalisierung politischer Einflussstrukturen. Wenn Parteien in Europa versuchen, über teure Lobbyverträge Zugang zu politischen Machtzentren in den USA zu kaufen, entsteht ein System, in dem nationale politische Prozesse zunehmend durch externe Netzwerke beeinflusst werden können.
Besonders problematisch wird das in Kombination mit den politischen Positionen der beteiligten Akteure. Die rumänische Partei AUR hat sich wiederholt gegen europäische Ukraine-Hilfen ausgesprochen und territoriale Ansprüche gegenüber der Ukraine angedeutet. Gleichzeitig sucht sie über Lobbyfirmen direkten Zugang zu einflussreichen Kreisen in Washington. Der Brief zeigt damit nicht nur eine gewöhnliche Lobbybeziehung. Er dokumentiert einen Versuch, transatlantische politische Verbindungen gezielt aufzubauen und finanziell zu organisieren. In einem Umfeld, in dem europäische Rechtsparteien, amerikanische MAGA-Netzwerke und teilweise auch prorussische Positionen miteinander in Kontakt stehen, erhält ein solcher Vertrag eine deutlich größere politische Bedeutung.
Unter den Teilnehmern befanden sich neben zwölf amerikanischen Kongressmitgliedern Politiker aus zahlreichen europäischen Staaten. Analysen sozialer Netzwerke zeigen Delegationen aus Österreich, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Georgien, Deutschland, Moldau, Rumänien, Serbien und Kroatien. Besonders stark vertreten waren Parteien der europäischen Rechten. Markus Frohnmaier reiste gemeinsam mit seinen AfD-Kollegen Marc Bernhard und Anna Rathert an. Aus Österreich kam Petra Steger von der FPÖ, aus Belgien Barbara Bonte vom Vlaams Belang. Der kroatische Politiker Stephen Nikola Bartulica nahm ebenfalls teil. Eine große Delegation stellte die rumänische Partei AUR unter Führung von George Simion, begleitet von ihrem moldauischen Verbündeten Vasile Costiuc.

Diese Gruppe verbindet eine gemeinsame politische Linie: Ablehnung europäischer Integration, aggressive Migrationspolitik und eine starke Betonung nationaler Identität. Gleichzeitig finden sich in ihrem Umfeld immer wieder Kontakte nach Moskau. In der FPÖ existierte jahrelang ein offen prorussischer Flügel. 2016 unterzeichnete die Partei sogar ein Kooperationsabkommen mit Putins Partei „Einiges Russland“. Vertreter der FPÖ und des Vlaams Belang nahmen außerdem an den von Russland organisierten „Beobachtermissionen“ beim sogenannten Krim-Referendum 2014 teil, das die russische Annexion legitimieren sollte.
Auch innerhalb der rumänischen AUR gibt es Positionen, die den Interessen Moskaus entgegenkommen. Die Partei hat sich mehrfach gegen militärische und finanzielle Unterstützung der Ukraine ausgesprochen. Ihr Vorsitzender George Simion forderte öffentlich, ukrainische Gebiete mit rumänischen Minderheiten müssten „zurückgeführt“ werden. Wegen solcher Aussagen wurde ihm 2024 die Einreise in die Ukraine verboten.
Eine zweite Gruppe von Teilnehmern der Washingtoner Konferenz ist politisch heterogener, wird aber durch ihre Nähe zu Russland verbunden. Unter ihnen befanden sich der georgische Politiker Nikoloz Samkharadze, die serbische Politikerin Željka Cvijanović aus dem Präsidium von Bosnien und Herzegowina, ihr Kollege Radovan Kovačević sowie Arno Gujon von der Serbischen Fortschrittspartei. Ihre politische Linie unterscheidet sich zwar von vielen westeuropäischen Parteien, doch sie teilen eine offene oder indirekte Unterstützung für Russland.

Markus Frohnmaier (links) und Daniil Bisslinger (rechts), 2015 – Daniil Bisslinger ist ein russischer politischer Aktivist und Publizist, der mit nationalkonservativen Netzwerken in Russland verbunden war und Kontakte zu europäischen Rechtsaußen-Milieus pflegte.

Ein Auszug aus Manuel Ochsenreiters „Aktionsplan“ für Markus Frohnmaier für die deutschen Bundestagswahlen 2017.
Das Dokument trägt den Titel „Frohnmaier election campaign / action plan (draft)“ und beschreibt eine geplante Strategie für den Bundestagswahlkampf von Markus Frohnmaier im Jahr 2017. Darin wird Frohnmaier als Kandidat der AfD und damaliger Vorsitzender der Jugendorganisation „Junge Alternative“ vorgestellt. Vorgesehen waren zwei große Wahlkampfveranstaltungen im Raum Stuttgart, unter anderem mit dem damaligen Wiener Vizebürgermeister Johann Gudenus von der FPÖ sowie mit dem italienischen Politiker Matteo Salvini und dem FPÖ-Europaabgeordneten Harald Vilimsky. Die Veranstaltungen sollten sich thematisch auf internationale Politik konzentrieren, bei denen Frohnmaier gemeinsam mit den eingeladenen Gästen auftreten sollte. Inhaltlich nennt das Papier zentrale politische Botschaften des Wahlkampfs, darunter deutsche Souveränität gegenüber EU und NATO, bessere Beziehungen zu Russland, konservative Positionen gegen LGBT-Politik sowie Kritik an der amerikanischen Militärpräsenz in Europa. Zugleich wird in dem Dokument ausdrücklich Unterstützung für den Wahlkampf eingefordert. Neben materieller Hilfe wird insbesondere Medienpräsenz in russischen Medien als wichtig bezeichnet, um Frohnmaier innerhalb der Partei als führende Stimme in außenpolitischen Fragen zu positionieren.
Der deutsche AfD-Politiker Markus Frohnmaier nimmt in diesem Geflecht eine besondere Rolle ein. Seit 2014 unterhält er Kontakte zu russischen Regierungsvertretern und politischen Netzwerken. Dokumente aus den Jahren 2016 und 2017 zeigen, dass in Moskau sogar darüber diskutiert wurde, seine politische Karriere gezielt zu unterstützen. Interne Papiere bezeichneten ihn als möglichen „kontrollierten Verbündeten“, der russische Interessen innerhalb der deutschen Politik vertreten könnte. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine blieb Frohnmaier bei dieser Linie. Er sprach sich gegen deutsche Waffenlieferungen aus und stellte Russland nicht als Bedrohung für Deutschland dar.

Markus Frohnmaier (links) und Daniil Bisslinger (rechts) traten bereits 2014 gemeinsam auf und bildeten damals ein politisches Duo.
Gleichzeitig suchte Frohnmaier zunehmend Kontakte in die amerikanische MAGA-Bewegung. Im Dezember 2025 reiste er bereits in die USA, wo er unter anderem mit dem amerikanischen Diplomaten Darren Beattie und der Unterstaatssekretärin für öffentliche Diplomatie und Öffentlichkeitsarbeit im US-Außenministerium, eine Position ohne direkte außenpolitische Entscheidungsbefugnis, Sarah Rogers zusammentraf. In diesen Gesprächen ging es um politische Entwicklungen in Europa und um die neue amerikanische Sicherheitsstrategie, die im November 2025 veröffentlicht wurde.
Auszug aus unserer Recherche zu Sarah Rogers – den gesamten Artikel finden Sie hier: Amtliche Hetze – Wie Sarah B. Rogers vom US-Aussenministerium Deutschland zum extremen Feindbild erklärt

Text oben: **„Dies könnte ein unbeholfener Versuch sein, die in Europa und dem Vereinigten Königreich zu beobachtenden Zustände zu vermeiden, wo Bürger für das Zitieren der Bibel oder sogar für stilles Gebet ins Gefängnis kommen. Doch das Problem mit ‚Hassrede‘-Gesetzen – eines von vielen – ist, dass sie von genau den Menschen durchgesetzt werden, die tatsächliche gewalttätige Fanatiker hätscheln, solange diese als untergeordnet erscheinen.“** (13. Januar 2026)
Text unten: „Länder verbieten und beschränken seit Langem Visa auf intransparenten, willkürlichen weltanschaulichen Grundlagen. Lauren Southern wurde um etwa 2018 aus dem Vereinigten Königreich verbannt, weil sie Allah als ‚schwul‘ und ‚trans‘ gelästert habe. Medien und Kommentatoren, die zu diesen Entscheidungen schwiegen oder sie gutheißen, werfen nun der Trump-Regierung ihre Politik vor.“** (14. Januar 2026)
Ende Auszug
Diese Strategie enthält Passagen, die das politische Umfeld der Washingtoner Konferenz erklären. Sie betonen nationale Identität, warnen vor Migration und stellen supranationale Institutionen in Frage. Zugleich wird darin ausdrücklich erwähnt, dass politische Bewegungen unterstützt werden sollen, die sich gegen die Macht europäischer Institutionen stellen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Gründung der „Alliance of Sovereign Nations“ nicht wie ein gewöhnliches Treffen ideologisch nahestehender Parteien. Vielmehr entsteht ein Netzwerk, das politische Kräfte auf beiden Seiten des Atlantiks miteinander verbindet. Ziel ist eine internationale Zusammenarbeit von Bewegungen, die nationalstaatliche Politik stärken und supranationale Strukturen schwächen wollen.
Die Kontakte zwischen europäischen Parteien und MAGA-Kreisen haben dabei unterschiedliche Motive. Für George Simion und seine Partei AUR geht es auch darum, Unterstützung im innenpolitischen Konflikt in Rumänien zu gewinnen. Simion steht in direkter Opposition zum proeuropäischen Präsidenten Nicușor Dan. Amerikanische Kontakte könnten in diesem Machtkampf ein politisches Gewicht darstellen, das rumänische Parteien allein nicht erreichen. Auch für Markus Frohnmaier ist der Zugang zu Washington ein politisches Kapital. Seine Kontakte nach Russland machen ihn in Teilen der europäischen Politik isoliert. Beziehungen zu MAGA-Netzwerken könnten ihm eine alternative internationale Plattform verschaffen.
Innerhalb der MAGA-Bewegung wiederum existieren eigene Interessen an solchen Allianzen. Teile der amerikanischen Technologie- und Finanzelite sehen in den europäischen Regulierungen ein Hindernis für ihre wirtschaftlichen Projekte. Besonders im Bereich digitaler Plattformen, künstlicher Intelligenz und Kryptowährungen gelten die Regeln der Europäischen Union als streng. Der sogenannte „Brüssel-Effekt“, also die globale Wirkung europäischer Regulierung, wird von vielen dieser Akteure als Bedrohung wahrgenommen.
In diesem Zusammenhang gewinnen europäische Parteien, die den politischen Einfluss der EU begrenzen wollen, eine strategische Bedeutung. Sie könnten Entscheidungen blockieren, europäische Standards schwächen oder nationale Konflikte innerhalb der Union verschärfen. So entsteht ein politisches System, in dem unterschiedliche Interessen zusammenlaufen. Europäische Parteien suchen internationale Unterstützung für ihre nationalen Projekte. Teile der amerikanischen Rechten wollen den Einfluss europäischer Institutionen zurückdrängen. Gleichzeitig nutzen russische Netzwerke jede Gelegenheit, politische Spaltungen innerhalb Europas zu vertiefen.
Die Konferenz in Washington zeigt, wie diese Kräfte miteinander verbunden werden können. Vertreter der MAGA-Bewegung, europäische Rechtsparteien und Politiker mit Nähe zu Moskau treffen sich nicht mehr nur zufällig oder informell. Sie bauen strukturierte Kontakte auf, koordinieren politische Strategien und schaffen gemeinsame Plattformen. Die Sprache der Teilnehmer bleibt dabei stets gefährlich gleich. Sie sprechen von Souveränität, nationaler Identität und Widerstand gegen globale Institutionen. Doch hinter diesen Begriffen entsteht eine politische Allianz, die weit über ideologische Nähe hinausgeht. Sie verbindet Akteure, deren Interessen sich in einem Punkt überschneiden: der Schwächung der Europäischen Union.
Damit wird ein Projekt sichtbar, das sich nicht innerhalb einzelner Staaten abspielt. Es ist ein transatlantisches Netzwerk politischer Kräfte, das versucht, die europäische Integration von außen und innen gleichzeitig unter Druck zu setzen. Washington, Moskau und mehrere europäische Hauptstädte sind in diesem Geflecht miteinander verbunden. Das Treffen im März in Washington war deshalb mehr als eine Konferenz. Es war ein Moment, in dem sich diese Verbindungen offen zeigten. Und es markiert den Beginn einer Phase, in der politische Bündnisse jenseits klassischer Allianzen entstehen. Eine Phase, in der nationale Parteien Teil eines internationalen Systems werden, dessen gemeinsamer Nenner der Widerstand gegen die Europäische Union ist.
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Um es kurz zu sagen, mir wird Angst und bange!
Denn diese Netzwerke (auch BSW will da mitmischen) verschwinden nicht mit Wahlen.
Sie werden sich weiter mit ihren antidemokratischen Ansichten in Strukturen oder Köpfen festsetzen.
Und es werden leider immer mehr. Wo man hinschaut.
Die Staaten hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang wenden sich offen und deutlich gegen Europa, hin zu Russland.
Allen voran Ungarn und Rumänien.
EU-Beitrittskandidaten sorechen offen über ihre Nähe zu Russland und zur Ablehnung gegen die Ukraine.
Aus Russland und den USA fließen Millionen in diese Netzwerke.
Trollfarmen, Bots, die Desinformationen und russische bzw faschistische Propaganda verbreiten.
Und Europa diskutiert über wichtige Themen (Ironie), ob ein veganes Schnitzel noch Schnitzel heißen darf.
Damals waren es Nazideutschland, Österreich und Italen. In Kooperation von Japan.
Das stalinistische Russland.
Heute ist es die ganze Welt.
Wer soll diese Macht, diese Strukturen noch stoppen?
Selbst wenn in jedem Land 50% der Menschen auf die Strasse gehen würden, wären immer noch 50% stillschweigend dafür.
… ja, viele gefährliche Fantasten auf einer Stelle, war noch nie gut